Gegen geplantes Altholz-Heizkraftwerk in Osnabrück-Lüstringen
Umweltorganisationen reichen Stellungnahme ein
Das Unternehmen Felix Schoeller GmbH will neben seiner Papierfabrik in Osnabrück-Lüstringen ein Altholz-Heizkraftwerk errichten. Das kritisieren die Umweltorganisationen ROBIN WOOD, Biofuelwatch und NABU. Sie haben heute im Verfahren um die Änderung des Bebauungsplans eine gemeinsame Stellungnahme gegen das Projekt eingereicht.
Das geplante Heizkraftwerk soll jährlich etwa 60.000 Tonnen Altholz verbrennen. Die Umweltgruppen zweifeln daran, dass sich die Betreiber auf ein ausreichendes Altholzaufkommen verlassen können: Über 90 Prozent des hierzulande angefallenen Altholzes wurden im vergangenen Jahr verbrannt. Die Gesamtnachfrage nach Altholz überstieg das Aufkommen um 1,7 Millionen Tonnen, die deshalb importiert wurden.
„Mehr als 80 Prozent des Altholzes kann und sollte stofflich genutzt werden, vor allem um Spanplatten oder Holzfaserdämmplatten für die energetische Sanierung von Häusern herzustellen. Noch mehr Altholz zu verbrennen, widerspricht dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft und führt zu einem höheren Bedarf an frisch eingeschlagenem Holz für die Holzwerkstoffindustrie. Das schadet Wald und Klima“, sagt Eric Häublein, Wärme-Experte beim NABU.
Jana Ballenthien, Waldreferentin von ROBIN WOOD, fügt hinzu: „Beim Verbrennen von Holz wird nicht weniger, oft sogar noch mehr CO2 freigesetzt als beim Verbrennen von Kohle. Gleichzeitig erhöht die wachsende Nachfrage nach Holzenergie den Druck auf den Wald, der durch die Klimakrise und jahrzehntelange zu intensive Forstwirtschaft bereits stark gebeutelt ist. Die Wälder in Deutschland stellen daher schon jetzt keine verlässliche Kohlenstoffsenke mehr dar.”
Besonders problematisch ist, dass die Unterlagen zur Planänderung keinerlei Angaben zu Luftschadstoffimmissionen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit von Anwohner*innen beinhalten. Dabei schreibt das Baugesetzbuch vor, dass die Auswirkungen auf die Luftqualität bei Bauplan-Änderungsanträgen geprüft werden müssen. Bekannt ist, dass beim Verbrennen von Holz zusätzlich zum CO2 auch mehr gesundheitsschädlicher Feinstaub freigesetzt wird als beim Verbrennen von Gas, Öl oder Kohle.
„Die Stadt Osnabrück muss auf einer detaillierten Prognose der Auswirkungen auf die Luftqualität bestehen, bevor eine Entscheidung über den Antrag getroffen wird”, fordert Almuth Ernsting, Ko-Direktorin von Biofuelwatch. „Wir setzen darauf, dass der Antrag aus Gründen des Klimaschutzes abgelehnt wird und dass die Firma Schoeller in saubere Alternativen, vor allem Elektrifizierung, investiert.”
Kontakte:
- ROBIN WOOD: Jana Ballenthien, Waldreferentin, wald@robinwood.de, Tel. 040 38089211 und Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 0171 8359515, presse@robinwood.de
- Biofuelwatch: Almuth Ernsting, Ko-Direktorin, biofuelwatch@gmail.com, Tel. +44-793022752