Ein Schuh, der einen schwarzen, qualmenden Nadelwaldboden auszutreten versucht.

Es brennt!

Falsche Prävention macht Wälder feueranfälliger

28. August 2026
Wald
Blog

Durch die menschengemachte Klimakrise und ihre Wetterextreme haben Waldbrände zugenommen. Die Klimaforschung hat erst in den letzten zwei Jahren den Begriff Brandwetter etabliert. Ein Begriff, den wir womöglich bald in unseren alltäglich Sprachgebrauch aufnehmen werden. „Wir haben Brandwetter, jetzt gilt es jedes Feuer zu vermeiden.“

Schon die vergangenen Sommerwochen haben uns in Deutschland vor enorme Herausforderungen gestellt. Für ganz Europa wird ein starker Anstieg der Waldbrandrisikos erwartet. 

Immer dann, wenn Brände durch die Wälder jagen, werden die gleichen fatalen Narrative zur Lösung des Problems aus der Mottenkiste geholt. Der Wald sei unaufgeräumt und das Totholz ein gefährlicher Brandbeschleuniger. Das Totholz müsse raus aus dem Wald, um Feuerkatastrophen zu verhindern. Und ein weiterer fataler Vorschlag geistert durch die Medienlandschaft und wird von der Politik aufgegriffen: Präventiv müssten Feuerschneisen angelegt und Wege planiert werden, um überall an die Brandherde heranzukommen. 

Natürlich möchte der Mensch etwas unternehmen gegen das zerstörerische, teils lebensbedrohliche Feuer. Aber aus ökologischer Sicht und auch zur Feuerprävention haben beide Heilsideen wenig Sinn und sind im schlimmsten Fall kontraproduktiv.

Was ist problematisch an den genannten Ideen? Und wo sollte die Forstwirtschaft stattdessen ansetzen? 

Totholz ist nicht gleich Totholz

Totholz umfasst feines Reisig, kleine und große Äste ebenso wie mächtige Baumstämme. Der feine und dünne Äste-Reisig brennt schnell. Auch die Nadelauflage in Nadelwäldern entzündet sich schnell und hält ein Feuer am Laufen. Ganz anders verhält es sich aber mit dickerem Totholz. Baumstämme und Äste speichern über lange Zeit Feuchtigkeit und halten den Boden kühl. Sie spenden Schatten und sorgen für die Humusbildung. Sie bremsen das Feuer, anstatt es zu füttern. Sie sind überdies mit ihren Nährstoffen und als Lebensräume für Pilze, Käfer und Mikroben eine Bedingung für ein intaktes Ökosystem. Sie aus dem Wald zu räumen, schwächt ihn und macht ihn damit anfälliger für Feuer. Wenn das vorhandene Totholz entfernt wird, trifft die Sonne ungehindert auf den Boden, trocknet den Humus aus und verwandelt die Biomasse in Zunder. Kein Waldinnenklima mehr, kein feuchtes Mikroklima und kein Lebensraum mehr - stattdessen ein höheres Feuerrisiko!

ROBIN WOOD fordert: Möglichst schonend kann vereinzelt Reisig aus bestimmten Nadelwaldgesellschaften entfernt werden. Dickeres Totholz muss als Wasserspeicher, Schattenspender und Biodiversitäts-Hotspot dringend im Wald verbleiben. In der Bilanz helfen sie, das Feuerrisiko zu minimieren. 

Jeder Weg im Wald ist ein Kamin

Wie verhält es sich mit der Idee, den Wald für die Feuerbekämpfung mit dichteren Wegenetzen zugänglicher zu machen und neue Brandschneisen zu schlagen? Jeder Weg und jede Schneise bedeuten weitere Waldaußengrenzen. Das Kronendach wird auf ganzer Länge rechts und links des Weges aufgerissen, sodass die Hitze und warmer Wind in das Waldinnere drücken, das sonst unter einer geschlossenen Kronendecke ein kühleres Waldinnenklima halten könnte. In der Folge trocknet der Wald aus, was die Feuergefahr erhöht. Sowohl Brandschneisen als auch Wege können im Brandfall einen enormen Kamineffekt haben und Feuer extrem beschleunigen. Steht ein Nadelwald im Vollbrand, bringen Brandschneisen ohnehin nichts mehr. Dann springt Feuer im Ernstfall über weitaus größere Distanzen, zum Beispiel über Bahnlinien und geteerte Bundesstraßen.

ROBIN WOOD fordert: Von einem dichteren Wegenetz muss abgesehen werden, um den Wald nicht einem grundsätzlichen erhöhten Brandrisiko auszusetzen. Auch das Anlegen weiterer Brandschneisen muss unterbleiben, außer sie grenzen direkt an urbanisiert Gebiete.

Bewirtschaftung ja, aber bitte schonend – auch zur Feuerprävention

Eine ähnliche Wirkung wie Wege und Schneisen kann auch die Entnahme von Bäumen haben. Hier gilt: Je mehr Bäume entnommen werden und je intensiver die Bewirtschaftung auch ansonsten ist (z. B. durch den Einsatz von schwerem Gerät, das den, Boden verdichtet ), desto mehr wird das Waldökosystem belastet und das Mikroklima gestört. 

Die ursprüngliche Idee der Forstwirtschaft, durch das Öffnen des Kronendaches die Verjüngung von neuen Bäumen anzuregen, kommt vielerorts nicht mehr gegen die Dürre an. In der Bilanz trocknet der Wald weiter aus und trägt ein erhöhtes Brandrisiko – denn es herrscht nun öfter Brandwetter. 

Der Zusammenhang ist klar: Je mehr Lücken das Kronendach hat, desto stärker ist die Austrocknung an heißen Tagen, desto höher ist die Brandgefahr.

ROBIN WOOD fordert: Die Waldwirtschaft muss sich an den ökosystemaren Belastbarkeitsgrenzen ausrichten und einen Puffer für nicht vorhersagbare extreme Wetterperioden einkalkulieren.

Nadelholz-Monokultur – das Streichholz unter den Wäldern

Schlimmer geht immer. Die von der Dürre bisher verschonten Nadelholzplantagen – zumeist Kiefer in Brandenburg und Fichte in den Mittelgebirgen – bergen das größte Feuerrisiko. Auch in diesem Sommer sehen wir viele brennende Nadelwälder und nur einige wenige, oft von Nadelwäldern umgebene, brennende Laubmischwälder. Das liegt schlicht daran, dass Nadelwald am besten brennt. Durch seine Nadelauflage am Boden und viel Reisig, vor allem in heißen Perioden, breitet sich das Feuer schnell aus. Mit ihren ätherischen Ölen und Harzen haben Kiefern und Fichten überdies ihren eigenen Brandbeschleuniger an Bord. Auch hält ihr Boden in vielen Regionen Deutschlands aufgrund einer fehlenden Humusauflage ohnehin schon keine Feuchtigkeit. Wenn es regnet, rauscht das Wasser an vielen Standorten einfach durch zum Grundwasser, insbesondere im sandigen Brandenburg.

Neben der Feuergefahr sind Nadelbaum-Plantagen wahrlich nicht bekannt für ihre Artenvielfalt. Zudem sind sie am anfälligsten für Stürme und Insektenschäden. Deshalb sind in den Jahren seit 2018 etwa zwei Millionen Hektar Nadelbaum-Plantagen abgestorben. Ein gigantischer Anteil davon wurde anschließend geräumt. Der Boden ist durch die Räumungen mit schwerem Gerät verdichtet worden, so dass er wenig Wasser hält. Die wenige, mit Gras, abgestorbenen Jungbäumen und Reisig versetzte Vegetation ist sehr trocken. Der Boden ist wenig beschattet und heizt sich auf. Das Brandrisiko ist entsprechend auch auf diesen geräumten Flächen sehr hoch. Fangen die im Sommer durch die Hitze glühenden Wüsteneien Feuer, ist das fatal. Auch im Hürtgenwald bestanden die Brandflächen zu einem Drittel aus diesen sogenannten Kalamitätsflächen. Sogar die Laubwälder in ihrer direkten Nachbarschaft, deren Waldgesellschaften ein erheblich geringeres Feuerrisiko bergen, konnten der Feuersbrunst nicht trotzen.

ROBIN WOOD fordert: Nadelmonokulturen müssen beschleunigt zu Laubmischwäldern umgewandelt werden. Alleine diese Maßnahme könnte das Waldbrandrisiko erheblich reduzieren, würde der Artenvielfalt zugute kommen und die Umgebung insgesamt herunterkühlen. Das Anpflanzen von reinen Nadelkulturen sollte im Sinne des Bundeswaldgesetzes ordnungsrechtlich untersagt und sanktioniert werden. Sie können angesichts der Klimakrise kaum noch als sogenannte “ordnungsgemäße Waldwirtschaft“ gewertet werden.

Wasserrückhalt im Wald

Allzu oft vergessen beim Ruf nach Waldumbau wird der Wasserrückhalt im Wald. Was viele Menschen nicht wissen: Über Jahrhunderte wurden Wälder trocken gelegt, um sie besser bewirtschaften zu können. Drainagen und Gräben wurden eingebaut, um das Wasser kanalisiert aus der Landschaft zu ziehen. Auch Forstwege in Hanglagen führen zum Abfluss des Regens, statt ihn langsam als Wasserspeicher im Boden versickern zu lassen. Selbst natürliche Quellen, die ehemals den Boden feucht hielten wurden eingefasst und werden kontrolliert aus dem Wald geführt, anstatt das Wasser dem Ökosystem zuzuführen. Das dadurch erhöhte Brandrisiko wurde zu spät erkannt. Dies erfordert nun aufwendige Rückbaumaßnahmen, für die im Forstbetrieb immer noch Expertise, Zeit und Geld fehlen.

ROBIN WOOD fordert: Es müssen zügige Anstrengungen unternommen werden, um den Wasserrückhalt im Wald wiederherzustellen.

Maßnahmen unabhängig von Veränderungen des Waldökosystems

Der Mensch möchte handeln. Was nun, wenn so viele aktive Maßnahmen, die lautstark vorgetragen werden, doch eher kontraproduktiv sind? Dafür gibt es viele Lösungen neben dem letztendlich nur langsam wirksamen Waldumbau und der reduzierten Aktivität durch eine schonende Bewirtschaftung. Satelliten- und KI-gestützte Überwachung zur Früherkennung von Bränden könnten überaus hilfreich sein. 

Auch emissionsanalytische Waldbrand-Frühwarnsysteme, die zurzeit getestet und bald auf den Markt gebracht werden könnten, werden Großbrände in Zukunft verhindern oder mindern können. Dies kann auch an eine automatische Drohnenalarmierung gekoppelt werden. 

Die Achillesferse der Brandbekämpfung ist aber oft die Verfügbarkeit von Löschwasser. Sie ist eine der größten logistischen Herausforderungen bei der modernen Waldbrandbekämpfung. Unterirdische Löschwasserzisternen, mobile Faltbehälter und ein Ausbau herkömmlicher Löschteiche sind nur einige Lösungen für dieses Problem. 

Wer Brände verhindern will, muss auch auf eine geschulte Bevölkerung setzen. Ob weggeworfene Kippen, heiße Automotoren auf trockenem Gras oder Waldboden oder Lagerfeuer und Grillstellen, Gefahren müssen bekannt und einschätzbar sein und Warnstufen müssen ernstgenommen werden. Eine aufgeklärte und verständige Bevölkerung ist die Grundvoraussetzung jeglicher Feuerprävention.

Klimakrise

Last but not least spielt es weiterhin eine große Rolle, welche Anstrengungen Politik und Wirtschaft nicht nur in Europa, sondern global unternehmen, unser Klima zu schützen und CO2-Emissionen zu reduzieren. So zeigen (brand)neue Modellberechungen, dass alle Brandschutzmaßnahmen bei höheren Emissionen dennoch zu mehr Bränden führen, wohingegen Modelle mit niedrigeren Emissionen gegenläufige Ergebnisse lieferten.

Das beste Mittel gegen Brände bleiben strukturreiche Laubmischwälder, die ein intaktes Waldinnenklima haben und sich selbst und die Landschaft runterkühlen. Ein großer Totholzanteil und so wenig wie möglich Gassen sind dafür essentiell. 

Der Wald der Zukunft braucht keine „Ordnung“, er braucht Resilienz. Dafür braucht er Brandschutzmaßnahmen, die ihn schützen, statt ihn zu schwächen.