Anti-Kohle Aktion am Steinkohlekraftwerk Moorburg

Steinkohle killt Klima

29. Oktober 2019
Energie
Paula und Anja
Regionalgruppe Lüneburg/Hamburg
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Das Kohlemonster erklommen: Robin Wood-Aktive auf dem Kühlturm des Steinkohlekraftwerks Moorburg
Blog

Aus dem aktuellen ROBIN WOOD Magazin:

Während mittlerweile allen klar ist, wie klimaschädlich Braunkohle ist, und die Proteste dagegen wachsen, ist die fast ebenso schädliche Steinkohle deutlich weniger im Fokus. Aber auch die Verbrennung dieses Rohstoffes ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Seit Dezember 2018 wird in Deutschland keine Steinkohle mehr abgebaut. Doch das hilft dem Klima nicht. Nach wie vor laufen noch etwa 60 Steinkohlekraftwerke in Deutschland. Die Kohle wird nun importiert. Der Großteil kommt aus Russland, den USA oder Kolumbien, wo die Kohle unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut wird, Umwelt zerstört wird und massive Gesundheitsschäden in Kauf genommen werden.

Wegen der enormen Zerstörung der Natur durch den Kohle­abbau verlieren Menschen ihre Existenzgrundlage und ihre Kultur und werden aus ihrer Heimat vertrieben. Proteste vor Ort werden häufig mit brutaler Gewalt unterdrückt, was teilweise von den Bergbauunternehmen in Auftrag gegeben und finanziert wird. Der US-amerikanische Familienkonzern Drummond wird mit besonders schweren Verbrechen in Verbindung gebracht. Die gravierenden Auswirkungen für Menschen und Umwelt durch die Verbrennung von Steinkohle werden auch in der Broschüre „Still Burning“ vom Bündnis deCOALonize Europe ausführlich präsentiert.

Während weltweit unzählige Menschen für mehr Klimaschutz und einen schnellen Kohleausstieg auf die Straßen gehen, werden von der Politik nur Scheinlösungen vorgeschlagen, mit denen das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, bei weitem nicht erreicht werden kann. Dazu gehören unter anderem die Vorschläge der Kohlekommission. Ein Ausstieg erst 2038 verdeutlicht, dass die derzeitige Klimapolitik in keiner Weise geeignet ist, das Voranschreiten des Klimawandels aufzuhalten. Insbesondere der Bau neuer Kohlekraftwerke ist schon lange nicht mehr zeitgemäß und verhindert eine klimafreundliche Energiepolitik. Neue Steinkohlekraftwerke dürfen nicht mehr gebaut werden! Um das auch dem Chemiekonzerns DOW in Stade klarzumachen, machte ROBIN WOOD im letzten Jahr gemeinsam mit anderen Organisationen mit einer großen Demonstration und mit einer Kletteraktion über dem Stader Weihnachtsmarkt auf diese klimapolitische Unsinnigkeit aufmerksam.

Nicht weit von Stade, in Hamburg Moorburg, läuft das zweitdreckigste Steinkohlekraftwerk Deutschlands, das der Betreiber Vattenfall seit Planungsbeginn an das Hamburger Fernwärmenetz anschließen will. Das Kohlekraftwerk Moorburg ging 2015 ans Netz und stößt seitdem rund 6.160 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in die Atmosphäre. Zahlreiche Proteste konnten jedoch immerhin den Anschluss an das Fernwärmenetz verhindern. Insbesondere die wochenlange Baumbesetzung an der Strecke der geplanten Trasse und gemeinsame Klagen von NGOs bauten so großen gesellschaftlichen Druck auf, dass die Planungen gestoppt wurden.
Um neben dem Kraftwerk auch auf die Rolle des gesamtem Hamburger Hafens als Knotenpunkt globaler sozialer Ungerechtigkeit, Naturzerstörung und Ausbeutung durch Steinkohleabbau und -importe aufmerksam zu machen, gab es in letzter Zeit immer wieder vielfältige Aktionen. Von ROBIN WOOD-Kletteraktionen an der Hubbrücke direkt beim Kraftwerk Moorburg, über die aktionistische Fahrradrallye der „Harbour Games“, der 12-stündigen Besetzung des Kohle- und Erzhafens Hamburg, bis zur Blockade der Kattwykbrücke vom Bündnis DeCOALonize Europe im Rahmen der Steinkohleaktionstage.

Zum Auftakt der Klimastreikwoche setzten sich die Proteste direkt am Kohlekraftwerk Moorburg fort. In den frühen Morgenstunden des 19. September diesen Jahres gelangten rund zehn Aktivist*innen auf das Kraftwerksgelände. Ohne große Hürden erreichten sie die Treppe am Fuß des Kühlturms. An zwei offenen Türen vorbei nahmen sie den schnellsten Weg nach oben. Von außen waren bei genauem Hingucken immer wieder die dunklen Silhouetten der Aktivist*innen zu sehen. Das Klimpern des Materials auf Metall war aus der Ferne zu vernehmen, doch der Aufstieg blieb unbemerkt. Das schwere Gepäck mit dem 120 Quadratmeter großen Banner fand seinen Weg nach oben und der Sonnenaufgang konnte auf dem Rundgang des Kühlturms genossen werden. Beim Warten auf den perfekten Moment, das Banner aufzuspannen, waren die Aktivist*innen fasziniert von den gewaltigen Ausmaßen des Kühlturms. Der aufsteigende Dampf sorgte immer wieder für tropische Luftzüge.

Mehrere Stunden blieben die Aktivist*innen unbemerkt, auch von den Arbeiter*innen im Inneren des Kühlturms. Sogar beim Bau der Ankerpunkte an der äußeren Fassade bemerkte noch niemand, was sich für diesen Tag an dem Kühlturm des Kohlekraftwerks Moorburg von Vattenfall anbahnte.

Um halb zwölf wurde die Botschaft auf dem Banner der Aktivist*innen schließlich von weitem sichtbar: „Kohle frisst Zukunft“ lautete die Aufschrift. Damit wurde die verantwortungslose Klimapolitik der Bundesregierung kritisiert und ein sofortiger konsequenter Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung gefordert.

Bis in die frühen Abendstunden blieben die Aktivist*innen auf dem Kühlturm, so dass ihren Forderungen den ganzen Tag Nachdruck verliehen wurde. Bei Sonnenuntergang beendeten sie ihre Aktion und wurden von der Einheit für technische Maßnahmen Höhen und Tiefen aus Ratzeburg auf den Boden begleitet.

Der bunte Protest am folgenden Klimastreiktag und in der ganzen Woche zeigte große Solidarität mit den schon heute vom Klimawandel betroffenen Menschen und setzte ein wichtiges Zeichen für mehr Klimaschutz und eine Zukunft ohne den Klimakiller Kohle. Die gravierenden Auswirkungen für Menschen und Umwelt durch die Verbrennung von Steinkohle werden auch in der Broschüre „Still Burning“ vom Bündnis deCOALonize Europe ausführlich präsentiert. Die Broschüre kann im ROBIN WOOD-Shop bestellt werden und lohnt sich sehr zu lesen. Der Protest wird weitergehen und sich verstärken, bis alle Kohlekraftwerke abgeschaltet und die Ungerechtigkeiten der Klimakrise durch politisches Handeln aufgehoben werden. Denn „Kohle frisst Zukunft“, und das werden wir auch in Zukunft nicht akzeptieren.

Kletterprotest während der Anti-Steinkohle-Aktionstage in Hamburg
Michael Trammer