Klimakiller Privatjets
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Privatjets sind der Inbegriff von klimaschädlichem Reisen, Egoismus und den Eskapaden von Influencer*innen oder einem Kanzler. Denn während die Folgen des Klimawandels sich übertrumpfen, fliegt eine kleine Anzahl von Superreichen unbehelligt im Privatjet.
Dies ist ungerecht, da vor allem ärmere Bevölkerungsgruppen und Länder am stärksten unter den Folgen der Klimakrise leiden, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen. In Deutschland steigt die Einkommensungleichheit, was zu einer Spaltung innerhalb der Gesellschaft beiträgt. Dabei ist die Bundesrepublik nach Frankreich das Land innerhalb der EU mit den meisten Privatjetflügen. Es kann nicht sein, dass dabei die Anzahl der Flüge jährlich stark steigt, weil die Branche weitestgehend unreguliert ist.
Insgesamt verzeichnet die globale Luftverkehrsbranche nach dem Rückgang von Flügen durch die Corona-Pandemie wieder fast genauso viele Flüge wie zuvor. Und während die Fluggesellschaften ihre CO₂-Effizienz zwar etwas verbessern konnten, reicht dies jedoch längst nicht aus, um die Pariser Klimaziele einzuhalten.
Bei einem Flug mit dem Privatjet werden dabei 20- bis 30-mal mehr Emissionen ausgestoßen als wenn man einen Flug in der Economy Class nimmt. Dabei muss der Mythos aufgehoben werden, dass es Businessflüge sind, die unternommen werden. Im Gegenteil: Eine Analyse T3 Transportation Think Tank zeigte, dass Privatjets oft zu typischen Urlaubszielen fliegen. Außerdem geht über die Hälfte der Flüge zu Zielen, die leicht mit dem Zug erreichbar wären, z. B. auf der meistbeflogenen Route innerhalb Deutschlands zwischen Berlin und Köln (Greenpeace European Unit 2022).
Privatjets in Hamburg
Eine der Städte, von der ein Großteil der Flüge abgeht, ist Hamburg. Neben Berlin und München ist das Geschäftsfliegerzentrum in Hamburg Ausgangspunkt für viele Flüge, wobei das Ziel oft Palma de Mallorca ist. Gleichzeitig kommt es häufig vor, dass ein Privatjet auch leer geflogen wird. Bei sogenannten Empty-Leg-Flügen wird der Jet z. B. erst einmal zum gewünschten Abflugort des Kunden geflogen. Diese klimaschädlichen Aktivitäten stehen im direkten Gegensatz zu dem Wunsch vieler Hamburger*innen nach mehr Klimaschutz.
Im Oktober 2025 stimmten beim Hamburger Zukunftsentscheid 303.936 Bürger*innen für ein stärkeres Klimaschutzgesetz. Da dies die Mehrheit ist, ist der Ausgang rechtlich bindend. Der von Fridays for Future vorangetriebene Volksentscheid hat gezeigt, dass Hamburger*innen sich sozialeren und verbindlicheren Klimaschutz wünschen statt Privatjets von Superreichen. Nun ist die Hamburgische Regierung verpflichtet, politische Maßnahmen zu entwickeln, die sozial verträglich sind und die Emissionen, unter anderem im Verkehrssektor, reduzieren. Und gäbe es ein einfacheres, logischeres Mittel, um Emissionen zu senken und mehr Gerechtigkeit zu schaffen, als ein Privatjet-Verbot?
Privatjet-Industrie unter Druck
Der Widerstand gegen Superreiche, die übermäßige Emissionen verursachen wächst auf allen Ebenen! Auf internationaler Ebene setzt sich ein Zusammenschluss aus Kenia, Frankreich und Barbados für eine Abgabe auf Kerosin bei Privatjets ein. Mit den generierten Geldern würden Klimaschutzmaßnahmen finanziert werden. Außerdem hat Frankreich, Europas Land mit den meisten Privatjet-Abflügen, 2023 ein Verbot für Inlandsflüge eingeführt, wenn eine Zugverbindung von 2,5 Stunden existiert. Allerdings sind Privatjets davon ausgenommen.
Im Nachbarland Niederlande gab es erste Bestrebungen, dem Unsinn Einhalt zu gebieten. In Amsterdam legten über 500 Aktivist*innen von Greenpeace und Extinction Rebellion den Privatjetflughafen für über sechs Stunden lahm. Privatjets wurden festgesetzt und Aktivist*innen auf Fahrrädern, ganz im holländischen Stil, fuhren auf dem Rollfeld herum. Nur kurze Zeit später verkündete der Flughafen, dass der Privatjetbetrieb bis 2026 eingestellt werden würde. Eine Ankündigung, die einige Monate später leise wieder zurückgezogen wurde – was zeigt, dass gesetzliche Beschlüsse langfristiger wirken.
Die deutsche Bundesregierung unter Friedrich Merz setzt jedoch eher gegenteilige Signale und macht unsinnige Steuergeschenke an die Luftfahrtindustrie. Sie hat angekündigt, die Luftverkehrsteuer abzusenken. Damit entstehen letztendlich Mindereinnahmen von rund 355 Millionen Euro bis 2030 – Geld, das z. B. im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsgerichteten Mobilität in den öffentlichen Nahverkehr, die Bahn oder das Deutschlandticket investiert werden könnte.
Auch in mehreren deutschen Städten wehren sich Bürger:innen gegen die Eskapaden von Superreichen und ihren Privatjets. Das Bündnis „Kassel Airport stoppen!“ setzt sich gegen den Privatjet-Flughafen in Kassel ein, der Millionen von Steuergeldern in Form von Subventionen frisst. In Berlin haben Bündnis 90/Die Grünen die Forderung nach einem Verbot von Privatjets am Berliner Flughafen BER als zentrale Forderung in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Bei ROBIN WOOD unterstützen wir schon lange Forderungen nach einem Privatjet-Verbot. Wir bleiben dran!