EU-Appell: Das Verfeuern von Wäldern nicht als Erneuerbare Energie fördern!

Internationale Umweltorganisationen schicken zurzeit offene Briefe an die Energieminister*innen aller 27 EU-Mitgliedstaaten. Darin sprechen sie sich gegen die fortgesetzte Förderung des Verfeuerns von Bäumen und anderer Waldbiomasse für Erneuerbare Energien aus. Auch Klimaschutzminister Robert Habeck bekam heute im Namen des NGO-Bündnisses einen entsprechenden Brief von ROBIN WOOD.

Anlass ist das "Informelle Treffen der Energie- und Verkehrsminister" am 27. und 28. Februar in Stockholm, bei dem voraussichtlich auch über Erneuerbare Energien und die Rolle der Verbrennung von Waldbiomasse diskutiert wird. Die Umweltorganisationen fordern in dem Brief den EU-Rat und den Ratsvorsitz auf, eine wissenschaftlich fundierte Biomassepolitik zu verfolgen. Zudem legen sie jedem Mitgliedstaat spezifische Nachweise dafür vor, wie stark die Abholzung und Verbrennung von Wäldern zur Gewinnung von Brennstoffen die Ökosysteme und das Klima schädigen.

Ob Energie aus der Verbrennung von Bäumen und anderer Waldbiomasse zu den Erneuerbaren Energien gezählt werden kann und weiterhin mit Milliarden Euro subventioniert werden sollte, ist eine der am heftigsten umstrittenen Fragen im laufenden Trilog über die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU. Im Trilog sollen das Parlament, der Rat und die Kommission eine gemeinsame politische Position entwickeln.

Der Rat ist verpflichtet, in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie den wissenschaftlichen Leitlinien für Biomasse zu folgen und eine Förderung von Bioenergie, die der biologischen Vielfalt und den Ökosystemen schadet, zu vermeiden. Der aktuelle Vorschlag des Rates bleibt allerdings weit hinter den notwendigen Reformen zurück. Würde der Vorschlag angenommen, würde dies zu einer weiteren Zerstörung der Wälder und einem Anstieg der Treibhausgas-Emissionen beitragen.

Die Briefe enthalten Auszüge aus der Überprüfung der EU-Kommission, inwieweit die Mitgliedstaaten in ihren nationalen Energie- und Klimaplänen die Auswirkungen des künftigen Biomasseabbaus auf die Kohlenstoffsenke der Wälder berücksichtigen. Die Vergrößerung der Kohlenstoffsenke der EU wird als wesentlich für das Erreichen von Netto-Null-Emissionen angesehen. Faktisch verlieren die meisten Mitgliedstaaten zurzeit jedoch ihre Kohlenstoffsenken oder haben sie bereits verloren. Dennoch holzen sie weiterhin Waldholz ab und verbrennen es als Erneuerbare Energie – ohne die Kohlenstoff-Emissionen anzurechnen. Die EU-Kommission stellte selbst fest, dass die Mitgliedstaaten es ausnahmslos versäumt haben, die erforderlichen Informationen über die Verwendung von Biomasse, deren Herkunft und die Auswirkungen auf die Kohlenstoffsenken anzugeben.

Kontakt:

  • Jana Ballenthien, ROBIN WOOD-Waldreferentin, Tel. +49 40 38089211, wald [at] robinwood.de
  • Internationaler Kontakt (englischsprachig): Mary S. Booth, Director, Partnership for Policy Integrity, mbooth [at] pfpi.net, WhatsApp +1 413 404 6324