Eine kleine Minderheit von Superreichen steigt mehrmals täglich in Privatjets am Hamburger Geschäftsterminal (GAT) und verursacht durch ihre Flüge unverhältnismäßig hohe Emissionen.
Der Hamburger Zukunftsentscheid, bei dem eine Mehrheit der Hamburger*innen für ein besseres Klimaschutzgesetz gestimmt hat, zeigt, dass viele sich sozialeren und gerechteren Klimaschutz wünschen. Und während in Hamburg nun diskutiert wird, wie Klimaschutz umgesetzt werden könnte, bleibt ein Bereich bisher unangetastet: Privatjetflüge.
Daher fordern wir die Hamburger Bürgerschaft auf, gesetzlich zu regeln, dass ab August 2027 keine Privatjets mehr aus Hamburg starten. Denn ein Verbot von Privatjets wäre eine der schnellsten und fairsten Maßnahmen, um Emissionen zu senken. Und es sendet ein klares Signal: Klimaschutz gilt für alle.
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- Die Hamburger Bürgerschaft soll beschließen, dass ab August 2027 keine Privatjets mehr von Hamburg aus starten und landen dürfen (ausgenommen diplomatische und medizinische Flüge).
- Dabei muss sichergestellt werden, dass betroffene Beschäftigte in gleichwertige, abgesicherte Jobs wechseln können.
In Privatjets sitzen oft nur zwei oder drei Personen, die jedoch bis zu 20-mal mehr Emissionen verursachen als ein Linienflug. Ein durchschnittlicher Flug mit einem europäischen Privatjet verursacht 5,9 Tonnen CO₂ – so viel, als würde man 16 mal von Rom nach Paris fahren. Das macht Privatjets zu der klimaschädlichsten Form der Mobilität. Die Umweltfolgen tragen wir alle.
Außerdem gelten Privatjetflüge oft als „Geschäftsreisen“ und können sogar steuerlich abgesetzt werden. Das ist irreführend, denn Studien haben gezeigt, dass die meisten Flüge zu Urlaubszielen gehen. Die häufigste Strecke von Hamburg aus ist nach Palma de Mallorca.
Ein Verbot von Privatjets reguliert also die Mobilität einer kleinen Minderheit und schafft dadurch ein gerechteres Hamburg.
Hamburg hat das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein. Beim Hamburger Zukunftsentscheid hat die Mehrheit der Hamburger*innen für einen sozialen Klimaschutz gestimmt. Die Stadt muss nun entsprechend jährliche Emissionsbudgets festlegen und, wenn sie diese verfehlt, Sofortmaßnahmen einleiten. Daher gibt es einen hohen politischen Handlungsdruck, um Hamburgs Beitrag zur Klimakrise zu reduzieren.
Hamburg ist gleichzeitig deutschlandweit eine der Städte mit den größten Einkommensunterschieden. Ein Verbot von Privatjets würde daher zeigen, dass die Stadt soziale Gerechtigkeit ernst nimmt und mit Klimaschutzmaßnahmen dort ansetzt, wo sie Menschen mit wenig Einkommen nicht noch stärker belastet. Denn eine zukunftsgerichtete Mobilität beruht auf einem günstigen und gut ausgebauten ÖPNV und nicht auf Luxusflügen für wenige Superreiche.
Und die Stadt Hamburg kann hier recht einfach eingreifen und Verantwortung übernehmen – ihr gehören 51 Prozent der Anteile am Flughafen. Daher sollte die Stadt dem Willen ihrer Bürger*innen folgen und gegen unnötige Luxusflüge vorgehen.
Mit den drittmeisten Privatjetflügen zählt der Hamburger Flughafen zu den zentralen Standorten für Privatjets in Deutschland. Anwohner*innen werden dabei, wie insgesamt durch Flugverkehr, Lärm- und Emissionsbelastungen ausgesetzt.
Der Hamburg Airport betreibt feinstes Greenwashing: In seiner Klimaschutzstrategie proklamiert er, dass er bereits seit 2021 CO₂-neutral wirtschaften werde. Das funktioniert durch einen kleinen Rechentrick: Statt die Emissionen, die durch Flüge ausgestoßen werden, zu berechnen, bezieht sich der Flughafen nur auf die Emissionen, die durch den Betrieb am Boden – also durch den Flughafen selbst – verursacht werden. Das ist so, als würde ein Kohleunternehmen seine Klimabilanz ohne die verbrannte Kohle berechnen. Das Wort Privatjets taucht in der Strategie des Flughafens noch nicht einmal auf.
Mehrere Städte und Staaten haben bereits begonnen, Privatjets stärker zu regulieren.
In Amsterdam blockierten 2022 Hunderte Aktivist*innen von Greenpeace und Extinction Rebellion Privatjets am Flughafen. Der Flughafen kündigte daraufhin ein Verbot von Privatjetflügen an, nahm dieses jedoch wenige Monate später wieder zurück. Das zeigt, dass freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen. Vielmehr braucht es klare, rechtlich verbindliche Regelungen.
In Frankreich sind seit 2023 Inlandsflüge auf Strecken verboten, die in weniger als zweieinhalb Stunden mit dem Zug zurückgelegt werden können. Dies betrifft insbesondere die Strecke von Paris nach Bordeaux.
Auf internationaler Ebene setzt sich die Global Solidarity Levies Task Force, angeführt von Barbados, Frankreich und Kenia, für eine gerechte Besteuerung von Privatjetflügen ein.
Auch in Deutschland bewegt sich etwas: In Berlin hat Bündnis 90/Die Grünen im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl die Forderung nach einem Verbot von Privatjets am BER in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Außerdem engagiert sich das Bündnis Kassel Airport stoppen gegen die Millionen-Subventionen, mit denen der dortige Privatjet-Flughafen am Laufen gehalten wird. Stattdessen fordert das Bündnis, dass das Geld in lokale Kitas und Klimaschutz investiert wird.
Dies zeigt: Immer mehr Menschen sind unzufrieden damit, dass Superreiche auf Kosten aller durch die Welt jetten. Bisher hat das aber in Deutschland noch nicht zu einem handfesten Erfolg geführt. Das möchten wir ändern – und ein Vorbild für weitere Veränderungen schaffen!
Ein erfolgreiches Verbot von Privatjets in Hamburg kann daher ein bundesweites Signal senden, dass gerechte Mobilität möglich ist!