NATURSTROM

Die Düsseldorfer NATURSTROM AG wurde 1998, gleich nach der Liberalisierung des Strommarktes, gegründet und war einer der ersten bundesweit tätigen Ökostromanbieter. Die NATURSTROM-Gründungsmitglieder kamen aus den Umweltverbänden BUND und NABU sowie aus Erneuerbare-Energien-Vereinigungen wie dem Bundesverband Windenergie und Eurosolar.

Woher kommt der Strom von NATURSTROM?

Der von NATURSTROM angebotene Strom bestand im Jahr 2018 zu 100 % aus Wasserkraft. NATURSTROM bezieht seinen Strom vollständig über direkte Lieferverträge mit Ökostromanlagen in Deutschland und Österreich. Dabei stellt das Unternehmen sicher, dass der Strombedarf der Haushaltskund*innen ausschließlich über Kraftwerke in Deutschland gedeckt wird. Seit 2019 bietet NATURSTROM Privatkund*innen in fünf deutschen Großstädten (Hamburg, Leipzig, Berlin, München und Nürnberg) Städtetarife an. Kund*innen dieser Tarifer beliefert NATURSTROM mit einem Strom-Mix, gewonnen aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft größtenteils aus der jeweiligen Region.

NATURSTROM bezog 2018 von 35 Anlagen Strom. 3,5 % der Strommenge stammten von Anlagen, die maximal zehn Jahre alt waren. 96,5 % wurden von Anlagen bezogen, die älter als 21 Jahre waren. 40,2 % stammten 2018 aus Laufwasserkraftwerken mit mehr als 50 Megawatt (MW) installierter Leistung, knapp 60 % aus kleineren Anlagen.

Detaillierte Informationen zu den Kraftwerken und deren Eigentümer können in der Tabelle zum Download eingesehen werden.

Wie investiert NATURSTROM in die Energiewende?

Im Preis für den Bezug der Stromprodukte von NATURSTROM ist je nach Tarif ein Betrag von netto 1 ct/kWh bzw. 2 ct/kWh enthalten, der für die Förderung und den Bau neuer Ökostromkraftwerke und für Energiewendeprojekte verwendet wird. Den Großteil dieses Förderbetrags investiert NATURSTROM in die Initiierung und Planung neuer Ökostromanlagen. Die NATURSTROM AG initiierte zwischen 2014 und 2019 42 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 113,6 Megawatt (MW) und 12 Fotovoltaikanlagen mit insgesamt 20,2 MW. Darüber hinaus realisiert der Öko-Energieversorger Mieterstrom- und Nahwärmeprojekte, finanziert Bildungsarbeit und fördert Energieprojekte im Globalen Süden (wie z. B. den Bau einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach eines Krankenhauses in Brasilien). Für die Ökostromtarife der Stadtwerke Hameln und Hannover verwaltet NATURSTROM die Förderbeträge und investiert diese in den Bau von (möglichst regionalen) Anlagen.

Das Unternehmen Naturstrom

Aktuell arbeiten ca. 400 NATURSTROM-Mitarbeiter*innen an 13 Standorten in Deutschland. Das Unternehmen versorgte 2019 etwa 211.800 Haushalte und rund 23.000 Gewerbebetriebe mit Strom.

NATURSTROM versteht sich als Bürger-Energiegesellschaft in Form einer AG. Das Unternehmen ist nicht an der Börse notiert, sondern wird von etwa 1.260 Aktionär*innen – darunter zahlreiche NATURSTROM‐Kund*innen und -Mitarbeiter*innen – getragen. Die Aktien werden nur auf privater Ebene ge- und verkauft. 51,1 % des Aktienkapitals sind in der Hand von Kleinaktionär*innen. Als Hauptaktionär fungiert mit knapp unter 25 % der Aktien die eco eco AG, eine nachhaltige Unternehmensberatung des NATURSTROM-Vorstands Dr. Banning. Der Familie Banning und der Banning GmbH & Co. Neue Energien KG sind weitere 10,8 % der Aktien zuzurechnen. Hinzu kommen sieben weitere Aktionär*innen mit jeweils 1,3 bis 3,9 % der Aktien.

Wirtschaftliche Verflechtungen der Kraftwerksbetreiber

Den Großteil des Stroms (72,6 %) bezog NATURSTROM 2018 von Kraftwerken der VERBUND Innkraftwerke GmbH bzw. der Verbund Hydro Power GmbH. Die VERBUND AG als Muttergesellschaft dieser Unternehmen ist mehrheitlich im Besitz der Republik Österreich und gewinnt 95 % ihres Stroms aus Wasserkraft, betreibt aber immer noch auch ein mit Steinkohle und Gas befeuertes Heizkraftwerk in Österreich . Dessen Stilllegung wurde 2014 beschlossen und ist für 2020 geplant.

Durch den Strombezug aus Kraftwerken der VERBUND AG verdient der Energiekonzern EnBW AG geringfügig am Strombezug mit, da dieser indirekt an der VERBUND AG beteiligt ist. Über die Kärntner Elektrizitäts AG (KELAG) ist zudem Innogy SE indirekt an der Kraftwerksbetreibergesellschaft VERBUND Hydro Power GmbH beteiligt. Innogy SE gehörte früher zu RWE und wurde mittlerweile an E.on verkauft. An der Kraftwerksbetreibergesellschaft VERBUND Innkraftwerke GmbH ist der EnBW ebenfalls indirekt beteiligt.  Eine direkte Einflussnahme durch EnBW oder e.on auf VERBUND, kann jedoch aufgrund des begrenzten Umfangs der Beteiligungen ausgeschlossen werden.

Zwei Laufwasserkraftwerke, mit denen NATURSTROM Strom-Lieferverträge hat, sind im Besitz von Statkraft, einem norwegischen staatlichen Energiekonzern. Statkraft produziert hauptsächlich Strom aus Wasserkraft, betreibt aber auch Windenergie-, Gaskraft- und Fotovoltaikanlagen. Statkraft hat vier Gaskraftwerke in Deutschland und hält Anteile an zwei weiteren Anlagen in Deutschland bzw. Norwegen. Außerdem betreibt es 20 Fernwärmekraftwerke, die überwiegend mit Gas, z. T. aber auch mit Biomasse oder Öl betrieben werden.

Die Ennskraftwerke – Eigentümer von fünf Wasserkraftwerken, von denen NATURSTROM Ökostrom bezieht – gehören je zur Hälfte der VERBUND AG und der Energie AG. Letztere betreibt ein Steinkohlekraftwerk in Oberösterreich, das zu maximal 23 % ihrer Stromproduktion beiträgt. Die Energie AG ist mehrheitlich im Besitz der Beteiligungsverwaltung des Landes Oberösterreich.

Weitere Energieangebote

NATURSTROM bietet drei verschiedene Gastarife mit unterschiedlichem Biogasanteil an (100, 20 oder 10 %). Im Mittel ergibt sich ein Biomethananteil von 15 % und ein Erdgasanteil von 85 %. Das Biomethan stammt aus deutschen Anlagen (bilanziell, keine internationalen Zertifikate), und NATURSTROM verpflichtet sich zum Verzicht auf Biomethan aus Gülle oder nachwachsenden Rohstoffen. Das Erdgas wird über den Großhandel bezogen. NATURSTROM gleicht die Emissionen der Gasprodukte mit Klimaschutzprojekten aus. Die Produkte sind vom Grünes-Gas-Label zertifiziert.

 

Die Recherchen für den aktuellen Bericht wurden zwischen August und November  2019 durchgeführt. Für den Bericht sind wir in weiten Teilen auf die, uns vom Anbietern zur Verfügung gestellten Informationen angewiesen.