Umweltorganisationen reichen Stellungnahme gegen geplantes Holzkraftwerk in Dortmund-Kirchderne ein
Das Unternehmen Biowärme Dinslaken GmbH will in Dortmund-Kirchderne ein Holz-Heizkraftwerk errichten. Das kritisieren Umweltorganisationen, darunter ROBIN WOOD, Biofuelwatch, NABU sowie das Klimabündnis Dortmund und die Bürgerinitiative „NEIN zum Heizkraftwerk schützt Derne/Kirchderne”. Sie haben im Verfahren um die Änderung des Flächennutzungsplans Stellungnahmen gegen das Projekt eingereicht.
Das Heizkraftwerk, das den Dortmunder Stadtteil Scharnhorst mit Wärme versorgen soll, läge nur 250 Meter von einem Wohngebiet im Stadtteil Kirchderne entfernt. Welcher Brennstoff dort verheizt werden soll, wird in den Planungsunterlagen nicht weiter klassifiziert – laut Umweltbericht sind bis auf chemisch belastetes Altholz alle Biomasse-Sortimente zugelassen, also auch Rundholz aus dem Wald. Insgesamt soll das geplante Kraftwerk knapp 9.000 Stunden pro Jahr laufen. Es würde dabei jährlich mehr als 62.000 Tonnen CO2 freisetzen.
„Holz setzt bei seiner Verbrennung nicht weniger CO2 frei als fossile Energieträger wie Öl oder Gas. Das ist nicht klimaneutral”, sagt Jana Ballenthien, Waldreferentin von ROBIN WOOD. „Zwar hat das Holz dieses CO2 zuvor gespeichert, das ändert aber nichts daran, dass bereits gebundenes CO2 durch die Holzverbrennung in die Atmosphäre gelangt und die Klimakrise weiter befeuert.“
Auf diesen Zusammenhang machten 500 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bereits 2021 aufmerksam, als sie in einem offenen Brief vor der Belastung des Weltklimas durch Holzverbrennung warnten.
Die Umweltorganisationen kritisieren zudem, dass bei dem Projekt in Kirchderne Alternativen zur Holzverbrennung nicht ausreichend geprüft wurden. So wird behauptet, dass Geothermie in Dortmund prinzipiell keine realistische Option sei, obwohl die Stadt Dortmund im Zwischenbericht der Potenzialanalyse zur kommunalen Wärmeplanung zu dem gegenteiligen Schluss kommt und hervorhebt, oberflächennahe Geothermie biete „enorme Chancen [mit] nahezu unbegrenzte[r] Verfügbarkeit”.
Eric Häublein, Wärme-Experte beim NABU, sagt: „Holz ist ein kostbarer Rohstoff und sollte nicht verbrannt werden, wenn es Alternativen gibt. Und das ist in Kirchderne ganz klar der Fall. Für die Erzeugung von Fernwärme können Großwärmepumpen, Geothermie oder Solarthermie eingesetzt werden, die in Verbindung mit neuartigen Wärmespeichern und Power-to-heat-Anlagen für saubere, klimafreundliche Wärme rund um das Jahr sorgen. Die Steinzeit-Technik Holzverbrennung ist keine Lösung für das 21. Jahrhundert.”
Hinzu kommt eine steigende Belastung durch Schadstoff-Emissionen, die mit dem Bau eines Holzheizkraftwerks einhergehen würde.
Besonders problematisch ist, dass die Kapazität der Anlage 19,9 Megawatt betragen soll, was kurz unter der 20 Megawatt-Grenze liegt, ab der wesentlich strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe gelten.
Luzie Arndt von Biofuelwatch sagt: „Holzenergie setzt mehr Feinstaubemissionen frei als fast alle anderen Energiequellen. Feinstaub (PM2,5) ist besonders gesundheitsschädlich und steigert das Risiko von Atemwegs- und Herzerkrankungen sowie Schlaganfällen. Dadurch dass die geplante Anlage in Kirchderne unmittelbar unter der 20-Megawatt-Grenze liegt, kann die Biowärme Dinslaken an der Rauchgasreinigung sparen und ein Drittel mehr gesundheitsschädlichen Feinstaub emittieren.”
Schließlich weisen die Umweltorganisationen auf das Störfallrisiko hin, das durch eine nahe gelegene Produktionsstätte für Zünder erhöht ist, die mit explosionsgefährlichen und hoch- sowie leicht entzündlichen Chemikalien arbeitet. Bei Holzheizkraftwerken kommen Brände, darunter auch Großbrände, nicht selten vor.
Kontakte:
- Jana Ballenthien, Waldreferentin ROBIN WOOD, wald@robinwood.de, Tel.: 040 38089211; Ute Bertrand, Pressesprecherin ROBIN WOOD, presse@robinwood.de, Tel. 0171 8359515
- Michaela Wagner, BI „NEIN zum Heizkraftwerk – schützt Derne/Kirchderne“, info@buergerinitiative-heizkraftwerk.de, Tel.: 0174 1927339
- Eric Häublein, Referent für Bioenergie, NABU, Eric.Haeublein@Nabu.de, Tel.: 0162 269 47 81
- Almuth Ernsting, Biofuelwatch, almuthbernstinguk@yahoo.co.uk, Tel.: 0044 131 6232600