Sehr geehrte Frau Ministerin Klöckner, sehr geehrte Herren Minister Altmaier und Minister Scheuer,

innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Verbrauch von Pflanzenölen für die Produktion von Agrodiesel um 48% erhöht. Die meisten Autofahrer*innen ahnen nichts davon, dass sie in ihrem Tank wertvolle Lebensmittel verbrennen und damit unfreiwillig zu Naturzerstörung und Klimawandel beitragen.

Kraftstoffe auf der Basis von Lebens- oder Futterpflanzen führen direkt oder indirekt zur Zerstörung von Ökosystemen und heizen damit das Klima an. Im Durchschnitt emittiert dieser sogenannte „Bio“-Diesel sogar 80 Prozent mehr Treibhausgase als fossiler Diesel! Dabei sind Palm- und Sojaöl besonders schädlich. Denn für sie werden in tropischen Regionen wertvolle Naturgebiete wie die Regenwälder vernichtet. 

Daher fordern wir Sie als Stellvertreter*innen der Bundesregierung auf, diesen Wahnsinn jetzt zu beenden: Setzen Sie sich im Rahmen der nationalen Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED II) gegen den Einsatz entwaldungskritischer Kraftstoffe im Verkehrssektor ein.

Stoppen Sie schnellstmöglich die Beimischung von Agrodiesel, allen voran aus Palm- und Sojaöl! Gegen die Klimakrise, die Zerstörung der Regenwälder und das Artensterben muss JETZT gehandelt werden. Wir brauchen eine echte Mobilitätswende!

Die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED II) im Verkehr bietet die Möglichkeit, Deutschlands Anteil an Klima-Emissionen und Entwaldung durch den Verkehrssektor zu minimieren. Diese Chance darf nicht ungenutzt bleiben, um Deutschland im Kampf gegen die Klimakrise voranzubringen.

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Darum geht's!

Der Verbrauch von Agrodiesel stieg in der EU während der letzten 10 Jahre um 48 Prozent. Allerdings wurde das Ziel der Dekarbonisierung des Verkehrs mit dieser Strategie weit verfehlt, denn mit dem Verbrauch von Agrodiesel stiegen auch die Treibhausgas-Emissionen. Im Durchschnitt emittiert Agrodiesel aus Lebens- und Futtermitteln mindestens 80 Prozent mehr Treibhausgase als fossiler Diesel. Schließlich sind für die Klimabilanz auch die Produktionsbedingungen relevant, nicht nur die Emissionen beim Verbrennungsvorgang.

Wusstest Du, dass Diesel in Europa und Deutschland Palmöl und Sojaöl enthält?

Agrodiesel aus Palmöl ist dreimal klimaschädlicher als fossiler Diesel. Sojadiesel ist etwa doppelt so klimaschädlich. Die wachsende Nachfrage nach Agrokraftstoffen aus Palm- und Sojaöl erhöht den Druck auf die globale landwirtschaftliche Nutzfläche und verstärkt damit direkt und indirekt die Entwaldung in den Anbauländern. Dennoch wird Agrodiesel dem herkömmlichen Diesel aus Mineralöl beigemischt - um ihn vermeintlich klimafreundlicher zu machen. Das ist Wahnsinn!

Der wachsende Anbau von Palmöl in Indonesien und Malaysia treibt die Regenwaldzerstörung immer weiter voran. Damit geht eine immense Artenvielfalt verloren, besonders bedrohte Arten wie der Sumatra-Elefant oder Sumatra-Tiger sind am Rande des Aussterbens. Zudem treibt die Abholzung die globale Klimakrise voran. Zahlreiche lokale und indigene Gemeinschaften werden ihres Landes und damit ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Der Anbau des meist genetisch veränderten Sojas führt vor allem in Südamerika zu Umweltzerstörungen. Unter hohem Pestizideinsatz werden Millionen von Hektar, die ursprünglich dicht bewaldet und Lebensraum unzähliger Arten waren, zerstört. Soja ist der Treibstoff der europäischen Fleischproduktion, das Sojaöl wiederum wird im Straßenverkehr verbrannt. Eine Katastophe für den ganzen Kontinent und die Umwelt!

Auch Agrodiesel aus Rapsöl hat laut einer EU-Studie eine miserable Klimabilanz. Außerdem tragen riesige Raps-Monokulturen in Deutschland zum ohnehin desaströsen Artensterben bei.

Gemeinsame Kampagne #NotInMyTank

ROBIN WOOD und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) starteten im Juli 2020 die gemeinsame Kampagne #NotInMyTank. Ziel der Kampagne ist es, die tropischen Regenwälder zu erhalten, indem Palm- und Sojaöl ab 2021 nicht mehr in deutschen Autotanks landen darf.

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) des in die EU importierten Palmöls fließt in Autotanks, so eine aktuelle Analyse basierend auf Daten von OILWORLD (2020). Dabei ist rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland gar nicht bewusst, dass sie zerstörerisches Palmöl tanken, so eine repräsentative Umfrage, die von ROBIN WOOD und der DUH in Auftrag gegeben wurde.

Bereits vor zwei Jahren haben die DUH und ROBIN WOOD gemeinsam mit anderen Umweltschutzverbänden auf europäischer Ebene für ein Verbot der Beimischung von Palm- und Sojaöl gekämpft. Im Frühjahr 2019 kam der Teilerfolg: Die EU-Kommission hat Palmöl als risikoreichen Rohstoff eingestuft und einen stufenweisen Ausstieg aus der Beimischung zum Diesel beschlossen. Bis spätestens 2030 muss der Diesel frei von Palmöl sein.

2030 – das ist zu spät! Den Mitgliedstaaten der EU wird aber auch gewährt, individuell ein sofortiges Aus für Palmöl zu beschließen. Genau das fordern ROBIN WOOD und die DUH von der Bundesregierung bei der Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht. Denn laut unserer gemeinsamen Umfrage wollen mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland, dass dem Diesel kein Palmöl mehr zugemischt wird, und das am liebsten sofort (35%), zumindest aber noch vor 2030 (22%).

Nicht nur Palmöl muss raus aus dem Tank! Eine neue Studie zeigt, dass Sojaöl deutlich klimaschädlicher ist, als bisher angenommen. Weil zu erwarten ist, dass Palmöl insbesondere durch Raps- und Sojaöl ersetzt wird, fordern wir die Bundesregierung auf, die Abkehr von allen Pflanzenölen im Tank schneller als bisher voranzutreiben, und deren Beimischung zu Diesel aus Mineralöl schnellstmöglich auszuschließen.

Im Kontext der doppelten Klima- und Biodiversitätskrise müssen wir eine konsequente sozial-ökologische Verkehrswende vorantreiben, statt auf Scheinlösungen zu setzen.

Die Erneuerbare-Energien-Richtline im Verkehr

Die Mitgliedsstaaten der EU müssen die Erneuerbare-Energien-Richtlinie bis zum 30. Juni 2021 in nationales Recht umgesetzt haben. Ein erster Vorschlag des Bundesministeriums für Umwelt sieht einen Förderungsstopp sogenannter "entwaldungskritischer Rohstoffe" bis 2026 vor - im Moment ist aber nur(!) Palmöl als entwaldungskritisch eingestuft. Auch wenn dies ein Schritt in die richtige Richtung ist, ist ein sofortiger Ausstieg ökologisch wichtig. Auch Soja muss als entwaldungskritisch anerkannt werden.

Um der intensiven Lobbyarbeit der Industrieverbände nicht das Feld zu überlassen, müssen wir uns jetzt laut für ein starkes Gesetz im Sinne der Nachhaltigkeit einsetzen: Deutschland muss sofort aus der Beimischung von Agrodiesel aussteigen.

Es ist eine rein politische Entscheidung und dafür brauchen wir DICH! Fordere jetzt mit uns Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Wirtschaftsminister Peter Altmaier  und Verkehrsminister Andreas Scheuer auf, Verantwortung zu übernehmen und sich für einen schnellstmöglichen Förderungsstopp von Palm- und Sojaöl im Tank einzusetzen. Dies ist ein wichtiger Schritt zum Schutz tropischer Wälder und zahlreicher Arten. Unterstütze uns mit deiner Protestmail und hilf uns, einen schnellstmöglichen Beimischungsstopp in Deutschland zu erreichen. Herzlichen Dank!

Wir brauchen eine echte Mobilitätswende

Der Verkehrssektor ist einer der größten Treiber der Klimakrise. Er verursacht ein Viertel der Treibhausgasemissionen in Europa, mit steigender Tendenz. Auch in Deutschland ist der Verkehrssektor ein Sorgenkind der Klimapolitik und gefährdet die nationalen Klimaziele. Vor diesem Hintergrund gibt es politische Bestrebungen, die Emissionen des Verkehrssektors zu senken - bisher stand dabei die Förderung von Agrotreibstoffen im Vordergrund.

Doch die sogenannten „Biokraftstoffe“ verleihen dem autozentrierten Verkehrssystem lediglich ein grünes Deckmäntelchen, während sie in Wahrheit echte Klimakiller sind. Sie lassen sich als grüne Scheinlösung entlarven, die auf Externalisierung statt auf eine Verkehrswende setzt. Das Emissionsproblem wird nicht gelöst, sondern verlagert – und zwar in die Tropen. Während dort Wälder in Ölpalmplantagen umgewandelt und große Mengen CO2 freigesetzt werden, findet eine dringend nötige Verringerung des Verkehrsaufkommens im Globalen Norden nicht statt.

Eine umfassende strukturelle Transformation des Verkehrssektors hin zu klimafreundlicher Mobilität wird aufgeschoben. Diese Strategie lässt sich auch bei vielen anderen vermeintlichen Klimaschutzmaßnahmen beobachten, wie z.B. beim „Offsetting“ von Flugemissionen. Gemein ist diesen Strategien, dass sie das Problem nicht an der Wurzel packen, sondern neue Probleme verursachen und in einer kolonialen, menschenrechtsverletzenden Kontinuität stehen. Eine echte Verkehrswende wird durch einen solchen Etikettenschwindel verzögert.

Für die Emissionssenkung im Verkehr müssen andere Maßnahmen Priorität bekommen:

  • Erstens müssen wir mehr Anstrengungen unternehmen, Verkehr zu vermeiden, z.B. durch regionalere Wirtschaftskreisläufe und kürzere Wege sowohl in urbanen als auch in ländlichen Räumen. Auch wenn Pkw gemeinschaftlich genutzt und stärker ausgelastet wären, könnten wir Emissionen effektiv reduzieren.
  • Zweitens muss Verkehr viel stärker vom motorisierten Individualverkehr auf andere, klimafreundlichere Verkehrsträger wie den ÖPNV oder die Schiene verlagert werden.
  • Und drittens müssen zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors rechtliche und technologische Maßnahmen ergriffen werden, die wirklich klimafreundlich sind. Tempolimits und die Nutzung von kleineren, leichteren Autos mit einem sparsameren Verbrauch hätten einen wesentlich stärkeren Effekt für die Reduktion der Emissionen im Straßenverkehr als der Einsatz von Agrotreibstoffen.