Energie, Klima
28. Dezember 2015

Sternmarsch gegen Tagebaue am 3. Januar

Am Sonntag, den 3. Januar 2016 findet wieder der traditionelle Sternmarsch der vom geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord bedrohten Dörfer statt. Obwohl bereits zum neunten Mal, ist es in diesem Jahr besonders wichtig, ein klares Signal an Vattenfall und eventuelle Käufer der Kohlesparte zu senden, dass sich die Region Tagebaupläne wie Jänschwalde-Nord nicht gefallen lässt!

Sternmarsch im benachbarten Nochten April 2014 / Foto: Daniel Häfner

Sternmarsch im benachbarten Nochten April 2014 / Foto: Daniel Häfner

Der Marsch wird auch im Zeichen des Protestes gegen den benachbart in Polen geplanten Tagebau Gubin stehen, zu dem noch bis 12. Januar die Einwendungsfrist läuft. Bei Gubin plant der polnische Konzern PGE einen neuen 8.000 Hektar großen Braunkohle-Tagebau und ein Kohlekraftwerk von 2.700 Megawatt. Der Tagebau soll ab 2025 über rund 50 Jahre hinweg jährlich 17 Millionen Tonnen Kohle fördern, die im Kraftwerk verbrannt werden sollen. Rund 3.000 Menschen müssten für den neuen Tagebau umgesiedelt werden. Die Grüne Liga / Umweltgruppe Cottbus hat dagegen einen zweiseitigen Musterbrief entworfen. Die Einwendungen werden gesammelt und im Januar persönlich bei der polnischen Behörde abgegeben.

Treffpunkte für den Sternmarsch sind: 13:00 Uhr in Grabko, 13:15 Uhr in Atterwasch oder 13:30 Uhr in Kerkwitz, in Kerkwitz besteht Bahnanschluss. Gegen 14:00 Uhr kommen alle Züge am „Alten Schafstall“ zwischen den drei Orten zusammen. Der Sternmarsch findet seit 2008 immer am ersten Sonntag im Jahr statt

 

 

Hintergrund:

Der schwedische Konzern Vattenfall plant, seine Braunkohlesparte zu verkaufen. Er hat aber noch verschiedene Planungsverfahren eingeleitet, u.a. für die Tagebaue Welzwow Süd II und den Tagebau Jänschwalde-Nord. Für den Tagebau Jänschwalde-Nord sollen die Dörfer Kerkwitz, Grabko und Atterwasch abgebaggert werden, zwischen denen der diesjährige Sternmarsch stattfindet. Der Neuaufschluß des Tagebaus Jänschwalde-Nord wird aber immer unwahrscheinlicher bspw. weil bis 2018 im Rahmen der „Überführung in die Kraftwerksreserve“ 2 Blöcke des Kraftwerks Jänschwalde (1.000 MW) abgeschaltet werden. Um so wichtiger ist auch der politische Druck, damit sich die energiepolitischen Rahmenbedingungen nicht wieder ändern.

Aktion, Bremen, Energie
9. November 2015

Fracking bedroht Trinkwasser!

Die Hochrisiko-Technologie Fracking bedroht das Trinkwasser in vielen Regionen, so zum Beispiel auch in Bremen. Beim Fracking werden hochgiftige Chemikalien eingesetzt, die mit großem Druck in die Erde verpresst werden, um dort das Gestein aufzuspalten. Durch Lecks bei Transporten, in den Rohren und beim Fracken selber sowie bei Transportunfällen könnten Trinkwasserreservoire verseucht werden.

Darauf wurde im Rahmen einer Infoveranstaltung verschiedener Gruppen am 7. November 2015 auf dem Bremer Marktplatz aufmerksam gemacht, denn Fracking soll in unmittelbarer Nähe in Niedersachsen ausgeweitet werden. Von dort stammt auch ein Teil des Trinkwassers für Bremen. ROBIN WOOD-Aktivist Werner Behrendt verdeutlichte die Brisanz mit mehreren Redebeiträgen.

Redebeitrag zu Frackingrisiken von Werner Behrendt (ROBIN WOOD-Aktivist)

Am ROBIN WOOD-Infostand nutzten Passanten die Gelegenheit, sich ausführlich zu informieren. Auch der Marktplatz war mit Fracking-Warnschildern geschmückt worden, und eine Reihe Fotos zeigte, dass es an verschiedensten Orten weltweit Widerstand gegen Fracking gibt.

Infostand von ROBIN WOOD

Fracking kann auch Erdbeben auslösen und die Chemikalien können Krebs verursachen. Profitabel ist die Technologie zum Beispiel für den Öl- und Gaskonzern Exxon Mobil, der auch viel Lobbyarbeit für das Fracking betreibt. Daher fand wenige Tage vorher an der Exxon-Zentrale in Hamburg eine spektakuläre Kletteraktion mit Transparent statt: „Exxon Morbid empfiehlt Fracking. Gratis dazu: Trinkwasservergiftung, Erdbeben, Krebs. Wir sagen nein!“

ROBIN WOOD fordert den sofortigen Stopp des Frackings!

Aktion, Energie
4. November 2015

Stopp Fracking! Protest gegen „Exxon Morbid“

Heute protestierten Aktive von ROBIN WOOD am Hamburger Konzernsitz von Exxon Mobil gegen deren Fracking-Praktiken. Mit einer Abseilaktion vom Gebäude und Stoppschildern davor machten die Aktiven darauf aufmerksam, dass Fracking eine Hochrisiko-Energie ist, die Umweltverschmutzung, Erdbeben und Krebs zur Folge haben kann. Exxon Mobil als weltgrößter privater Gas- und Ölkonzern bereichert sich mit dieser Technologie auf Kosten von Klima, Umwelt und Gesundheit.

Frackingaktion-04-11-2015-HH-Transpi

Auf dem Transparent, das die KletterInnen vor der Konzernzentrale flattern ließen, stand: „Exxon Morbid empfiehlt Fracking. Gratis dazu: Trinkwasservergiftung, Erdbeben, Krebs. Wir sagen nein!“ Hier ein kleines Videostatement des Energiereferenten Philip Bedall vor Ort:

ROBIN WOOD fordert den sofortigen Stopp des gefährlichen und unsinnigen Frackings!

Anti-Frackingaktion-04-11-2015-Stoppschilder

Mehr Infos hier und weitere Fotos der Aktion auf flickr: https://www.flickr.com/photos/robinwood

Energie
10. September 2015

Symposium Atommüllrecht 23.Oktober 2015 in Hannover

Seit April 2014 tagt sie: die Endlagerkommission des Bundestags. Diskutiert wird, wohin der hauptsächlich hochradioaktive Atommüll in vielen Jahrzehnten verbracht werden soll. Doch wie ergebnis-offen können diese Diskussionen sein, wenn der Umgang mit Atommüll zur gleichen Zeit durch eine Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen, Gerichts- und Verwaltungsverfahren vorbestimmt wird? Im Rahmen eines Symposiums werden Praktikerinnen und Praktiker die Entwicklungen in einzelnen atommüll-relevanten Bereichen beleuchten und bewerten.

atomuellrechtssymposium

Beiträge des Symposiums, das am 23. Oktober 2015 in Hannover stattfinden wird, widmen sich Themen wie der Sicherung der Finanzierungsvorsorge für die Atommüll-Lagerung, der Rechtmäßigkeit des Exports von radioaktiven Abfällen, dem Standortauswahlgesetz und dem Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro). Referieren werden renommierte ExpertInnen zum Atommüllrecht wie Dr. Dörte Fouquet, Dr. Ulrich Wollenteit oder Prof. Dr. Felix Ekardt. (vollständiges Programm des Symposiums)

Veranstaltet wird das Symposium vom Trägerkreis des Projektes „Atommüllreport“. Dieser setzt sich zusammen aus der AG Schacht KONRAD, BUND, der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, der Deutschen Umweltstiftung, Gesellschaft für Strahlenschutz, IPPNW, ROBIN WOOD und Strahlentelex.
Auf dem online-Fachportal www.atommuellreport.de stellt das Projekt kontinuierlich aktualisierte Daten und Informationen zu den Themen Atommüllproduktion und -verbringung zur Verfügung.

Mehr Informationen: www.atommuellreport.de, Flyer zum Download
ROBIN WOOD zu Atomkraft: www.robinwood.de/atomenergie

 

Blog, Energie, Klima, Welt retten
11. Juni 2015

„Im August ist Ende Gelände!“ Proteste gegen Kohle angekündigt

Für die Delegierten der UN-Klima-Zwischenverhandlungen in Bonn dürfte es eine Überraschung gewesen sein: Am heutigen Morgen versperrten zahlreiche Aktivistinnen und Aktivisten symbolisch einem Braunkohlebagger vor dem Verhandlungszentrum den Weg. Eingekleidet in weiße Overalls forderten die Protestierenden „No more coal!“, „Ende Gelände! Kohlebagger stoppen, Klima schützen!“ Zugleich kündigten sie für Mitte August breite Protestaktivitäten gegen Kohle und für effektiven Klimaschutz an.

Während die internationalen Klimaverhandlungen seit Jahren zunehmend festgefahren sind, zeigen sich auf nationaler Ebene zahlreiche Ansatzpunkte für effektiven Klimaschutz. Doch während sich Angela Merkel beim G7-Gipfel erfolgreich als Klima-Kanzlerin inszeniert, bleibt sie beim Thema Kohleausstieg Deutschlands in der Deckung.

CHNWwiKW4AA7TFnPaul, einer der 25 blockierenden Aktivisten in Bonn, ist deshalb der Meinung, dass es nicht genügt, zu dieser Politik nur laut Nein zu sagen. „Es ist an der Zeit, Widerstand zu leisten und Klimaschutz selbst in die Hand zu nehmen.“ Ihre Aktion sei eine Art öffentliches Aktionstraining. Vor den Augen der UN-Delegierten bereiten sie sich mit dem Training auf die Aktion „Ende-Gelände!“ vor, mit der sie zusammen mit mehr als 1.000 Menschen vom 14. bis 16. August gegen den Betrieb im rheinischen Braunkohletagebau demonstrieren werden. Zu dieser Aktion wollen sie breit einladen. „Unsere Aktion wird ein Bild der Vielfalt, Kreativität und Offenheit: Einige protestieren an der Abbruchkante, andere blockieren im Tagebau die Bagger. Es wird vielfältige auch niedrigschwellige Aktionsniveaus und Beteiligungsmöglichkeiten geben. Aber wir alle sagen: Keinen Meter weiter, hier ist Ende Gelände für die Kohlebagger!“

Denn noch immer wird in Deutschland der Großteil der existierenden 250 Großkraftwerke zur Stromerzeugung mit Kohle befeuert. Die Kohlekraft nahm 2013 einen Anteil von sage und schreibe 45,5 Prozent an der Stromerzeugung Deutschlands ein. Ob sich daran in Zukunft etwas ändert, bleibt fraglich. Bundeswirtschaftminister Gabriels Vorstoß zur Reduktion der Kohleemissionen durch eine Klimaabgabe stößt auf vehementen Widerstand der Großkonzerne und Gewerkschaftsfunktionäre aus IG BCE und Ver.di.

Und Angela Merkel? Statt bei den Auseinandersetzungen um die Zukunft der Kohle ein Machtwort zu sprechen und ihrem klimapolitischen Ruf gerecht zu werden, hält sie sich bedeckt. Als Klimakanzlerin zu gelten und Klimaschutz effektiv voranzutreiben, beides scheint noch immer unabhängig voneinander zu sein.

bewegung_gegen_kohle_terminübersicht

Blog, Energie, Klima
8. April 2015

Bis hierhin und nicht weiter: Stoppt die Kohlebagger und Klimakiller!

HEADER_1Beobachtet man die öffentliche Debatten um die Zukunft der Kohlekraft in Deutschland, so scheint diese ausschließlich ein Konflikt zwischen Klimaschutz und Arbeitsplatzsicherung zu sein. Doch die Problematik der Kohle beschränkt sich nicht auf klimaschädiche Emissionen. Insbesondere die Braunkohleförderung in Tagebauen ist sozial und ökologisch ein Desaster. Mit einer Menschenkette am 25.4. will ein breites Bündnis aus Bewegung und Verbänden – darunter auch ROBIN WOOD – am Tagebau Garzweiler II im Rheinland auf die negativen Folgen der Kohleverstromung hinweisen. Kohleverstromung ist gestrig – sie passt nicht zum Beschluss einer Energiewende, zu Klima- und Gesundheitsschutz oder zu zukünftig sicheren Arbeitsplätzen. Die Menschenkette fordert deshalb: Bis hierhin und nicht weiter: Stoppt die Kohlebagger und Klimakiller!

Am 25. April um 13 Uhr werden, geht es nach den OrganisatorInnen der Menschenkette, mehrere Tausend Menschen dem Energiekonzern RWE und der Politik, die rote Karte zeigen. Denn: Es kann nicht sein, dass in Deutschland der Anteil der Kohle am Strommix noch immer bei rund 45 Prozent liegt. Im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen (Öl und Gas) setzt die Kohle, insbesondere die Braunkohle, bei ihrer Verbrennung besonders viel des Treib­haus­gases Kohlendioxid (CO2) frei. Weltweit emittieren Kohlekraftwerke mehr als 70 Prozent der Emissionen aus der Stromerzeugung. Allein die Kraftwerke im rheinischen Braunkohlenrevier sind für rund 10 Prozent der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands verantwortlich.

Doch die Kohleverstromung ist nicht nur schädlich für das Klima. Die Bagger der Tagebaue überrollen Ökosysteme und jahrhundertealte Dörfer. Ganze Regionen werden – wie im Tagebau Hambach – bis zu einer Tiefe von einem halben Kilometer geradezu umgegraben, denn die Abraum- und Materialbewegung eines Tagebaus beträgt im Durchschnitt das Fünffache der geförderten Braunkohle. Die Tagebaue bewirken dabei eine Vielzahl von ökologischen, gesundheitlichen, kulturellen und finanziellen Folgeschäden. Sie führen zu Verlusten an Artenvielfalt und bestehenden Ökosystemen und erzeugen Lärm- und Feinstaubbelastungen. In aktiven Tagebauen wird das Grundwasser mit Tiefbrunnen bis unter die Kohleschichten abgepumpt, damit Großgeräte im Tagebau sicher stehen. Die Grundwasserabsenkung kann dabei mehrere Kilometer ins Umfeld des Tagebaues wirken und zu Konflikten mit der regionalen Trinkwasserversorgung, zum Absterben von Bäumen, zur Vernichtung von Feuchtgebiete oder zu Setzungsschäden an Gebäuden aufgrund der Senkung des Bodens führen.

Der Ausstieg aus der Kohle ist also überfällig: Energiekonzerne und Politik müssen ihn sozial und ökologisch gerecht gestalten!

Aktion, Energie, Klima
29. März 2015

Kohlelobby macht mobil – mit Demos und falschen Zahlen

Es kann so nicht weiter gehen. Gerade Kohlekraftwerke belasten das Klima stark – und sind doch durch erneuerbare Energien relativ leicht ersetzbar. Was die Umweltbewegung und Wirtschaftsinstitute seit langem fordern und prophezeien wird nun Realität: Noch mehr alte Kohlekraftwerke sollen mit der Klimaabgabe belastet und mittelfristig abgeschaltet werden. Auch dies war abzusehen, doch die Kohlelobby zeigt sich überrascht und reagiert mit Demonstrationen und gestrigen Argumenten… und auch die eine oder andere falsche Zahl ist da schon mal dabei.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Gerber (SPD) nimmt es im Kampf gegen die geplante Klimaabgabe für Kohlekraftwerke mit den Zahlen offenbar nicht so genau. Im rbb sprach er von „30.000 Arbeitsplätzen“, die in der Lausitz an der Braunkohle hängen – die Studie aus seinem eigenen Ministerium sieht weit geringere Beschäftigungseffekte. Doch solche Zahlenspiele nutzen nichts mehr, denn auch in der Lauitz ist nun die Erkenntnis angekommen: so geht es nicht weiter. Und so kommentiert die Märkische Oderzeitung „Den Lausitzern wurde über Jahre etwas vorgegaukelt„.

Aktion gegen das Klimakiller-Kraftwerk von EnBW

Aktion gegen das Klimakiller-Kraftwerk von EnBW

Klar macht die Kohlelobby mobil und dass nun 2.000 Vattenfall-Mitarbeiter für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze demonstrieren überrascht nicht. Es ist klar: die Braunkohe hat langfristig keine Zukunft. Doch die Lobby für Stein- und Braunkohle ist mächtig und wird sich bis zuletzt der Einsicht verweigern, dass es an der Zeit ist, nach Alternativen zu suchen.

Bei den Kommentatoren der Lausitz ist die Einsicht bereits angekommen und vielleicht werden es Gewerkschaften und Politik auch langsam verstehen: Die Zeit nach der Braunkohle hat bereits begonnen. Und eigentlich müsste der Ausstieg sogar deutlich schneller gehen. 2014 war das wärmste Jahr seit der Wetteraufzeichnung.

Blog, Energie, Hamburg/Lüneburg, Klima
4. März 2015

Kohlekraftwerk Moorburg: Ein fossiler Riese geht offiziell in Betrieb

Am Wochenende war es soweit: Vattenfalls Kohlekraftwerk in Moorburg ging offiziell in Betrieb. Sozial und ökologisch bleibt das Kraftwerk ein Desaster. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks konterkariert die klimapolitischen Ziele der Landesregierung. Fossile Großkraftwerke stehen in vollkommenem Widerspruch zum Beschluss der Energiewende auf Bundesebene.

800px-Kraftwerk_Moorburg_(Hamburg-Moorburg).1.phb.ajb

Kohlekraftwerk Hamburg Moorburg: Fossiler Riese aus seiner Zeit gefallen. Foto: Ajepbah / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 DE

Moorburg: Erhöhung der CO2-Emissionen Hamburgs um 50 %
Der klimaschädliche CO2-Ausstoss Hamburgs wird mit dem Kraftwerksneubau um 50 Prozent erhöht. Das Kraftwerk wird in etwa soviel CO2 emittieren, wie der gesamte Staat Bolivien.

Bewusst im Unklaren: Der Ursprung der verfeuerten Steinkohle
Die Energieversorgung der Stadt beruht mit Moorburg wesentlich auf Steinkohleimporten deren Herkunft der Betreiber Vattenfall im Unklaren belässt – und das obwohl die Abbaubedingungen in den Förderländern vielfach mit schwerwiegenden menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Problemen verbunden sind.

Kohle macht krank
Die Emissionen aus Kohlekraftwerke verursachen schwerwiegende Gesundheitsschäden, wie Asthma, Herzinfarkte und Lungenkrebs.

Aus der Zeit gefallen: Fossile Großkraftwerke vs. Energiewende
In einem Stromerzeugungssystem mit einem wachsenden Anteil an erneuerbaren Energien sind Kraftwerke wie das in Moorburg zunehmend ungeeignet. Sie sind auf Dauerbetrieb ausgelegt. Die in Zeiten der Energiewende geforderte Rolle als schnellstartende und flexibel regelbare Kraftwerke können derartige Grundlastkraftwerke technisch nicht übernehmen. Die mittel- bis langfristig vollständige Unabhängigkeit des Energiesystems von fossilen Energieträgern, macht deshalb eine zunehmende Senkung des Anteils an konventionellen unflexiblen Kraftwerken (insb. der Kohlekraft) erforderlich – schlussendlich auf einen Bruchteil der heute installierten Kraftwerksleistung.

Kohlekraft: Bedrohung der Versorgungssicherheit
In Zeiten der Energiewende kann nur mit einer Senkung des Kohleanteils im Strommix auch die Versorgungssicherheit gewährleistet werden. Denn: Je mehr der Anteil erneuerbarer Energien wächst, desto unbeständiger ist auch die Nachfrage nach konventioneller (fossiler) Stromerzeugung. Ein flexibler Ausgleich des variablen Strombedarfs wird dabei immer kostspieliger, je stärker der Kraftwerkspark aus unflexiblen Anlagen besteht. Das bedeutet: Kohlekraftwerke können nur dann ökonomisch sinnvoll betrieben werden, wenn der Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix deutlich begrenzt wird.


In einem Interview mit Klimaretter.info (vom 28. Februar 2015) resümiert ROBIN WOOD-Vorstand Daniel Häfner die Proteste der letzten Jahre gegen das Kraftwerk, wagt eine Bewertung der Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks-Projekts und zeichnet Perspektiven für die Anti-Kohle-Bewegung.

„Wir müssen immer wieder zeigen, dass es Alternativen gibt. (…) Die Erfahrung zeigt: Man kann und soll sich nicht darauf verlassen, dass politische Parteien oder der Staat einem den Kampf gegen den Klimawandel abnehmen.“

Infos von ROBIN WOOD: Kohlekraftwerk Moorburg

Aktion, Allgemein, Blog, Tropenwald
24. Januar 2015

Tropenwald im Tank! EU-Parlament entscheidet in Kürze über Deckelung von Biokraftstoffen

Flug Kalangala

Palmölplantage in Uganda

Der Streit der EU-Institutionen um die Deckelung des Anteils von Biokraftstoffen aus Nahrungsmitteln am gesamten Kraftstoffverbrauch geht diese Woche in die nächste Runde.
Lange Zeit floss das nach Europa importierte Palmöl zu einem überwältigenden Teil in die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie, während es für den Treibstoffmarkt nur eine untergeordnete Rolle spielte. Dieses Verhältnis hat sich deutlich verschoben. Während 2006 nur 9 Prozent des importierten Palmöl zu Treibstoff wurden, sind es heute bereits rund 30 Prozent. Fast der gesamte Zuwachs der Palmöl-Nachfrage geht mittlerweile auf das Konto der Biokraftstoffindustrie.
Der starke Zuwachs ist vor allem auf falsche politische Weichenstellungen zurückzuführen. Der Einsatz von Biokraftstoffen wird in der EU zum Beispiel durch die Beimischungsquote gefördert. Sie legte 2009 fest, dass bis 2020 im Verkehrssektor mindestens zehn Prozent des Gesamtkraftstoffverbrauchs aus Agrokraftstoffen bestehen sollen. Obwohl damals schon klar war, dass das europäische Angebot an entsprechenden Ölpflanzen dafür bei weitem nicht ausreichen, und der hochproblematische Import von Ölpflanzen aus Übersee stark ansteigen würde. Tatsächlich machen die Importe inzwischen fast ein Viertel des gesamten Biodieselverbrauchs in der EU aus. Davon ist der größte Teil Palmöl. Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass Biokraftstoffe aus zum Beispiel Palmöl in der Regel eine dramatisch schlechtere Klima- und Ökobilanz als fossile Kraftstoffe haben.
Heute liegt der Anteil von Biokraftstoffen am gesamt Treibstoffverbrauch in der EU bei rund 5 Prozent. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, wird dieser Anteil bis 2020 auf rund 8,6 Prozent steigen. Das würde nicht nur zu einem Anstieg der Treibhausgase, sondern auch zur Zerstörung weiterer riesiger Waldflächen, steigenden Lebensmittelpreisen und großflächigem Landgrabbing in den Entwicklungsländern führen.
Seit 2012 versucht die EU-Kommission nun diese Entwicklung zumindest aufzuhalten. Der Anteil von Biokraftstoffen auf Lebensmittelbasis sollte auf den derzeitigen Stand von fünf Prozent eingefroren und die bisher völlig vernachlässigten Indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) in die Berichterstattung aufgenommen werden. Gemeint ist damit die Verdrängung der Nahrungs- und Futtermittelproduktion durch den Anbau von Energiepflanzen, die dann wiederum auf andere Flächen z.B. Wald- und Moorgebiete ausweichen muss.
Gorilla KettensägeObwohl der Kommissionsvorschlag nur sehr halbherzig ist, wird er von den Mitgliedstaaten blockiert. Die EU-Energieminister wollen sich lediglich auf eine Obergrenze von 7 Prozent am gesamten Kraftstoffverbrauch festlegen. Eine Anrechnung der ILUC-Faktoren wollen die nationalen Regierungen auf jeden Fall verhindern. Das EU-Parlament wiederum sprach sich in der ersten Verhandlungsrunde für eine Obergrenze von 6 Prozent aus und für eine Anrechnung der ILUC-Faktoren. Da in der ersten Lesung keine Einigung erzielt wurde. Geht der Kommissionsvorschlag nun in die zweite Lesung.
Die Gespräche im EU-Parlament haben diese Woche wieder begonnen. Im Februar wird eine Entscheidung des Umweltausschusses erwartet. Lehnt das Parlament die Vorschläge des Rates ab, wird es vermutlich im April zu einem Trilog-Verfahren mit allen drei EU-Institutionen kommen.
Ein Kompromiss wird am Ende vermutlich irgendeine Zahl jenseits der 6 Prozent hervorbringen und damit keinen Durchbruch bringen, sondern den Anstieg der Biokraftstoffe aus Nahrungspflanzen am Gesamtkraftstoffverbrauch nur geringfügig bremsen können. Dennoch ist es ein wichtiger Schritt. Das EU-Parlament muss sich dafür einsetzen den Anteil so niedrig wie eben möglich zu halten. Es muss außerdem dafür Sorge trage, dass über die ILUC-Faktoren indirekte Landnutzungsänderungen verbindlich in die Berechnung der Klimabilanz von Biokraftstoffen einbezogen werden.

Aktion, Blog, Energie, Hamburg/Lüneburg, Klima
25. August 2014

Vattenfalls Greenwashing gestört: Proteste bei den Cyclassics in Hamburg

Jetzt aber schnell: weg von Vattenfall, hin zu einem Ökostromanbieter. ROBIN WOOD-Banner bei den Cyclassics, Europa-Passage in Hamburg, 24.8.2014 (Foto: Robin Wood)

Jetzt aber schnell: weg von Vattenfall, hin zu einem Ökostromanbieter. ROBIN WOOD-Banner bei den Cyclassics, Europa-Passage in Hamburg, 24.8.2014 (Foto: Robin Wood)

Überall dort, wo Vattenfall öffentlich auftritt, ist der Protest schon da. So gab es auch in diesem Jahr anlässlich des von Vattenfall gesponserten Radrennens Cyclassics an verschiedenen Stellen entlang der Rennstrecke Kundgebungen gegen den Atom- und Kohlekonzern. Mit von der Partie war am Sonntag auch eine Gruppe von ROBIN WOOD-AktivistInnen. Zwei von ihnen kletterten auf Pfeiler des Glasdaches an dem Einkaufszentrum Europa-Passage in der Hamburger City, um in Sichtweite der Rennstrecke Transparente zu entrollen mit den Slogans: „Umsatteln!! Ökostrom statt Kohle und Atom“, „Tschüss Vattenfall“ und „Scheiß Sponsor“.

Gegen das Greenwashing von Vattenfall, Protestbanner bei den Cyclassics, Hamburg, 24.8.14 (Fotos: Robin Wood)

Gegen das Greenwashing von Vattenfall: Protestbanner bei den Cyclassics, Hamburg, 24.8.14 (Fotos: Robin Wood)

Eine Foto-Galerie zu der Kletter-Aktion steht hier online.

Den Bericht einer beteiligten Aktivistin lesen Sie hier.

Aktion von gegenstrom: Mit schwarzen Luftballons gegen die CO2-Belastung durch das Vattenfall-Kraftwerk in Moorburg (Foto: gegenstrom)

Aktion von gegenstrom: Mit schwarzen Luftballons gegen die CO2-Belastung durch das Vattenfall-Kraftwerk in Hamburg-Moorburg (Foto: gegenstrom)

Im Stadtteil Moorburg, in dem Vattenfall demnächst ein riesiges neues Kohlekraftwerk regulär in Betrieb nehmen will, protestierten Leute, denen das gehörig stinkt, mit Rauch und Transparenten an der Rennstrecke. Im Zielbereich des Rennens hatte sich die Kampagne gegenstrom aufgestellt und sorgte dafür, dass sich alle, die sich nicht allein fürs Radfahren interessierten, mehr über den Sponsor und seine Machenschaften erfuhren.P1070169