Poker um Entschädigungszahlen: Block 2 des AKW Fessenheim darf wieder ans Netz

Der im Juni 2016 wegen massiver Verarbeitungsmängel eines Dampferzeugers vom Netz genommene Block 2 des ältesten französischen AKW Fessenheim darf bis Ende dieses Monats wieder in Betrieb genommen werden. Das genehmigte die französische Atomaufsicht ASN. Aus Sicht von ROBIN WOOD ist dies verantwortungslos und gefährlich. Die sofortige Stilllegung des maroden Atomkraftwerks ist nötig und überfällig.

Von einer eher unbekannten Seite hatte sich die ASN im Juni 2016 gezeigt, als sie fünf französische Reaktoren wegen schwerwiegender Materialfehler der dort verbauten Dampferzeuger vom Netz nahm – darunter auch Block 2 des 1977 in Betrieb genommenen ältesten AKW Fessenheim. Im Dampferzeuger fand sich ein deutlich erhöhter Kohlenstoffgehalt, der eine einschneidende Schwächung und verminderte Belastbarkeit des Materials zur Folge hat.

Der Dampferzeuger wurde in der Gießerei Creusot Forge hergestellt, die sich bis Beginn 2018 im Besitz der AREVA befand. Inzwischen wird dort unter dem Namen Framatome produziert. Laut eines Berichte von Greenpeace sind an die 100 weitere mangelhafte Bauteile aus dieser Gießerei in bis zu 19 AKW verbaut. Auch der Reaktordruckbehälter des immer noch nicht fertig gestellten Europäischen Druckwasserrektors (EPR) in Flamanville in der Normandie hat seinen Ursprung in Le Creusot. Die Schlampereien und Vertuschungen um die fehlerhafte Produktion in der skandalträchtigen Gießerei reichen bis 1965 zurück. 2014 wurden wegen des nicht einsatzfähigen Druckbehälters in Flamanville mehrere 100 unvollständige und geschönte Produktions- und Prüfberichte aufgedeckt.

Stilllegung Fessenheim bedeutet Inbetriebnahme Flamanville

Electricité de France (EdF) als Betreiber des AKW Fessenheim hat sich jüngst erstmals offiziell zu der Schließung des AKW geäußert. Diese soll bis Ende 2018, spätestens aber im ersten Halbjahr 2019, vonstatten gegangen sein. Das bedeutet allerdings zugleich, dass der EPR in Flamanville bis dahin betriebsfertig sein muss, da die Stilllegung Fessenheims immer noch an den EPR gekoppelt wird.

Pokern um Entschädigungszahlungen

Bevor es soweit ist, geht EdF noch einmal aufs Ganze. Der AKW-Direktor Fessenheims, Marc Simon-Jean, kündigte auf einer Pressekonferenz das Wiederanfahren von Block 2 bis Ende dieses Monats an. Mit der früher oder später bevorstehenden Stilllegung des Schrott-AKW in Fessenheim beginnt für den hoch verschuldeten Betreiber Electricité de France (EdF) auch das Pokern um Entschädigungszahlungen. Und mit einem komplett laufenden klapprigen AKW lässt sich eben höher pokern als mit einem einzelnen Reaktorblock. Dabei wird wissentlich die offensichtliche Gefährdung von Millionen von Menschen in ganz Europa in Kauf genommen. ROBIN WOOD fordert die sofortige, seit Jahren überfällige und endgültige Abschaltung dieses AKW. Alles andere ist ignorant und bewusst gefährdend!