Von künstlichen Bürgerinitiativen und Dialogfallen
Dank einer selbstbewussten und gut informierten Zivilgesellschaft gelingt Investoren die Durchsetzung neuer Großprojekte nach dem Motto „Augen zu und durch“ immer schlechter. Massenproteste, Gerichtsverfahren, Imageschäden und zeitliche Verzögerungen sind die Folge. Es läuft nicht rund für die Projektträger – und das kostet sie Zeit, Geld, Reputation und Nerven. Daher hat sich in der Unternehmenskommunikation der Fokus verschoben: weg von der Frage, wie sich Protest vermeiden lässt, hin zu Plänen, wie Protest zu managen ist. Protest wird also von vornherein mitgedacht und eingeplant.
In der Veranstaltung werden zwei Strategien dieses Protestmanagements beleuchtet:
Zum einen geht es um Beteiligungsverfahren wie Unternehmensdialoge und Runde Tische. Dort schnappt regelmäßig eine Dialogfalle zu, wenn ergebnislose Gespräche hinter verschlossenen Türen geführt werden, um eine öffentliche Konfrontation zu umgehen, auf Zeit zu spielen und die Protestbewegung zu schwächen.
Zum anderen setzen Unternehmen darauf, soziale Bewegungen zu unterminieren, indem sie Bürgerprotest lenken, initiieren oder gar simulieren – frei nach dem vom PR-Profi Marco Althaus formulierten Motto: „Gegen Bürgerinitiativen helfen nur Bürgerinitiativen“. Wie so genanntes Astroturfing und Grassroot-Lobbying funktionieren wird genauer beschrieben und mit Beispielen von künstlichen Bürgerinitiativen veranschaulicht.
Nach diesem Input gibt es die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion von Gegenstrategien.
Die Referentin Ute Bertrand ist Journalistin und arbeitet in Hamburg als Pressesprecherin bei ROBIN WOOD – Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.