Aktion, Klima, Verkehr
13. Dezember 2009

“Hit the production” und (k)eine ROBIN WOOD Aktion

Gefesselter ROBIN WOOD Aktivist in Kopenhagen (Foto: ROBIN WOOD)

Gefesselter ROBIN WOOD Aktivist in Kopenhagen (Foto: Christian Grodotzki/ ROBIN WOOD)

Der Sonntag in Kopenhagen stand unter dem Motto “Hit the production” und eine Wurzel der Treibhausgasemissionen sollte thematisiert werden.

Im Schiffsverkehr haben sich die Emissionen von Kohlendioxid seit dem Kyotoprotokoll mehr als verdoppelt. Das Kyotoprotokoll erfasst Emissionen aber immer nur national, internationale Emissionen, wie durch Flüge oder eben den Schiffsverkehr, werden nicht erfasst.

Gegen 12:30 Uhr setzte sich eine Demonstration zu diesem Thema vom Platz Trianglen in Bewegung, gen Süden, zum Hafen. Nach bereits 2 Stunden wurde die Demonstration eingekesselt und mehr als 400 Menschen wurden vorbeugend festgenommen.

Auch ROBIN WOOD beteiligte sich am Protest. Gegen 14:45 Uhr seilten sich zwei ROBIN WOOD Aktivisten von einer Fußgängerbrücke in der Nähe des Kastellets und der kleinen Meerjungfrau, dem Wahrzeichen Kopenhagens, ab — und wurden von Zivilpolizisten gestoppt.

Auf dem Transparent stand: “Transportation kills the climate – Pay climate debt for Bunker-Fuels“.

Insgesamt 5 Menschen wurden verhaftet und das Käfig-Gefängnis nach Valby gebracht. Derzeit ist der Ermittlungsausschuss informiert und wir hoffen, dass die Aktiven bald wieder frei kommen.

Doch eines bleibt:

ROBIN WOOD fordert, dass auch der internationale Schiffs- und Flugverkehr zum Klimaschutz beiträgt. Ihre Reparationszahlungen sollen in einen Fonds fließen, aus dem Klimaschutzprojekte im globalen Süden finanziert werden.

Wenn Sie Rechtshilfe für AktivistInnen unterstützen möchten, spenden Sie bitte an:

Renald Orth
Stichwort: Rechtshilfe für AktivistInnen
Kto 84 120 00
BLZ 251 205 10
Sozialbank Hannover

Klima
13. Dezember 2009

Bunte Demonstration mit 958 Verhafteten

Die Demonstration in Kopenhagen begann bunt, global und kreativ mit mehr als 100.000 Menschen. Der Demonstrationszug setzte sich gegen 14.30 Uhr in Richtung Bella Center, dem Tagungsort des Klimagipfels, in Bewegung. Die Demonstration war bunt gemischt, mit Menschen verschiedenster Herkunft und politischer Ansichten. In einem waren sie sich einig: Es ist Zeit zu handeln!

Climate Justice Action, welches ROBIN WOOD unterstützt, fordert:

  • die fossilen Brennstoffe im Boden zu lassen
  • die Energieversorgung zu sozialisieren und zu dezentralisieren
  • die Regionalisierung der Nahrungsmittelproduktion
  • Anerkennung und Rückzahlung der Klimaschulden
  • Respekt der Rechte der Indigenen und Waldvölker
Den Indigenen eine Stimme zu geben ist eine Forderung von Climate Justice Action

Den Indigenen eine Stimme zu geben ist eine Forderung von Climate Justice Action (Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD)

Der Demonstrationszug ist noch nicht weit gekommen, plötzlich sind Sirenen hinter uns zu hören und mehrere Polizeiautos kommen aus der Seitengasse gerast. Die Menge beginnt zu laufen, doch plötzlich vorn das selbe Bild: Polizisten springen aus den Wagen.

Noch ist Einiges an Platz, um durchzukommen. Ich habe Glück und komme im letzten Moment aus dem Kessel.
Die Polizei beginnt nun, die Eingekesselten einzeln zu fesseln und in Reihen hintereinander zu setzen. Einige können noch weglaufen, ein Betrunkener wird von der Polizei frei gelassen.

Im Polizeikessel befinden sich knapp 300 Menschen, darunter Gewerkschafter, schwarz gekleidete und auch einige Krishnas.
Das Bild ist absurd: die Polizeilinien sind für die Pressevertreter offen, diese machen die Bilder, die nun weltweit in den Medien sind.
Teilweise sind die Eingeschlossenen nur einen Meter, getrennt durch die Polizei, von Unterstützer_innen entfernt.

Ein Freund von mir ist im Kessel. Dank der Handys können wir noch einige Dinge klären, dann bricht der Kontakt ab.

“This is what democracy looks like!” skandieren die Menschen innerhalb und außerhalb des Kessels. Einen Grund für den Polizeieinsatz kennt niemand. Nichts wurde gesehen oder gehört. Der Ort des Einsatzes liegt aber taktisch günstig, links und rechts eine enge Häuserschlucht, vorn und hinten auf jeweils nur einer Seite eine Seitenstraße.

Alle Menschen im Kessel werden verhaftet und abgeführt. Sie landen im berüchtigten neuen Gefängnis, welches eigens für den Klimagipfel umgebaut wurde. Nach knapp 8 Stunden kommt mein Freund frei, seine Personalien wurden aufgenommen, sonst gab es scheinbar aber nicht einmal den Versuch für oder gegen etwas zu ermitteln.

Die Tageschau meldet zunächst noch 400 Verhaftete, in Wirklichkeit sind es 958.
Alle sind vorbeugend festgenommen worden. Vorbeugend vor Änderungen in der Klimapolitik?

Polizeiauto auf einem Transparent

Polizeiauto auf einem Transparent (Foto: Daniel Häfner, ROBIN WOOD)

Morgen bloggen wir dann andere, vielleicht positivere Einblicke in die Demonstration. Mir wurde die Demo verdorben – vorbeugend.

Klima
12. Dezember 2009

700 auf Verdacht verhaftet. Kein Happy End in Sicht

Festnahme in Kopenhagen (Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD)

Festnahme in Kopenhagen (Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD)

700 Protestierende wurden heute im Zuge der Großdemonstration in Kopenhagen verhaftet, der überwiegende Teil auf reinen Verdacht hin. Was in Deutschland als Unterbindungsgewahrsam gegen einzelne angewendet wird, findet in Kopenhagen im Großen Maßstab statt: Massen von Menschen werden unter Generalverdacht gestellt, wer seine Grundrechte wahrnehmen will, macht sich verdächtig.

Die Maßnahmen in Kopenhagen zeigen deutlich auf, dass wir auf dem besten Weg sind, Europa zu einem Präventivstaat zu machen. Wie in einem Internierungslager aufgereiht, aneinandergefesselt, werden Menschen dafür gedemütigt, sich für die Zukunft dieses Planeten auszusprechen und dies durch Protest einzufordern.

Festnahme in Kopenhagen am 11. Dezember (Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD)

Festnahme in Kopenhagen am 11. Dezember (Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD)

Nicht diejenigen, die unseren Planeten an den Abgrund bringen, werden verfolgt, sondern diejenigen, die vielleicht stören könnten, wenn die Mächtigen wieder beim Dinner zusammensitzen und doch keine Lösungen finden, sondern die Probleme und Irrwege nur weiter zementieren, den Lobbyisten der Klimazerstörung jeden Wunsch von den Augen ablesen und jene zu verfolgen, wegzusperren und abzuschieben, die dies anprangern. Es ist unser Planet, für den wir eintreten und es sind unsere Stimmen, die zum schweigen gebracht werden sollen. Ist es glaubwürdig, dass die Mächtigen das Klima retten wollen, wenn Sie Gewalt gegen jene anwenden, die genau dies fordern? Durch diese Willkürmaßnahmen gegen Grund- und Menschenrechte, gegen die Menschen, gegen uns, hat sich Cop15 delegitimiert. Etwas ist faul im Staate Dänemark. Es wird kein Happy End geben.

Aktion, Energie, Klima
12. Dezember 2009

Kop15 – Don’t nuke the climate und Polizeiwillkür

Cécile Lecomte ist bei ROBIN WOOD in Deutschland aktiv. Nach Kopenhagen fuhr die junge Französin aber nicht mit ROBIN WOOD AktivistInnen, sondern mit dem Ziel, Aktionen vom Französischen Netzwerk Atomausstieg zu unterstützen. Sie berichtet kurz über ihre Eindrücke. (weiterlesen …)

Klima
12. Dezember 2009

Demonstration und Hintergrund

Demonstration am 12. Dezember (Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD)

Demonstration am 12. Dezember (Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD)

In diesen Minuten beginnt in Kopenhagen eine große Demonstration.

Wir sind auf dem Weg dorthin, wichtiger ist uns aber die Demonstration ab 13.00 Uhr, sie ist die Vor-Ort-Variante des globalen Aktionstages. “System Change, not Climate Change” fordert dort unter anderem das Climate Justice Action Network.

Gestern ist der Mitschnitt des Radiointerviews über den Klimawandel vom Montag online gegangen. Dort gibt es noch einmal einige Anmerkungen zu den Hintergründen. Hoffentlich nicht die Üblichen ;-)

Aktion, Klima
11. Dezember 2009

1. Aktionstag in Kopenhagen

Unter dem Motto “Don’t buy the lie!” fanden heute zahlreiche Aktionen in der Innenstadt Kopenhagens statt.

Zunächst begannen die Proteste noch gemütlich. Einige hundert Protestierende waren umringt von rund einhundert, gefühlt zweihundert, Fotografen.

Der Beginn des Aktionstages schien eher gemütlich

Der Beginn des Aktionstages schien eher gemütlich

Our climate is not your business” skandierten die Potestierenden und meinen damit, dass sie die marktbasierten Lösungen, wie den Emissionshandel, ablehnen. Bisher haben diese Formen der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen dem auch nichts gebracht. Lediglich die Enegieversorger machte Milliaden Gewinne durch die so genannten Windfall-Profits (PDF), in dem sie die kostenlos erhaltenen Zertifikate zum vollen Preis an die Kunden weitergaben.

Die Proteste entwickelten aber schnell ihre Dynamik und der Demonstrationszug bewegte sich schnell in den engen Kopenhagener Straßen. Dabei kam es auch zu einigen, scheinbar willkürlichen Verhaftungen.

Eingetroffen in Kopenhagen, kann ich nun direkt von vor Ort berichten. Die Infrastruktur für die Berichterstattung wird von terminal21 für viele Menschen zur Verfügung gestellt.

Update (15:00 Uhr):

Die Straßen füllen sich, Helikopter und Polizeisirenen sind zu hören. Auch das Medienzentrum wird langsam voll. Immer mehr Menschen teffen ein um morgen zu demonstrieren.

Der beste Newsticker ist derzeit unter indymedia.dk zu finden, bei de.indymedia gibt es eine Übersetzung.

Wir werden das Blog wohl alle 2-3 Stunden aktualisieren können.

2 Demonstranten, 3 Polizisten und 11 Fotografen - Foto Christian Grodotzki/ROBIN WOOD

2 Demonstranten, 3 Polizisten und 11 Fotografen - Foto: Christian Grodotzki, ROBIN WOOD

Klima
11. Dezember 2009

Gute in Kröpfchen, Schlechten aufs Köpfchen

Laut Indymedia beginnen seit heute die massiven Grenzkontrollen für Reisende nach Dänemark:

Heute am 11.12. (Stand 13:00) sind allerdings massive Kontrollen rund um Flensburg (jeder “größere” Grenzübergang) bekannt. Ausserdem werden alle Autos die auf die Fähre von Puttgarden aus fahren kontrolliert. In Rostock wird die Polizeipräsenz ebenfalls erhöht.Westlich der A7 sind noch kleinere Grenzübergänge unkontolliert.

Die aktuellen Wartezeiten an den Grenzübergängen trägt das Blog borderwatch zusammen.

Klima
9. Dezember 2009

Erneute Durchsuchung in Kopenhagen

Laut Indymedia Dänemark kam es Heute Nacht in Kopenhagen erneut zu einer Durchsuchung in einer Schlafunterkunft für Protestierende.

Ab 2:20 drangen mehr als 200 Polizeikräfte in die Unterkunft Ragnhildsgade ein. Laut dem Bericht gaben die Polizeikräfte vor, nach Aktionsmaterial und gefährlichen Gegenständen zu suchen.

Dies ist die zweite Durchsuchung einer Schlafunterkunft in Kopenhagen. Bereits am 4. Dezember wurde eine als Schlafplatz genutzte Lagerhalle in Teglholmen durchsucht.

Update:

Berichte bei de.Indymedia, Politiken.dk, Kleine Zeitung, Ekstrabladet

Klima
9. Dezember 2009

Das bezahlt nicht einmal die Särge!

Auf den sogenannten Dänischen Text reagierten heute vielen Staaten mit starker Ablehnung. In diesem Textentwurf sollen den Entwicklungsländern 10 Milliarden Dollar Kompensation jährlich zwischen 2010-2012 gezahlt werden.

Das bezahlt nicht einmal die Särge” erklärte der Sprecher von 77 so genannten Entwicklungsländern, Lumumba Stanislaus Di-Aping gegenüber der New York Times.

Auch andere Vertreter des globalen Südens zeigten sich entrüstet über den dänischen Textentwurf. Der Text scheint sich im Wesentlichen an den Bedürfnissen der USA zu orientieren.

Energie, Klima
8. Dezember 2009

Kritik am “Dänischen Text”

Das internationale Netzwerk Climate Justice Action kritisiert den heute bekannt gewordenen Entwurf eines Kopenhagen-Abkommens, den so genannten „Dänischen Text“. Der Text wurde von einer kleinen Gruppe von Diplomaten aus Dänemark, Großbritannien, den USA und einigen wenigen anderen Ländern entworfen.

Der Entwurf sieht vor, dass die Staaten des Nordens auch Mitte des Jahrhunderts noch zweimal mehr C02 emittieren dürften, als die Länder des Südens. Das heißt 1,44 Tonnen C02 pro Kopf in den Ländern des Südens und 2,67 Tonnen im Norden, so der britische Guardian, der den geheimen Entwurf  veröffentlichte.