Wälder schützen und Klima schützen

Zusammendenken!

14. September 2016
Wald
Jannis Pfendtner
Fachreferent Wald
Blog

Mit über 11 Millionen Hektar ist rund ein Drittel der Fläche Deutschlands bewaldet. Fast 50 % dieser Fläche ist mit Fichte und Kiefer bestockt – meist in gleichaltrigen Monokulturen, in langen Reihen und oft ohne viele weitere Pflanzen. Diese beiden Baumarten produzieren viel Holz, und waren in Kriegszeiten und danach wichtig um den Holzbedarf der Bevölkerung zu decken – aber die Zeiten haben sich geändert. Heute wissen wir wie anfällig solche künstlich hergestellten Waldsysteme sind: Massenvermehrungen von Borkenkäfern, zunehmende Versauerung der Waldböden, und eine deutlich größere Anfälligkeit gegenüber Stürmen sind nur einige der Folgen. Beide Baumarten bekommen auch zunehmende Probleme mit Temperaturanstiegen und Trockenheit durch den Klimawandel. Und jeder der viel im Wald unterwegs ist, sieht sofort die großen Unterschiede in der Artenvielfalt zwischen den gleichaltrigen Monokulturen und einem strukturreichen Mischwald.

Um den Wald gesünder, widerstandsfähiger, für den Menschen erholsamer und die Natur artenreicher zu machen, haben große Teile der Forstwirtschaft daher seit den 1980er und 90er Jahren den Weg des Waldumbaus beschritten: Die langsame Umwandlung der Monokulturen hin zu naturnahen Mischwäldern, mit an den Standort angepassten Baumarten und mehreren Baumgenerationen auf einer Fläche. Doch seit es diesen Prozess gibt, wird er torpediert, da er gegen die vermeintlich einfachste und wirtschaftlichste Art der Forstwirtschaft steht.

Die nun veröffentlichte Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik reiht sich teilweise in diese Tradition ein. Sie beklagt, dass die „zuwachsstarken Nadelbaumarten“ an Fläche verlieren, und daher weniger CO2 gebunden würde, welches dann in „langlebigen Holzprodukten“ genutzt werden könne. Somit sei die aktuelle Entwicklung negativ für den Klimaschutz in Deutschland. Naturschutz und Klimaschutz können aber aus unserer Sicht nicht gegeneinander ausgespielt werden, und die Uhr lässt sich nicht hinter die Erkenntnisse der letzten Jahre zurückdrehen.

Zum Ersten ist der Wald nicht die Quelle des Klimawandels und das ständige Reden über den Wald als Kohlenstoffsenke (beispielsweise der Flugindustrie) stellt meist den Versuch dar von starken Kohlenstoff-Einsparmaßnahmen abzulenken. Zum zweiten geht eben ein Großteil des Holzes nicht in langlebige Produkte, die viele Jahre Kohlenstoff speichern, wie es sich diese ExpertInnen ausmalen: Die Bundesregierung hat zum Beispiel keine Strategie Holz als nachhaltigen Baustoff zu fördern, und kurzlebige Papierprodukte florieren, wie ROBIN WOOD letzte Woche ausgerechnet hat. Und drittens braucht der Wald in Deutschland dringend den Umbau zu naturnahen und mehrschichtigen Systemen, denn nur sie können im nächsten Jahrhundert den vielfältigen Herausforderungen des Klimawandels begegnen.

Darüber hinaus zeigen Forschungen, dass Naturwälder mittel- und langfristig immer mehr CO2 speichern können, und dieses auch im Boden ablagern. Die Kahlschläge in Fichten- oder Kiefernforsten führen ganz im Gegensatz dazu durch die direkte Sonneneinstrahlung auf den Boden zur Entweichung von Kohlenstoff.

Und so gilt weiterhin: Waldumbau und naturnahe Waldwirtschaft fördern! Klimawandel an den Ursachen anpacken!