Aktionstag: Wilde Wälder schützen – nicht verfeuern!

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Kalhlschlag in Estland Foto ▸ Estonian Forest Aid

Ihr wollt sofort unsere internationale Petition gegen das Verfeuern unserer Wälder an die EU unterzeichnen ? Dann bitte hier entlang.

Ganze Wälder statt Kohle verbrennen? Das ist wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben!

Die Zeit der Kohle ist vorbei. Um die Klimakrise zu bekämpfen, müssen wir jetzt aus allen fossilen Energien aussteigen. Doch statt konsequent und schnell den Aufbau einer erneuerbaren, ökologischen und sozial gerechten Energieversorgung zu fördern, schieben Industrie und Politik den Kohleausstieg künstlich nach hinten und setzen auf schädliche Scheinlösungen.

Eine der fatalsten falschen "Lösungen": Großkraftwerke könnten statt mit Kohle mit unseren Wäldern befeuert werden. Das Verbrennen von Holz könnte bald auf Bundesebene und auf der Ebene der Europäischen Union gefördert werden. Die Zeit läuft, denn die kritischen Entscheidungen sind schon halb getroffen!

Stand der Dinge auf EU-Ebene

  • Die neue Europäische Biodiversitätsstrategie und die darauf aufbauende Europäische Waldstrategie, die Anfang nächsten Jahres für die nächsten zehn Jahre verabschiedet werden soll, eröffnet in ihrem vorläufigen Text den Weg, Nachhaltigkeitskriterien für die Nutzung von Holz-Biomasse zu erarbeiten.
  • Bereits jetzt ist Holz-Biomasse kategorisiert als eine der sogenannten RES Sources (Renewable Energy Sources = nachhaltige Energiequellen) zur Energieerzeugung.
  • Am 20. November hat die EU-Kommission nun ganz aktuell den Entwurf für ein Gesetz veröffentlicht, das regeln soll, welche Wirtschaftssektoren als nachhaltig gewertet werden können. Der Entwurf impliziert, dass auch das Verbrennen von Biomasse als „nachhaltig“ gelten könnte. Bis Mitte Dezember steht der Entwurf nun zur Konsultation. Eine Verabschiedung des Gesetztes entsprechend des Entwurfes, wäre eine Katastrophe für unsere Wälder und hieße eine Beschleunigung des Klimawandels und des Artensterbens. Es wäre für alle Mitgliedsstaaten bindend.

Stand der Dinge auf Bundesebene

  • Zur Zeit wird die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Bundestag beraten. Im Gesetzesentwurf sind höhere Ausschreibungsvolumen für aus Biomasse erzeugtem Strom vorgeschlagen. Auch soll biomassebasierter Strom in Zukunft höher vergütet werden können. Dabei geht es um den Einsatz von Energiepflanzen, Gülle oder Bioabfall in Biogasanlagen - aber auch um die Verbrennung von Holz. Bisher hatte sich das Verbrennung von Holz-Biomasse auf Grund der geringeren Rentabilität gegenüber Gas nicht gelohnt.
  • Bis Ende diesen Jahres will die Bundesregierung die Verordnung zur Förderung für erneuerbarer Wärme fertigstellen. Der Verbrennung von Holz-Biomasse könnten darüber größere Subventionen zuteil werden.
  • Im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes soll ein Förderprogramm zur Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Gas oder Biomasse aufgelegt werden. Das Programm könnte schon Ende Dezember vom Bundestag verabschiedet werden.

Verbrannt werden würden nicht unsere Holzabfälle, sondern die alten wilden Wälder der Welt.

Die Befürwortenden der Verbrennung von Holz-Biomasse behaupten gerne, dass hauptsächlich Abfallprodukte wie Rindenmulch, Reisig oder schadhaftes Holz aus Dürrejahren in den Kraftwerken landen würden. Doch das ist schlichtweg falsch!

In bereits umgewandelten Kraftwerken im europäischen Ausland wird zur Zeit überwiegend Kernholz aus Großbritannien, aus dem Baltikum und aus dem Südosten der USA verbrannt. Dies ist zum einen der größeren Rentabilität geschuldet, die über Kernholz erzielt werden kann. Zum anderen wären die Kraftwerke technisch schlichtweg nicht dafür ausgelegt, Holz mit hohem Borkenanteil zu verfeuern.

Der aktuelle Holzüberschuss, der in den letzten drei Dürresommern geernteten Bäume, wäre zwar geeigneter – würde aber in kürzester Zeit verbrannt sein. Während der restlichen beträchtlichen Laufzeit der umgerüsteten Kraftwerke würde anschließend extra für die Energiegewinnung geschlagenes Holz verbrannt werden. Aus Waldnaturschutzperspektive wäre es ohnehin wünschenswert, den größten Teil des Dürreholzes als Schatten-, Feuchtigkeits- und Nährstoffspender, Erosions- und Verbissschutz und als Lebensraum für unzählige auf Totholz angewiesene Arten auf den Flächen zu belassen.

Großkraftwerke auf Holz-Biomasse umzurüsten, würde einen gigantische Nachfrage nach Holz bedeuten. Alleine das Kraftwerk Wilhelmshaven dessen Betreiber aktuell die Umrüstung in Betracht zieht, würde jährlich bis zu 2,9 Millionen Tonnen Holzpellets verbrennen. Zum Vergleich: In Deutschland werden derzeit insgesamt nur 3 Millionen Tonnen Pellets jährlich produziert.

Die Verbrennung unserer Wälder ist eine Katastrophe für Klima und Artenvielfalt!

Das meiste Holz für die europäischen Großkraftwerke stammt von dem weltweit größten Pelletunternehmen Enviva. Das Unternehmen betreibt derzeit neun große Pelletwerke im Südosten der USA und baut seine Produktion kontinuierlich aus. Mit großen Kahlschlägen in den artenreichen und zum Teil nahezu unberührten Laubholz-Küstenwäldern Südost-Amerikas wird der Lebensraum für eine große Anzahl von Pflanzen, Amphibien und anderen Arten unwiederbringlich zerstört. Die Wälder befinden sich in einem weltweit einzigartigen sogenannten Biodiversitäts-Hotspot. Etwa 30 Prozent der in dieser Region beheimateten Pflanzenarten sind endemisch, also weltweit ausschließlich hier beheimatet. Enviva selbst gibt an, dass Deutschland einen riesigen neuen Markt darstelle. Bereits jetzt treffen sich hohe Repräsentant*innen des Unternehmens mit deutschen Regierungsvertreter*innen.

Auch in den baltischen Staaten ist durch die wachsende Nachfrage nach Biomasseenergie der Holzeinschlag in den letzten Jahren deutlich intensiver geworden. In Estland hat er sich seit 2008 fast verdreifacht und Lettland verzeichnete im vergangenen Jahr das höchste Holzeinschlagvolumen seit 2000. Auch aus den wertvollen Buchen-Urwäldern in Rumänien landet immer mehr Holz in Pelletform auf dem deutschen Markt.

Intakte Wälder sind auch für unser Klima unersetzlich. Sie binden Unmengen an CO2 und mildern lokal wie global die Auswirkungen des Klimawandels ab. Größere Einschlagsmengen würden weltweit Waldökosysteme schwächen oder zerstören und deren Funktionen für Klimaschutz und Artenvielfalt beeinträchtigen.

Und anders als häufig behauptet ist das Verfeuern von Holz-Biomasse im großen Stil nicht klimaneutral: Um die Kohlenstoffemissionen aus energetischer Holz-Nutzung wieder zu binden, sind viele Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte nötig, denn ein Wald wächst langsam. Die intensive Bewirtschaftung der jungen Folgewälder würde das Anreichern von langfristigen CO2 Senken in dicken Humusschichten nahezu ausschließen. Bereits 2018 haben 800 Wissenschaftler*innen aus der ganzen Welt in einem Offenen Brief an die Europäische Union davor gewarnt: "Die Verwendung von Holz, das gezielt für die Verbrennung geerntet wird, würde den Kohlenstoff in der Atmosphäre und die Erwärmung der Erde für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte erhöhen - wie viele Studien gezeigt haben - selbst dann, wenn das Holz Kohle, Öl oder Erdgas ersetzt“ Ähnliche Warnungen wurden vom Beirat der Europäischen Akademien der Wissenschaften herausgegeben. Auch Zertifikate für nachhaltige Holzwirtschaft machen dabei keinen Unterschied, wie die Wissenschaftler*innen betonen.

Auch all die weiteren wertvollen Leistungen des Waldes, wie Erholung, Medizin, Rohstoff für langlebige Holzprodukte, Schutz vor Überschwemmungen und Lawinen und vieles mehr würde mit der Abholzung der Wälder zerstört - und werden bisher nicht in der Rechnung veranschlagt.

Die einzigen Profiteure des Ersetzens von Kohle durch Holz wären die großen Energiekonzerne, die nichts an ihrer zentralisierten Stromproduktion ändern müssten.

Unsere Forderungen

Jetzt ist es an der Zeit, EU-Politiker*innen ganz klar zu sagen: Wir dürfen das Energiesystem nicht auf den Holzweg geraten lassen! Das Verbrennen von Holz zu Zwecken der Energiegewinnung ist eine Katastrophe für die Wälder und das Klima. Stattdessen brauchen wir jetzt eine wirklich erneuerbare und ökologische Versorgung mit Wärme und Strom!

Deswegen rufen wir EU-Entscheidungsträger*innen und EU-Mitgliedsstaaten dazu auf:

  • Subventionen und andere Anreize für das Verbrennen von Waldholz zu beenden und an wahrhaft emissionsarme und erneuerbare Energiequellen umzuleiten.
  • Energie, die durch das Verbrennen von Waldholz gewonnen wird, nicht beim Erreichen der Ziele für erneuerbare Energie einzuberechnen.
  • den Schutz und die Wiederherstellung der Wälder zu priorisieren und sicher zu stellen, dass alle EU-Maßnahmen unsere Gesundheit, das Klima und die Biodiversität schützen. Dazu gehört es, das Ernteniveau weltweit massiv zu senken.

Schließt euch ROBIN WOOD bei der Unterzeichnung dieser Petition an, die die EU auffordert, die Wälder zu schützen und nicht zu verfeuern.

Die heutigen Entscheidungen in der EU werden uns, die Natur, die biologische Vielfalt und unser Klima noch jahrzehntelang beeinflussen.