Die Sommer-Waldbrände in Brandenburg

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Zwei Mal war ich Anfang September zwei Wochen nach den Bränden im brandenburgischen Waldbrandgebiet um Treuenbrietzen/Brandenburg. Einmal, um die Bilder mit meinen eigenen Augen zu sehen und für ROBIN WOOD zu dokumentieren. Ein zweites Mal, um dem ZDF ein Interview zu geben, warum wir als Umweltorganisation wenig überrascht von den Bränden waren und ohnehin schon immer einen zügigen Waldumbau zum Laubmischwald fordern.

Im folgenden ROBIN WOOD Magazin veröffentliche ich zu meinen Besuchen einen langen Artikel. Hier fasse ich die wichtigsten Punkte zusammen.

 

Es gibt Orte auf der Welt, da gehören Waldbrände zum natürlichen Ökokreislauf. Brandenburg gehört nicht dazu.

Und trotzdem ist Brandenburg mit seinen Nadelholz-Monokulturen seit Jahrzehnten ein Hotspot für Waldbrände. Dieses Jahr brannten 692 Hektar ab.

Monokulturen brennen schnell. Aber auch auf vielen anderen Ebenen sind Monokulturen sehr anfällig und besitzen obendrein nur einen geringen Wert für den Erhalt der Artenvielfalt und kaum einen Erholungswert für den Menschen. Schauen wir uns die strukturellen Schwachstellen einer Monokultur einmal an:

Sturm: Eine Nadelholz-Monokultur hat kaum Buschwerk, keine jüngeren oder älteren Nachbarbäume, die Bäume in Reih und Glied, gleich alt und gleich hoch und viele Rückewege für die Forstmaschinen. All das sind Einfallstore für den Sturm. Kommt Starkregen in den Tagen vor dem Sturm hinzu, so ist der Boden so aufgeweicht, dass das Risiko eines Sturmwurfs zusätzlich steigt.

Schädlinge: Schadinsekten für Bäume gibt es viele. Und jegliche Monokultur ist für jeden passenden Schädling eine Art Schlaraffenland. Kommen dann noch frische Sturmschäden hinzu, kann sich beispielsweise der Borkenkäfer noch besser vermehren. Der Baum kann dann seinen Abwehrmechanismus, das klebrige Harz, kaum noch nutzen, um sich zu verteidigen. Dennoch ist der Baum noch frisch genug, um für den Borkenkäfer geeignet zu sein.

Dürre und Hitze: Wenn, wie dieses Jahr in vielen Regionen geschehen, über Wochen kein Tropfen Regen fällt, hat selbst der Laubmischwald zu kämpfen. Dabei hat sein Boden durch die zersetzte Humusauflage sehr viel mehr Feuchtigkeit gespeichert als der des Nadelwaldes. Die Durchschnittstemperatur ist zudem bis zu 7 Grad kälter im Laubmischwald als die des übrigen lokalen Klimas. Die Nadelholz-Monokultur hat kaum eine Chance, sich gegen die Hitze zu wappnen. Ihre Nadelwipfel und die Unterwuchs-freien Strukturen lassen viel mehr Wasser verdunsten. Ihr Boden ist schnell ausgetrocknet und kann ohnehin wenig Wasser speichern. Am Ende eines Sommer wie diesem tragen unsere Nadelbäume viele irreparablen Hitzeschäden davon. Ihre Anfälligkeit für Stürme und Schädlingsbefall ist nun noch höher als vor den ersten Stürmen des Jahres.

Wie wir sehen, ist es für die Nadelwälder dramatisch, wenn mehrere potentiell negative Ereignisse innerhalb eines Jahres aufeinandertreffen. Sie verstärken sich wechselseitig und können einen Wald nahezu zerstören.

Ökonomisch wird die vorherrschende Risikowirtschaft zuvor kalkuliert. Nur eins fällt bis dato raus bei der Berechnung der Kosten-Nutzen-Bilanz: der Klimawandel. Er ist angekommen in unseren Wäldern. Inzwischen erleben wir den zweiten Jahrhundertsommer in diesem Jahrhundert. Spürbare Momente des Wandels sind eine zunehmende Anzahl an Extremwetter-Ereignissen wie Sturm, Starkregen, und langanhaltende Hitzeperioden.

Es ist nicht nur so, dass der Klimawandel unsere Wälder schwächen kann. Andersrum ist es auch so, dass geschädigte oder zerstörte Wälder den Klimawandel wiederum beschleunigen! Denn ein beschädigter Wald speichert weniger CO2.

Feuer: Wohin wir schauen, überall auf der Welt brennen Baum-Monokulturen schnell und unkontrollierbar. Die Anzahl der Waldbrände hat sich in Europa in den letzten 10 Jahren ungefähr verdreifacht. Die Waldbrandsaison hat sich insgesamt von zwei auf fünf Monate pro Jahr verlängert.

Damit ein Waldbrand ausbricht, braucht es brandbegünstigende Faktoren. Der erste Funken muss auf leicht entzündbares (trockene Bodenvegetation, Reisig oder Nadelauflage) treffen. Auch die Witterung muss stimmen. Das heißt, es muss ein trockenes Mikroklima im Waldinneren vorherrschen. Je mehr Luft das Feuer bekommt, desto schneller und stärker breitet es sich aus. Wenn wir diese Faktoren mit den bisher hier dargestellten Eigenschaften einer Nadelholz-Monokultur vergleichen, so fällt auf, dass wir in solcher eben genau die Verhältnisse vorfinde, die sehr förderlich für Brände sind: Sie haben keinen Unterwuchs und einen geringen Buschbewuchs der Waldränder, der die Flammen ausbremsen könnte oder Feuchtigkeit speichert. Sie haben kein Blätterwerk, keine geschlossene Kronendecke, was die Luftzufuhr mindern würde. Die Nadel- und Moosauflagen in Nadelwäldern brennt wie Zunder. Sie haben mit ihrem Harzanteil und ihren vielen ätherischen Ölen einen Brandbeschleuniger schon in ihrem Organismus integriert. Kommt nun noch eine Dürreperiode hinzu, sind diese Brände schnell verheerend.

Schätzungen gehen für dieses Jahr in Brandenburg von einem Holzverlust im Wert von 1,2 bis 1,5 Millionen € aus. Der nun existierende verkohlte Bestand ist nicht mehr nutzbar.

 

ROBIN WOOD fordert Waldumbau!

Ökologisch sieht die Perspektive allerdings sehr viel besser aus. Ein Waldbrand ist eine große Chance für die Zukunft des Ökosystems. Der Boden ist durch die Asche hervorragend gedüngt. Es bietet sich die Chance, unterschiedliche Mischwaldkonzepte zu erproben und ein für alle Mal wegzukommen vom Prinzip der instabilen Monokultur.

  • ROBIN WOOD fordert deshalb schon immer den Umbau zu arten- und strukturreichen, also naturnahen Mischwäldern. Denn das sind stabile und anpassungsfähige Wälder mit stabilen Ökosystemen, die nicht nur viel gewappneter sind für Extremwetterlagen, sondern darüber hinaus diesen auch entgegenwirken - zum Beispiel als CO2 Senke oder auch ganz konkret lokal das wärmere Klima durch ihr kühles Mikroklima abdämpfen. Zudem wehren sie Schädlinge besser ab und haben insgesamt einen höheren Erholungswert für den Menschen als Monokulturen.
  • Was wir zudem fordern, ist eine Beschleunigung der bisherigen Waldumbau-Bestrebungen.
  • Wir fordern auch eine Unterstützung der Waldbesitzer*innen bei ihrem Umbaumaßnahmen. Das beinhaltet Beratung und an ökologische Kriterien gebundenen Subventionen.
  • Neben diesen Anreizen fordern wir bessere ökologische Mindeststandards der Waldbewirtschaftung und eine Durchsetzung einer wirklich „guten fachlichen Praxis“, wie sie im Bundesnaturschutzgesetz juristisch implementiert ist.
  • Wir fordern einen Kurswechsel zu einem Ausbau der Forstbetriebe.

Insbesondere in Berlin und Brandenburg waren die Waldbrände in den Nadelholz-Monokulturen so sehr Thema, dass ROBIN WOOD plant, zukünftig weiter daran zu arbeiten. Wer Interesse hat mitzumachen, kann eine Mail an unser wald [at] robinwood.de (subject: Mitarbeit%20Thema%20Waldbr%C3%A4nde) (Waldreferat) schreiben.

 

Weiterführende Links:

ZDF Drehscheibe ab Min. 7:28

ZDF heuteplus hier ab Min. 0:11

Beides mit Interview mit unserer Waldreferentin Jana Ballenthien.

Statements von umweltpolitischen NGOs und Wissenschaft

Gesetze:

Waldgesetzes des Landes Brandenburg

Bundesnaturschutzgesetz