Deutschland trägt eine große Verantwortung: Der Hunger nach Holz, Papier und Zellstoff zerstört die letzten Natur- und Urwälder Europas. Im zweiten Halbjahr 2020 wird Deutschland die Ratspräsidentschaft der EU übernehmen. Wir fordern von Bundesagrarministerin Klöckner eine klare Position für eine starke Waldstrategie und die verbindliche Umsetzung von Waldnaturschutzmaßnahmen:

  • Natur- und Urwälder kartieren und verbindlich schützen!
  • Illegalen Holzeinschlag stoppen!
  • Verstöße gegen Gesetze des Waldnaturschutzes konsequent verfolgen!

Ich unterstütze mit meiner Unterschrift diese Forderungen an Ministerin Julia Klöckner.

(Für weitere Hintergrundinformationen zu dieser Petition einfach nach unten scrollen.)

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Ist Deutschland mitverantwortlich für die Zerstörung der Wälder?

Deutschland ist eines der größten Abnehmerländer von Holz, Holzprodukten, Papier und Zellstoff aus den EU-Ländern mit den größten noch verbliebenen Vorkommen an Natur- und Urwäldern.

2017 importierte Deutschland beispielsweise rund 600.000 Tonnen Zellstoff und über zwei Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe alleine aus Schweden – mehr als aus jedem anderen Land.
Aus den mittel- und osteuropäischen Wäldern, größtenteils aus den Karpaten, kommen große Mengen Brennholz, Pellets oder Spanplatten. Große Anteile dieses Holzes stammen aus illegalem Holzeinschlag.
Zugleich gehen Menschen sehr verschwenderisch mit dem wertvollen Rohstoff um. Für Papier zum Beispiel lag 2017 hierzulande der Pro-Kopf-Verbrauch bei 250 Kilogramm. Deutschland belegte damit einen unrühmlichen Spitzenplatz; weltweit konsumierten nur Belgien/Luxemburg mehr.

Deutschland als finanzkräftiger Mitgliedsstaat der Europäischen Union ist ein wichtiger Player in der europäischen Politik. Wie sich Deutschland zum verbindlichen Schutz unserer Natur- und Urwälder während der Ratspräsidentschaft positioniert, hat großen Einfluss auf die Entscheidungen der EU-Kommission und die Gesetzgebungsprozesse des Europäischen Parlaments.

Wo gibt es in Europa noch Natur- und Urwälder?

Europa beherbergt etwa ein Viertel der Wälder der Welt. Davon sind gerade mal 0,7 Prozent in ihrem ursprünglichen Zustand. Dieser kleine Anteil verteilt sich über ganz Europa.

Auch in Deutschland gibt es noch winzige Flächen Urwald. In den hiesigen Wäldern finden wir insgesamt weniger als 100 Hektar echte Urwaldstrukturen, deren Flächen selten mehr als zehn Hektar am Stück betragen.

Die größten zusammenhängenden Natur- und Urwälder Europas befinden sich in Skandinavien. In dieser sogenannten borealen Klimazone sind dies hauptsächlich Nadelwälder.

Die zweitgrößten zusammenhängenden Vorkommen von Natur- und Urwäldern gibt es in den Karpaten Mittel- und Osteuropas. Dort existieren auch die größten intakten Buchenurwälder der Welt. Alleine Rumänien beherbergt 32 Prozent der europäischen Buchenwälder. Diese alten unberührten Wälder schrumpfen rasant. 2004 befanden sich noch 218 000 Hektar Urwald in den rumänischen Karpaten, die nach sehr strengen rumänischen Kriterien als völlig unberührt [Virgin Forests] definiert wurden. Heute existieren von den damalig datierten Wäldern noch gerade mal die Hälfte. Erfreulich sind die Ergebnisse einer neuen Studie von 2019, die in Rumänien noch 525 000 Hektar Natur- und Urwälder dokumentieren konnte. Also Wälder die völlig unberührt, über sehr lange Zeiträume unberührt oder nur äußerst marginal von Menschenhand verändert wurden und allesamt einen sehr hohen Schutzwert durch ihre seltenen Lebensräume und Arten sowie ihre einzigartige Struktur und Unversehrtheit aufweisen. Doch gerade diese alten ursprünglichen Wälder sind in Ost- und Mitteleuropa sowie in Skandinavien stark gefährdet, denn ihre Bäume versprechen gutes, langsam gewachsenes, stabiles Holz, das auf dem Holzmarkt viel abwirft.

Zahlen zum Vergleich:

  • Rumänien: zwischen 100.000 und 150.000 Hektar Urwald und 525.000 Hektar Natur- und Urwälder
  • Ukraine: 100.000 Hektar Urwaldstrukturen
  • Schweden: 85.000 Hektar Urwaldstrukturen
  • Polen: 12.000 Hektar Urwaldstrukturen
  • Slowakei: 11.000 Hektar Urwaldstrukturen
  • Östereich: <1500 Hektar Urwaldstrukturen
  • Deutschland: <100 Hektar Urwaldstrukturen (einmal fast 50 Hektar am Stück in Höllbachgspreng in Süddeutschland; ansonsten eher 10-15 Hektar am Stück)
  • Belgien: 0 Hektar Urwaldstrukturen

 

Warum müssen wir unsere letzten Natur- und Urwälder schützen?

Nur noch 0,7 Prozent der Wälder Europas sind in ihrem ursprüngliche Zustand. Die wenigen Länder in Mittel bzw. Osteuropa und Skandinavien, in denen heute noch Natur- und Urwälder existieren, habe alle ihre ganz eigene Abholzungsgeschichte, bestimmt durch Abholzungspraxen, die häufig illegal stattfinden und/oder sehr invasive Methoden nutzen (dazu mehr unter "Was passiert mit den Natur- und Urwäldern Rumäniens?").

Dabei brauchen wir dringend diese intakten Ökosysteme, die sich selbst regulieren und im Gegensatz zu Wirtschaftswäldern seit Jahrhunderten jede Krise überstanden haben. Sie speichern über riesige Zeiträume gigantische Mengen an CO². Sie mildern die extremen Klimabedingungen und das lokale Klima. Sie stellen einen Lebensraum für unendlich viele Arten dar – unzählige davon sind auf den einzigartigen Lebensraum dieser raren Wälder angewiesen. Der uralte genetische Pool der alten wilden Wälder ist einer unserer wertvollsten Schätze.

In der Zeit der Corona-Krise offenbart sich eine weitere wichtige Schutzfunktion, die die Natur- und Urwälder leisten: Studien zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen der Rodung großer, alter, intakter Waldgebiete und der Verbreitung neuer Infektionskrankheiten besteht. Sei es die Fledermaus, die ihre Urwälder verlor, in Obstgärten und urbanen Gegenden einzog und das Ebola Virus verbreitete oder seien es die Hirsche, in deren Wälder die Städte im Nordosten Amerikas immer weiter vordrangen, so dass über Zecken die Lyme-Borreliose in der Zivilisation verbreitet wurde.

Neueste Untersuchungen beschreiben einen Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung mit Feinstaubpartikeln und der Übertragung von Infektionskrankheiten. Das Corona Virus hätte sich aufgrund der starken Feinstaubbelastung in Norditalien in solch einer Geschwindigkeit und Anzahl verbreitet (hier geht's zur Original-Studie).

Was sind effektivere Luftfilter zur Feinstaubprävention als Wälder? Sie sind die einzigen und dabei unglaublichen effektiven natürlichen Filtersysteme der terrestrischen Landesflächen.

Mensch, Natur und Klima sind angewiesen auf jede einzelne der Ökosystemleistungen unserer alten wilden Wälder, weit über die Klima- und die Biodiversitätskrise hinaus! Sie lassen sich durch keine Technologie der Welt ersetzen! Unsere letzten Natur- und Urwälder sind unsere Versicherung in vielerlei Hinsicht. Ihr Schutz muss oberste Priorität haben!

Wir brauchen in Europa einen verbindlichen und effektiven Schutz der europäischen Natur- und Urwälder!

Warum sind die Natur- und Urwälder Rumäniens besonders gefährdet?

2004 befanden sich in Rumänien noch 218 000 Hektar Urwald, die nach den strengen rumänischen Kriterien als völlig unberührt definiert wurden (Virgin Forests). Heute existiert von diesen Wäldern noch die Hälfte. Ganze Bergrücken und riesige Täler wurden durch Abholzungen unwiederbringlich zerstört, über die Hälfte davon nachweislich illegal.

Auch viele legale Holzfällarbeiten werfen Fragen auf. So sind zum Beispiel sogenannte "conservation cuttings" nichts anderes als Kahlschläge, die riesige, kahle Flächen in den alten Wäldern hinterlassen und ihre Struktur für Jahrzehnte schädigen. Auch werden Abholzungspausen in der Brut- und Setzzeit nicht eingehalten oder an Tagen mit schwerem Gerät im Wald gearbeitet, an denen der Boden aufgrund hoher Feuchtigkeit besonders empfindlich ist.

Die Arbeiten zur offiziellen Kartierung von Urwäldern zur Erweiterung der Schutzgebiete werden mit unüberwindbaren bürokratischen Hürden behindert. Sind Wälder als schützenswert erkannt, werden sie allzu oft zügig durch illegalen Holzeinschlag degradiert und verlieren damit ihren potentiellen Schutzstatus, noch bevor sie ihn bekommen konnten. Repressionen bis hin zu Morden sind an der Tagesordnung für die Menschen, die sich in Rumänien für den Waldnaturschutz einsetzen [Wir haben hier und hier darüber berichtet].

Trotz der massiven Abholzungen der letzten zwei Jahrzehnte befinden sich in Rumänien immer noch die größten Natur- und Urwaldflächen nach Skandinavien und zudem die größten zusammenhängenden Buchenurwälder unseres Planeten. Eine Ende 2019 veröffentlichte Studie geht von 525 000 Hektar aus.

Aktuell ist der Waldverlust in Rumänien und allen anderen Natur- und Urwäldern Europas dramatisch. Europa muss dem Einhalt gebieten! Lediglich Empfehlungen und Anreize sind stumpfe Schwerter. Es bedarf gesetzlicher europäischer Vorgaben, deren Übertretung konsequent geahndet wird.

 

 

Welche Werkzeuge hat die EU-Politik für den Waldnaturschutz?

Die Vorsitzende der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, rief Ende 2019 den sogenannten europäischen Green Deal aus. Laut von der Leyen soll der Green Deal nichts weniger leisten, als „unsere Wirtschaft wieder mit unserem Planeten in Einklang zu bringen“. Von der Leyen nutzte gar das Wort „Revolution“ und zitierte einen europäischen „man on the moon“-Moment. Man wolle der erste klimaneutrale Kontinent der Welt werden.

Der Green Deal sieht eine tiefgreifende sozial-ökologische Wende in Europa innerhalb der nächsten zehn Jahre vor. Es muss also weit mehr passieren, als nur der Wirtschaft einen leicht grünen Anstrich zu verpassen. Die im Green Deal vorgesehene Biodiversitätsstrategie und die angekündigte neue Europäische Waldstrategie müssen jetzt als große Chance für einen starken Waldnaturschutz auf europäischer Ebene genutzt werden.

Auch die auf die Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzrichtlinien zurückgehenden sogenannten Natura 2000-Schutzgebiete und ihre rechtliche Umsetzung spielen in diesem Kontext eine außerordentlich wichtige Rolle.

Die derzeitige EU-Biodiversitätsstrategie wurde im Mai 2011von der EU verabschiedet. Sie hat zum Ziel, den Verlust der Biodiversität in Europa zu stoppen und wenn möglich, zerstörte oder degradierte Ökosysteme wiederherzustellen. Aus globaler Perspektive ist die Biodiversitätsstrategie das planerische Werkzeug der EU, um einem globalen Artensterben entgegenzuwirken.

Leider sind wir heute, knapp zehn Jahre später, weit davon entfernt, die Ziele der Strategie auf europäischer Ebene zu erreichen. Das lag vor allem daran, dass viele der Maßnahmen als Empfehlungen und jedenfalls nicht als verbindliche Verpflichtung formuliert waren. Nach zehn Jahren wird die Biodiversitätsstrategie nun erneuert. Unsere Aufgabe ist es, öffentlich Druck aufzubauen, damit die Europäische Union nicht erneut leere Ziele mit Empfehlungscharakter, sondern konkrete Maßnahmen formuliert und deren Umsetzung deutlich forciert.

Die neue Europäische Waldstrategie soll dieses Jahr – aufbauend auf der europäischen Biodiversitätsstrategie – erstmals verabschiedet werden. Bisher gibt es lediglich erste im European Green Deal festgehaltene Hinweise darauf, in welche politische Richtung die Waldstrategie tendieren soll. Genau diese Hinweise beunruhigen uns. Die Waldstrategie enthält zwar gute Ansätze – etwa die Aufforstung zerstörter und degradierter Wälder Europas – doch sämtliche Maßnahmen stehen unter der Prämisse der wirtschaftlichen Nutzung von Holz. Und der Holzhunger ist groß. Das meiste geschlagene Holz landet nicht in langlebigen Produkten, sondern wird zu Papier und zu Pressholzmöbeln verarbeitet und zunehmend als Pellets und Brennholz verfeuert.

Die neue Waldstrategie führt in eine Sackgasse, wenn nicht gleichzeitig ein bedingungsloser Schutz noch bestehender intakter Natur- und Urwälder sichergestellt wird. Allein für den Zuwachs von Biomasse zu sorgen, ist keine Klimaschutz- und erst recht keine Artenschutzmaßnahme. Vor allem nicht, wenn das Holz dem kurzlebigen Konsum dient.

Aus der Sicht von ROBIN WOOD hat die europäische Waldstrategie die Aufgabe, die Kartierung von potentiellen Urwaldfläche als verbindliche Maßnahme aufzunehmen. Auch die Frage der Finanzierung von Wildnisflächen in Wirtschaftswäldern, zum Beispiel durch die Entlohnung der CO2-Senke und der anderen Ökosystemleistungen – eine Subvention des Bewahrens unserer Wälder – muss Bestandteil einer EU-weiten Waldstrategie sein.

Ein Ziel der Biodiversitätsstrategie, das sich aus unserer Sicht auch in der Waldstrategie niederschlagen muss, ist die verbesserte Umsetzung des Naturschutzrechtes auf europäischer Ebene insbesondere der sogenannte Habitatschutz im Schutzgebietsnetz Natura 2000 – mit diesem soll Naturschutz in einem zusammenhängenden europäischen Netz von Schutzgebieten gewährleistet werden. Eine der wichtigsten Vorgaben ist das Verschlechterungsverbot und das Verbesserungsgebot der Lebensräume. Damit kann die Natura 2000-Gesetzgebung ein gutes Werkzeug im Kampf gegen die intensiv betriebene Forstwirtschaft mit ihren naturschädlichen Praktiken und gegen illegale Abholzung auf Natura 2000-Gebieten sein.

Leider scheitert die Verfolgung von Gesetzesverstößen bislang allzu häufig. Das können wir selbst in unserem eigenen nationalen Kontext im angeblichen Musterland Deutschland immer wieder beobachten. Auf den riesigen Flächen der Karpaten und in Ländern, deren Regierungen weitreichendere Korruption vorgeworfen wird, ist die Rechtsdurchsetzung noch deutlich schwieriger. Zudem können die zahlreichen Beschwerden, die wegen vermuteter Verstöße gegen die Richtlinien an die EU-Kommission gerichtet werden, mit der aktuellen personellen Ausstattung an Mitarbeiter*innen der europäischen Behörden nur äußerst unzureichend verfolgt werden. Deshalb ist eine unserer dringlichsten Forderungen die Aufstockung des Personals auf europäischer und nationaler Ebene in allen in diese Prozesse involvierten Gremien und Institutionen zur besseren Verfolgung der Einhaltung der europäischen Naturschutzgesetze. Auch die Waldstrategie muss darauf drängen.

Sehr beunruhigen tun uns Äußerungen verschiedener Abgeordneter des Europäischen Parlaments, zum Beispiel von Petri Sarvamaas, der Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im EU-Parlament ist und dort maßgeblich an der neuen europäischen Wahlstrategie mitarbeitet. Bei einer öffentlichen Veranstaltung vertrat er die Meinung, dass alle Wälder dahinschwinden (decline) würden, wenn sie nicht gemanaged würden. Diese Äußerung schließt die bloße Existenz von unberührten und ursprünglichen Urwäldern aus. Bis zur Veröffentlichung der Waldstrategie, die für den Herbst 2020 geplant war, ist also noch viel zu tun: Unsere Petition an Julia Klöckner fordert die Bundesministerin auf, die Weichen für einen ambitionierten Waldnaturschutz zu stellen und für einen effektiven und verbindlichen Schutz unserer letzten bestehenden Natur- und Urwälder einzutreten. Dies ist ein wichtiger Schritt zu einer starken europäischen Waldstrategie.

EU-Ratspräsidentschaft – was bedeutet das überhaupt?

Die EU-Ratspräsidentschaft wechselt alle sechs Monate zwischen den EU-Mitgliedsländern nach einer festgelegten Reihenfolge.Eine der wichtigsten Aufgaben des Vorsitzes im Rat der Europäischen Union ist es, Kompromissvorschläge auszuarbeiten, wenn Mitgliedstaaten unterschiedliche Positionen haben, um die Positionierung des Rates als eine der Kammern der EU-Gesetzgebung sicherzustellen.

In der Zeit der EU-Ratspräsidentschaft treffen sich regelmäßig die Minister*innen ihrer jeweiligen Ressorts mit ihren Kolleg*innen aus allen anderen Mitgliedstaaten der EU. So trifft sich zum Beispiel der Umweltminister*innenrat oder der Minister*innenrat für Ernährung und Landwirtschaft.

Sowohl die Umweltminister*innen als auch die Minister*innen für Ernährung und Landwirtschaft aller EU-Mitgliedstaaten haben das Thema Wald auf ihrer Agenda stehen. ROBIN WOOD richtet die Petition an Julia Klöckner, weil es in Deutschland traditionell und nach der derzeitigen Ressortaufteilung das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist, das mit Waldbelangen betraut ist. Damit wird es hauptsächlich Ministerin Klöckner sein, die die waldpolitischen Interessen der deutschen Bundesregierung auf europäischer Ebene einbringen wird. Die beratende Funktion des Rates der Europäischen Union hat durch die Auseinandersetzung mit Konflikten und dem Ringen um Kompromisse auf europäischer Ebene eine äußerst wichtige Funktion innerhalb der gesamteuropäischen Politik.

Was kann Bundesministerin Klöckner für den Waldnaturschutz tun?

Julia Klöckner ist die deutsche Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung und kraft Ressortaufteilung auch für die Waldwirtschaft zuständig. In dieser Funktion wird sie sich im zweiten Halbjahr 2020 regelmäßig mit den anderen für den Bereich Landwirtschaft und Wald zuständigen Minister*innen der EU-Mitgliedsstaatentreffen. Gemeinsam werden sie sich zur Positionierung im Bereich Waldwirtschaft und Waldnaturschutz verständigen. Deutschland, sowohl als finanzkräftiger Mitgliedstaat als auch wegen der besonderen Steuerungsfunktion während der Ratspräsidentschaft, hat innerhalb dieser Debatten eine starke Machtposition. Je nachdem welche Position Julia Klöckner vertritt, welche Themen Deutschland auf die Tagesordnung setzt und wie die entsprechenden Fragen und Kompromisse formuliert werden, kann sich der Kurs für den Waldnaturschutz in die eine oder andere Richtung entwickeln.

Im nationalen Kontext war Julia Klöckner 2019 sehr darauf fokussiert, die durch den Klimawandel verursachten Schäden im Wald (durch Feuer, Sturm, Hitze und eine Überpopulation von Insekten in den durch die Hitze geschwächten Wäldern) zu managen. Sie ließ sich dabei vornehmlich beraten von einer Holzwirtschaftslobby, die kaum Raum ließ für dringend notwendige Maßnahmen im Waldnaturschutz. Umweltverbände lässt Ministerin Klöckner ohnehin gerne abblitzen. Klöckner ist im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 auf europäischer Ebene gefragt, die Wirtschaftsinteressen zurückzustellen und sich für den Erhalt der letzten verbliebenen Natur- und Urwälder einzusetzen.

Mit Ihrer Unterschrift unter die ROBIN WOOD-Petition unterstützen Sie die Aufforderung an Julia Klöckner, den Waldnaturschutz zu stärken!

Was fordert ROBIN WOOD für die europäischen Natur- und Urwälder?

1. Natur- und Urwälder kartieren und verbindlich schützen!

ROBIN WOOD fordert den sofortigen Beginn einer Kartierung aller potentiellen Natur- und Urwälder der Europäischen Union. Wälder, die als hoch-schützenswert eingestuft werden, müssen sofort aus der Nutzung genommen werden. Bei Naturwäldern sind die lokalen sozial-ökologischen Bedingungen zu berücksichtigen, die eventuell eine naturnahe Bewirtschaftung der Wälder durch die lokale Bevölkerung vertretbar macht. Kahlschlagspraktiken in geschützten Gebieten entsprechen nicht dem Konzept einer naturnahen Bewirtschaftung, weder in borealen noch in gemäßigten Klimazonen und dürfen nicht geduldet werden – auch nicht, wenn sie als sogenannte „conservation cuttings“ deklariert werden. Gleichzeitig muss das Bewahren alter, intakter Wälder finanziell belohnt werden.

2. Illegalen Holzeinschlag stoppen!

Illegaler Holzeinschlag ist insbesondere in den mittel- und osteuropäischen Wäldern noch die Regel. In Rumänien ist über die Hälfte der Holzernte nicht offiziell genehmigt. Dieser Praxis muss Einhalt geboten werden. Um das zu gewährleisten, braucht es transparente Forstmanagementpläne und eine gute Rückverfolgung der Lieferketten vom Baum bis zum Produkt.

3. Verstöße gegen Gesetze des Waldnaturschutzes konsequent verfolgen!

Notwendig ist die konsequente Verfolgung von Übertritten bestehender Waldnaturschutzgesetze, allen voran der EU-Naturschutzrichtlinien. In der Vergangenheit haben wir beobachtet, woran die Umsetzung bestehender Naturschutzgesetze scheitert: An mangelndem Personal. Das gilt sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene in allen involvierten Gremien und Institutionen. Stichpunktkontrollen und Ausnahmeregelungen sind beim Ausmaß der Verstöße und deren gravierenden Folgen für Natur und Umwelt nicht länger duldbar. Es braucht eine Nulltolleranzgrenze bei Verstößen gegen geltendes Umwelt- und Naturschutzrecht!

Europas letzte Urwälder retten! | Robin Wood

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