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Umweltorganisationen kommentieren Berlins Plan für klimafreundlicheres Heizen

26. Mai 2026
Energie
Wald
Gemeinsame Pressemitteilung zum Dekarbonisierungsfahrplan der Berliner Energie und Wärme GmbH (BEW)
Pressemitteilung

Die heute veröffentlichte Neuauflage des Dekarbonisierungsfahrplans der BEW für die Berliner Fernwärmeversorgung kommentieren die Umwelt- und Klimaschutzorganisationen NABU, Biofuelwatch, ROBIN WOOD, PowerShift, Gesellschaft für Klima und Demokratie und Deutsche Umwelthilfe mit folgenden Statements:

 

NABU, Eric Häublein:

„Mit dem Dekarbonisierungsfahrplan legt die BEW erstmals nach der Übernahme der Netze und Kraftwerke einen eigenen Transformationspfad für die Fernwärme vor. Fest steht nun, dass die BEW auch weiter im großen Stil auf Verbrennungstechnologien wie Holz- und Müllverbrennung setzt. Auch wenn erste wichtige Schritte zur Dekarbonisierung unternommen werden und die Absage des Holzkraftwerks in Klingenberg, die auf Druck der Zivilgesellschaft zustande kam, ein Erfolg ist, fehlt der BEW und dem Senat bislang noch der Mut, neue Pfade zu beschreiten und stärker auf Großwärmepumpen und Geothermie zu setzen. Gerade im Ostteil der Stadt sollten hier schnellstmöglich die tatsächlichen Erneuerbaren-Potenziale ermittelt werden, um die Erschließung voranzutreiben.”

Biofuelwatch, Almuth Ernsting:

„Weiterhin setzt der Senat auf ein neues Holzheizkraftwerk in Reuter West und auf einen steigenden Anteil von Biomasse - bis zu 15 Prozent Holzbiomasse ab 2045. Bei der Holzverbrennung wird nicht weniger CO2 freigesetzt als beim Verbrennen von Kohle, d.h. die Klimakrise wird dadurch ebenso angeheizt. Der intensive Holzeinschlag ist ein Hauptgrund dafür, dass die Menge CO2, die in Bäumen gespeichert ist, immer weiter zurückgeht. Als ‘klimaneutral’ gilt Holzenergie nur aufgrund von kontroversen internationalen Regeln, nach denen CO2-Emissionen aus der Bioenergie im Landnutzungs- und nicht im Energiesektor verbucht werden.”

ROBIN WOOD, Jana Ballenthien:

„Wie Berlin als Weltstadt die Wärmewende gestaltet, hat Signalwirkung für andere Großstädte in Europa. Bisher setzt Berlin weiterhin auf Verbrennungstechnologien. Die unerwartete Wendung, den Bau eines Holzkraftwerks am Standort Klingenberg zu kippen, zeigt uns, dass unser Protest wirkt. Allerdings ist auch die dort nun geplante Müllverbrennung (nichts anderes sind “Ersatzbrennstoffe”) keine klimaschonende Lösung und widerspricht Berlins Zero Waste-Strategie. ROBIN WOOD fordert von der BEW eine klimafreundliche und soziale Wärmewende. Dazu gehört auch, die Pläne zur Holzverbrennung am Standort Reuter West zu stoppen!”

PowerShift, Neelke Wagner:

„Nach wie vor rechnet die BEW mit unrealistisch großen Mengen Wasserstoffverbrennung ab 2035 und etikettiert so fossile Kraftwerke als ‚innovativ‘ um. Das zementiert Berlins Abhängigkeit von fossilem Erdgas. Grünen Wasserstoff zur Wärmeerzeugung zu verbrennen, ist höchst ineffizient im Vergleich zu Wärmepumpen und damit zwangsläufig teuer: eine Lösung höchstens für die Spitzenlast. Zudem geht die Hoffnung, bald große Mengen billigen Wasserstoffs importieren zu können, zu Lasten des Globalen Südens, wo Wasserstoff-Großprojekte Wasser- und Landkonflikte hervorrufen. Ein verantwortungsvoller Dekarbonisierungsfahrplan sähe anders aus.”

Deutsche Umwelthilfe, Judith Grünert:

„Der Dekarbonisierungsfahrplan der BEW zeigt die Grenzen der Fernwärme auf, wenn es um die Erreichung von echter Klimaneutralität geht: Die BEW sieht offenbar keine Chance, auf das Verbrennen von Holz und Wasserstoff zu verzichten. Doch die Verbrennung ist weder klimaneutral noch ökologisch sinnvoll; die ausreichende Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff unklar. Stattdessen muss die Dekarbonisierung auf wirklich klimafreundliche Füße gestellt werden. Dafür muss die Elektrifizierung einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Es reicht jedoch nicht, ein Szenario mit etwas mehr Stromanteil zu rechnen. Es braucht ein Bekenntnis der BEW, aber vor allem auch des Berliner Senats, weitgehend auf Brennstoffe zu verzichten und Hürden für die Elektrifizierung abzubauen. Letztendlich muss man sich aber einer Wahrheit stellen: Das große Netz so wie es ist kann möglicherweise gar nicht vollständig dekarbonisiert werden. Ausgehend von den Potenzialen muss auch ein Gesundschrumpfen der Fernwärme und der Aufbau dezentraler, kleinerer Wärmenetze diskutiert werden.”

Gesellschaft für Klima und Demokratie, Björn Obmann:

„Wir haben die Rekommunalisierung der BEW auch mit durchgesetzt, weil wir uns verbindliche Beteiligungsinstrumente wünschen. Beteiligung und Akzeptanz sind eine kritische Anforderung für das Gelingen der Wärmewende – sie kommen bisher zu kurz. Mit dem Dialogprozess ist die BEW einen wichtigen ersten Schritt gegangen. Jetzt braucht es einen dauerhaften Stakeholder-Beirat, der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Bürger*innen einbindet. So kommen Konflikte früh auf den Tisch, Lösungen werden breit mitgetragen und die Strategie transparent weiterentwickelt – damit Berlins Wärmewende nachhaltig und sozial gerecht gelingt.”

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung:

  • ROBIN WOOD: Jana Ballenthien, Fachreferentin Wald, Mobil +49 (0)40-38089211, E-Mail wald@robinwood.de und Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 0171 8359515, presse@robinwood.de
  • NABU: Eric Häublein, Referent für Bioenergie, Mobil +49 (0) 162 269 4781, Eric.haeublein@NABU.de
  • PowerShift: Neelke Wagner, Referentin für Klima- und Ressourcengerechtigkeit, Mobil +49 (0)1575 2466 920
  • Biofuelwatch: Almuth Ernsting, Co-Direktorin, Mobil +44-7930227525, E-Mail biofuelwatch@gmail.com
  • Deutsche Umwelthilfe: Newsroom, Tel. 030-2400867-20, E-Mail presse@duh.de
  • Gesellschaft für Klima und Demokratie: Björn Obmann, Campaigner, Mobil +49 (0)171 1700 272, bjoern.obmann@klima-und-demokratie.de