Holzheizkraftwerk in Berlin darf nicht genehmigt werden!

Stellungnahme der Umweltorganisationen eingereicht – Rechtsgutachten zeigt gravierende Mängel auf

12. Januar 2026
Energie
Wald
Gemeinsame Pressemitteilung von ROBIN WOOD, NABU und Biofuelwatch
Pressemitteilung

Das Land Berlin könnte verpflichtet sein, als Gesellschafter auf eine Rücknahme des Antrags zum geplanten Holzheizkraftwerk in Berlin am Standort Reuter-West hinzuwirken. Zu diesem Schluss kommt ein von NABU, Biofuelwatch, ROBIN WOOD, DUH und BUND Berlin beauftragtes juristisches Kurzgutachten. Dieses wurde am vergangenen Freitag zusammen mit einer ausführlichen Stellungnahme von einem großen Bündnis von Umweltschutzorganisationen im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung im Genehmigungsverfahren zum geplanten Holzheizkraftwerk eingereicht. Zu dem Bündnis gehören die in der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) organisierten Verbände sowie ROBIN WOOD, Biofuelwatch, NABU, DUH, Powershift und andere.

 

Insbesondere die Einstufung der Holzverbrennung als „CO2-freie” Wärme, die das Berliner Energiewende- und Klimaschutzgesetz für die künftige Fernwärme vorschreibt, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Der angenommene positive Klimaschutzeffekt sei nicht zutreffend und damit schon die Grundannahme und die darauf basierende Abwägung der Schutzgüter falsch. „Unter zutreffender Berücksichtigung der tatsächlichen Klimawirkung der Holzverbrennung müsste die Abwägung anders ausfallen”, so das Gutachten.

Jana Ballenthien von ROBIN WOOD erklärt: „Der Berliner Senat muss die Planungen jetzt stoppen! Die Verbrennung von Holz setzt in erheblichem Maße CO2 frei. Das Altholz-Recycling im Großraum Berlin und darüber hinaus würde durch die starke Nachfrage konterkariert, wenn der wertvolle Rohstoff stattdessen verheizt wird. Das ist das Gegenteil von Klimaschutz und widerspricht allen kommunal gesetzten Ansprüchen!”

Luzie Arndt von Biofuelwatch ergänzt: „Auch bei den Luftschadstoffen, besonders beim Feinstaub PM2,5, bestehen Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit. Die Grenzwerte werden 2030 verschärft und lägen schon mit den derzeitigen Werten darüber. Im Genehmigungsverfahren fehlt bisher ohnehin die Prüfung der zusätzlichen Emissionen in der Gesamtbilanz.”

„Die BEW und der Berliner Senat sollten den Antrag zurückziehen und stattdessen die Fernwärme auf wirklich klimafreundliche Technologien umstellen. Bisher scheint nicht geplant zu sein, das Geothermie-Potenzial im Berliner Westen zu erkunden. Dabei ist mit guten Potenzialen durchaus zu rechnen. Statt knapp 250 Millionen Euro in eine veraltete, klimaschädliche Verbrennungstechnologie zu investieren, sollte das Geld für zukunftsfähige Fernwärme ausgegeben werden”, so Eric Häublein vom NABU abschließend.

Das geplante Holzheizkraftwerk in Reuter-West wäre mit 110 MW (Megawatt) Feuerungswärmeleistung eins der größten Holzkraftwerke in Deutschland. Pro Jahr sollen mindestens 250.000 Tonnen Frischholz bzw. 130.000 Tonnen des trockeneren und damit leichteren Altholzes (das heißt gebrauchtes Holz wie z. B. alte Holzbalken) verbrannt werden. Damit würden große Mengen CO2 aus dem Holz freigesetzt (bei neun Monaten Volllastbetrieb etwa 250.000 Tonnen CO2). Dieses CO2 könnte bei einer stofflichen Verwendung des Holzes weiter gebunden bleiben. Die Wälder würden durch die Holzverbrennung weiter unter Druck geraten. Zum Vergleich: Eine Waldfläche von der Größe des Berliner Tiergartens (200 Hektar) würde im geplanten Kraftwerk in nur ein bis zwei Monaten komplett verheizt.

Für Rückfragen:

 

Bei Nennung der Quelle frei verfügbare Fotos einer Protestaktion von ROBIN WOOD und Biofuelwatch auf dem Teufelsberg in Berlin am „Internationalen Aktionstag gegen das Verfeuern von Holz“ (21.10.2025) finden Sie hier