Für Büropapier gibt es Recyclingpapieroptionen

Recycling von Papier ist die bessere Option

...obwohl eine Studie das Gegenteil behauptet.

24. Januar 2021
Papier
Wald
Patricia Ngati
Bufdi im Bereich Papier/Wald
Blog

Wenn du deinen Ressourcenverbrauch reduzierst, hilfst du, unsere Umwelt zu schützen und den Klimawandel zu stoppen. Zu den Ressourcen, mit denen wir sparsam umgehen müssen, gehört Holz. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, unseren Verbrauch von Papier aus frischen Holzfasern zu reduzieren und Recyclingpapier zu nutzen. Um Papier aus frischen Holzfasern herzustellen, werden Bäume gefällt, was zum Verlust des Lebensraums für viele Tier- und Pflanzenarten, zu einer geringeren Bindung von Kohlenstoff und Methan und zu einer Degradierung - also Verschlechterung - des Bodens führt.

Vor kurzem sind wir auf eine wissenschaftliche Studie aufmerksam gemacht worden, die besagt, dass Recycling energieintensiver sei als die Herstellung von Papier aus frischen Holzfasern und daher nur begrenzte Klimavorteile hätte. Dem müssen wir klar widersprechen.

WARUM?

Die Studienergebnisse sind nur richtig,

- wenn wir von einer Produktion ausgehen, die ihre Energie aus fossilen und klimaschädlichen Ressourcen gewinnt, statt auf erneuerbare Energie zu setzen und wenn ausschließlich der Energieverbrauch während der Produktion veranschlagt wird.

- wenn das Gesamtbild der Stoffkreisläufe vom intakten Wald und seinen Ökosystemfunktionen bis zum Papier bzw. Recyclingprodukt vor dem Hintergrund der Klimakrise nicht betrachtet wird.

- und wenn das rasante Artensterben, mit der wir konfrontiert sind, nicht veranschlagt wird.

In der Studie wird die Annahme getroffen, dass die Kohlenstoffvorräte in den Wäldern stabil seien.

Ja, Wälder sind sehr stabile CO2 Senken und haben darüber hinaus auch einen beständigen Zuwachs an CO2 Speicherkapazität. Das trifft aber nur zu, wenn die Wälder in Ruhe gelassen werden.

Und stabile, intakte Wälder haben überdies die größeren Chancen, im Klimawandel zu überleben. Der Klimawandel erhöht das Auftreten von Waldbränden, Schädlingsbefall, Gewitter und Stürmen, was zu einer Instabilität der Wälder führen könnte. Es ist daher sehr wichtig, dass Wälder durch eine naturnahe Bewirtschaftung möglichst intakt bleiben und so den Herausforderungen des Klimawandels viel entgegensetzen können.

Die Papierindustrie sowie die oben erwähnte Studie gehen davon aus, dass die Bioenergie-Emissionen kohlenstoffneutral sind. Damit blasen sie ins gleiche Horn wie der Rest der Holzindustrie. Doch wie kann die Verbrennung von Holz für Biomasse als klimaneutral angesehen werden, wenn Studien zeigen, dass dabei mehr Kohlendioxid pro Megawattstunde ausgestoßen wird als bei der Verbrennung von Kohle? Das Fällen von Bäumen zur Bereitstellung von Holz für die Papier- oder Biokraftstoffproduktion setzt Kohlenstoff und Methan in die Atmosphäre frei. Die kahle Bodenauflage emittiert Treibhausgase, genauso wie der Transport des Holzes und die Papierproduktion. Alle drei Punkte werden von der Studie ignoriert und eine neutrale Ökobilanz kann daher nicht erreicht werden. Wenn ein Baum stattdessen nicht gefällt wird, wächst er weiter und entzieht der Atmosphäre Jahr für Jahr Kohlendioxid durch seinen Biomassezuwachs und die Laub- oder Nadelauflage. Urwälder können so Hunderte von Jahren wachsen und und ihren Boden bilden und binden so kontinuierlich und langfristig viel mehr Kohlenstoff als neu gepflanzte Produktionswälder.

Die Studie behauptet zudem, dass Waldtypen und Waldbewirtschaftungspraktiken nicht direkt mit der Holzernte für die Papierindustrie zusammenhängen würden. Doch dies ist der Fall. Selbstverständlich diktiert der Bedarf an Papier den Bedarf an Frischholzzellulose und eingeschlagenem Wald. Je mehr Rohstoffe die Papierproduktionsunternehmen fordern, desto mehr wird eingeschlagen. Mehr Bedarf bedeutet einen höheren Druck auf die Liferant*innen und darüber auch auf die Wälder.

DAS PROBLEM AN KAHLSCHLÄGEN

In Skandinavien, vor allem in Schweden und Finnland, woher rund 40 Prozent des in Deutschland benutzte Papieres stammt, ist der Kahlschlag die traditionelle Holzerntemethode, die in den Wäldern, die u.a. Holz für die Papierindustrie liefern, weit verbreitet ist. Die Befürwortenden des Kahlschlags vertreten die Ansicht, dass die Nadelauflage der Wälder in den eher kühlen klimatischen Bedingungen zu langsam verrotte und der natürlichen Verjüngung keine Chance zum Wachstum gebe. Doch diese Position entspricht nicht dem Stand der Forschung.

Aktuellere Studien kommen zu dem Schluss, dass die Schäden durch Kahlschlag den Nutzen bei weitem überwiegen. Kahlschläge und ein regelrechtes Umpflügen der Flächen verursachen weitreichende Störungen des Bodens und setzt den Boden der Erosion und Staunässe aus. Eine aktuelle Studie über die Auswirkungen der Kahlschlag-Forstwirtschaft zeigt, dass wassergesättigte Böden, die durch Kahlschlag verursacht werden, von Methan-Senken zu Methan-Quellen werden. Methan ist wie CO2 ein Treibhausgas, das zur globalen Erwärmung beiträgt. Die Studie besagt zudem, dass schwedische Kahlschläge für etwa 9 bis 18 Jahre Kohlenstoffquellen bleiben. Kahlschlag verringert auch den Kohlenstoffvorrat im Boden, wie eine Studie in einem borealen Wald in Finnland zeigt. Nach 10 Jahren war der Kohlenstoffvorrat im Boden des gerodeten Waldes etwa fünfzig Prozent geringer als der des ungestörten Waldes. Eine Katastrophe vor dem Hintergrund der Klimakrise und ein gutes Argument, Recyclingpapier zu nutzen statt Kahlschlagspraktiken zu unterstützen.

Der Forest Certification Standard (FSC) empfiehlt eine Baumerhaltungsrate von 5 Prozent nach der Abholzung. Eine Studie hat jedoch gezeigt, dass dadurch etwa 75 Prozent der Mykorrhiza-Pilzarten abgetötet werden und bis zu 90 Jahre brauchen können, um sich im Ökosystem wieder zu etablieren, wenn überhaupt. Diese Pilze sind für das Wachstum der Bäume lebenswichtig und ihr Fehlen könnte zum Absterben der verbleibenden 5 Prozent der Bäume führen. Mycorrhizapilze diene als Wurzelausläufer und sind für die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser für die Bäume wichtig. Sie ermöglichen zudem die "Kommunikation" zwischen Bäumen, indem sie Nährstoffe zwischen den Bäumen verteilen und das Wachstum von Bäumen erleichtern, die sonst keinen Zugang zu diesen Nährstoffen hätten. Und nicht nur das: Es ist erwiesen, dass Bäume durch Mykorrhizapilze einander Abwehrsignale senden können, wenn sie verletzt sind, und sogar ihre Verwandten erkennen, wobei ältere Bäume ihre Sämlinge bevorzugen und diese mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Ältere Bäume mit besser entwickelten Wurzelsystemen haben mehr Mykorrhizanetzwerke und sind daher ein sehr wichtiger Teil des Waldökosystems.

Die verbreite Kahlschlagspraktik führt zu einem massiven Verlust der Artenvielfalt. Gebiete, die mit Urwäldern bedeckt waren, sind nun durch Produktionswälder ersetzt worden, die hauptsächlich aus einer oder zwei Baumarten bestehen. Diesen Produktionswäldern fehlt es an Vielfalt und sie sind anfällig für Krankheiten und Angriffe durch invasive Arten. Sie haben nicht den Charme, der die Menschen in die Urwälder lockt, sie sind regelrecht langweilig und sind für die Menschen als Erholungsgebiete nicht attraktiv.

Wälder binden und speichern einen großen Teil des Kohlenstoffs der Erde und sind eines unserer größten Werkzeuge im Kampf gegen den Klimawandel. Sie bieten zudem eine breite Palette von Ökosystemleistungen, wie die Bereitstellung von Lebensräumen für Tiere, Wasserreinigung, soziale und kulturelle Vorteile sowie eine immense genetische Vielfalt.

In dieser neu veröffentlichen Dokumentation erklären Expert*innen die harte Realität des Kahlschlags und seine Auswirkungen auf die schwedischen Wälder. Was als nachhaltiges schwedisches Forstwirtschaftsmodell vermarktet wird, ist in Wirklichkeit ein zerstörerisches System, das die Natur und die von ihr abhängigen Menschen nicht respektiert. Solche grausamen Szenen von rücksichtslos zerstörter Natur gibt es nicht nur in Schweden, sondern auch in vielen anderen Ländern wie Indonesien, Russland und Nordamerika, die vom Kahlschlag betroffen sind.

Wir befinden uns im Klimanotstand. Es ist an der Zeit, unsere Bemühungen darauf zu konzentrieren, Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels zu entwickeln und die vorhandenen zu nutzen. Selbst wenn Bäume ohne Kahlschlagspraktik gefällt werden gilt: Der über Jahrzehnte in ihnen gespeicherte Kohlenstoff wird in die Atmosphäre freigesetzt und trägt so zur globalen Erwärmung bei. Neu gepflanzte Bäume benötigen viele Jahrzehnte bis zu Jahrhunderten, um eine ähnliche Menge an Kohlenstoff zu binden. Diese Zeit bleibt uns nicht mehr.

Wir müssen jetzt handeln und unseren Planeten retten! Wir müssen unsere Wälder schützen! Wir müssen uns von Frischfaserpapier abwenden und entweder Papieralternativen oder Recyclingpapier verwenden!