Wald in NRW geht es so schlecht wie nie

ROBIN WOOD fordert radikale Überarbeitung des NRW-Waldbaukonzepts

29. November 2018
Wald
Pressemitteilung

Dem Wald in Nordrhein-Westfalen geht es so schlecht wie nie seit Beginn der Erhebungen vor über 30 Jahren. Das geplante Waldbaukonzept für NRW ist ungeeignet, das Ökosystem Wald an den Klimawandel anzupassen und zu stärken. ROBIN WOOD fordert daher Politik und Forstwirtschaft auf, es grundlegend zu überarbeiten mit dem Ziel, naturnahe, stabile Mischwälder zu fördern. Um den Schadstoffeintrag in den Wälder zu verringern, ist zudem eine ökologische Agrar- und Verkehrswende erforderlich.

In NRW sind 78 Prozent aller untersuchten Bäume krank. Ihre Kronen sind zwischen 11 und 100 Prozent verlichtet, rund ein Drittel zu mindestens 26 Prozent. So steht es im aktuellen Waldzustandsbericht 2018 für NRW. Dem Wald macht neben den Luftschadstoffen aus Tierproduktion, Industrie und Verkehr der Klimawandel zu schaffen. Die diesjährige Dürre und starke Stürme malträtierten die geschwächten Bäume zusätzlich. Solche Extremwetterereignisse werden sich wegen des Klimawandels in Zukunft häufen.

Das NRW-Umweltministerium hat zusammen mit Waldeigentümern ein Waldbaukonzept für NRW erarbeitet, das die Anpassung an den Klimawandel leisten soll. Nach Ansicht von ROBIN WOOD schwächt dieses Konzept den Naturschutz im Wald und sorgt unter dem Vorwand der Anpassung an den Klimawandel dafür, die finanziellen Interessen der Forstwirtschaft zu bedienen.

Als wichtigste Maßnahme setzt das Konzept auf den Austausch der Fichte durch Küstentanne und Douglasie. Die zwei Nadelbaumarten seien besonders resistent gegen Klimaveränderungen. Je nach Waldtyp sind zwischen zehn und 70 Prozent Douglasien und teilweise bis zu 30 Prozent Küstentannen das Bestandsziel. Dabei sind die aus Nordamerika stammenden Nadelbäume hier nicht standortheimisch. Sie bringen aus anderen Ökosystemen zudem Schaderreger wie die Douglasien-Wolllaus mit, die ungewisse Auswirkungen auf das hiesige Ökosystem haben. Außerdem besitzen sie eine vergleichsweise geringe Holzqualität, so dass ihr Holz eher in der Papierproduktion landet als in der Herstellung klimafreundlicher, langlebiger Möbelstücke.

Die Forstwirtschaft macht sich dennoch für diese Nadelbäume stark, weil sie unter Idealbedingungen sehr schnell wachsen.

„In Zeiten des Waldsterbens und des Klimawandels ist es wichtig, naturnahe, stabile Waldgesellschaften zu erhalten und zu fördern. Ein ökologisch riskanter Biomasse-Zuwachs durch Douglasien ist die falsche Antwort auf die klimatischen Herausforderungen unserer Zeit“, sagt ROBIN WOOD-Waldreferentin Jana Ballenthien. „Das Waldbaukonzept stellt unverblümt die ökonomischen Profite über die ökologischen Ziele!“

Wald ist viel mehr als ein Holzlieferant. ROBIN WOOD fordert ein Waldbaukonzept, das das Wald-Ökosystem als Ganzes in den Blick nimmt. Ziel muss es sein, naturnahe Wälder und ihre vielfältigen Leistungen wie die Speicherung von Kohlendioxid, die Sicherung der Artenvielfalt und die Grundwasserbildung zu erhalten und zu fördern.

„Die extrem schlechte Lage des Waldes muss wieder viel stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken“, sagt Ballenthien, „damit der Druck steigt, den Wald zu schützen und nicht die Interessen der Forstindustrie.“

Kontakt:

Jana Ballenthien, Waldreferentin, Tel. 040 / 380 892 11, wald [at] robinwood.de

Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22, presse [at] robinwood.de