Klettern gegen die AfD
04. Juli 2026, Erfurt: Ein weiterer Bundesparteitag der AfD bedeutet auch neue Proteste – 50.000 Menschen demonstrierten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt. Mitten drin waren auch Aktive von ROBIN WOOD.
4 Uhr morgens, irgendwo außerhalb von Erfurt. Es dämmert, Wecker klingeln. Leises Getuschel zwischen den Zelten. Es herrscht die übliche Aufregung vor der Aktion. Sind alle Klettersachen im Auto? Schaffen wir es zum Aktionsort? Werden die Proteste von Zehntausenden den Beginn des Parteitags verzögern?
Die Tage vor diesem Moment waren voll mit der Planung und Vorbereitung dieser Aktion: Videokonferenz, Banner malen, telefonieren, Sachen packen, Videokonferenz, nach Erfurt fahren und schließlich einen ganzen Tag lang das Material vorbereiten und alle Einzelheiten der Aktion durchsprechen.
Ein paar Stunden später haben sich vier Kletterlis an einer Brücke über der A71 außerhalb von Erfurt abgeseilt; diese war aufgrund der Proteste gesperrt. Als Aktive bei ROBIN WOOD unterstützen wir mit einer Kletteraktion die vielfältigen Proteste des Aktionsbündnisses widersetzen. Die A71 ist eine wichtige Zufahrtstraße zum Messegelände, der Austragungsort des Parteitags. Wenn Zehntausende auf den Straßen demonstrieren, könnte der Parteitag zumindest stark verzögert beginnen.
Die Sonne scheint und die Stimmung ist gut. In den Hängematten wird gelesen und es werden Sudokus gelöst. Zwischendurch kommen Journalist*innen verschiedener Medien für Fotos und Interviews vorbei und die Support-Strukturen bringen belegte Brote. Zwischen den Kletterlis ist ein Banner mit der Aufschrift „Für ein Klima der Solidarität“ gespannt.
Warum wir all das machen, ist uns allen klar. Wir wollen rechte Hetze nicht unwidersprochen lassen, wir wollen nicht, dass die AfD ungestört ihre Machtübernahme und den darauf folgenden autoritären Umbau der Gesellschaft planen kann, wir wollen keine Rechtsextremen an der Regierung.
Doch das ist nicht alles. Vielen geht es auch darum, für eine andere, bessere Gesellschaft einzustehen. Während die AfD spaltet und hetzt und in Deutschland, aber auch weltweit, progressive Errungenschaften zurückgedreht und Klimaschutzmaßnahmen eingestampft werden, sind die Proteste gegen den Parteitag auch ein Kampf für eine solidarische und klimagerechte Welt, in der ein gutes Leben für alle möglich ist. Mit der Aktion und unserem Banner wollen wir zeigen, dass die AfD gegen alles kämpft, wofür wir als Teil der Umwelt- und Klimagerechtigkeitsbewegung stehen. Deshalb fühlen wir uns als Aktivist*innen bei ROBIN WOOD dafür verantwortlich, uns der AfD zu widersetzen.
Am Ende der Aktion ist klar, dass der Parteitag ohne Verzögerung beginnt. Aufgrund der angekündigten Blockaden von widersetzen waren die meisten Delegierten schon mitten in der Nacht angereist und von der Polizei zum Messegelände eskortiert worden, wo sie sich fünf Stunden lang bis zum Start der Veranstaltung verschanzt hatten. Trotzdem sehen wir den Protest zumindest in Teilen als Erfolg. 50.000 Menschen haben gezeigt, wie eine antifaschistische Zukunft aussehen kann. Zusammen haben wir die rechte Hetze auf dem Parteitag nicht unwidersprochen gelassen. Ob nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt oder beim nächsten Bundesparteitag, wir werden weiterhin gemeinsam mit Vielen für Umwelt und Menschenrechte und gegen die AfD einstehen.