Menschen mit einem großen gelben Banner vor abgestorbenen Fichten im Harz.

Wälder statt Holzfabriken

ROBIN WOOD fordert mit einer Protestaktion im Harz eine ökologische Waldwende

20. März 2022
Wald
Zum „Internationalen Tag des Waldes“ (21. März 2022)
Bild
ROBIN WOOD-Protest im Oberharz zum Tag des Waldes 2022. Im Hintergrund ist das beliebte Ausflugsziel, der Brocken, zu sehen. Bis zum Horizont erstrecken sich abgestorbene Fichtenwälder.
Moritz Heck
Bild
Die berühmte Harzer Schmalspurbahn fährt am ROBIN WOOD-Bannerprotest an einem weiteren Aktionsort im Oberharz vorbei. Reguläre Ansage auf jeder Fahrt ist der Hinweis, dass das Schreckensbild der abgestorbenen Fichten auch etwas Gutes im Nationalpark Harz bedeutet: Die nächste Waldgeneration ist ein strukturreicher und artenreicher Urwald von morgen.
Moritz Heck
Bild
Dieses Jahr wird ROBIN WOOD 40 Jahre alt. Zum Tag des Waldes 2022 sind ROBIN WOOD-Aktive im Harz und machen auf eine jahrzehntelang verfehlte Waldpolitik in Deutschland aufmerksam. Im Hintergrund der Turm des Wurmbergs und große Flächen abgestorbener Fichten.
Moritz Heck
Bild
Lutz Fähser (li.), Förster und "Vater" des naturnahen "Lübecker Modells", und Rudolf Fenner, jahrzehntelanger Waldreferent von ROBIN WOOD, begleiteten die 40 Jahre-Jubiläumsexkursion zum Tag des Waldes 2022 in den Harz.
Ute Bertrand
Bild
Rückblende in die ROBIN WOOD-Geschichte: Um auf das Waldsterben aufmerksam zu machen, nahmen sich ROBIN WOOD-Aktivist*innen im November 1983 Christo zum Vorbild und verpackten den Wald: Sie zogen eine 1500 Quadratmeter große Plane über eine Fichten-Schonung im Schwarzwald.
Bild
Bei der ersten bundesweiten ROBIN WOOD-Aktion demonstrierten die Mitglieder der frisch gegründeten Umweltorganisation dafür, Kohlekraftwerke zum Schutz der Wälder vor dem sauren Regen zu entschwefeln. Protestbanner am Kohlekraftwerk Frimmersdorf, 21.02.1983
Bild
Zeitgleich demonstrierten ROBIN WOOD-Mitglieder in etlichen weiteren Städten auf Schornsteinen und auf Marktplätzen und forderten: "Stoppt den sauren Regen!", Bremen, 21.02.1983
Bild
Die Herolde ziehen durch die Städte und verkünden, wie schlecht es um die Wälder bestellt ist. Waldmarathon nach Bonn, 1985
Pressemitteilung

Zum morgigen „Tag des Waldes“ fordert ROBIN WOOD die Umwelt- und Agrarminister*innen von Bund und Ländern auf, die ökologische Waldwende konsequent voranzutreiben.

Die jährlichen Waldzustandsberichte der Bundesregierung und der Länder sind seit vielen Jahren alarmierend. Die drei Hitze- und Dürrejahre 2018 bis 2020 haben besonders deutlich gezeigt, wie anfällig vor allem die naturfernen Fichten- und Kiefernforste sind: Über fünf Prozent der Fichten und mehr als ein Prozent der Kiefern sind hierzulande allein in dieser Zeit abgestorben.

Im Harz sind die großflächig abgestorbenen Fichtenbestände unübersehbar. Der Harz – als beliebtes Ausflugsziel weit über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt – ist damit zur Ikone einer verfehlten Waldpolitik geworden.

„Wertvolle Wälder statt Holzfabriken“ – forderten ROBIN WOOD-Aktivist*innen daher auf einem großen Banner, das sie heute im Oberharz bei St. Andreasberg und bei Schierke entrollten. Die Perspektive der Waldpolitik müsse sich grundlegend ändern: weg von der einseitigen Ausrichtung auf Profite aus dem Holzverkauf hin zu einer Wertschätzung der komplexen Ökosystemleistungen des Waldes. Gerade angesichts von Klimakrise und Artensterben sind naturnahe Wälder aus Sicht von ROBIN WOOD wichtiger denn je.

Bisher wird die Waldpolitik von Bund und Länder aber nicht einmal den eigenen Anforderungen gerecht. Deutschland hatte sich bereits vor anderthalb Jahrzehnten zum Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens zwei Prozent der Waldflächen in geschützte Wildnisgebiete umzuwandeln. Erreicht wurden davon bislang gerade einmal 0,6 Prozent. Statt mindestens fünf Prozent der Waldflächen einer natürlichen Entwicklung ohne forstliche Eingriffe zu überlassen, waren es 2019 gerade einmal 2,8 Prozent.

Die EU-Biodiversitätsstrategie, die gefährdete, wildlebende heimische Pflanzen- und Tierarten und deren Lebensräume wirksam schützen soll, sieht einen strikten Schutz für zehn Prozent aller Landflächen bis 2030 vor. Um das zu erreichen, müssten hierzulande auch viel mehr Waldflächen als Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Auch vom Ziel, Managementpläne für Natura 2000-Schutzgebiete aufzustellen, ist Deutschland weit entfernt. Bereits seit sieben Jahren ist deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland anhängig.

Hinzu kommen die Versäumnisse der Bundesregierung und der Länder, für eine Verringerung der Stickstoff-Einträge zu sorgen, die die Wälder schädigen.

„Vor 40 Jahren, als ROBIN WOOD den Kampf gegen den Sauren Regen aufnahm, ging es den Wäldern sichtbar schlecht, aber doch besser als heute. ROBIN WOOD hat mit seinen Aufsehen erregenden Aktionen die Verantwortlichen zum Einbau von Entschwefelungs- und Entstickungsanlagen für Kraftwerke und Katalysatoren für benzingetriebene PKWs gedrängt“, sagt Lutz Fähser, Forstexperte und “Vater“ des Lübecker Konzepts zur naturnahen Waldbewirtschaftung. „Zwar sind die Schwefeldioxid-Emissionen inzwischen wirkungsvoll abgesenkt, doch die Stickstoff-Emissionen aus dem Straßenverkehr und vor allem aus der landwirtschaftlichen Tierproduktion liegen noch immer auf viel zu hohem Niveau. Der Klimawandel und die intensive profitorientierte Forstwirtschaft machen dem Wald zusätzlich schwer zu schaffen.“

„Die neue Bundesregierung steht vor jahrzehntelangen Versäumnissen, die zum miserablen Zustand der Wälder geführt haben“, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin von ROBIN WOOD. „Wir nehmen den Tag des Waldes zum Anlass, ein radikales Umdenken einzufordern. Denn ohne die Wälder sterben die Menschen. Die Bundesregierung muss auch gegen Widerstände der Forst- und Agrarlobby eine ökologische Waldwende durchsetzen.“

Kontakt:

  • Jana Ballenthien, Waldreferentin, Tel. 040 380 892 11, wald [at] robinwood.de
  • Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 0171 835 95 15, presse [at] robinwood.de
  • Lutz Fähser, Forstdirektor i.R., Tel. 04543 7026, lutz.faehser [at] posteo.de

Für Bildmaterial von der Aktion wenden Sie sich gern an uns. Außerdem vermitteln wir bei Interesse Gespräche mit ROBIN WOOD-Expert*innen zur Waldpolitik und Rückblicke auf 40 Jahre Umweltbewegung (presse [at] robinwood.de).