Vier Transporte sind vier zu viel!

In der Nacht zum 16. November startete vom stillgelegtem AKW Obrigheim der vierte von fünf geplanten Transporten mit abgebrannten Brennelementen. Die Brennelemente werden in je drei Castorbehältern in das Zwischenlager des Gemeinschaftskraftwerks Neckarwestheim verbracht.

Bei diesem nunmehr vierten Transport wurde sichtbar, wie der in der Verantwortung stehende Konzern EnBW es mit der Sicherheit so eines hochgefährlichen Transportes hält. Der Großteil der Transportstrecke wurde im Stockdunkeln zurück gelegt. Dabei liegen gerade auf diesem Abschnitt besonders kritische Hindernisse. Drei Schleusen wurden noch während der Dunkelheit durchfahren, in der Neckarschlaufe zwischen Haßmersheim und Gundelsheim hing sogar Nebel, der die Sicht massiv einschränkte. Der wahnwitzige Plan des Konzerns für die Verschiffung des hoch gefährlichen Atommülls - und damit auch das notwendige Wendemanöver des Schubverbandes vor der Schleuse Guttenbach - war nun, den Transport in der absoluten Dunkelheit des Donnerstagmorgen gegen 2 Uhr starten zu lassen. Durch die Überlänge des Schubverbandes trennen bei dem Wendemanöver nur wenige Meter den Bug und das Heck vom seichten Ufer des Neckar.

Auch scheint es wegen technischer Probleme mit den Schubschiffen zu einer Auswechslung gekommen zu sein. Nicht wie sonst lenkte die „Edda“ den Lastdrager 40 sondern das Ersatzschiff „Ronja“. Beide Schiffe sind in der Vergangenheit durch Unfälle aufgefallen.

Gegen 9:20 Uhr startet die bunte Protestaktion von AktivistInnen des Bündnisses Neckar castorfrei, der Anti-Atom Initiative Karlsruhe und von Robin Wood. Dabei begaben sich zehn SchwimmerInnen der Gruppen - ausgerüstet mit Neoprenanzügen, Transparenten und vielen blauen Fässern, die symbolisch die verschifften Castoren darstellten - ins Wasser und protestierten friedlich mit den UnterstützerInnen am Ufer. Auch gelangten viele gelbe Anti-Atom-Enten ins Wasser, welche die SchwimmerInnen begleiteten. Trotz der sieben Grad Wassertemperatur war die Stimmung ausgezeichnet. Von den Protestierenden ging dabei zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr oder Eskalation aus. Ganz im Gegensatz dazu stand das unprofessionelle Auftreten und Vorgehen der Polizei.

Nach gut 30 Minuten wurden die ersten AktivistInnen auf Schnellboote der Polizei gezogen, wobei teilweise Arme und Beine schmerzhaft verdreht wurden. Im Boot wurde eine der AktivistInnen von Polizisten zu Boden gedrückt, so dass ihr Bein und Knie schmerzhaft gequetscht wurde. Auch berichtete die Aktivistin davon, dass sie - auf den Versuch hin, sich aus der schmerzhaften Lage zu befreien - am Hals wieder zu Boden gedrückt wurde.

Und trotz vorheriger Warnung des Schubverbandes setzte dieser seine Fahrt an den noch im Wasser befindlichen AktivistInnen vorbei fort. Mindestens einer wurde durch den viel zu geringen Abstand zur Schraube des Schiffes und dessen Sogwirkung massiv in Gefahr gebracht. Des weiteren wurden so alle SchwimmerInnen deutlich erhöhter Strahlung ausgesetzt.

Auch am Ufer mussten die SchwimmerInnen und deren UnterstützerInnen bei den BeamtInnen um die Möglichkeit, sich aufzuwärmen und ihre trockene Kleidung zu bekommen, kämpfen.

„Das Vorgehen der Polizei während der heutigen Protestaktion zeigt, dass die Polizei nicht mit gewaltfreiem und friedlichen Protest umzugehen weiß. Stattdessen nimmt sie Verletzte und die mögliche Unterkühlung von mehreren AktivistInnen in Kauf, ja verhindert sogar, dass sich diese aufwärmen können. Ganz zu schweigen von der Entscheidung, den Transport an den SchwimmerInnen vorbei fahren zu lassen“, so ROBIN WOOD-Aktivistin Paula Gärtner.

Für den 3. Dezember ruft das Bündnis Neckar castorfrei zu einer großen Demonstration im Vorfeld des fünften Castor-Transports auf. Protest ist weiterhin nötig und auf Unterstützung angewiesen.