Und plötzlich Klimakrise?

Die Schäden der Flut im Süden und Westen Deutschlands sind noch lange nicht aufgeräumt, da erklären mehr als 14.000 internationale Wissenschaftler*innen den sogenannten „Klimanotstand“, warnen vor „unsäglichem menschlichem Leid“ und fordern einen „grundlegenden Wandel“. Bereits vor zwei Jahren warnten die Forscher*innen aus 150 Ländern eindringlich vor den weltweiten Auswirkungen der Klimakrise. Letzte Woche sahen sie sich aber veranlasst, den Aufruf erneut zu veröffentlichen. Denn seit 40 Jahren mahnen Wissenschaftler*innen auf internationalen Konferenzen und Gipfeln zu mehr Klimaschutz. Trotzdem seien die CO2-Emissionen seitdem immer nur gestiegen. Ein Wandel sei jetzt dringlicher denn je, um das Leben auf der Erde zu schützen, so der Aufruf.

Erst vor knapp zwei Wochen hat die Flutkatastrophe in weiten Teilen Deutschlands zahlreiche Tote und Verletzte gefordert. Häuser und Wohnungen wurden zerstört, Straßen und Brücken einfach von den Fluten weggerissen. Die Trinkwasser- und Stromversorgung brach an vielen Orten zusammen und in einigen Kreisen musste der Notstand ausgerufen werden. Infolge des Hochwassers sind Schadstoffe in Gewässer gelangt, die Bezirksregierung Köln musste in diesem Zusammenhang einen Umweltalarm auslösen.

Tornados, Hitze, Trockenheit und Überschwemmungen kannten wir bislang vor allem aus den Nachrichten aus anderen Ländern. Die Liste der Wetterextreme ist lang und wächst beinahe täglich: Hitzetote in Kanada, Tornado in Tschechien, Temperaturrekorde am Rand der Arktis, verheerende Wirbelstürme in Südasien und im Westpazifik. Aber nun auch Rekordregen, Überschwemmungen, zerstörte Existenzen und Tote in Deutschland. Damit ist nun selbst den meisten Politiker*innen klar geworden: Die Klimakrise ist hier bei uns angekommen. Manfred Kriener, Umweltjournalist und Autor, schreibt dazu in der taz: „Ahrweiler, Erftstadt, Hagen, Schuld. 150, womöglich sogar 200 Tote in den Ruinen zerfetzter Ortschaften. Die Klimakatastrophe hat ein Gesicht und einen Namen bekommen. Statt abstrakter Temperaturskalen und CO2-Hochrechnungen sehen wir weinende Mütter und fassungslose Väter; statt irritierter Eisbären auf der Eisscholle sehen wir obdachlose Landsleute vor den Trümmern ihrer Häuser.“

Doch obwohl wir seit Jahrzehnten von den potentiellen Auswirkungen der Klimakrise wissen, hat sie, so scheint es, die Öffentlichkeit aber auch die Politik mit ihrer Heftigkeit überrascht. Dachten wir, wir könnten uns irgendwie durch diese Krise mogeln? Klar ist nun hoffentlich mehr Menschen: Die Klimakatastrophe findet nicht in der Zukunft und nicht nur in anderen Ländern, sondern bereits jetzt und direkt vor unserer Haustür statt. Selbst die wirtschaftsliberalsten Politiker*innen müssten nun einsehen, dass uns das Wasser buchstäblich bis zum Halse steht und wir endlich, endlich mehr Tempo beim Klimaschutz brauchen.

Und so kommt es, dass die Hochwasserkatastrophe selbst Politiker*innen wie Armin Laschet zu Lippenbekenntnissen für mehr Klimaschutz bewegt hat, obwohl sie in den letzten Jahren absolut klimaschädliche politische Entscheidungen getroffen haben. Es bleibt also zu bezweifeln, ob sie den Ernst der Lage tatsächlich erkannt haben. Denn selbst das jüngst aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts verschärfte Klimaschutzgesetz wird nicht ausreichen, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Emissionsminderungsziele für 2045 oder 2050 allein reichen nicht - klare und konsequente Pläne und Maßnahmen, um die Treibhausgasemissionen in Deutschland tatsächlich zu reduzieren, fehlen noch immer.

Und schlimmer noch: Die Bundesregierung hält weiter am Kohleausstieg 2038 fest! Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird gebremst und klimaschädliche Energieträger wie fossiles Erdgas werden gefördert. Es werden Kaufprämien für die Autoindustrie verteilt, die CDU lobbyiert noch immer gegen Tempolimits auf deutschen Straßen. Wie also soll so das erst kürzlich gesetzlich verabschiedete Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erreicht werden? Ohnehin kommt es definitiv zu spät, um die globale Klimaerhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Die Flutkatastrophe, aber auch die immer lauter und verzweifelter werdenden Appelle der Wissenschaft zeigen: Es gibt derzeit kein dringenderes politisches Problem als die globale Klimakrise! Die Klimakrise zerstört überall auf der Welt Existenzen, natürliche Lebensgrundlagen, Infrastruktur und Menschenleben. In dieser Zeit wird man fast müde, es zu wiederholen, weil es so offensichtlich ist, und dennoch wird es von einigen Politiker*innen nicht ernst genug genommen. Doch als Teil der globalen Klimabewegung wird ROBIN WOOD nicht aufhören, sich für eine klimagerechte Welt einzusetzen und einen grundlegenden Wandel zu fordern. Wir schließen uns daher dem Appell der 14.000 Wissenschaftler*innen an: „Wir müssen uns jetzt als globale Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Sinn für Dringlichkeit, Zusammenarbeit und Gerechtigkeit zusammenschließen!“. Mit Blick auf die Wahl sollte daher gelten: Gebt den Klimabremser*innen keine Chance!