FLEGT: ROBIN WOOD warnt vor Tropenwaldverlust aufgrund neuem EU-Abkommen mit Indonesien

Neues Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Indonesien birgt Gefahr der Tropenwaldzerstörung und des Einschleusens von Raubbauholz

27. November 2016
Tropenwald
Pressemitteilung

ROBIN WOOD warnt vor weiterer Tropenwaldzerstörung und dem Einschleusen von Raubbauholz durch die Öffnung des EU-Markts für indonesische Tropenholzimporte gemäß dem indonesischen FLEGT-Partnerschaftsabkommen. Durch die seit Mitte dieses Monats geltende Neuregelung werde die Tropenwaldzerstörung beschleunigt – und zum Teil legalisiert – weitergehen. Diese Einschätzung von ROBIN WOOD wird bestärkt durch aktuelle Rechercheergebnisse zu einem Mahagoni-Möbel aus Indonesien, das mit offenbar falscher Angabe zur Holzherkunft in die EU eingeführt wurde. Mit dem FLEGT-Abkommen (Forest Law Enforcement, Governance and Trade) verzichtet die EU völlig auf eigene Kontrollen von Tropenholzimporten aus Indonesien und vertraut stattdessen auf das indonesische Holzsicherungssystem SVLK. ROBIN WOOD fordert die Rücknahme dieses Abkommens mit Indonesien. Bis dahin sollten Holzhandel und VerbraucherInnen auf FLEGT-Tropenholz verzichten.

Bei Marktrecherchen stieß ROBIN WOOD im Großraum Hamburg auf einen Strandkorb aus Mahagoni, dessen Holz laut Werbeprospekt „aus nachhaltigem Anbau“ stammt. Gemäß dem vorliegenden FLEGT-Dokument und den Händlerangaben soll das Mahagoni-Holz von einer Plantage auf der indonesischen Insel Java stammen. ROBIN WOOD nahm eine Probe und ließ sie vom Speziallabor für Holzherkunft Agroisolab überprüfen. Demnach stammt das Holz mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus Indonesien. Wie Institutsleiter Markus Boner feststellte, passt das Ergebnis der Isotopenanalyse nicht zu Java.

„Wir haben hier den Verdacht, dass illegal geschlagenes Mahagoni nach Indonesien importiert, dort verarbeitet und vor dem Weiterverkauf nach Deutschland umdeklariert wurde“, sagt Sven Selbert von ROBIN WOOD. Indonesien droht wegen der verbreiteten Korruption über das FLEGT-Abkommen zum Drehkreuz für illegales Holz aus Drittländern zu werden.

Zwei weitere Methoden, Raubbau-Tropenholz für den Export nach Europa zu legalisieren, beschreibt eine aktuelle Studie von Interpol: Offizielle Konzessionsgenehmigungen werden durch Korruption erschlichen. Zudem werden Plantagen, die nur auf dem Papier existieren, dafür genutzt, im Naturwald gerodetes Holz in den Markt zu schleusen.

Doch selbst Holz, das nach indonesischem Recht als legal bezeichnet wird, ist längst nicht „nachhaltig“. Zurzeit ist etwa ein Drittel des verbliebenen Tropenwaldes in Indonesien – rund 27 Millionen Hektar – als Konzessionsgebiet für den Holzeinschlag oder für die Entwicklung industrieller Plantagen vergeben. Die Fläche ist vergleichbar mit dem Staatsgebiet des Vereinigten Königreichs. Dort durch Einschlag und Kahlschlag gewonnenes Holz kann mit FLEGT als „legal“ zertifiziert und ohne weitere Kontrollen in die EU exportiert werden. Die indonesischen Tropenholzexporte in die EU sollen schon im kommenden Jahr um 20 Prozent steigen. Ein Desaster für Wälder und Klima!

„Ende 2015 kam es in Indonesien durch tausendfache Brandstiftung zu einer Waldvernichtung historischen Ausmaßes. Indonesien kurz danach mit einem offenen Marktzugang für scheinbar sicheres Tropenholz zu belohnen, ist in etwa so, als hätte man Japan im Jahr 2011 für den sicheren Umgang mit Atomenergie ausgezeichnet“, sagt Selbert.

Kontakt:
Sven Selbert, Tropenwaldreferent, Tel. 0170 / 47 20 498, tropenwald(at)robinwood.de

Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 0171 / 835 95 15, presse(at)robinwood.de