AKW Fessenheim: Abschaltung rückt mal wieder in weite Ferne

Am Dienstagabend gegen 20:00 Uhr ereignete sich im Block I des französischen Atomkraftwerks Fessenheim ein Störfall, über den bisher kaum Informationen vorliegen. Laut der recht kargen Mitteilung des Betreibers Electricité de France (EdF) auf dessen Webseite, ereignete sich der Störfall im „nicht-nuklearen“ Teil der Anlage bei einem Test der Notfallausrüstung, woraufhin das AKW vorerst vom Netz ging. Nach Angaben des Energiekonzerns kann im Verlauf des Stillstandes über der Anlage Dampf aufsteigen, eine Gefährdung für Mensch oder Umwelt schließt der Konzern allerdings aus. Derzeit ist die Wiederaufnahme des Betriebs für Freitag dieser Woche (20.4.17) geplant.

Das AKW kann sich in den vergangenen Monaten nicht eines sonderlich stabilen Betriebs rühmen. Erst kürzlich, am 1. April, musste Block I wegen eines Lecks im Kühlkreislauf, der zum Herunterfahren des AKW notwendig ist, für Reparaturen vom Netz genommen werden, wie eine Sprecherin des Betreibers in Paris mitteilte. Geplant war auch hier ein möglichst kurzer Stillstand, tatsächlich wurde das AKW erst eine gute Woche später, am 8. April, wieder hochgefahren.

Das AKW Fessenheim ist mit zwei 1977 in Betrieb gegangenen Druckwasserreaktoren mit einer heutigen Leistung von 1.760 Megawatt das älteste und leistungsschwächste Atomkraftwerk Frankreichs. Durch seine Lage am Oberrhein in unmittelbarer Nähe zur Schweiz und zu Deutschland und damit auch zu nächst größeren Städten wie Basel (40 km Luftlinie) und Freiburg (30 km) stellt es für große Bevölkerungsgruppen eine dauerhafte und unberechenbare Gefährdung dar. Hinzu kommt die Lage im Oberrheingraben, der in Deutschland zu den Gebieten mit den am zweitstärksten auftretenden Erdbeben zählt.  Nach dem europäischen Stresstest von AKWs ist Fessenheim dem nicht wirklich gewachsen. Die Vorkehrungen dahingehend sind deutlich geringer als die von deutschen Kraftwerken, mal abgesehen von der Lage des Kraftwerksgelände unterhalb des Rheinspiegels.

Und die Störfall- und Mängelliste ließe sich noch fortführen. So ist z.B. noch Block II des Kraftwerkes zu erwähnen. Hier wurde das Prüfzertifikat für einen Dampferzeuger von der französischen Atomaufsicht (ASN) entzogen. Die Dampferzeuger stammen aus der Produktion des staatlichen französischen Konzerns Areva und weisen Verarbeitungsmängel auf, die dem immensen Druck während des Betriebs nicht gewachsen sein könnten, so ASN. Dampferzeuger der gleichen Bauart wurden an vier weitere französische Kraftwerke geliefert, die EdF vorübergehend vom Netz nehmen musste.

Die Sorge der Menschen in den angrenzenden Regionen ist groß. Hoffnung versprach der französische Präsident François Hollande während seines Wahlkampfs. Eine Abschaltung des AKW Fessenheim bis Ende 2016 schien von da an etwas realistischer. Doch auch diese Möglichkeit rückte mit den näher kommenden Wahlen 2017 in immer weitere Ferne - bis die französische Energie- und Umweltministerin Ségolène Royal mit der Veröffentlichung eines Dekrets zur Schließung Fessenheims am 9. April die Katze aus dem Sack ließ. Die Schließung des AKWs wird damit an die Inbetriebnahme des neuen Europäischen Druckwasserrektors (EPR - European Pressurized Reactor) Flamanville in der Normandie gebunden. Dieser sollte eigentlich bereits 2012 ans Netz gehen, wozu es aber nicht kam aufgrund verschiedenster Unfälle während des Baus, Kostensteigerungen und Produktionsberichten, die auf  deutliche Mängel an verschiedenen Baukomponenten hinwiesen, was auch auf die untauglichen Dampferzeuger in Fessenheim und weiteren AKWs aufmerksam machte.

Der früheste Zeitpunkt der Inbetriebnahme des EPR in Flamanville wird derzeit auf Anfang 2019 angesetzt und damit auch die überfällige Schließung des AKW Fessenheim. Allerdings dürfte hier der Ausgang der bevorstehenden Wahlen deutlich Einfluss haben. Bis dahin lässt sich die EdF mit knapp 500 Millionen Euro aus der französischen Staatskasse „entschädigen“.