Papiertüten? Baumwollbeutel? Oder doch Polyestertasche?

Wir bringen Licht ins Taschen-Universum!

14. Juli 2019
Umweltschutz selber machen
Papier
Wald
Jana Ballenthien
Waldreferentin
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ROBIN WOOD/Jana Ballenthien
Blog

Nachdem die Abschaffung der Plastiktüte in vollem Gange ist, wird langsam klar, Papier ist auch nicht umweltfreundlicher. Aber was denn nun? Zurück zum Plastik? Hin zum Hipster-Baumwollbeutel? (Ja, er ist aus wirklich aus Baumwolle und nicht aus Jute! Gaaaaanz unten findet ihr einen Satz dazu.) Oder doch Polyester? Ratlosigkeit allerorts.

Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist die nach der Ökobilanz. Und die hat erstaunlich viele Seiten. Wir wollen etwas Licht ins Dunkel bringen.

Kurz und knackig:

1. Plastiktüte und Papiertüte bitte nie oder nur im Notfall benutzten. Wenn es dazu kommt, dann bitte pfleglich behandeln und so oft wie möglich wiederverwenden.

2. Immer und überall einen Baumwollbeutel oder eine Polyestertasche dabei haben. Platz und Gewicht ist mit den beiden Leichtgewichten kein Argument mehr. Der Bio-Fairtrade-Baumwollbeutel und der Polyesterbeutel liefern sich ein Kopf an Kopf rennen in der Ökobilanz.

ROBIN WOOD empfiehlt den Bio-Fairtrade-Baumwollbeutel, weil der nahezu unendlich häufig genutzt werden kann, am Ende biologisch abbaubar ist und nicht zu Mikroplastik wird. Oder für einen geplanten Einkauf einen Weidenkorb entdecken.

Unsere Empfehlungen und Warnungen beruhen auf Folgendem:

Die Plastiktüte

Minus:


  • Sie wird in den allermeisten Fällen als Einweg-Tüte nur ein einziges Mal ca. 30 Minuten genutzt, bevor sie im Müll landet.

  • Sie verschmutzt unseren gesamten Planeten mit Müll. Am Ende wird sie in der Größe von Mikroplastik in jeder Boden- und Wasserprobe und auch in den Pflanzen gefunden.

  • Plastik ist durch seinen Cocktail an Inhaltsstoffe auf vielfältige Weise gesundheitsschädlich für Mensch und Tier: Es kann z.B. Krebs verursachen und durch Hormonveränderungen die Fortpflanzung stören. Das gilt selbstverständlich auch für das Mikroplastik.



Plus:


  • Die Plastiktüte lässt sich aus recyceltem Plastik herstellen. Allerdings selten zu 100 Prozent. Die großen, robusten Taschen an der Supermarktkasse sind meist aus 50 Prozent recycelten PET Flaschen und halten zwar nicht so lange wie Baumwollbeutel, aber dennoch unzählige Male.



Wann nutzen?

So selten wie nur irgend möglich! Am besten niemals. Jeder Gegenstand aus Plastik ist einer zu viel im System. Wenn ihr nun einen Großeinkauf getätigt habt und an der Kasse feststellt, dass eure Mehrwegoptionen zu Hause liegen, dann kauft eine der größeren, robusten, recycelten Optionen. Die solltet ihr dann aber bitte auch in Zukunft immer wieder benutzen. Kleiner Tipp: Auch als Badetasche eignet sie sich super für die nächsten Jahre.

Die Papiertüte

Um es klar zu sagen: die Menschen, die statt Plastiktüten nun Papiertüten nutzten und damit meinen, der Umwelt etwas Gutes zu tun, sind leider einem Schwindel aufgesessen.

Minus:


  • Es braucht mehr als vier Mal so viel Energie, eine Papiertüte herzustellen als eine Einweg-Plastiktüte.

  • Es müssen Wälder für die Produktion gefällt werden, da Taschen aus Recyclingpapier viel zu schnell reißen. Wenn es heißt, die Produktion der Papiertüten erfolge mit Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, so ist das Augenwischerei. Einen Baum zu fällen und dafür einen Baum anzupflanzen ist kein Nullsummenspiel. Ein Baum braucht 100 bis 200 Jahre, um zu voller Größe zu wachsen. Von der Ökosystemleistung, die ein ausgewachsener Baum uns im Verband des Waldes bringt, ganz zu schweigen. Er ist Wasserspeicher und Luftfilter, lagert CO2 ein, betreibt Artenschutz, dämpft das umliegende Klima und vieles mehr. Die Nachfrage für Pellets oder Pappbecher, als Bauholz, inzwischen gar für Holz-Beton oder schlicht als Feuerholz, wächst zudem ungemein. Schon jetzt halten die Wälder weltweit diesem Druck nicht mehr Stand. Bioökonomie ist ein schönes neues Wort, das beim derzeitigen Konsum unseren Planeten weiter an an die Wand fährt.

  • Es fallen mehr giftige Chemikalien an, als bei der Produktion von Einweg-Plastiktüten.

  • Papiertüten wiegen mehr als Plastiktüten. Deshalb verbrauchen sie im Verhältnis mehr CO2 für den Transport von der Produktionsstätte ins Geschäft.

  • Papiertüten sind bei weitem nicht so reißfest wie Baumwollbeutel oder Polyestertaschen.

  • Bei Regen oder wenn ihr feuchte Schwimmsachen transportiert, macht selbst die jüngste Papiertüte sofort schlapp.



Plus:


  • Eigentlich gibt es nichts positives über die Papiertüte zu berichten.



Wann nutzen?

Nur im Notfall, wenn ihr beim Einkauf steht und verflixt nochmal eure Mehrwegtaschen alle zuhause vergessen habt und ihr euch zwischen Pest und Cholera (große robuste Plastiktüte oder Papiertüte) entscheiden müsst. Dann aber bitte pfleglich damit umgehen und auch beim nächsten und übernächsten Mal benutzen! Erst nach mindestens dreimaliger Nutzung habt ihr eine bessere Ökobilanz als mit einer Einweg-Plastiktüte.

Der Baumwollbeutel

Plus:


  • Der Baumwollbeutel ist im Schnitt 131 Mal verwendbar. Da kommt keine Papiertüte oder herkömmliche Plastiktüte jemals gegen an.

  • Der Baumwollbeutel ist problemlos waschbar. Damit ist er mehr als sein Image eines schmutzigen Hippiebeutels.

  • Baumwolle ist gut recyclebar.

  • Baumwolle ist zu 100% biologisch abbaubar und gewinnt in diesem Punkt gegen Polyester.



Minus:


  • Baumwolle wird wahnsinnig viel gedüngt und der Wasserverbrauch bei der Herstellung ist sehr hoch. Beides ist schlecht für die Umwelt und kostet ein hohes Maß an Energie.

  • Ein hoher Anteil der bei uns genutzten Baumwolle ist genmanipuliert (2014 waren es 70 Prozent).

  • Die Arbeitsbedingungen auf den Baumwollplantagen sind übel in der konventionellen Herstellung. Die Arbeitenden sind den Pestiziden ausgesetzt und bekommen wenig Lohn.

  • Der Biomarkt ist sehr klein. 2017 waren gerade mal 1 Prozent der produzierten Baumwolle aus Bioanbau.



Wann nutzen?

In allen Lebenslagen! Aber dann für immer! Denn wer einen Beutel nur einmal benutzt, schadet der Umwelt immens.

Achtet darauf, dass ihr Beutel aus fair gehandelter Biobaumwolle kauft. Das bedeutet: keine Pestizide, ein weitaus geringerer Wasserverbrauch und auch bessere Arbeitsbedingungen für die Menschen auf den Plantagen. Der Hinweis Organic Cotton bedeutet, dass euer Beutel weder genmanipuliert noch gedüngt ist. Auch eins der Fairtrade-Siegel sollte drauf sein.

Ebenso sinnvoll ist ein Beutel aus recycelter Baumwolle. Unser ROBIN WOOD Beutel ist so einer. Er besteht aus 80% fair produzierter, recycelter Baumwolle und aus 20% Polyester.

Der Weidenkorb

Die Einkaufskörbe werden aus ungeschälter oder geschälter Naturweide in reiner Handarbeit hergestellt und dadurch ist jeder einzelne Korb ein formschönes Unikat.

Plus:


  • Die  Körbe haben verschiedene Formen und Größen.

  • Weil die Weidenzweige sehr robust und stabil verarbeitet sind hat der Korb eine lange Lebensdauer selbst bei hoher Belastung.

  • Der alte Korb kann, wenn du dich für unbehandelte Weide entschieden hast, problemlos kompostiert werden.



Minus:


  • Ein Korb ist nur für geplante Einkäufe sinnvoll.

  • Nach deiner Entscheidung für einen Weidenkorb brauchst du für die Anschaffung ein bisschen mehr Zeit, um dein Exemplar auf Märkten oder in Fachgeschäften auszuwählen. Übers Internet bestellt würde viel Verpackung anfallen.



Wann nutzen?

Für alle größeren Einkäufe, die du von zu Hause aus startest und den Korb mitnehmen kannst.

Der Polyesterbeutel

Polyester ist eine Form von Plastik. Trotzdem soll der Beutel hier noch einmal getrennt von den herkömmlichen Plastiktüten aufgeführt werden, den er birgt gänzlich andere Vor- und Nachteile.

Es gibt ihn inzwischen vor allem an den Kassen von Drogerien mit mini Packmaß in kleinen Säckchen. Das umweltbewegte Herz ist leicht irritiert davon, dass dieser Polyesterstoff irgendwelche ökologischen Vorteile bringen sollte. Doch tatsächlich ist das der Fall.

Plus:


  • Das Material kann aus recycelten PET Flaschen stammen.

  • Die Taschen sind sehr reißfest.

  • Die Taschen haben ein kleineres Packmaß und sind leichter als Baumwollbeutel.

  • Für die Produktion wird ein Drittel weniger Rohstoff und auch weniger Wasser benötigt als für den Baumwollbeutel.

  • Schmutz wird nicht so stark aufgenommen wie von Baumwollstoffen.

  • Da diese Tasche so leicht und klein ist, kann sie überall und immer mit dabei sein. Dadurch ist es ausgeschlossen, dass ihr in Zukunft an der Supermarktkasse steht und keinen Mehrwegbeutel dabei habt. Und alleine diese Reduktion von Verpeiltheits-Taschenkäufen schützt die Umwelt unvergleichlich!

  • Das Material ist recyclebar.



Minus:


  • Zwar ist Polyester recycelbar, aber dafür wird es nach Asien transportiert. Der Transport verursacht hohe CO2 Emissionen.

  • Der Abrieb der Tasche ist am Ende ihrer Bilanz doch wieder Mikroplastik und belastet das komplette Ökosystem.

  • Wie oft die Taschen nutzbar sind, darüber lassen sich noch keine Studien finden. Bleibt dran am Thema und recherchiert ab und zu mal, was es Neues dazu gibt.



Wann nutzen:

Wenn ihr im Alltag viel unterwegs seid, nach der Arbeit oder dem Besuch im Café noch spontan einkaufen wollt und euch selbst der Baumwollbeutel zu viel Platz weg nimmt oder, oder oder. Wenn ihr keine Baumwollbeutel dabei habt, solltet ihr  stattdessen einen Polyesterbeutel dabei haben. Aber, wie schon oben erwähnt, don't ever forget:

ROBIN WOOD empfiehlt den Bio-Fairtrade-Baumwollbeutel, weil der nahezu unendlich häufig genutzt werden kann, am Ende biologisch abbaubar ist und nicht zu Mikroplastik wird.

Ihr habt nun zu viele Informationen auf einmal und wollt es nochmal in Kurzform? Scrollt zum Anfang des Artikels. Da findet ihr den Absatz, der Licht ins Dunkel bringt.

 

Zum Weiterlesen:

Mehr Infos von ROBIN WOOD zum Thema Papier versus Plastik gibt es in diesem Magazinbeitrag mit dem Fokus Verpackungsmüll.

Die meisten Angaben zur Ökobilanz stammen aus dieser Studie von 2011.

Die meisten Angaben zur Häufigkeit der Nutzung stammen aus dieser Studie von 2006.

Hier findest du spannende Punkte zu Baumwolle.

Hier findest du ein paar Fakten zu Polyester im Vergleich zu Baumwolle.

Ach und übrigens: der sogenannte "Jutebeutel" ist eigentlich aus Jute und nicht aus Baumwolle. Sie ist zumeist gröber gewebt und es gibt sie nicht so häufig wie den Baumwollbeutel.

Die Taschen, die als "Hipster-Umhängebeutel" in den letzten Jahren en vogue geworden sind, sind in der Regel aus Baumwolle, auch wenn viele ihn fälschlicherweise "Jutebeutel" nennen.