Wasserbewegung schlägt Wellen: Flusscamps überall in Deutschland
Zum Weltwassertag am 22. März 2026 rufen Aktivist:innen im ganzen Land dazu auf, sich für Wasser, Flussökosysteme und eine gerechte Wasserverteilung zu engagieren und die Flusscamps an Spree, Weser, Elbe-Saale und Rhein zu besuchen. Die selbstorganisierten Bildungs- und Vernetzungs-Veranstaltungen machen regionale Wasserkrisen sichtbar und sind Ausdruck einer bundesweit wachsenden Wasserbewegung.
Den Auftakt der Camp-Saison macht das Spree Festival vom 07.-10. Mai 2026 im Strombad in Cottbus. Brandenburg gehört zu den trockensten Bundesländer und leidet unter den Folgen des Klimawandels. „Die Hitzesommer und der industrielle Großverbrauch von Wasser aus der Spree nehmen zu. Deshalb haben Grundwasser, Seen und Flüsse gar keine Chance sich zu regenerieren“, berichtet Rebekka Schwarzbach von der Umweltgruppe Cottbus. So ist die Wasserkrise auch Teil der Klimakrise. Zudem steigt der Wasserverbrauch durch industrielle Nutzung in Brandenburg von Großverbrauchern wie LEAG, Red Bull oder Tesla.
Anschließend findet das Wesercamp vom 04.-07. Juni 2026 auf der Flussinsel Harriersand gegenüber des Braker Hafens unter dem Motto „Gemeinsam gegen Weservertiefung und für lebendige Flüsse und gerechte Landwirtschaft“ statt. „Warum wird nicht gesehen, dass die Weser auch ein Lebensraum ist? Für die Menschen, die an ihr leben und die bedrohten Fischarten, die hier zuhause sind? Warum soll das wirtschaftliche Interesse eines einzigen Unternehmen im Braker Hafen wichtiger sein?“, fragt Jochen Dudeck vom BUND Wesermarsch. „Die Weservertiefung ist auch Sinnbild für zunehmende Ausbeutung von Mensch und Umwelt in globalen Lieferketten. Der industrielle Anbau von Ölpalmen und Soja wächst, verschmutzt Wasserressourcen und zerstört Lebensräume auf der ganzen Welt“, ergänzt Fenna Otten, Tropenwaldreferentin von ROBIN WOOD. Am 06. Juni 2026 wird es eine Demonstration gegen die geplante Weservertiefung zu Land und Wasser geben, bei der auch viele Kanuten erwartet werden.
Vom 25. bis zum 31. Juli 2026 findet das 34. Elbe-Saale-Camp an der Mündung der Saale in die Elbe nahe Barby statt. „Die Flusslandschaft der Elbe ist von Niedrigwasser und Trockenheit schwer gezeichnet. Durch die Einengung und Begradigung der Elbe als Wasserstraße fließt das Wasser immer schneller ab. Doch wir brauchen es auch für Natur, Landschaft und Landwirtschaft. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit“, sagt Jutta Röseler, Sprecherin des Elbe-Saale-Aktionsbündnisses. Seit 1993 setzen sich die Ehrenamtlichen für eine intakte Flusslandschaft der Elbe und Saale ein und protestieren gegen die massiven Eingriffe für eine Güterschifffahrt, die kaum noch existiert.
Den Abschluss der Flusscamp-Saison bildet vom 28.-30. August 2026 das Rheincamp zwischen Köln und Düsseldorf, das im Zeichen der Rheinwasser-Transportleitung und der größten Chemieregion Europas steht. „Der Rhein schlägt sich derzeit mit den Ewigkeitslasten des Braunkohletagebaus herum. Mittels der im Bau befindlichen Rheinwasser-Transportleitung sollen gigantische Mengen Wasser abgezapft werden, um ehemalige Tagebaue zu fluten. Wegen der fraglichen Wasserqualität durch Einleitungen der Chemiekonzerne sind Folgeprobleme vorprogrammiert", so Timo Luthmann vom Klima*Kollektiv.
Die Flusscamps werden dezentral von Ehrenamtlichen und Umweltorganisationen über das Jahr organisiert. An Flüssen wird gemeinsam gezeltet. Ziel ist es, Wissen in Workshops zu teilen und gemeinschaftliche Aktionen zu initiieren. So wird die Aufmerksamkeit sowohl auf lokale Wasserprobleme gelenkt, als auch durch das Netzwerk der Flusscamps übergeordnete Probleme wie die drohende Aufweichung der Wasserrahmenrichtlinie thematisiert.
Die Flusscamps sind als öffentliche Veranstaltung frei zugänglich und Bürger:innen sind eingeladen, sich im Rahmen der Flusscamps gegen Verschmutzung für eine gerechte Verteilung von Wasser für Mensch und Natur zu engagieren.
Kontakt:
- Klima*Kollektiv: Lena Eyerich, 0163 2505 436, info@flusscamps.org
- ROBIN WOOD: Fenna Otten, Tropenwaldreferentin, Tel. 040 380892 15 und Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 0171 8359515, presse@robinwood.de