Greenwashing: Protest gegen Bau von Deutschlands größtem Altholzkraftwerk

Hansekraft will in Stade „klimaneutral“ Altholz verfeuern / ROBIN WOOD warnt vor Klimaschwindel

17. Oktober 2026
Wald
Energie
Gemeinsame Pressemitteilung von ROBIN WOOD, Biofuelwatch und der Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Industrie in Bützfleth (BIB)
Pressemitteilung

„Holzkraftwerke sind und bleiben klimaschädlich! Greenwashing stoppen“ – ein Banner mit dieser Aufschrift flattert heute während des Wochenmarktes zwischen Bäumen auf dem Marktplatz in Stade. Aktive von ROBIN WOOD demonstrieren damit am Vormittag gegen den Bau eines Altholz-Heizkraftwerkes in Stade-Bützfleth durch die Firma Hansekraft. Sie fordern, das Bauprojekt zu stoppen und stattdessen klimafreundliche Alternativen für die Wärmeversorgung voranzubringen. Zeitgleich findet heute auf dem Stader Marktplatz eine von der Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Industrie in Bützfleth angemeldete Demonstration unter dem Motto „Kein Holzkraftwerk in Stade Bützfleth“ mit zahlreichen Menschen statt. Gemeinsam mit Biofuelwatch protestieren ROBIN WOOD und die Bürgerinitiative heute in Stade im Kontext des „Internationalen Tages gegen das Verfeuern vom Holz“ am 21. Oktober.

Das Unternehmen Hansekraft Stade plant, ein neues Heizkraftwerk zu bauen, in dem ab 2031 im Regelbetrieb jährlich 500.000 Tonnen Altholz verfeuert werden sollen, um Dampf, Strom und Wärme zu erzeugen. Einen Antrag auf Genehmigung nach Bundesimissionsschutzgesetz hat das Unternehmen beim Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg eingereicht. Einen neuen Bebauungsplan für das Industriegebiet Bützfleth hat die Stadt jedoch noch nicht beschlossen.

Hansekraft behauptet nicht nur, dass die geplante Holzverfeuerung klimaneutral sei, sondern damit sogar noch CO2 eingespart werden könne. ROBIN WOOD und die Bürgerinitiative halten dagegen, dass Holzverfeuerung nicht weniger CO2-Emissionen verursacht als das Verfeuern von Kohle. Ob und wieviel CO2 technisch abgeschieden und dauerhaft gelagert werden könne, sei zudem völlig ungewiss.

„Wir alle wünschen uns eine klimaneutrale oder sogar klimapositive Wärmeversorgung. Doch die Technologie zum Abscheiden und Endlagern des klimaschädlichen CO2 ist unausgereift, teuer und birgt große Risiken. Nachdem Hansekraft Wärme-Abnehmer wie Airbus verloren hat, versucht das Unternehmen offenbar, sein Bauprojekt mit Tricks in der Klimabilanzierung profitabel zu machen. Auf diese Öko-Märchen von Hansekraft sollte niemand hereinfallen“, sagt Dr. Jan Witt von der Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Industrie in Bützfleth.

Hansekraft verspricht, einen Teil der Emissionen abzuscheiden und für immer in der Nordsee zu lagernen. 

Doch es gibt vielfältige ungelöste Probleme des sogenannten BECCS-Verfahren („Bioenergy with Carbon Capture and Storage“, Bioenergie mit Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid): 

  • In Stade soll auch schadstoffbelastetes Altholz verbrannt werden. Das CO2 müsste gereinigt werden, Techniken dafür fehlen.
  • Es ist unklar, wie das abgeschiedene CO2 von Bützfleth durch Pipelines oder mit Spezialschiffen zu potenziellen Lagerstätten im Meer transportiert werden soll. Das Risiko für Leckagen bei CO2-Pipelines und Unfälle beim Schiffstransport mit weitreichenden Folgen ist hoch.
  • Die Verpressung im Meeresboden birgt enorme Risiken für das Ökosystem. 
  • Bislang ist es strittig, ob es überhaupt gelingt, das CO2 auf unbegrenzte Dauer im Meeresboden zu lagern. Projekte, wie das ADM-Decatur-Projekt in den USA, belegen, dass eingelagertes CO2 wieder entwich.

„Hansekraft will die Menschen in Stade für dumm verkaufen!“, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin von ROBIN WOOD. „Wer behauptet, mit dem Verbrennen von Holz in Kraftwerken und dem Auffangen von CO2 sogenannte Negativemissionen zu erzielen und damit das Klima zu retten, betreibt gefährliches Greenwashing auf Kosten der Anwohner*innen und des Planeten.“

Auch der gigantische Altholz-Verbrauch schadet Umwelt und Klima, indem er dazu führt, dass noch mehr Wälder abgeholzt werden. Denn die Holzwerkstoffindustrie dürfte durch die Verknappung des Altholzes verstärkt auf Frischholz umsteigen.

„Altholz ist viel zu wertvoll, um es zu verbrennen. Es muss vorrangig stofflich verwendet werden, zum Beispiel für die Produktion von Holzfaserdämmplatten zur energetischen Sanierung von Häusern“, fordert Ballenthien. „Zur Holzenergie gibt es klimafreundliche Alternativen wie Flußwärmepumpen, Geothermie sowie die Nutzung von Power-to-heat-Anlagen und von industrieller Abwärme.“

 

Kontakte:

  • ROBIN WOOD: Jana Ballenthien, Waldreferentin, wald@robinwood.de, Tel.: 040 38089211 und Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel.: 0171 8359515, presse@robinwood.de
  • Biofuelwatch: Luzie Arndt, luzie.biofuelwatch@gmail.com, Tel.: 0151 59861381
  • Bürgerinitiative für eine umweltfreundliche Industrie in Bützfleth: Dr. Jan Witt, Tel. 0151 67777713, j.s.witt@gmx.de