Natur- und Klimaschutz gehören zusammen – auch im Wald!

04. März 2017
Wald
Jannis Pfendtner
ROBIN WOOD-Waldreferent
Magazin

Wenn Naturschutz gegen Klimaschutz ausgespielt wird – und umgekehrt, geht es meist um Interessenspolitik und nicht um eine gesamtheitliche Betrachtung der Situation.

In der deutschen Walddebatte wird gerade mit dem Ziel der CO2-Minderung die scheinbar einfache Frage gestellt: „Wie kann eine Fläche Wald in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Kohlenstoff aufnehmen?“ Dann wird geschaut, welche Wirtschaftsbäume nach Berechnungstabellen in Deutschland am schnellsten wachsen (Antwort: Douglasie, Fichte, Kiefer) und welche Holzarten am ehesten in langlebigen Holzprodukten landen (Antwort: die wichtigen Nadelholzarten). Somit ergibt sich das klare Bild, dass Deutschland für den Klimaschutz möglichst viel Nadelholz anpflanzen muss. So kann der deutsche Wald gleichzeitig „Klimaretter“ sein und möglichst viel gut bezahltes Holz produzieren. So einfach, so richtig? Nein!

Vier Hauptargumente machen klar, warum es in der Forstwirtschaft keinen „Rollback“ zum Monoforst von früher geben darf:

  1. Der Wald in Deutschland ist nicht verantwortlich für den Klimawandel und seine Substitutionsleistung kann ihn nicht im Entferntesten stoppen. Die Treibhausgas­emissionen aus Deutschland lagen 2014 bei mehr als 900 Tonnen. Mehr als 84 Prozent davon stammen aus der Verbrennung fossiler Energien. Die Emissionen durch Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft liegen bei 0,2 Prozent der Gesamtmenge. Dazu gilt: Die relativ langsame Aufnahme von Kohlenstoff durch Photosynthese kann nicht im Ansatz eine Lösung für die rasante Verbrennung aller fossilen Rohstoffe der Erde sein. Die Ursachen für den Klimawandel liegen ganz woanders und müssen dort angegangen werden. Für die Veränderung des Klimas sind die nächsten fünfzig Jahre die entscheidenden. Was heute aber im Wald angepflanzt wird, muss dort noch sehr viel länger wachsen – hier sollten also andere Hauptkriterien bei der richtigen Baumwahl angelegt werden.
  2. Zwar stimmt es, dass Holzprodukte Kohlenstoff speichern, jedoch wird diese Wirkung in der Debatte überschätzt. Rund die Hälfte des gesamten Holzes in Deutschland geht in den Energieholzbereich – der zuvor gebundene Kohlenstoff wird bei der Verbrennung wieder emittiert. Vom restlichen Anteil geht wiederum nur die Hälfte in die Sägeindustrie und damit in potenziell langfristig genutztes Holz. Der Rest wird zu Papier und Holzwerkstoffen verarbeitet, und findet somit meistens eine kurzfristige Nutzung. Holz in großen Mengen zu verbrennen oder in Wegwerfprodukte zu verwandeln, ist aber weder nachhaltig, noch besonders klimafreundlich.
  3. Intensive Forstwirtschaft führt oft zu einem langfristigen Verlust von Kohlenstoff im Ökosystem Wald. Naturwälder und naturnahe Waldwirtschaft bauen Bodenkohlenstoff und die im Wald stehende Holzmenge dagegen langfristig auf. Selbst in Wäldern mit einem Alter von 300 oder 400 Jahren haben ForscherInnen Daten gefunden, die zeigen, dass dort noch immer der Kohlenstoffvorrat steigt.
  4. Ein klimaresistenter Wald braucht Vielfalt. Studien zeigen vermehrt, dass mehr Artenvielfalt und Strukturvielfalt zu einer besseren ökologischen Widerstandfähigkeit gegenüber schwierigen Naturbedingungen führen. Ein heute angepflanzter Forst müsste zumindest die nächsten 80 Jahre überstehen – ein langer Zeitraum. Hier scheint ein standortangepasster Laubwald deutlich besser aufgestellt zu sein: Er trägt oft zur Grundwasserneubildung, sowie zu einem kühleren und feuchteren Mikroklima bei. Naturnahe Laubmischwälder können durch Naturverjüngung und Generationenvielfalt nach Störungen schneller wieder zu einem „Normalzustand“ zurückkehren. So zeigen die meisten Studien, dass die Laubbaumart Buche durch den Klimawandel noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Auch beispielsweise stehengelassenes Totholz trägt im Wald zu Nährstofferhaltung und Hitzeregulation bei.

Kurz gesagt: Eine multifunktionelle Waldwirtschaft lässt vielfältige und standortheimische Wälder zu, die besser an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst sind. Diese Wälder sind darüber hinaus ein Garant für eine hohe Biodiversität. Als geschützte oder schonend genutzte Flächen binden sie langfristig Kohlenstoff und bauen den Holzvorrat weiter auf. Darüber hinaus braucht es politische Maßnahmen, die dafür sorgen, dass weniger Brennholz und Papierprodukte, dafür mehr langlebige Holzprodukte verwendet werden. Ein Zitat der Bundesumweltministerin Hendricks bringt dies auf den Punkt: „Gefordert sind dabei gesamtökologische Ansätze, die sowohl im Sinne des Klima- und des Ressourcenschutzes als auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen.“

Bestmöglich auf Klimaveränderungen vorbereitet, schützend für die Bewohner des Waldes, erholsam für den Menschen, ökologisch und nachhaltig in der Nutzung – das ist der Wald der Zukunft.