Aktion, Energie, Hamburg/Lüneburg, Klima
27. Januar 2013

Kraftwerk Moorburg blockieren – Gegenstrom 13

Am 10. Mai  plant die Kampagne “Gegenstrom 13″ eine (symbolische) Blockade der Steinkohle-Lieferungen an das Kraftwerk Moorburg in Hamburg, welches im Jahr 2014 in Betrieb gehen soll. Auf dem Wasser soll eine “Demonstration” zahlreicher Schiffe stattfinden – öffentlichkeitswirksam zum Hafengeburtstag.

Gegenstrom 13 - am 10 Mai in Hamburg

Gegenstrom 13 – am 10 Mai in Hamburg

 

Die Kampagne richtet sich grundsätzlich gegen das Klimakillerkraftwerk Moorburg. Des Weiteren aber auch gegen den geplanten Kohleimport aus Kolumbien, sowie gegen die sozialen, wie ökologischen Umstände und Folgen des Kohleabbaus dort. Beide „Kampagnenpole“ sollen gleichberechtigt behandelt werden. Die jeweiligen konkreten Anliegen sollen zusammen geführt und bestärkt werden.

Auch ROBIN WOOD unterstützt die Kampagne – mit einer Baumbesetzung haben wir bereits dazu beigetragen, dass die Moorburgtrasse – eine Fernwärmeleitung des Kraftwerks nicht gebaut wurde.

Die Initiatoren rufen auf: “Wir müssen mindestens 30 Schiffe und Boote werden, um die Blockade geschlossen aufstellen zu können. Je mehr, desto kräftiger der Ausdruck!”

Weitere Informationen:

http://www.gegenstrom13.de/

Blog, Energie, Klima
17. November 2012

4 Tage im Tunnel – Klimaschutz von unten

4 Tage verbrachte ein Aktivist in einem Tunnelsystem um Widerstand gegen die Abholzung des Hambacher Forsts zu leisten. Dieser soll dem Braunkohletagebau weichen – mithin der klimaschädlichsten Art Strom zu erzeugen. Seit April war der Wald besetzt – von Menschen in einem Camp, die gegen das Klimachaos protestieren wollten und gleichzeitig einen Ort schufen, an dem Alternativen gedacht und gelebt werden konnten.

Die Aktion des “Maulwurfs” verweist auf den Protest gegen den Tagebau mit allen seinen ökologischen Folgen. Dabei geht auch etwas unter, dass mehr als 30 Menschen Bäume besetzt hatten, sich in anderen Betonkonstruktionen im Camp festgekettet hatten oder vor Ort protestierten. Die Räumung des Camps, die am 13. November im Auftrag von RWE begann, schien schon beinahe abgeschlossen. Klettereinheiten der Polizei hatten die Bäume geräumt und alles sah so aus, dass dieser Vorgang nicht einmal genug “Nachrichtenwert” besaß, um in den überregionalen Medien aufgenommen zu werden.

Und so ist die Aktion des Aktivisten im Tunnel beides: direkter Widerstand gegen die Abholzung – und darüber hinaus geeignet eine überregionale mediale Öffentlichkeit herzustellen. Als Spektakel wurde dies in den Medien dann zunächst auch angenommen – teilweise mit wenig Substanz. So berichtet der Spiegel zunächst noch von einer “lebensgefährlichen Situation“, so dass der Aktivist gerettet werden müsse – das Wissen stammt von zahlreichen Nachrichtenagenturen. Dass der Aktivist professionell arbeitet und erst durch die “Retter” gefährdet wird, taucht in den Medien nicht auf, obwohl die Information auf verschiedenen Internetseiten der Aktivist*innen verfügbar war. Der Protest des Maulwurfs war selbstbestimmter “Klimaschutz von unten” – im doppelten Sinne der Worte.

Die Aktion schuf auch den zeitlichen Raum für zahlreichen Solidaritätskundgebungen z.B. in Köln und Hamburg.

Über die je einzelnen Vorgänge im Tunnel können wir nichts sagen – wir waren ja nicht dabei. Für uns wirkt die Planung der Tunnel-Aktion professionell. Und die Aktion hat ein deutliches Signal gesetzt. Gerade weil die Räumung des Waldes, die Abräumung der Gegner des Tagebaus, nicht schnell ging ist diese Aktion motivierend für das Streiten gegen das Klimachaos. Sie ist das Zeichen einer – neuen – Entschlossenheit.

Weitere Informationen:

http://hambacherforst.blogsport.de/
https://stopptrwe.crowdmap.com/reports

 

Hier der Bericht eines Aktivisten, der vor Ort war:

Schwarze Löcher
Der Hambacher Forst ist der letzte zusammenhängende Wald in der Region und noch ca.1.000 ha groß.
Er wird von einem gigantischem schwarzen Loch verschluckt werden, wenn sein Erhalt nicht gelingt. Im Wald wohnen viele Tiere und zwitschern die Vögel. Ganz früh morgens, wenn Mensch in ihm erwacht und die unzähligen sich übertönenden Vogelstimmen die ersten Sonnenstrahlen begleiten scheint alles im Einklang zu sein.
Nur ein andauerndes Rauschen, welches nur durch das morgendliche Vogelkonzert seine Permanenz verliert, verrät die trügerische Harmonie. Keine 200m weiter wühlen Bagger, hämmern die Bohrer und heulen die Sägen von „RWE“ und Co. Ein gigantisches mehrere 100 Fußballfelder großes Areal soweit das Auge blicken kann erstreckt sich vor uns – Wüste. Und in ihr ein riesiges schwarzes Loch. Kein Tropfen Wasser weit und breit. Kargheit,Trockenheit in der alles in der glühenden Mittagssonne verdorrt. Wo noch Vegetation ist, ist noch Leben, Vögel, Insekten, Amphibien. Wo nicht herrschen wüstenklimatische Bedingungen und der Boden reißt vor Trockenheit auf.
Winzig kleine LKW fahren wie in einem riesigen Sandkasten am Boden – entlang an den kilometerlangen Förderbändern die zutage geförderte Kohle abtransportieren.

Blick in der Tagebau Hambach / Foto: ROBIN WOOD

Blick in der Tagebau Hambach / Foto: ROBIN WOOD

An den Hängen dieser Löcher stehen übergroße Abraum-Bagger und schaufeln Tag und Nacht. Vorher wird alles aus dem Weg geräumt was dem im Wege steht. Mit Kettensägen bewaffnete Fälltrupps und Minen-Räumkommandos gehen der völligen Zerstörung durch um- und abgraben voraus und entziehen so allem Leben die Existenzgrundlagen. Dazu wird Grundwasser abgesenkt, wurden hunderte Dörfer umgesiedelt, ganze Landstriche für Jahrzehnte unbrauchbar gemacht, alle Natur zerstört und Wälder vernichtet die viele 100 Jahre wuchsen.

Dem stellt sich eine Widerstandsgruppe in den Weg, die ein demnächst zu rodendes Waldgebiet bei „Buir“ besetzt halten. Mit viel Witz und Humor wird versucht den ernst der Lage zu ertragen. Täglich kommen Gäste und Unterstützer*innen aus der ganzen Welt im Wald an und bleiben Tage oder Wochen. Viel zu Tun gibt es immer. Zu erledigen gibt es viel vom täglichem Gespräch mit dem (fast) netten RWE-Angestellten der seine Familie ernähren will und unser Sein als Angriff auf seine Persönlichkeit empfindet und wirklich nette Menschen mit Kaffee und Kuchen. Täglich müssen Wasser und Lebensmittel organisiert werden. Und täglich zu bewältigen sind auch die bautechnischen Aus- und Umbauten, die eine Sonntag-Nachmittagsräumung wohl eher unwahrscheinlich werden lassen.

Es besteht immer die Möglichkeit eines Wandels. Nur finden solche Prozesse immer quälend langsam statt und in dieser lähmenden Zähigkeit liegt die total zerstörerische Evolution dieser Erkenntnisprozesse der Menschheit – learning by burning… Die Natur kommt in vielen, vielen Jahren auch ohne uns ganz gut zurecht, das weiß ich – wir auch ohne Sie?

Energie, Klima, Köln, Wald
19. April 2012

Waldbesetzung im Hambacher Forst

Am vergangenen Samstag, den 14. April, haben freie Aktivist*innen in dem in der Nähe von Manheim gelegenen Wald Bäume besetzt. Unter dem Motto „Wald statt Kohle“ hatte ein Fest im Hambacher Forst stattgefunden nachdem der Wald besetzt wurde. Die Aktion lenkt die Aufmerksamkeit auf die “Arbeit am Klimachaos as usual” und schafft einen Ort, an dem Menschen sich über eine klimagerechte und nachhaltige Zukunft austauschen können. Heute haben wir uns mit dieser Aktion solidarisch erklärt und diese begrüßt.

Die Braunkohleverstromung ist die klimaschädlichste aller Stromerzeugungsarten. Und am Klimachaos wird weiter gearbeitet, dabei sind die entscheidenden Emissionen, die den Klimawandel unumkehrbar machen noch gar nicht getätigt. In einem Aufruf der Besetzer*innen heißt es: “Unsere Besetzung richtet sich im Generellen gegen die Verstromung von Kohle, weil sie die CO2-intensivste Form der Energiegewinnung ist. Das Rheinische Braunkohlerevier ist Europas Klimakiller Nummer 1.

In einem Interview mit der Jungen Welt heißt es auf die Frage, wie viele Menschen nach dem Fest geblieben sind: “Schätzungsweise rund 60, sie haben erst einmal gezeltet. Jetzt machen wir es uns schon in drei Bäumen auf den Plattformen gemütlich: Wir schaffen Decken, Isomatten, Getränke, Süßigkeiten und Kartenspiele rauf. Widerstand soll ja auch Spaß machen. Unten im Camp bauen wir eine Küche mit Kochecke und Spüle sowie Kompost-Toiletten. ” Bisher gab es weder Reaktionen der Polizei noch von RWE.

Weitere Informationen:

http://hambacherforst.blogsport.de/
http://rweunplugged.blogsport.eu

Aktion, Klima, Verkehr
24. Oktober 2011

Ruhestörer – Klimakiller: Fraport kielholen

„Wer jetzt noch schläft, kann bald nicht mehr schlafen“ war der Slogan, mit dem die Bürgerinitiativen gegen die Flughafenerweiterung Ende der 90er Jahre angetreten waren, um die Leute in der Region wachzurütteln und über den geplanten Bau der Landebahn zu informieren. Allein, die Leute ließen sich lieber von Fraport, Jobversprechen, Vereinszuschüssen und „Happenings“ in den Schlaf lullen.

Seit Freitag ist die Landebahn eingeweiht – und die Leute werden seit dem Bekanntwerden der Flugroutenänderung im Frühjahr langsam, aber zu spät wach. Am Samstag zogen etwa 15.000 Menschen vom Mainzer Hauptbahnhof aus über den Rhein nach Mainz-Kastel um gegen den Lärm in ihrer Region und gegen die derzeitigen Flugrouten zu protestieren. Darunter auch große Abordnungen von -man höre und staune!!!! – CDU und SPD, denen jetzt einfällt, dass sie den Ausbau so auch nicht wollen. (Was sie wollen ist klar, nämlich von ihren lärmgeplagten Untertanen wiedergewählt werden und dazu müssen diese vergessen, dass jene den Ausbau mit vorangetrieben haben.)

Dass Robin Wood mehr will, als eine Veränderung der Flugrouten, hatten wir bereits am Freitag im Terminal 2 deutlich gemacht. Am Samstag nutzten Robin AktivistInnen die Theodor-Heuss-Brücke um darauf aufmerksam zu machen, wer der Ruhestörer in der Region ist, dass es aber um mehr als regionalen Lärm geht: „Ruhestörer – Klimakiller – Fraport kielholen“ stand auf dem Transparent, das von den Demonstranten bejubelt wurde, während sich unsere „Freunde und Helfer“, die angerückt waren, um die Ordnung wieder herzustellen, und dabei feststellten, dass sie einige der AktvistInnen ja bereits von der Räumung in Kelsterbach kannten, weniger begeistert zeigten. Gleichzeitig verteilten ROWO-AktivistInnen Infos, die über die Klimaschädigung durch Fliegen aufklären und Flugblätter, die für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept und damit mehr Lebensqualität durch weniger Fliegen werben. Damit haben wir bei vielen, die erkannt haben, dass es nicht nur um Ruhe in der Region geht, den Nerv getroffen und vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken gebracht. Die Freude über zwei gelungene Aktionen ist durch die Inbetriebnahme der Landebahn und die Propaganda und Feierlaune bei Merkel & Co. trotzdem erheblich getrübt. Was bleibt: dran bleiben, weitermachen!

Aglaia Abel und Anne Mühlemeier, posted by

Aktion, Rhein-Main, Verkehr
21. Oktober 2011

Flugverkehr deckeln statt Flughafenausbau bejubeln / ROBIN WOOD-Protest bei Inbetriebnahme der vierten Landebahn am Frankfurter Flughafen

ROBIN WOOD-AktivistInnen haben heute am Vormittag im Terminal 2 des Flughafens ein 40 Quadratmeter großes Transparent entrollt mit der Aufschrift: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Flugbewegungen deckeln!“ Sie demonstrierten damit gegen die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen, die heute im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Betrieb genommen wurde. „Fliegen ist der Klimakiller Nummer eins, wenn es um das Verhalten des Einzelnen geht. Deshalb brauchen wir nicht mehr, sondern weniger Flugverkehr. Merkel und Ramsauer weihen hier ein Dinosaurierprojekt ohne Zukunft ein“, sagt ROBIN WOOD-Aktivistin Aglaia Abel.

Gut eine Stunde protestierten die RobinWood Aktivist_inen gegen die erneute Expansion des Flughafens und wachsenden Flugverkehr weltweit. Während drei Aktivist_innen das Deckengerüst des Terminals nutzen, um ihr Transparent zu hängen (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Flughafen von Cecile für das “coole Klettergerüst”), verteilten andere Aktivist_innen am Boden Flugblätter und warben damit für mehr Lebensqualität durch weniger Fliegen. Unangenehm empfanden die Kletter_innen die Staubwolke durch die sie sich kämpfen mussten und meinten, die Fraport könne sich bei Robin Wood für die Reinigung bedanken. Die Aktivist_innen sind zufrieden mit der gelungenen Aktion. Sie hatten Monate im nun für die Landebahn gerodeten Wald gelebt und trauern um das verlorene Gelände. Resigniert haben sie nicht. “Wir haben nicht verloren, auch wenn die Landebahn nun gebaut wurde, wir werden weiter dafür kämpfen, dass sie irgendwann auch wieder wiederbewaldet wird.”

Für den Bau der vierten Landebahn hat der Flughafenbetreiber, die Fraport AG, rund 300 Hektar Bannwald kahl schlagen lassen. Damit wurden ein wichtiger Klimaregulator, der Lebensraum vieler, teilweise bedrohter Tierarten, ein wertvolles Naherholungsgebiet und natürlicher Schallschutz zerstört. ROBIN WOOD hatte von Anfang an den Widerstand gegen den Bau der neuen Landebahn u.a. mit Baumbesetzungen gestärkt und das Widerstandsdorf im Kelsterbacher Wald unterstützt.

Fraport will mit der Landebahn Nord-West die jährlichen Flugbewegungen von 500.000 auf 800.000 steigern, technisch möglich wären bis zu eine Million Flugbewegungen. Mit der neuen Bahn kann Frankfurt – statt wie bisher 82 – künftig 90 Flüge pro Stunde abfertigen, also alle vierzig Sekunden ein An- bzw. Abflug. Nach Fertigstellung des neuen Terminals 3 soll sogar eine Abfertigung von 126 Flügen pro Stunde möglich sein.

Fliegen schadet dem Klima immens. Bereits heute trägt der Flugverkehr bis zu vierzehn Prozent zur globalen Erwärmung bei. Um einen Klimakollaps noch abzuwenden, ist eine radikale Reduktion der Treibhausgas-Emissionen notwendig. In Deutschland müssten sie laut Umweltbundesamt bis 2050 um neunzig Prozent sinken gegenüber dem Vergleichsjahr 1990. Im Verkehrssektor geht dies nur durch eine Beschränkung des bislang noch stetig wachsenden Flugverkehrs. Bundes- und hessische Landesregierung sorgen jedoch für das Gegenteil und feiern es – wie heute in Frankfurt – noch als Fortschritt, wenn die Infrastruktur für den klimaschädlichsten aller Verkehrsträger ausgebaut wird. „300 Hektar Wald kahl geschlagen und 300.000 Flugbewegungen mehr pro Jahr – das ist eine Bankrotterklärung für eine klimaverträgliche Verkehrspolitik“, sagt Abel. „Klimaschutz in unserem Mobilitätsverhalten fängt mit weniger Fliegen an.“

ROBIN WOOD will bessere Mobilität für alle statt mehr Verkehr. ‚Mehr Verkehr’ bedeutet mehr Lärm, mehr Beton, mehr Abgase, mehr Treibhausgase und mehr Stress. Deswegen brauchen wir keinen Ausbau von Flughäfen, sondern grundlegend neue Ziele in der Verkehrspolitik. Sie geht von der Frage aus: Warum sind Menschen und ihre Sachen unterwegs? Wie können wir unseren Mobilitätsbedürfnissen auch in Zukunft sicher nachkommen – gerecht, umwelt- und klimaverträglich?

Aglaia Abel und Anne Mühlemeier, posted by

Aktion, Energie
29. August 2011

Steigt Vattenfall aus?

Die Gerüchte darüber, dass der schwedische Stromkonzern Vattenfall sich möglicherweise aus dem deutschen Energiemarkt zurückzieht, häufen sich. Anlaß für diese “Spekulationen” ist die laufende Umstrukturierung des Konzerns, aber auch viele wirtschaftliche Probleme. Die Tagesschau zitiert den Energieexperten Prof. Dr. Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, der den Ausstieg von Vattenfall für wahrscheinlich hält: “Vattenfall wird wahrscheinlich über kurz oder lang Deutschland den Rücken kehren.” (siehe hier) Und die Wirtschaftswoche berichtet: “Aber Brancheinsider spekulieren seit langem, dass auch Deutschland bei Vattenfall auf dem Verkaufszettel steht. Zu hart und unwirtlich sind die Rahmenbedingungen hier für die Schweden geworden” (hier)

Nachdem Vattenfall sich vor kurzem aus Belgien verabschiedet hat, zieht sich der Konzern jetzt auch aus dem besonders CO2-Intensiven Engagement in Polen zurück. “Rückzug auf das Kerngeschäft”, nennt sich diese Schrumpfung des Konzerns. Die überaus schlechte CO2-Bilanz sorgt seit Jahren für Ärger beim Vattenfall-Eigentümer, dem schwedischen Staat.

Aber auch im deutschen Markt gilt Vattenfall als “angeschlagen”. Durch die Begrenzung der Atomenergie in Folge der Katastrophe von Fukushima bleiben die beiden AKWs in Brunsbüttel und Krümmel endgültig abgeschaltet und müssen zurück gebaut werden.

Nach der Pannenserie in diesen AKWs und einer katastrophal kommunizierten Preiserhöhung im Jahr 2007 war das Image von Vattenfall schwer angeschlagen, über 250.000 StromkundInnen kündigten ihre Stromverträge.

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Moorburgtrasse im Dezember 2009

Baumbesetzung gegen Klimakiller Vattenfall

Ärger und höhere Kosten auch beim Bau des Kohlekraftwerks in Hamburg Moorburg. Dort verzögern Materialprobleme die Fertigstellung des umstrittenen Kraftwerks um viele Monate. Außerdem haben Genehmigungsauflagen für den Umweltschutz die Kosten der Anlage deutlich erhöht, z.B. durch die Auflage, einen bislang nicht vorgesehen Kühlturm zu errichten. Und eine geplante Anbindung des Kohlekraftwerks an das Fernwärmenetz stößt auf heftigen Widerstand zahlreicher Initiativen.

Als wäre das nicht schon schwierig genug: Ein Volksbegehren/Volksentscheid könnte dazu führen, dass die Energienetze für Strom und Fernwärme (bisheriger Eigentümer Vattenfall) sowie Gas  (bisher E.on) künftig wieder zu 100 Prozent von der Stadt übernommen werden. Das wäre ein herber Verlust von Infrastruktur für Vattenfall. Auch in Berlin könnten sich die Netze zum Problem entwickeln, denn auch dort wird immer intensiver über eine Rekommunalisierung debattiert.

Last but not Least: Seit Anfang 2011 ist Vattenfall auch das Geschäft mit der Versorgung der öffentlichen Gebäude der Hansestadt los. Die werden inzwischen von RWE Innogy und Dong beliefert. Für Vattenfall nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein Imageschaden.

Schließlich macht auch das ostdeutsche Engagement dem Konzern nur begrenzt Freude. In großen Tagebauen fördert Vattenfall dort die besonders klimaschädliche Braunkohle und verstromt diese mit extrem hohen CO2-Emissionen. Rund 80 Prozent des Vattenfall-Stroms basiert auf dieser Energiequelle.   “Das schlägt ab 2013 teuer zu Buche, denn ab dann werden die Verschmutzungszertifikate, so will es eine EU-Richtlinie, voll berechnet. Fazit. Für Vattenfall rechnet sich das Deutschland-Geschäft dann nicht mehr”, so die Wirtschaftswoche.  (Quelle siehe oben). Um das CO”-Problem in den Griff zu bekommen, macht Vattenfall extrem Druck bei der Entwicklung von Verfahren zur Abtrennung des CO2 und dessen unterirdischer Lagerung. Aber auch hier stehen die Perspektiven schlecht: Zum einen gibt es erheblichem Widerstand der betroffenen Bevölkerung, zum anderen führen diese Technologien, wenn sie denn überhaupt irgendwann funktionieren,  zu höheren Stromkosten.

Diese Anzahl von gravierenden Problemen geben den Spekulationen über einen möglichen Rückzug von Vattenfall aus dem Deutschland-Geschäft Nahrung.

Vattenfall ist Ende der 90er Jahre infolge der Liberalisierung der Strommärkte in das Geschäft eingestiegen. Mit der schrittweisen Übernahme der Hamburgischen Elektrizitäts Werke (HEW), der Bewag in Berlin und den ostdeutschen Tagebauen und Kraftwerken wurde Vattenfall zur Nummer drei im Strommarkt, nach E.on und RWE und vor der EnBW. Dieser Einstieg in Deutschland fand damals vor dem Hintergrund der geplanten Fusionen von E.on und RWE statt. Um diese zu ermöglichen, forderte das Kartellamt damals aus Wettbewerbsgründen, dass ein weiterer Aktuer auf den deutschen Strommarkt mitmischen sollte.

Die Strategie von Vattenfall, sich rund um die Ostsee-Anrainerstatten auszubreiten, ist schon gescheitert. Wie lange Vattenfall sich noch im hart umkämpften deutschen Energiemarkt halten kann, ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit.

Hinweis zum Wandel im Energiemarkt: Nach der Wende: Energieversorger ratlos 

Energie
3. Februar 2011

Antrag auf neue Moorburgtrasse gestellt – Protest angekündigt

Am Dienstag reichte Vattenfall in Hamburg einen neuen Antrag für eine Fernwärmetrasse (Moorburgtrasse) ein. Mit dieser soll die Wärme aus dem im Bau befindlichen Klimakillerkraftwerk Moorburg in die Stadt transportiert werden. Wärme ist gut, aber nicht aus einem fossilen Großkraftwerk argumentieren die Bürgerinitiativen und Umweltverbände und wenden sich gegen Kraftwerk und Projekt.

Mit dem Antrag nimmt Vattenfall einen neuen Anlauf für das Projekt, welches zuletzt an Protesten, einer Baumbesetzung von ROBIN WOOD und vor Gericht scheiterte. Der Ort der letzten Baumbesetzung, der Gählerpark soll nach den neuen Plänen nun verschont werden. Dennoch soll ein Großteil der Trasse im Grünzug Altonas verlaufen.

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Moorburgtrasse im Dezember 2009

Baumbesetzung gegen Klimakiller Vattenfall im Dezember 2009 - März 2010

Zu dem erneuten Anlauf von Vattenfall erklärte die BI Moorburgtrasse-stoppen:

Sollte Vattenfall sich der Haltung der Hamburger Bürger widersetzen, wird unsere Antwort laut und energisch sein. Die BI Moorburgtrasse-stoppen ist aktiv und mischt sich ein. Moorburgtrasse-stoppen versteht sich als Teil von Recht-auf-Stadt, und unser Recht auf unsere Stadt werden wir uns nicht mehr von Kungeleien einiger weniger Konzern- und Politikvertreter nehmen lassen.

Egal, wo Vattenfall sie bauen möchte, wir werden die Moorburgtrasse stoppen!

Energie
21. Dezember 2010

Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ruft zum Boykott der Vattenfall Lesetage in Hamburg auf. Unter dem Motto “Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen” haben sich Umweltaktive und Kulturschaffende zusammengeschlossen, um gegen den Konzern und seine Klima- und Atompolitik zu protestieren. Hier der Aufruf der verschiedenen Organisationen, unter anderem der Initiative “Moorburgtrasse-stoppen“:

Der Energiekonzern Vattenfall veranstaltet das nach seinen Angaben ´größte privatwirtschaftlich finanzierte Literaturfestival in Norddeutschland´. Die „Vattenfall Lesetage“ finden im kommenden Jahr vom 7. – 14. April statt.

Ein Grund zur Vorfreude, könnte man meinen.

Doch immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger sehen das anders. Denn beim Stichwort „Vattenfall“ denken sie weniger an ein Literaturfestival, sondern eher an Störfälle in den Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel und an Vattenfalls Vertuschungsversuche, sie denken an Klimakatastrophen, an den Bau des Kohlekraftwerks Moorburg, an die jährlich 9 Millionen Tonnen CO2 und an die vielen gesundheitsschädlichen Stoffe, die der Meiler in die Umwelt entlässt, sollte er in Betrieb gehen.

Vattenfalls Lesetage, und seien sie auch noch so unterhaltsam und interessant, sie können nichts daran ändern: Das Kerngeschäft des Energiekonzerns Vattenfall ist dreckig, unverantwortlich und unfair gegenüber den Menschen, die seine Energiepolitik zu spüren bekommen. Wir fragen: Wie soll man ein Lesevergnügen oder literarische Leckerbissen genießen, wenn man sie von einem Klimakiller serviert bekommt? Das geht gar nicht, meinen wir und möchten Ihnen deswegen die Aktion vorstellen: “Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen”.

Klima, Tropenwald, Verkehr
2. Dezember 2010

Kranich im Blindflug

Lufthansa klopft sich für Agro-Sprit-Pläne selbst auf die Schulter und täuscht damit die Öffentlichkeit

Die Lufthansa will ab 2011 ein Agro-Spritmix versuchsweise als Flugzeugtreibstoff einsetzen. Dafür feiert sich das Unternehmen als Klimaschützer. In der sechsmonatigen Versuchsphase sollen dadurch rund 1.500 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, teilte das Unternehmen mit. Um etwaige Ökobedenken gegen den Pflanzensaft gleich im Keim zu ersticken, setzte Lufhansa Vorstand Mayrhuber noch einen drauf: „Unser Treibstoff ist nachhaltig. Fest steht, dass für Lufthansa-Biotreibstoff kein Regenwald gerodet wird.“

Das ist natürlich Quatsch mit Soße, denn die Geschichte vom klimaschonenden und umweltfreundlichen Agro-Sprit ist längst als Ökomärchen entlarvt. Fliegen mit Pflanzen – Robin Wood Magazin 1/2010 Dabei ist es unerheblich, woher der Rohstoff für die angeblich grüne Fliegerei auch stammen mag. Sei es Raps aus Europa, Palmöl aus Indonesien, oder Jatropha aus Afrika – die Nachfrage von Konzernen wie Lufthansa führt am Ende dazu, dass sich weitere Agrarflächen in die vorhandenen Naturräume dieser Erde hineinfressen. Fachleute nennen diesen Effekt indirekte Landnutzungsänderungen. Dabei können riesige Mengen des Klimagases Kohlenstoffdioxid in die Luft gepustet werden.

In keinem guten Licht steht auch Nesteoil da – der Brennstoff-Lieferant für Lufthansas Agro-Abenteuer. Bei unseren Kollegen von Greenpeace Finnland steht der Konzern wegen Regenwaldzerstörung bereits am Pranger.

Das für diesen Unsinn auch noch Steuergelder aus dem Fenster geworfen werden, ist ein weiterer Skandal. Das Bundesforschungsministerium subventioniert Lufthansa bei diesem Projekt mit zweieinhalb Millionen Euro. Ausgerechnet der notorische Klimakiller Lufthansa bekommt so mit öffentlichem Geld ein grünes Mäntelchen umgehängt.

Klima, Tropenwald
30. November 2010

Beginn des UN-Weltklimagipfels in Cancún/Mexico

Gestern, am 29. November, hat der UN-Weltklimagipfel (COP 16) in Canún (Mexico) begonnen. Dort beraten VertreterInnen aus mehr als 190 Nationen wie gegen die Folgen des weltweiten Klimawandels vorgegangen werden kann. Ging es Ende der 1990er Jahre noch darum, den Klimawandel zu verhindern, geht es nun darum, die Folgen abzumildern. Auf dem Gipfel wird wieder nur von Nationalstaaten verhandelt – z.B. Indigene bleiben außen vor. Die Hoffnungen auf erforderliche durchgreifende Beschlüsse sind nach den Erfahrungen des Weltklimagipfels in Kopenhagen gering – das Medieninteresse auch.

Stark in der Kritik stehen vor allem der Clean-Development-Mechanism (CDM) und der REDD. Durch diese beiden CO2-Schlupflöcher ist es Industriekonzernen möglich, billig an CO2-Zertifikate zu gelangen um die eigene CO2-Bilanz zu schönen. Konzerne erhalten diese Zertifikate, indem sie entsprechende CDM oder REDD Projekte in Entwicklungsländern finanziell Unterstützen. Der Klimaschutz fällt bei beiden Modellen eher gering aus, viel mehr wird dadurch ein effektiver und nachhaltiger Klimaschutz in den Entwicklungsländern verzögert oder sogar behindert. Deshalb hat sich ROBIN WOOD in einer Resolution gegen diese Intrumente ausgesprochen.

Wir dürfen gespannt sein, ob und was für Beschlüsse in den kommenden zwei Wochen von der Staatengemeinschaft getroffen werden. Die Erwartungen sind gering, die Herrausforderungen denkbar groß.  Zu bekämpfen gilt der weltweite
Temperaturanstieg, die Versauerung der Ozeane, das Abschmelzen der Polkappen und Gletscher und die durch den Klimawandel hervorgerufen soziale Ungerechtigkeit und das Artensterben.

Von Michi und