Berlin, runter vom Holzweg!

Berlin rechnet sich Holzverbrennung schön und liefert fadenscheinige Begründung im Genehmigungsverfahren zum Holzheizkraftwerk Reuter West

05. Februar 2026
Energie
Wald
Gemeinsame Pressemitteilung von ROBIN WOOD, NABU und Biofuelwatch
Pressemitteilung

Erhebliche ökologische, klimapolitische und wirtschaftliche Bedenken gegen den Bau des Holzheizkraftwerks Reuter West in Berlin konnten gestern bei dem Erörterungstermin im Genehmigungsverfahren nicht ausgeräumt werden. Das konstatieren die Umweltorganisationen ROBIN WOOD, NABU und Biofuelwatch. Sie fordern für Berlin eine zukunftsorientierte Wärmewende ohne Holzverfeuerung.

 

Gestern wurde die gemeinsame Stellungnahme dieser und weiterer Umweltverbände öffentlich erörtert. Die Stellungnahme nimmt Bezug auf ein juristisches Gutachten im Auftrag der Umweltorganisationen, das erhebliche Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit des Projektes äußert. Laut Gutachten sollte das Land Berlin auf eine Rücknahme des Genehmigungsantrags drängen, da dieser gegen die Klimaauflagen im Berliner Klimaschutz- und Energiegesetz verstößt. 

Außerdem ist nicht geprüft worden, ob das geplante Holzheizkraftwerk mit der ab 2030 verbindlichen Absenkung des PM2,5-Grenzwerts zu vereinbaren ist. 

Beim Termin anwesend waren Vertreter*innen der landeseigenen BEW (Berliner Energie und Wärme), die das Kraftwerk bauen und betreiben will, und der verantwortlichen Behörden des Landes Berlin. Der Zivilgesellschaft wurde die Teilnahme dadurch erschwert, dass der Termin für die öffentliche Erörterung mitten in die Berliner Winterferien gelegt worden war.

Jana Ballenthien von ROBIN WOOD erklärt: „Offenkundig ist, dass sich das Land Berlin und die BEW den Bau des geplanten Holzheizkraftwerks schönrechnen. Die Einstufung der Holzverbrennung als ‘CO2-freie’ Wärme, die das Berliner Energiewende- und Klimaschutzgesetz für die künftige Fernwärme vorschreibt, ist mit dem Neubau eines Holzheizkraftwerks nicht vereinbar. Die Verbrennung von Holz setzt in erheblichem Maße CO2 frei, was die BEW schlichtweg ignoriert.”

Michaela Kruse vom NABU fährt fort: „Die geplante Fehlinvestition in die klimaschädliche Holztechnologie hilft nicht dabei, die Versorgungssicherheit in Berlin zu erhöhen, da die auf dem Gelände gelagerten Holzmengen nur für wenige Tage Kraftwerksbetrieb reichen. Stattdessen sollen täglich Dutzende LKW und Schiffsladungen Holz auf dem Kraftwerksgelände angeliefert werden, während der Holzwerkstoff-Industrie das Material fehlt, wie der Verband der Holzwerkstoffindustrie VHI regelmäßig betont. Es würden nämlich sehr wohl stofflich noch nutzbare Holzarten verbrannt werden. Die BEW behauptete beim Erörterungstermin einfach postfaktisch das Gegenteil.”

Almuth Ernsting von Biofuelwatch ergänzt: „Auch wegen der zu erwartenden hohen Belastung durch den gesundheitsschädlichen Feinstaub PM2,5 bestehen Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit des Holzkraftwerks. Der Grenzwert für Feinstaub wird 2030 – also im Jahr der geplanten Inbetriebnahme – verschärft und wird bei Veranschlagung dieser Werte an Mess-Stationen in der Nähe von Reuter West schon jetzt regelmäßig überschritten. Der BEW fällt nun nichts Besseres ein, als davon auszugehen, dass die Grenzwerte eingehalten würden und man sich an etwaige zukünftige Werte anpassen werde. Diese Glaskugel-Mentalität hilft kein bisschen dabei, das Feinstaub-Problem in den Griff zu bekommen.”

Hintergrund:

Das geplante Holzheizkraftwerk am Standort Reuter West in Berlin-Siemensstadt wäre mit 110 MW (Megawatt) Feuerungswärmeleistung eins der größten Holzkraftwerke in Deutschland. Pro Jahr sollen dort mindestens 250.000 Tonnen Frischholz bzw. 130.000 Tonnen des trockeneren und damit leichteren Altholzes (das heißt gebrauchtes Holz wie z. B. alte Holzbalken) verbrannt werden. Damit würden große Mengen CO2 aus dem Holz freigesetzt (bei neun Monaten Volllastbetrieb etwa 250.000 Tonnen CO2). Dieses CO2 könnte bei einer kaskadischen, stofflichen Verwendung des Holzes erheblich länger gebunden bleiben.

Die Wälder würden durch die Holzverbrennung weiter unter Druck geraten. Zum Vergleich: Eine Waldfläche von der Größe des Berliner Tiergartens (200 Hektar) würde im geplanten Kraftwerk in nur ein bis zwei Monaten komplett verheizt.

Kontakt:

  • NABU: Michaela Kruse, Campaignerin, +49 (0) 162 2953083, Michaela Kruse@NABU.de
  • Biofuelwatch, Almuth Ernsting, Co-Direktorin, +44-7930227525, biofuelwatch@gmail.com
  • ROBIN WOOD, Jana Ballenthien, Fachreferentin Wald, +49 (0)40-38089211, wald@robinwood.de und Ute Bertrand, Pressesprecherin, 0171 8359515, presse@robinwood.de