Weckruf für das Europäische Parlament – Lightshow in Brüssel

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Auch der Triumphbogen in Brüssel wurde mit unser Projektion bespielt.
Auch der Triumphbogen in Brüssel wurde mit unserer Projektion bespielt.
Foto ▸ Comite Schone Lucht

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Unsere Projektion vor dem EU Parlament aus der Luft.
Die Projektion vor dem EU-Parlament aus der Luft
Foto ▸ Comite Schone Lucht

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Eine Projektion auf einem Gebäude vor dem EU Parlament
Auf das Gebäude des EU-Parlaments wurde ein Videoclip projiziert, in dem sich Text und animierte Bilder abwechselten. Hier auf dem Foto ist die Animation eines Baumes auf einer Kahlschlagfläche zu sehen.
Foto ▸ Comite Schone Lucht

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Auch der Triumphbogen in Brüssel wurde mit unserer Projektion gespielt.
Auch auf den Triumphbogen in Brüssel wurde unsere Forderung projiziert.
Foto ▸ Comite Schone Lucht

BRÜSSEL | Am Sonntagabend, den 10. Juli, forderte das niederländische Comité Schone Lucht den Industrieausschuss (ITRE) des EU-Parlaments auf, die Verbrennung von Biomasse zur Energiegewinnung zu unterbinden. Die Niederländer projizierten die Botschaft gegen die Verbrennung von Biomasse [1] im Namen der Internationalen Koalition aus ROBIN WOOD und unzähligen anderen NGOs (siehe unten) mittels einer Lightshow auf dem Place du Luxembourg und im Cinquantenaire-Park am Triumphbogen. Die Botschaft, die auf verschiedene Gebäude projiziert wurde, ging unmittelbar nach der Lightshow gestern Abend nach 23 Uhr viral und wurde sofort zu einem Hype mit dem Hashtag #stopfakerenewables.

Eckpunkte

Am kommenden Mittwoch, den 13. Juli, wird der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Europäischen Parlaments über Änderungsanträge zur Überarbeitung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED) abstimmen. Bei einigen Schlüsselfragen, darunter der Frage, ob die Subventionierung der Verbrennung von Waldbiomasse beendet werden soll, wird die Abstimmung entscheidend sein.

Zu den wichtigsten Punkten gehört die Abstimmung über die Beendigung der Subventionierung der Verbrennung von holzartiger Biomasse zur Energiegewinnung über:

1. die Anwendung des so genannten "Kaskadenprinzips" [2] und

2. die Nachhaltigkeitskriterien und Waldnaturschutzmaßnahmen zur Vermeidung künftiger Schäden an unseren Wäldern. [3]

Starke Forderungen

Die Koalition ruft zur Ablehnung der im ITRE-Ausschuss vorgeschlagenen negativen Änderungen auf. Diese Änderungen würden eine Schwächung oder Streichung der Nachhaltigkeitskriterien bedeuten. Die Koalition fordert hingegen, dass der ITRE-Ausschuss die Vorschläge des Umweltausschusses (ENVI) aus dem Mai dieses Jahres unterstützt, welche dazu beitragen würden, Wälder vor übermäßiger Abholzung zur Energiegewinnung zu schützen.

Bei der Abstimmung im ITRE-Ausschuss bietet sich den Parlamentarier*innen die Chance, Wälder im globalen Maßstab zu schützen, die derzeit durch übermäßigen Holzeinschlag geschädigt werden. Die Schäden sind zu großen Teilen das Ergebnis der positiven Anreize für die Verbrennung von Biomasse als sogenannte nachhaltige Energie in der bestehenden RED. Schätzungen zufolge wird heute etwa die Hälfte der gesamten Holzernte in der EU zur Energiegewinnung verbrannt. [4]

„Die Koalition fordert nachdrücklich dazu auf, für die oben genannten Punkte zu stimmen, um den anhaltenden Verlust der biologischen Vielfalt einzudämmen und als Beitrag für die EU-Klimaziele die CO2-Senke der Wälder zu stärken. Die jährlichen 12 Milliarden Euro an Biomasse-Subventionen im Rahmen der RED und weitere 12 Milliarden Euro an kostenlosen CO2-Zertifikaten im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (ETS) für die Verbrennung könnten stattdessen in echte erneuerbare Energiequellen wie Solar-, Wind- und geothermische Energie investiert werden. Das Holz sollte viel eher für Holzprodukte mit langer Lebensdauer genutzt werden. Stattdessen müssen Steuerzahler für die Subventionierung von Biomasse-Anlagen zahlen, die Bäume zur Energiegewinnung verbrennen.“ (Comité Schone Lucht)

„Wer heutzutage noch Verbrennungstechnologien für die Wärme- und Energiewende nutzt und das als Klimaschutz verkauft, verschließt die Augen vor der Wissenschaft. Wenn die EU so etwas weiter unterstützt, widerspricht das allen Bestrebungen gegen den Klimawandel. Intakte Wälder mit all ihren Ökosystemfunktionen sind für uns überlebenswichtig“, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin ROBIN WOOD.

Die Koalition fordert die Mitglieder des Industrieausschusses auf, ihre Stimme zum Schutz der Wälder und damit unserer Zukunft einzusetzen.

Kontakt Presse & Medien

  • Jana Ballenthien, ROBIN WOOD: +49 (0) 40 38089211
  • Fenna Swart T. Comité Schone Lucht (vor Ort): +31 6 415 14 330
  • Maarten Visschers T. Comité Schone Lucht (vor Ort): +31 6 344 28154

 

Weiterführend Links

ROBIN WOOD Kampagnenseite: https://www.robinwood.de/w%C3%A4lder-und-savannen-nicht-verfeuern

Comité Schone Lucht (Clean Air Committee): https://comiteschonelucht.nl/

Forest Defenders Alliance: https://forestdefenders.eu/protest/

 

Mehr Informationen zur Protest-Koalition

Die Internationale Koalition besteht aus etwa 30 europäischen NGOs, die gegen die Verbrennung von Holz-Biomasse zur Energiegewinnung protestieren. Die aktuelle Aktion ist Teil einer öffentlichen Kampagne, die in den letzten Jahren von ROBIN WOOD, Clean Air Committee zusammen mit der internationalen Koalition gegen die Verbrennung von Biomasse realisiert wurde. Zuvor hatte die Koalition mehr als 300.000 Unterschriften an den Sitz von Frans Timmermans in Brüssel überreicht, dem Vizepräsidenten der EU-Kommission und Befürworter der Verbrennung von Biomasse zur Energiegewinnung. In Zusammenarbeit mit anderen NGOs und Aktionsgruppen, sowohl aus den Herkunftsländern des Holzes (baltische Staaten; Estland (Save Estonia’s Forests; Estonian Fund for Nature), Schweden (Protect the Forests) als auch aus den Ländern, die das Holz für die Biomasseverbrennung importieren (Deutschland (ROBIN WOOD, NABU, Deutsche Umwelthilfe), NL (Clean Air Committee) Belgien (FERN, Birdlife), UK (Biofuelwatch), USA (Dogwood Alliance, Forest Defenders, PFPI, NRDC), Dänemark (NOAH), Schweden (Protect the Forests), Ungarn (WildEurope), Finnland (Ei poltata tulevaisuutta), Slowakei (WOLF), Polen (Workshop for All Beings - Pracownia), Rumänien (Green Squad), Österreich, Frankreich (Canopee), Italien (Green Impact) und anderen. Sie organisierten zahlreiche (Straßen-)Aktionen in Brüssel (BEL), Amsterdam (NL), London (UK), Wels (AT) und Berlin (DE).

Auch in Deutschland stellt sich momentan die Frage, wie eine Energie- und Wärmewende klima- und artenfreundlich bewerkstelligt werden soll. Die neue Bundesregierung ringt um die Implementierung eines Kaskadenprinzips bei der Holznutzung und äußert sich skeptisch gegenüber der Verbrennung von Primärholz. Dennoch planen einzelne Energiekonzerne von Kohle auf Holz umzurüsten, mit Holz Co-firing zu betreiben oder neue Holzkraftwerke zu bauen. Deutschland spielt für die Entscheidung auf EU-Ebene eine wichtige Rolle als Mitgliedstaat. Auch die deutsche Politik, insbesondere Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klima, sind gefragt, der Subventionierung der Holzverbrennung eine klare Absage zu erteilen. Die Holzverbrennung ist nach wissenschaftlichen Maßstäben nicht als klimaneutral einzustufen. Im Gegenteil – sie ist arten und gesundheitsschädlich und beschleunigt den Klimawandel. [5]

Die Niederlande spielt in der Biomasse-Debatte eine bemerkenswerte Rolle: Sie sind nicht nur der zweitgrößte Importeur von Holzpellets für die Verbrennung von Biomasse in der Welt, sondern sind auch das erste Land, das im vergangenen Frühjahr neue Subventionen stoppte. Der Niederländer Frans Timmermans, Vizepräsident der EU-Kommission und des GreenDeal, ist ein großer Unterstützer von Biomasse als wichtiger Teil der europäischen Energiewende. [6] Doch dank der laufenden Kampagne des Comité Schone Lucht wuchsen das Bewusstsein und der Widerstand gegen Biomasse in der niederländischen Gesellschaft. Während vor vier Jahren Biomasse noch als Lösung angesehen wurde, herrscht nun in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ein wachsender Konsens darüber, dass Biomasse ein Problem darstellt, das so schnell wie möglich beendet werden muss (SER, 2020). Die deutsche Politik sollte diesen Prozess als Mahnung und Vorbild betrachten.

[1] Link zur Message: Filmclip (die Message wird hier am 10. Juli - 23.00 Uhr - zu sehen sein) https://comiteschonelucht.nl/wake-up-call-for-european-parliament-by-light-show/

[2] Über das Kaskadenprinzip kann der Druck auf die Wälder verringert werden, indem Holz-Biomasse zunächst für hochwertige Anwendungen und Produkte genutzt wird. Die Verbrennung von Biomasse ist der allerletzte Schritt im Kaskadenprinzip.

[3] Die Nachhaltigkeitskriterien und Waldnaturschutzmaßnahmen würden gestärkt durch den Schutz von Primärwäldern, Naturwäldern und Wäldern mit hoher biologischer Vielfalt durch gezielte Erhaltungsmaßnahmen; durch das Verbot der Urbarmachung von bewaldeten Torfgebieten zur Gewinnung von Waldbiomasse und durch die Durchsetzung wichtiger Schutzbestimmungen in der europäischen Naturgesetzgebung, wie z. B. des Naturschutzes in der Vogel-, Habitat- und Wasserrahmenrichtlinie.

[4] https://www.birdlife.org/news/2022/05/12/press-release-new-report-indust...

[5]  vgl. z.B.

[6] https://forestdefenders.eu/an-open-letter-to-vp-timmermans-concerning-st...