Blog, Energie
1. November 2015

Buch zur Geschichte der Anti-Atom-Bewegung

Noch ist die Anti-Atom-Bewegung gar nicht selbst Geschichte und dennoch scheint es Zeit, die Geschichte selbst zu schreiben und nicht schreiben zu lassen. Es ist Zeit sich zu erinnern wie die Bewegung nach den Bauplatzbesetzungen in Wyhl 1974 fahrt aufnahm und im Ergebnis wohl zu den erfolgreichsten Sozialen Bewegungen gehört. Noch ist viel zu tun, doch die Herausgeber*innen aus dem Umfeld der „anti-atom-aktuell“ fanden es auch wichtig, ihre Sicht auf die Dinge darzustellen – und nicht von anderen schreiben zu lassen.

Doch lassen wir die Autor*innen selbst zu Wort kommen:

Nach dem Beginn der Reaktorkatastrophe in Fukushima dauerte es nicht lange, da machte sich Frau Merkel zur Atomausstiegs-Kanzlerin. Es ging nicht um die tatsächliche Lösung von Problemen; dafür aber sollte eine Bewegung entsorgt werden, die auf die Probleme hinwies. Die Gegenseite schrieb unsere Geschichte und behauptete, sie sei nun zu Ende. Das war für uns der Anlass, mit unserer „Geschichtsschreibung von unten“ zu beginnen. Wir baten Menschen, das aufzuschreiben, was sie in Bewegung gebracht hat: gegen atomare Rüstung, gegen die angeblich friedliche Nutzung, gegen Polizei- und Überwachungsstaat. Und: was sie in Bewegung gehalten hat über einen langen Zeitraum von Wyhl bis heute (und übermorgen)

Die anti-Atom-Bewegung - Geschichte und Perspektiven herausgegeben von Tresantis im Verlag Assoziation A

Die anti-Atom-Bewegung – Geschichte und Perspektiven
herausgegeben von Tresantis im Verlag Assoziation A

Insgesamt 53 Autor*innen haben auf diese Aufforderung reagiert. Manche haben erzählt und aufschreiben lassen, andere haben selbst geschrieben. Erlebnisse werden berichtet, manche Geheimnisse (ein bisschen) gelüftet, persönliche Motivationen dargelegt, Zusammenhänge aufgezeigt,
ideengeschichtliche Stränge nachgezeichnet. Die Texte sind so verschieden wie die Menschen in dieser Bewegung.

„Die Bewegung“ gibt es natürlich nicht, und es gab sie nie. Insofern führt der Titel des Buchs möglicherweise ein wenig in die Irre. Von jeher gab es unter Atomkraftgegner*innen eine große Bandbreite an Grundeinstellungen, häufig gab es engagierte Auseinandersetzungen um viele Fragen nach richtig oder falsch. Zwischen den Buchdeckeln tragen wir diesem Umstand Rechnung, indem wir Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund zu Wort kommen lassen. Die Streits von damals werden verständlich und Standpunkte nachvollziehbar; und möglicherweise liefern auch einige der Texte Stoff für ganz aktuelle Auseinandersetzungen.

25 Fotograf*innen haben ihre Bilder zur Verfügung gestellt. Bei den großen und kleinen Momenten der Geschichte waren sie mit ihrer Kamera zugegen und haben Bilder festgehalten, die sich oft decken mit der Erinnerung derjenigen, die dabei waren, oft genug aber auch verblüffen: ach – so war das da am anderen Ende? Und der/die war damals auch dort?

Gearbeitet haben wir vier – manchmal zähe – Jahre an diesem Projekt. Kurz vor Schluss kamen dann plötzlich noch ganz wichtig einige Texte dazu, sodass wir die Seitenzahl zweimal erhöhen mussten. Am Ende sind es 384 Seiten geworden; viele Abbildungen tragen zu einer guten Lesbarkeit bei. Es ist im gut sortierten Buchhandel erhältlich – und sollte demnächst bei jeder örtlichen anti-Atom-Gruppe zu haben sein!

ISBN: 978-3-86241-446-8 | Paperback | 24.80 Euro

Und hier der Link zum Buch: http://www.anti-atom-aktuell.de/Buch

Aktion, Blog, Energie, Süd-West
15. Oktober 2015

Jedes Gramm ist zuviel – Atommüll-Protest vor dem Umweltministerium in Stuttgart

Am 15.10.2015 demonstrierten Robin Wood AktivistInnen am Umweltministerium. Es ging darum zu verdeutlichen, dass trotz der immensen Risiken noch immer in großen Mengen Atommüll produziert wird. Infos zur Mitmachaktion: http://robinwood.de/Sued-West.449.0.html. Musik: http://www.frimfram.de Neckarwestheim Foto: http://www.schaeferweltweit.de/

Eine Müll-Lieferung ging heute Vormittag an die Adresse des grün geführten Landesumweltministeriums in Stuttgart. Der Absender: Robin Wood-AktivistInnen aus der Region. Der Umfang der Lieferung entsprach den abgebrannten Brennstäben aus der Jahresproduktion der baden-württembergischen Atomkraftwerke Neckarwestheim und Philippsburg. „Wir sind es leid, nur zuzusehen, wie jeden Tag neuer gefährlicher Müll produziert, durch die halbe Republik transportiert und irgendwem vor die Haustür gekippt wird. Wir drehen den Spieß jetzt um!“, heißt es in einem Flugblatt der AktivistInnen.

Sie wollen damit auch andere auf die Idee bringen, eigene Protestaktionen gegen Atommüll zu machen und die Atomaufsicht an ihre Pflichten zu erinnern. Wer mitmachen möchte, findet weitere Infos hier.

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Am Ende nahmen die UmweltschützerInnen die Müllsäcke natürlich wieder mit.

Weitere Fotos der Aktion stehen auf Flickr.

Wer sich für die bundesweite Dimension des Atommüllproblems interessiert, findet eine gute Übersicht unter http://www.atommuellreport.de.

 

Allgemein, Blog, Energie
13. Oktober 2015

Bure: Atomklo für immer?

Herausforderungen und Perspektiven für den Widerstand gegen das Atommülllagerprojekt in Bure

Artikel von Robin Wood Aktivistin Cécile Lecomte, zuerst in der Zeitschrift GWR 402 von Oktober 2015 erschienen

Bure, 2005Anfang August 2015 fand in der Nähe von Bure, im französischen Lothringen, ein gut besuchtes internationales antikapitalistisches Antiatomcamp statt. Ein Zusammenschluss von ca. 60 AktivistInnen aus diversen sozialen und ökologischen politischen Bewegungen hatte die Idee des Camps ins Leben gerufen und die Gegend von Bure ausgewählt, um den Widerstand gegen CIGÉO, das geplante Atommüllendlager, bekannter zu machen. Bis zu 800 AktivistInnen schlugen ihre Zelte auf einem großen Feld am ehemaligen Bahnhof von Luméville auf. Das Grundstück wurde von Menschen aus dem Antiatomwiderstand vor ca. 10 Jahren gekauft und ist beinahe der einzige Ort in der Gegend, der der ANDRA (National Agentur zur Entsorgung von radioaktivem Müll) nicht gehört. Die zukünftige CASTOR-Bahn, dessen Baubeginn Anfang 2016 ansteht, wird einen Bogen um das Grundstück machen. Ab 2015 sollen auf der neuen Bahnlinie 100 Jahre lang zwei CASTOR-Transporte pro Woche

Für die Verwirklichung von CIGÉO hat die ANDRA bereits 3000 Hektar Wald und Landfläche gekauft oder getauscht. CIGÉO steht für „Centre Industriel de stockage GÉOlogique“ (Industriezentrum zur geologischen Lagerung“. Damit ist die Lagerung von hochradioaktivem Atommüll in Argilitgestein  (Mischung aus Tonstein und Quarz) in 500 Tiefe gemeint sowie weitere „industrielle Projekte“ wie „Syndièse“.
CIGÉO wirkt wie eine atomare Krake: Die Atomlobby bewirbt die Gegend auf einem Prospekt als „Cluster atomarer Kompetenz“, Bure ist dort als Zentrum einer Zielscheibe von 80 Kilometer Radius eingezeichnet. 360 km unterirdische Stollen sind für das Atommülllager vorgesehen. Hinzu kommen Projekte wie „Syndièse: Aus 90.000 Tonnen Biomasse jährlich soll Agrosprit gewonnen werden. Ca. 20% der forstwirtschaftlichen Flächen Lothringens (ca. 2000 Hektar Wald) werden dem Vorhaben des CEA(französische Atomenergiebehörde) zum Opfer fallen.

Die Festlegung auf dDemo Bar le Ducen Standort Bure erfolgte nicht weil der Untergrund für die Lagerung von Atommüll geeignet ist, sondern weil Bure der einzige Ort in Frankreich ist, wo die ANDRA es geschafft hat, sich niederzulassen. Ursprünglich vorgesehen war die Untersuchung von verschiedenen Gesteinsformationen, doch der Widerstand war an den ausgewählten Standorten so stark, dass die ANDRA sich erst gar nicht niederlassen konnte.
Mit dem Gesetz „Bataille“ aus dem Jahr 1991 änderte die Regierung ihre Strategie: Es war nicht mehr die Rede von „Tieflagerung“, sondern von „Erkundung“, das Konzept der „Rückholbarkeit“ wurde außerdem eingeführt. Damit sollten die Gemüter beruhigt werden. Untersucht wurde trotzdem ausschließlich in Bure im Département Meuse. Auf Nachfrage verweist die ANDRA darauf, dass andere Gesteinsformationen in Kooperation mit Partnern im Ausland durchgeführt wurden (Z.B. die „Erkundungen“ in der ASSE in Niedersachsen)

Weiterlesen im Blog von Cécile Lecomte

Energie
10. September 2015

Symposium Atommüllrecht 23.Oktober 2015 in Hannover

Seit April 2014 tagt sie: die Endlagerkommission des Bundestags. Diskutiert wird, wohin der hauptsächlich hochradioaktive Atommüll in vielen Jahrzehnten verbracht werden soll. Doch wie ergebnis-offen können diese Diskussionen sein, wenn der Umgang mit Atommüll zur gleichen Zeit durch eine Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen, Gerichts- und Verwaltungsverfahren vorbestimmt wird? Im Rahmen eines Symposiums werden Praktikerinnen und Praktiker die Entwicklungen in einzelnen atommüll-relevanten Bereichen beleuchten und bewerten.

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Beiträge des Symposiums, das am 23. Oktober 2015 in Hannover stattfinden wird, widmen sich Themen wie der Sicherung der Finanzierungsvorsorge für die Atommüll-Lagerung, der Rechtmäßigkeit des Exports von radioaktiven Abfällen, dem Standortauswahlgesetz und dem Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro). Referieren werden renommierte ExpertInnen zum Atommüllrecht wie Dr. Dörte Fouquet, Dr. Ulrich Wollenteit oder Prof. Dr. Felix Ekardt. (vollständiges Programm des Symposiums)

Veranstaltet wird das Symposium vom Trägerkreis des Projektes „Atommüllreport“. Dieser setzt sich zusammen aus der AG Schacht KONRAD, BUND, der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, der Deutschen Umweltstiftung, Gesellschaft für Strahlenschutz, IPPNW, ROBIN WOOD und Strahlentelex.
Auf dem online-Fachportal www.atommuellreport.de stellt das Projekt kontinuierlich aktualisierte Daten und Informationen zu den Themen Atommüllproduktion und -verbringung zur Verfügung.

Mehr Informationen: www.atommuellreport.de, Flyer zum Download
ROBIN WOOD zu Atomkraft: www.robinwood.de/atomenergie

 

Aktion, Blog, Energie, Rhein-Neckar
16. Juni 2015

Abrisspläne AKW Neckarwestheim I – Erörterungstermin als Farce!

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Bürgerbeteiligung als Farce – Anti-Atom-Protest vor der Reblandhalle in Neckarwestheim, 16.6.15 (Fotos: Robin Wood)

Das AKW Neckarwestheim I soll nach dem Willen des Betreibers – der EnBW – möglichst rasch und günstig abgerissen werden. Unter Protest von Anti-Atom-Initiativen, darunter ROBIN WOOD, begann heute in der Reblandhalle in Neckarwestheim der Erörterungstermin.

In dem Verfahren geht es um 330.000 t Müll, davon 128.000 t aus dem sog. atomaren Kontrollbereich. Nur ein Prozent der Gesamtmenge soll als Atommüll behandelt, der ganze Rest – entweder unter Auflagen oder komplett frei – in Umlauf gebracht werden! Dagegen protestierte ROBIN WOOD bereits im Februar 2015 mit einer Aktion vor dem Energieministerium in Stuttgart.

Trotz der drohenden Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung verkommt die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung zur Farce. Gerade mal zehn Seiten umfasst der veröffentlichte Vorhabensantrag. Entsprechend können die geplanten Maßnahmen nur sehr schemenhaft umrissen werden. Die später folgenden gefährlichsten Schritte wie die Demontage des Reaktordruckbehälters sollen ganz ohne Öffentlichkeitsbeteilung erfolgen.

Die 2.500 EinwenderInnen erhielten weder eine Eingangsbestätigung noch eine Einladung zur Erörterung. Vor allem aber hat sich die Aufsichtsbehörde – das Umweltministerium Baden-Württemberg – inhaltlich nicht mit den Einwendungen beschäftigt und damit seiner Nichtachtung für die Einwendungen Ausdruck verliehen.IMG_0297klein

Deshalb haben sich viele Einwenderinnen entschieden, heute nicht in der Reblandhalle in Neckarwestheim ihre Kritikpunkte zu wiederholen, sondern vor der Halle zu protestieren. Mehrere Dutzend Menschen beteiligten sich. Viele wiesen am offenen Mikro auf die Mängel des Beteiligungsverfahrens und die Gefahren des geplanten Abrisses selbst hin. Dazu zählen:

  • das fehlende Strahlenkataster
  • die nicht erfolgte Prüfung von Alternativen – insbesondere dem vorherigen Abklingen am Standort
  • die nicht erfolgte Betrachtung der Wechselwirkungen mit dem noch betriebenen zweiten Meiler
  • die unkontrollierte Verteilung strahlender Stoffe

Ausführliche Informationen zu den Kritikpunkten stehen auch unter www. atomerbe-neckarwestheim.de und  neckarwestheim.antiatom.net.

Über den heutigen Protest berichtete u.a. der SWR.

Zeitgleich fiel heute übrigens im abgeschalteten Kraftwerk eine Kühlpumpe aus. Der Vorfall wird vom Ministerium u.a. deshalb als unkritisch eingestuft, weil seit 2011 keine abgebrannten Brennelemente mehr anfallen und die Restwärme daher besser kontrollierbar ist. Ein Anreiz mehr auch die Abschaltung der noch laufenden Anlagen wieder auf die Agenda zu setzen. Jeder Tag zählt!

Christina Albrecht

Aktion, Blog, Energie
5. Mai 2015

Proteste gegen Jahrestagung Kerntechnik

Aus den Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima hat die Atomlobby nichts gelernt! Weiterhin hält sie an ihrem Geschäft mit dem tödlichen Risiko fest. Um sich über die weltweite Zukunft der Kernenergie auszutauschen, treffen sich ab heute in Berlin über 1.000 Delegierte aus über 30 Ländern – von Energiekonzernen, aus Forschung, Behörden und Politik – bei der 46. Jahrestagung Kerntechnik. Die Tagung ist jedoch keineswegs unumstritten. Zahlreiche Aktive der Anti-Atom-Bewegung protestierten gestern Abend lautstark gegen die Konferenz. Ihre Forderungen: die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit, die Übernahme sämtlicher Kosten für den Umgang mit den Altlasten der AKW durch die Energiekonzerne und ein Ausstieg der Bundesrepublik aus EURATOM.Lautstark machte die Gruppe „Solar Drums“ mit Samba-Einlagen und Sprechchören deutlich, dass es sofortigen Ausstiegs aus der Atomenergie bedarf. Denn: Sicher ist nur das Risiko: In Tschernobyl und Fukushima herrscht noch immer der Ausnahmezustand, Gebiete sind weiträumig verseucht und tausende von Menschen tragen in Folge der Katastrophen Gesundheitsschäden davon oder sterben an der Strahlung. Wieviele Katastrophen ist die Atomlobby noch bereit, für ihr lukratives Milliardengeschäft mit der Atomkraft in Kauf zu nehmen?

Energiekonzerne für alle Kosten des AKW-Rückbaus und der Atommüll-Lagerung in die Pflicht nehmen
Wesentliche Kritik der Protestierenden richtete sich gegen den Versuch einzelner Energiekonzerne in Deutschland sich aus der Verantwortung für die Finanzierung von AKW-Rückbau und Lagerung des Müll zu stehlen. Trotz bisheriger Milliardenprofite versuchen Atomkonzerne in Deutschland, sich durch Auslagerung finanziell riskant gewordenen Unternehmens-Sparten (insb. Atom und Kohle) aus der Verantwortung für die immensen Kosten zu stehlen, die bei Stilllegung und Rückbau der Atommeiler sowie für die Lagerung des atomaren Abfalls entstehen. E.ON hat eine Aufspaltung angekündigt und auch RWE erwägt eine solche. Doch wenn die abgespaltenen Sparten insolvent gehen, müssen wirtschaftlich lukrative Unternehmensteile nicht mehr stützend eingreifen. Damit drohen die Rückstellungen der Konzerne für  den Rückbau der Atommeiler und die Lagerung des radioaktiven Abfalls verloren zu gehen. Nachdem die Konzerne die Gewinne mit der Atomkraft privatisierten, werden die Risiken so vergesellschaftet.
Die Aktivist_innen forderte deshalb, die Konzerne für alle Kosten des AKW-Rückbaus und der Atommüll-Lagerung in die Pflicht zu nehmen. „Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Rückstellungen, die die Konzerne für den Rückbau und Entsorgung in ihren Bilanzen vorsehen – bisher 38 Millionen Euro –, auch zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden. Eine öffentlich-rechtlicher Fonds, muss eingerichtet werden, um diese Rückstellungen zu sichern.“

EURATOM passt nicht zum Beschluss eines Atomausstiegs!
Besonders dreist sei der Versuch der Atomkonzerne, Kosten auf den Steuerzahler abzuwälzen, deshalb – so die Protestierenden –, da die öffentliche Hand die Atomwirtschaft  jahrzehntelange mit Förderungen unterstützte. Auch heute finanziert die Bundesrepublik noch immer und trotz des Beschlusses eines schrittweisen Atomausstiegs in hohem Umfang Atomforschung. Ein wichtiger Rahmen dafür ist die Europäische Atomgemeinschaft EURATOM. Die Bundesrepublik sei deshalb gefordert diesen Atomfördervertrag endlich zu kündigen!

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Blog, Energie
29. April 2015

Gescheiterte „Zwischenlagerung“: Bericht zu rostigen Atommüllfässern

Es gibt Wortlügen, auf denen der Betrieb ganzer Technologien gründet. Dazu zählt das Wort „Zwischenlager“. Eine krasse Fehleinschätzung zur „Zwischenlagerung“ beschrieb Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck heute, als er den Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe zur Vermeidung von Korrosionsschäden an Atommüllfässern (Kurzfassung Korrosionsbericht) vorstellte:

„Eine zentrale Ursache der Probleme war: Keiner hat die Zwischenlagerung der schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle als eine langfristige Aufgabe wahrgenommen, weder die Betreiber noch der Staat. Vielmehr gingen alle davon aus, dass bald ein Endlager vorhanden sein würde. Nur, dass dieses ‚bald‘ noch immer nicht da ist. Diese vermeintliche Perspektive auf ein baldiges Endlager führte zu Fehleinschätzungen.“ 

Wisch&Weg-Putzaktion à la Vattenfall, 22.8.14 vor dem Kundenzentrum in der Hamburger City (Foto: ROBIN WOOD)

Wisch&Weg-Putzaktion, Protest gegen Vattenfalls Umgang mit den rostigen Atommüllfässern, Hamburg 22.8.14 (Foto: ROBIN WOOD)

Der Bericht befasst sich insbesondere mit den schwer verrosteten Atommüllfässern am AKW Brunsbüttel. Demnach waren 145 von 573 Fässern, die zwischen 2012 bis 2014 untersucht wurden, stark beschädigt, d.h. sie waren schlicht durchgerostet und der radioaktive Fassinhalt konnte austreten. Die Kavernen, in denen sie lagerten waren schlecht zugänglich und für eine langfristige Lagerung entsprechend schlecht geeignet. Es gab keine regelmäßigen Inspektionen, sie waren auch gar nicht vorgesehen. Es gab auch von Anfang an praktische Probleme mit der Trocknung der eingelagerten Verdampfer- und Filterkonzentrate, die Betreiber Vattenfall jedoch ignorierte.

Es läuft bei der Lagerung dieses Mülls also so ziemlich alles schief, was schief laufen kann.

„Wer über eine Million Jahre Sicherheit beim Umgang mit dem Atommüll reden will, der muss zunächst nachweisen, dass er die Probleme im Hier und Jetzt ernst nimmt, damit seriös umgehen kann und dies auch tut.“ Mit dieser Feststellung beginnt der Atommüllreport, dessen Herausgabe ROBIN WOOD mit unterstützt hat. Er zeigt auf, dass das Problem Atommüll nicht an irgendeinen Ort in irgendeiner Zukunft delegiert werden kann, sondern flächendeckend akut ist.

Mehr Infos zum Thema Atommüll: http://www.atommuellreport.de

Energie, Prozess
10. März 2015

Lubmin-CASTOR: Jetzt AktivistInnen mit Soli-Erklärung unterstützen!

Seit Jahrzehnten gibt es Protest gegen CASTOR-Transporte: Aktion gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin 2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Endstation Atom – sofort alle aussteigen! Aktion gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin, 16.12.2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Ende dieses Monats werden zwei AtomkraftgegnerInnen in Stralsund vor Gericht stehen, die im Dezember 2010 mit einer Ankettaktion gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin protestiert hatten. (ROBIN WOOD-PM zur Aktion v.16.12.2010) Die AktivistInnen wollten mit ihrer Protestaktion ein unmissverständliches Zeichen gegen Atomkraft setzen.

Denn Atomkraft bedeutet:
•    das permanente Risiko eines Super-GAUs, wie in Tschernobyl und Fukushima
•    zahlreiche gefährliche und unsinnige Atommüll-Transporte quer durch Europa
•    das Verseuchen ganzer Landstriche, in denen Uranerz abgebaut wird.

Der couragierte Protest der beiden gegen die weitere Nutzung der Atomkraft wird von vielen Menschen mitten aus der Zivilgesellschaft getragen – in Mecklenburg-Vorpommern und bundesweit. Damit dies sichtbar wird, sammeln die AktivistInnen Solidaritäts-Erklärungen (SoliaufrufLubmin). Unterschreiben können Initiativen und Organisationen sowie Einzelpersonen.

Die AktivistInnen sind für Rückfragen per Mail zu erreichen unter: blockmin@riseup.net. Sie informieren zudem in einem Blog über die Aktion und den anstehenden Gerichtsprozess. Dort können UnterstützerInnen auch online Solidaritätsadressen abgeben.

Wichtig ist, dass die Gerichtsverhandlung in Stralsund unter öffentlicher Beobachtung stattfindet. Deshalb freuen sich die AktivistInnen über zahlreiche BesucherInnen!

Prozess-Termin: Dienstag, 31. März 2015, 9:30 Uhr, Landgericht Stralsund

Aktion, Blog, Energie
30. November 2014

Urankonferenz protestiert gegen Brennelementefabrik Lingen und Urananreicherungsanlage Gronau

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TeilnehmerInnen der internationalen Urankonferenz bringen Protest-Transparente am Zaun der Brennelementefabrik von Areva in Lingen an. Foto: ROBIN WOOD

Das Internationale Urantreffen in Münster ist heute mit Protesten gegen die Brennelementefabrik in Lingen und die Urananreicherungsanlage in Gronau zu Ende gegangen. Auf der Kundgebung in Lingen hat Charlotte Mijeon von der französischen Anti-Atom-Dachorganisation Réseau „Sortir du nucléaire“ die sofortige Stilllegung der Areva-Brennelementefabrik gefordert. Der französische Atomkonzern Areva hat momentan erhebliche Finanzprobleme und die Uranfabrik in Lingen musste aufgrund von schweren technischen Problemen vor einigen Wochen zumindest teilweise heruntergefahren werden.

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Charlotte Mijeon von der französischen Anti-Atom-Dachorganisation Réseau „Sortir du nucléaire“ fordert auf der Kundgebung vor der Lingener Brennelementefabrik vor 50 AtomkraftgegnerInnen deren sofortige Stilllegung

Am Wochenende trafen sich AtomkraftgegnerInnen aus Russland, Frankreich und den Niederlanden sowie Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz  in Münster auf einem Internationalen Urantransportetreffen  und forderten ein Ende der zahllosen Urantransporte, die nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit den Betrieb der Atomindustrie sicherstellen. Zugleich forderten sie den weltweiten Uranabbau zu stoppen und die uranverarbeitende Industrie stillzulegen. Zudem solle die deutsche Bundesregierung endlich die Urananreicherung in Gronau sowie die Brennelementefertigung in Lingen beenden. Beide Atomanlagen sind bislang vom Atomausstieg ausgenommen und beliefern Atomkraftwerke in der ganzen Welt.

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Am Sonntagmorgen protestierten AtomkraftgegnerInnen auch vor der Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW).

Am Sonntagmorgen protestierten die AtomkraftgegnerInnen auch vor der Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW). In Gronau soll in 2015 ein neues großes Uranmülllager für 60 000 Tonnen Uranoxid in Betrieb gehen – zeitlich unbefristet! Die AtomkraftgegnerInnen lehnen die Inbetriebnahme dieser Endlos-Uranmülllagerung in Gronau ab. Auch der geplante Verkauf des Urananreicherers Urenco auf dem Weltmarkt ist unverantwortbar, weil die Urananreicherung der einfachste Weg zur Atombombe ist. Nur die sofortige Beendigung der Urananreicherung ist akzeptabel.

Gronauer Uranmüll in Russland: Russische Umweltschützerin kündigt neue Strafanzeige an

Bis 2009 gelangten aus Gronau rund 27 000 Tonnen Uranmüll nach Russland. Dieser Uranmüllexport war illegal, 2006 stellten russische UmweltschützerInnen Strafanzeige gegen den Gronauer Urananreicherer Urenco. Doch erst vor wenigen Wochen erkannte die Bundesregierung zögerlich an, dass es sich tatsächlich um Atommüll handelt und nicht um „Wertstoff“, wie von Urenco behauptet. Bislang lehnt die Bundesregierung jede Verantwortung für den deutschen Atommüll in Russland ab. Eine russische Umweltschützerin aus Ekaterinburg kündigte nun in Münster an, den illegalen Atommüllexport von Gronau nach Russland von der Münsteraner Staatsanwaltschaft erneut überprüfen zu lassen.

Die AtomkraftgegnerInnen verurteilten zudem scharf die Versuche der russischen Regierung, russische Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie Ecodefense durch repressive Gesetze zu „ausländischen Agenten“ zu erklären. Ecodefense droht momentan die Zwangsauflösung. Die Konferenz forderte deshalb nachdrücklich, die sehr engagierte Arbeit der Nichtregierungsorganisationen zu respektieren und zu schützen. Die Konferenz ruft zur Solidarität mit Ecodefense auf.

Weitere Infos zu den Urantransporten und zur Uranindustrie: 

www.urantransport.de, www.sofa-ms.de, www.wise-uranium.org

Aktion, Allgemein, Blog, Energie, Hamburg/Lüneburg, Robin Wood regional
18. Oktober 2014

Demo gegen Atommüll und Vattenfalls rostige Fässer

In Glückstadt demonstrierten am heutigen Tag rund 60 Menschen gegen die Atomkraft im Rahmen der Kampagne „Atomüll Alarm – Tatorte Deutschland“. Anlass der Demonstration waren u.a. die rostigen Atommüllfässer im stillgelegten AKW Brünsbüttel. Selbst bei einem stillgelegten Meiler ist die Gefahr durch die Radioaktivität nicht gebannt! Insbesondere wenn die Betreiber Vattenfall und EON unfähig sind, ihren Müll zu verwalten. Ein schlüssiges Bergungskonzept wurde bislang nicht vorgestellt. In Redebeiträge wurde darüber hinaus auf die flächendeckende Belastung durch radioaktiven Stoffen. ROBIN WOOD Hamburg-Lüneburg beteiligte sich mit einer kleinen Kletteraktion. In einem Redebeitrag erinnerte ein ROBIN WOOD Aktivist an die an Glückstadt vorbei fahrenden zahlreichen Atomtransporten durch den Nord-Ostsee-Kanal. Die radioaktive Fracht wird über den Hamburger Hafen umgeschlagen. Die AktivistInnen engagieren sich für die Endwidmung des Hamburger Hafens.

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