Tempo-Taschentücher wurden 90 Jahre alt

Am 29. Januar feierten die Tempo-Taschentücher ihr 90-jähriges Jubiläum.

Warum uns das eher wenig erfreut, ist schnell erklärt.

Bereits 2006 hatten ROBIN WOOD-Aktivist*innen gemeinsam mit Repräsentant*innen der indigenen Bevölkerung aus Brasilien vor dem Tempo-Werk in Neuss demonstriert, wo der Zellstoff aus Brasilien zu Taschentüchern verarbeitet wurde.

Inzwischen ist Tempo aufgekauft worden von der schwedischen Essity-Gruppe, zu der auch Zewa gehört. Weiterhin werden die Taschentücher aber im Werk in Neuss produziert.

Dass auch das Alter von 90 Jahren nicht zwangsläufig weise macht, zeigt die Unbeweglichkeit der Hygienepapierbranche bezüglich ökologischer Herstellungsverfahren. Hier besteht großer Nachholbedarf! Denn:

  • Taschentücher aus frischem Zellstoff benötigen für die Herstellung 70 Prozent mehr Wasser und 60 Prozent mehr Energie als solche aus recycelten Fasern.
  • Die Produktion mit Zellstoff statt Recyclingmaterial ist verantwortlich für die Entwaldung sensibler Ökosysteme.
  • Brasilien ist weiterhin das gefragteste Land, wenn es um den Import von Zellstoff für Hygienepapiere geht. Mehrere neue Zellstoffwerke und die dazugehörigen Plantagen sind in Planung. Das bedeutet erneute Abholzungen von Tropenwald und Landgrabbing im großen Stil. Unter dem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro, für den Naturschutz und die Rechte Indigener keine Rolle spielen, werden diese Pläne eher beschleunigt als verhindert.
  • Ganze 44 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Zellstoffs stammt aus Südamerika. Das meiste davon wird zu Hygienepapieren verarbeitet.
  • Der Anteil an Altpapier in Hygieneartikeln ist insgesamt unter 50 Prozent gefallen.

Neben Stofftaschentüchern sind Papier-Taschentücher, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind, eine gute Alternative beim Kauf. In Tests schneiden sie etwas schlechter in der Reißfestigkeit ab. Teilweise sind sie aber ebenso weich oder gar noch weicher als ihre Frischholz-Kolleginnen.

Wir fordern den Einsatz von Recyclingpapier für die Produktion von Hygienepapieren!

Insbesondere die marktführenden Unternehmen wie die Essity-Gruppe sind gefragt, die Produktion umzustellen, um Klima, Wälder und Menschen langfristig zu schützen.