Wir bauen ein neues Klima-Floß!
Wie baut man eigentlich ein Floß?
Das ist eine Frage, die wir uns nach unserer letzten Floßtour im Sommer 2025 stellen mussten - denn unser altes Klima-Floß, mit dem ROBIN WOOD seit vielen Jahren unterwegs ist, war morsch. Seit über 40 Jahren setzen wir uns mit bildstarken Aktionen für eine lebenswerte Zukunft ein. Die Floßtour ist dabei ein ganz besonderes Mittel unseres bunten Protests. Seit 1999 sind wir fast jedes Jahr mit unserem Floß unterwegs – immer zu einem anderen Thema, immer an anderen Orten. Aber unser Ziel bleibt: Wir möchten Aufmerksamkeit auf die Klimakrise lenken, mit Menschen ins Gespräch kommen, Ideen austauschen, wie wir schonender und fairer mit den natürlichen Ressourcen umgehen können, und auch ein bisschen Utopie leben. Und das gerne noch viele weitere Jahre.
Also stand es fest: Wir brauchen ein neues Floß, damit wir auch in Zukunft wieder den Anker lichten können. Das Problem: Wir hatten alle noch nie ein Floß gebaut. Und so kamen wir im Herbst 2025 als Floßbau-Crew zusammen, um ganz unvoreingenommen, planlos und optimistisch mit der Planung unseres neuen Floßes zu beginnen. Was für Material brauchen wir? Wie ist das mit dem Auftrieb? Wie finanzieren wir den Bau? Wir haben viel diskutiert, Zeichnungen erstellt, Material gekauft, Spenden gesammelt und die Bauwoche vorbereitet. Und dann konnte es endlich losgehen.
Bauwoche 1 - April 2026
Der Frühling war da und endlich trafen wir uns auf der Werft, um gemeinsam ein Floß zu bauen. Der erste Schritt: Unser altes Floß musste kleinteilig zerlegt werden. Morsche und kaputte Teile kamen weg, noch intakte Teile wurden für das neue Floß aufgehoben und später wiederverwendet. Unser Pech lag darin, dass der Kran der Werft in dieser Woche leider kaputt gegangen war, und so verzögerte sich unsere Arbeit, die wir nun ganz von Hand machen mussten, erheblich. Tagelang nahmen wir das alte Floß Stück für Stück auseinander. Zum Glück hatten wir einen Mechatroniker und Elektroniker in der Crew, die durch die über 50 Jahre alten Schaltpläne eine von zwei Fehlerursachen im Schaltkasten des Krans in 25m Höhe finden konnten. Nach der Behebung eines zweiten Fehlers war der Kran in der zweiten Woche zu Glück wieder einsatzbereit.

Verrostete Metallteile wurden abgeflext, die morschen Stämme in kleinere Stücke zerteilt, die Schwimmkörper langsam freigelegt.

Und am Ende der Bauwoche standen wir dann da. Klar, es war viel passiert. Aber ein neues Floß war noch lange nicht in Sicht. Wir fuhren nach Hause, mit viel neuem Wissen, staubiger Kleidung, einer besseren Vorstellung von unserem Plan und einer langen ToDo-Liste im Gepäck.
Bauwoche 2 - Juni 2026
Bei über 30 Grad trafen wir uns zwei Monate später wieder. Jetzt würde es so richtig losgehen. Wir hatten ja schließlich aus der letzten Bauwoche gelernt, weiter geplant und brauchten jetzt nur noch alles umzusetzen. Schritt eins: Alle Stämme, die später unser Unterdeck bilden würden, mussten entrindet werden. Mit zwei kleinen und bald schon stumpfen Zieheisen machten wir uns also motiviert an die Arbeit.

Doch die erste Herausforderung ließ auch dieses Mal nicht lange auf sich warten. War ein Baumstamm einmal fertig entrindet, musste er halbiert werden. Damit sparen wir uns später viel Gewicht auf dem Floß. Wie sägt man also einen schweren Baumstamm gerade durch? Wir entschieden uns, mit einer Bandsäge zu arbeiten. Voller Tatendrang legten wir den ersten Baumstamm auf die Arbeitsfläche, rüsteten uns mit Ohrenschutz aus und starteten die große Maschine. Doch schon nach wenigen Zentimetern wurde die Hand zu unserem vereinbarten Stopp-Zeichen gehoben: Wir sägten schief! Der unebene Baumstamm suchte sich seinen ganz eigenen Weg durch die Säge - und verzog damit das Sägeblatt gefährlich stark. Einen Tag lang tüftelten wir an diesem Problem, bauten einen ebenen Schlitten für die Stämme und einen Flaschenzug für ein gleichmäßiges Führen des Schlittens. Und dann, spät abends, war der erste Baumstamm endlich sauber zersägt. Ein kleiner Erfolgsmoment!

Jetzt, da wir das Bandsägen einmal perfektioniert hatten, ging es plötzlich viel schneller voran. Einen Baumstamm nach dem anderen zerteilten wir und auch die äußeren, langen Baumstämme konnten endlich auf das neue Floß gekrant werden.

Auch unser neues Deck wurde in dieser Bauwoche fleißig gehobelt, zurechtgesägt und vorbereitet. Doch wir mussten realistisch bleiben. Auch in dieser Bauwoche würden wir es nicht schaffen, unser neues Floß fertig zu bauen.

Bauwoche 3 - September/Oktober 2026
Und so kamen wir ein letztes Mal Ende September auf der Werft zusammen, bevor der Herbst so wirklich da war und wir das Floß in den Winterschlaf schicken mussten. In dieser Bauwoche befestigten wir endlich die halbierten Baumstämme, widmeten uns dem neuen Deck, bauten einen Keller und eine Reling und verpinselten etwa 40 Liter Öl auf dem neuen Holz.
Stundenlang wurde gesägt, geschraubt und geschliffen, bis das Deck frei von jeglicher Splitter-Gefahr war. Die harte Arbeit der letzten beiden Bauwochen, bei denen es manchmal schwer gewesen war, ein Vorankommen zu erkennen, zahlte sich jetzt aus. Jeden Tag nahm unser Floß mehr und mehr Form an.
Und dann war es soweit: Am letzten Abend weihten wir unser neues Floß mit einem gemeinsamen Abendessen auf dem frisch geschliffenen Deck ein. Aus unserer Baustelle war endlich das entstanden, wofür wir gearbeitet hatten: Ein Ort, der durch Gemeinschaft gelebt werden kann.

Unser neues Klima-Floß ist nun fast fertig. Die letzten kleinen Restarbeiten werden wir im kommenden Frühjahr abschließen, bevor wir wieder ablegen können. Wir als Floßbaucrew hatten sehr viel Freude an der Arbeit. Und wenn uns jetzt jemand fragt: "Wie baut man eigentlich ein Floß?", dann könnten wir das alle sehr detailliert erklären.

Ohne Moos kein Floß! Wir haben natürlich komplett ehrenamtlich gezimmert, trotzdem kosten Material, Transport und Werftnutzung Geld. Mit deiner Spende machst du unsere Arbeit möglich. Schon ein paar Euro helfen!