Bäume in der Stadt
Was tun, bei Verdacht auf unrechtmäßige Fällung?
Der diesjährige Klimakrisen-Sommer mit den für tausende Menschen tödlichen Hitzewellen hat auf dramatische Weise deutlich gemacht: Wir brauchen dringend mehr Grün in den Städten für den Hitzeschutz! Doch bald werden in Parks, Gärten und an Straßen wieder häufiger Mitarbeiter*innen von Garten- und Landschaftsbau-Firmen im Einsatz sein, um Bäume zu fällen. Kein Zufall! Denn Anfang Oktober endet die Vegetationsperiode, in der – mit Rücksicht auf den Artenschutz, etwa brütende Vögel, – strengere rechtliche Vorgaben für Baumfällarbeiten gelten.
Dann erreichen uns Jahr für Jahr auch in der ROBIN WOOD-Geschäftsstelle wieder mehr Anrufe von Menschen, die Bäume vor der Säge retten wollen und uns um Unterstützung bitten. Wegen der Vielzahl der Anfragen kann es ROBIN WOOD leider nicht leisten, allen Fällen nachzugehen oder auf die Schnelle Protestaktionen zu initiieren.
Was also tun?
Wer vermutet, dass Bäume unrechtmäßig gefällt werden sollen, bekommt hier ein paar Tipps zum Vorgehen:
Zuerst Informationen zusammen stellen: Wer will wann und warum welche Bäume fällen? Liegt eine Fällgenehmigung vor? Auf welchen Flächen wird gerodet? Handelt es sich um öffentliche Park- oder Grünflächen, Straßen und Wege oder um Privatgrundstücke? Oder um Wälder? Daraus ergibt sich auch, welche Behörde zuständig ist und wer die richtigen Ansprechpartner*innen sind.
Klären, welche Rechtsgrundlagen vor Ort gelten: Die Gemeinden können eigene Baumschutzverordnungen erlassen. Deshalb lohnt es sich, online zu suchen, ob eine solche Verordnung vor Ort existiert und wie die Regelungen im einzelnen aussehen.
In Hamburg beispielsweise gibt es eine Baumschutzverordnung. Sie regelt detailliert, für welche Bäume auf Privatgrundstücken eine Fällgenehmigung vorliegen muss. Das hängt zum Beispiel von der Stammdicke ab oder davon ob der Baum zu einer Baumgruppe gehört. Festgelegt sind darin auch Ersatzpflanzungen bzw. -zahlungen. Nicht allein Bäume, auch Hecken fallen unter diesen Schutz.
Wer eine Fällgenehmigung überprüfen will, kann sich dort an das zuständige Bezirksamt wenden. Wer das tut, stößt allerdings als erstes auf die Dienstleistung, Baumfällungen und Gehölzschnitte sowie „naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen“ und Befreiungen zu beantragen. Die Verwaltungen machen es einem also nicht gerade leicht, sich für mehr städtisches Grün einzusetzen, zumal die Naturschutz-Referate in den Hamburger Bezirksämtern im Zuge einer Verwaltungsreform abgeschafft wurden.
Wenn sich Fortpflanzungs- oder Ruhestätten von Tieren wie Nester oder Höhlen in den Bäumen befinden, greift darüberhinaus auch das Bundesnaturschutzgesetz. In diesem Fall kannst du bei der zuständigen Behörde (in Flächenländern sind das die „unteren Naturschutzbehörden“, in einem Stadtstaat wie Hamburg ist es die Umweltbehörde) nachfragen, ob eine Ausnahmegenehmigung oder Befreiung von artenschutzrechtlichen Verboten vorliegt.
Sich vor Ort die Genehmigung zeigen lassen: Sollten die Fällarbeiten vor Ort schon laufen, kannst du dir von den Baumfällarbeiter*innen die Genehmigung zeigen lassen. Gibt es keine oder lassen sich Zweifel nicht ausräumen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, kannst du die Polizei informieren und eine Umweltstraftat anzeigen. Es liegt dann allerdings im Ermessen der Beamt*innen, ob sie sofort einschreiten.
Stichwort Verkehrssicherung: Sehr oft werden Fällungen mit dem Verweis auf die Pflicht zur „Verkehrssicherung“ begründet. Wenn von einem Baum eine akute Gefahr ausgeht (z. B. nach einem Sturm, bei schwerem Pilzbefall oder morschen Ästen über einer Straße), hat der Schutz von Leben und Gesundheit von Menschen Vorrang vor dem Schutz der Tierstätte. Bei Bäumen mit Nestern und Bruthöhlen kann aber auch erwogen werden, nur die gefährlichen Äste oder die Krone zu entfernen, um so den wichtigen Lebensraum für die Tiere zu erhalten. Regt das gerne an, wenn ihr beobachtet, dass Bäume komplett gefällt werden sollen!
Wenn es schon zu spät ist, die Fällung zu stoppen, lässt sich im Anschluss immer noch kontrollieren, ob die Ersatzpflanzungen korrekt vorgenommen werden.
Was tun, wenn du denkst, dass ein Umweltvergehen stattfindet, aber alle deine Bemühungen ins Leere laufen?
Öffentlichkeit informieren: Nimm Kontakt zu den Redaktionen von Zeitungen und Rundfunk in deiner Region auf und schildere prägnant, warum die Baumfällungen verhindert werden müssen. Auch social media-Kanäle lassen sich dafür gut nutzen. Fotos und Filmaufnahmen machen anschaulich, worum es geht.
Sich organisieren und vernetzen: Um Mitstreiter*innen zu finden, lohnt es sich zu recherchieren, welche Bürgerinitiativen oder Regionalgruppen von Umweltorganisationen wie BUND, dem Naturschutzbund NABU oder ROBIN WOOD vor Ort aktiv sind und entsprechend Kontakt aufzunehmen.
Je mehr Menschen wachsam auf die Bäume achten, umso besser. Besonders in dicht besiedelten Städten und angesichts von zunehmender Hitze ist jeder Baum wichtig – als Luftfilter und Schattenspender ebenso wie für den Klima- und Artenschutz. Auf dass weniger Flächen versiegelt werden, die Böden mehr Wasser speichern und das Grün in unseren Städten wächst und gedeiht!
PS: Dem Thema Überprüfung von Baumfällungen in Wäldern werden wir uns in der kommenden Woche in einem weiteren Blogbeitrag widmen. Schaut gern wieder auf unsere Website!