Aktion, Energie, Welt retten
16. Dezember 2010

Robin Wood Aktivist_innen ketten sich in Betonblock an

Zwei RobinWood-Aktive ketteten sich im Gleisbett des Lubmin-Castors an (Foto: C. Grodotzki/ROBIN WOOD)

Gegen 13:00 haben sich zwei Aktivist_innen der Umweltschutzorganisation Robin Wood  in einem in die Gleise eingelassenen Betonblock angekettet. Bei den beiden Angeketteten handelt es sich um eine Psychologin und einen Mechatroniker. Der Aktionsort liegt  südlich der Ortschaften Hof I und Hof II  (Friedrichshagen) in einem Waldstück auf dem letzten Gleisabschnitt zwischen Greifswald und Lubmin. Das Gleis ist ein Privatgleis, auf dem kein regulärer Schienenverkehr statt findet.

Vor Ort ist Bundespolizei aus Nordrhein-Westfalen. Ein technischer Zug der Polizei ist gegen 14:35 eingetroffen und untersucht den Betonblock.

14:51: Die zwei Betreuungspersonen für die Angeketteten mussten trotz anders lautender Absprachen gehen. Eine Betreuerin ist leicht unterkühlt. Über den Angeketteten wurde jetzt ein Zelt errichtet und sie werden mit Decken und Tee versorgt.

Die Pressearbeit wird weiterhin massiv behindert. Viele JournalistInnen werden schon weit vor der Blockade gestoppt. Die Presse vor Ort darf nicht in den weiträumig abgesperrten Bereich (ca. 200 m) um die Blockade.

Der Castorzug steht jetzt 200 m vor der  Betonblockblockade.

Update 17:30.

Vermutlich dauert es noch mehrere Stunden, bis die Angeketteten befreit sind. Presse wird inzwischen durch gelassen, weiterhin dürfen Unterstützer aber nicht direkt mit den Angeketteten sprechen. Trotz -3° C und Schneetreiben scheint es ihnen aber den Umständen entsprechend gut zu gehen. Die Polizei hat Sanitäter und Ärzte vor Ort, unabhängige SanitäterInnen werden aber ebenfalls nicht durchgelassen. Fünf UnterstützerInnen sind offenbar in Gewahrsam genommen worden.

BREAKING NEWS 19:00:

Der erste Aktivist wurde aus der Ankettvorrichtung befreit. Es geht ihm gut. Die Frau ist weiter angekettet. Mittlerweile dürfen UnterstützerInnen direkt zu den Leuten

20:00 Wetter in Greifswald:  -4°C, Windstärke 4, 16cm Schnee

BREAKING NEWS 20:23:

Auch die zweite Aktivistin wurde jetzt aus dem Gleisbett befreit. Auch ihr geht es gut. Der Zug kann  in ca. 20-30 min weiterfahren, wenn das Gleis wieder passierbar ist.

Um 21:16 hat sich der Castortransport wieder in Bewegung gesetzt – nach siebeneinhalb Stunden Betonblockblockade und mehr als sechs Stunden Stillstand.

22:44 Laut Anti-Atom-Bündnis Nord-Ost sind die beiden AktivistInnen direkt vom Krankenhaus in die Gefangenensammelstelle in Wolgast verbracht worden.

Spenden gegen Castortransporte: https://www.robinwood.de/spenden/castor

NEU 21.12.: Video zu den Blockadeaktionen

Energie
12. Dezember 2010

CASTOR-Demonstration in Greifswald

Lubmin bei Greifswald ist kein unbeschriebenes atomares Blatt. Zu DDR-Zeiten stand hier das größte Atomkraft der DDR mit 4 Blöcken – der fünfte Block wurde im November 1989 in Betrieb genommen, jedoch nach einem Monat wieder abgeschaltet. Auch die anderen Blöcke waren ab Mitte 1990 nicht mehr in Betrieb.

Grund war zum Einen die Bürgerrechtsbewegung der Wendezeit, die hier im Norden gleichzeitig die größte Anti-AKW-Bewegung der DDR war. Zum Anderen waren es nicht einhaltbare westliche Sicherheitsstandards, die zu einem Ende der ostdeutschen Atomstromgewinnung
führten. Eingelagert wurden die Reste der DDR-Atomkraftwerke in Lubmin.

Und die Bewegung lebt: sie hat 2009 erfolgreich ein Steinkohlekraftwerk am Standort verhindert und ist bereit, mit allen Mitteln des friedlichen Widerstandes gegen ein Atom- Zwischen- bzw. (immer auch temporäres) Endlager und für das solare Zeitalter zu streiten. Denn nun soll neuer Atommüll aus den Kernforschungszentren Karlsruhe und Geesthacht, sowie vom Forschungsschiff “Otto Hahn” nach Lubmin gebracht werden. Der Transport der CASTORen wird für den 16. Dezember in der Region erwartet.

Ca. 3 – 4.000 Menschen zogen am Samstag durch die Greifswalder Innenstadt, um gegen die nahenden CASTOR-Transporte und die Nutzung von Atomkraft zur Stromgewinnung zu protestieren. Der durchweg friedliche Demonstrationszug wurde von der Polizei offensichtlich ebenso als friedfertig interpretiert – die VolXpolizisten waren mit einem Lächeln dabei.

Begleitet von einer Samba-Band und diversen Lautsprecherwagen konnten die Demonstrierenden die historischen Bauten der Stadt bewundern. Schade nur, dass viele  Greifswalder unbehelligt weiter Glühwein trinken konnten und nicht viel von dem Spektakel mitbekamen. Der Weg führte leider nicht am Weihachsmarkt vorbei. Das sorgte für den Eindruck, dass die Stadt wie leergefegt war, obwohl sich im Zentrum schon das vorweihnachtliche Getümmel abspielte. Dennoch bunt und friedlich zog der Demozug durch die Stadt und kam nach knapp 2 Stunden wieder am Bahnhof an. Dort versorgte die Vokü alle Leute mit leckerer, warmer Suppe. Dann lauschten wir weiteren Reden und musikalischen Beiträgen, bis unser Zug zurück fuhr. Mitte der Woche werden wir und viele Menschen wieder da sein, um gegen die CASTORen zu protestieren.

von Karsten Kranz und…
Energie
8. Dezember 2010

Weihnachtsgeschenk für die Atomlobby

Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk bereitete Bundespräsident Christian Wulff der Atomlobby heute, in dem er die Gesetze unterzeichnete, die den Atomkraftwerken eine längere Laufzeit garantieren. Verschiedene Parteien bereiten nun eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht vor.

Für die Anti-AKW-Bewegung wird es kaum Sinn machen, auf eine Entscheidung des obersten Gerichts zu warten. Dort geht es doch am Ende nicht darum, wie riskant die Atomtechnologie ist, sondern im Wesentlichen darum, ob der Bundesrat in das Gesetzesverfahren hätte eingebunden werden müssen. Es geht also nicht um Risiken, sondern um Formalia. Die Parteien werden, ob ihrer eigenen Logik, natürlich auf die Bundestagswahlen im Jahr 2013 verweisen.

Doch Wulffs Unterschrift ist auch eine andere Zäsur – nun ist die Befriedung des Atomkonflikts aufgehoben worden. Der von rot-grün mit der Atomindustrie unterzeichnete Vertrag sollte ja beiden Seiten nicht nur Rechtssicherheit geben, sondern er befriedete einen lange schwelenden gesellschaftlichen Konflikt – in dem es auch Tote gab.

Im Protest gegen die WAA Wackersdorf warfen ja auch CSU-wählende Bauern Steine auf die Polizei, die das Projekt durchknüppeln sollte. Ich möchte solche Bilder hier nicht herbeireden – aber sie sollen zeigen, wie stark der Konflikt um die Atomenergie tobte. Und noch immer teilt der Konflikt die Gesellschaft – wenn auch nicht so militant wie in den 80er Jahren. Eine Mehrheit der Menschen ist gegen Atomkraftwerke. Und hundertausende gingen in diesem Jahr auf die Straße. Doch dies ignorieren die Regierenden – in einer Arroganz der Macht. Und diese Arroganz ist auch Geschichtsvergessen.

Die gewonnene Dynamik der Anti-AKW-Bewegung wird kurzfristig vielleicht leicht abnehmen. Doch sie wird sich weiter zeigen: in den jeweils regionalen Konflikten um Atomkraftwerke und “Zwischenlager”. In neuen Initiativen für Ökostrom und die Re-Kommunalisierung der Stromnetze. Ein kleiner Anfang werden die Proteste und Demonstrationen im ostdeutschen Lubmin sein.

Und gerade diese Proteste, wie die im Wendland verweisen auf eine der Achillesversen der Atomenergie: die ungeklärte Endlagerfrage. Und demnächst laufen die Zwischenlager über.

Energie
24. November 2010

Die Größte Ostdeutsche Anti-AKW-Demo?

Am 11. Dezember soll sie in Greifswald stattfinden: Eine der größten Anti-Atom-Demonstrationen in Ostdeutschland. Soll es die größte werden, so gilt es 8.ooo Teilnehmende zu überbieten. Doch dies scheint machbar – allerdings ist die Zeit bis dahin knapp und es gibt noch viel zu organisieren.

Derzeit werden Schlafplätze vorbereitet und nach und nach werden verschiedene Flyer und Plakate für die Demonstration und die anschließenden Protest im Internet veröffentlicht.

Der Zeitplan für den Transport der 5 CASTOR-Behälter in das sogenannte Zwischenlager Nord. Der bisherige Zeitplan sieht wie folgt aus:

Sa. 11.12. 13 Uhr Auftaktdemonstration in Greifswald, Demo für die ganze Familie
Di. 14.12. Start im französischem Cadarache
Mi. 15.12. Durchfahrt in Wörth bei Karlsruhe (dt.-fr. Grenze)
Do. 16.12. erwartete Ankuft in Mecklenburg-Vorpommern – diverse Aktionen und Sitzblockaden geplant

Energie
18. November 2010

Castor rollt am 16. Dezember nach Lubmin

Mehr als 600.000 hochradioaktive Kernbrennstäbe lagern bereits in Lubmin. Sie stammen, wie auch anderer schwach- und mittelradioaktiver Müll, aus aus den abgewrackten DDR-Atomkraftwerken. Nun soll neuer Müll hinzu kommen – aus westdeutschen Atomkraftwerken.

Wahrscheinlich am 16. Dezember startet der CASTOR-Transport nach Lubmin, der genaue Termin wird offiziell nicht bestätigt. Verantwortlich dafür ist allein der Bund, der auch Betreiber des sogenannten Zwischenlagers Nord ist. Der Transport ist ein Tabubruch, wird doch erstmals Material aus westdeutschen Atomkraftwerken eingelagert. Das Material befindet sich derzeit im französischen Cadrache. Ähnliches war bereits in Morsleben der Fall, wo der überwiegende Teil des früheren DDR-Lagers mit radioaktivem Inventar aus Atomkraftwerken der BRD gefüllt wurde.

Bisher wurde der Transport  für die Tage vom 21. bis 23. Dezember erwartet, Aktionen sind angekündigt. Für den 11. oder 18. Dezember ist eine Großdemonstration in Greifswald geplant, der genaue Termin wird in Kürze bekannt gegeben.

Weitere Hintergrundinformationen gibt es hier…