Aktion, Blog, Energie
5. Mai 2015

Proteste gegen Jahrestagung Kerntechnik

Aus den Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima hat die Atomlobby nichts gelernt! Weiterhin hält sie an ihrem Geschäft mit dem tödlichen Risiko fest. Um sich über die weltweite Zukunft der Kernenergie auszutauschen, treffen sich ab heute in Berlin über 1.000 Delegierte aus über 30 Ländern – von Energiekonzernen, aus Forschung, Behörden und Politik – bei der 46. Jahrestagung Kerntechnik. Die Tagung ist jedoch keineswegs unumstritten. Zahlreiche Aktive der Anti-Atom-Bewegung protestierten gestern Abend lautstark gegen die Konferenz. Ihre Forderungen: die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit, die Übernahme sämtlicher Kosten für den Umgang mit den Altlasten der AKW durch die Energiekonzerne und ein Ausstieg der Bundesrepublik aus EURATOM.Lautstark machte die Gruppe “Solar Drums” mit Samba-Einlagen und Sprechchören deutlich, dass es sofortigen Ausstiegs aus der Atomenergie bedarf. Denn: Sicher ist nur das Risiko: In Tschernobyl und Fukushima herrscht noch immer der Ausnahmezustand, Gebiete sind weiträumig verseucht und tausende von Menschen tragen in Folge der Katastrophen Gesundheitsschäden davon oder sterben an der Strahlung. Wieviele Katastrophen ist die Atomlobby noch bereit, für ihr lukratives Milliardengeschäft mit der Atomkraft in Kauf zu nehmen?

Energiekonzerne für alle Kosten des AKW-Rückbaus und der Atommüll-Lagerung in die Pflicht nehmen
Wesentliche Kritik der Protestierenden richtete sich gegen den Versuch einzelner Energiekonzerne in Deutschland sich aus der Verantwortung für die Finanzierung von AKW-Rückbau und Lagerung des Müll zu stehlen. Trotz bisheriger Milliardenprofite versuchen Atomkonzerne in Deutschland, sich durch Auslagerung finanziell riskant gewordenen Unternehmens-Sparten (insb. Atom und Kohle) aus der Verantwortung für die immensen Kosten zu stehlen, die bei Stilllegung und Rückbau der Atommeiler sowie für die Lagerung des atomaren Abfalls entstehen. E.ON hat eine Aufspaltung angekündigt und auch RWE erwägt eine solche. Doch wenn die abgespaltenen Sparten insolvent gehen, müssen wirtschaftlich lukrative Unternehmensteile nicht mehr stützend eingreifen. Damit drohen die Rückstellungen der Konzerne für  den Rückbau der Atommeiler und die Lagerung des radioaktiven Abfalls verloren zu gehen. Nachdem die Konzerne die Gewinne mit der Atomkraft privatisierten, werden die Risiken so vergesellschaftet.
Die Aktivist_innen forderte deshalb, die Konzerne für alle Kosten des AKW-Rückbaus und der Atommüll-Lagerung in die Pflicht zu nehmen. “Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Rückstellungen, die die Konzerne für den Rückbau und Entsorgung in ihren Bilanzen vorsehen – bisher 38 Millionen Euro –, auch zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden. Eine öffentlich-rechtlicher Fonds, muss eingerichtet werden, um diese Rückstellungen zu sichern.”

EURATOM passt nicht zum Beschluss eines Atomausstiegs!
Besonders dreist sei der Versuch der Atomkonzerne, Kosten auf den Steuerzahler abzuwälzen, deshalb – so die Protestierenden –, da die öffentliche Hand die Atomwirtschaft  jahrzehntelange mit Förderungen unterstützte. Auch heute finanziert die Bundesrepublik noch immer und trotz des Beschlusses eines schrittweisen Atomausstiegs in hohem Umfang Atomforschung. Ein wichtiger Rahmen dafür ist die Europäische Atomgemeinschaft EURATOM. Die Bundesrepublik sei deshalb gefordert diesen Atomfördervertrag endlich zu kündigen!

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Blog, Energie
29. April 2015

Gescheiterte „Zwischenlagerung“: Bericht zu rostigen Atommüllfässern

Es gibt Wortlügen, auf denen der Betrieb ganzer Technologien gründet. Dazu zählt das Wort „Zwischenlager“. Eine krasse Fehleinschätzung zur „Zwischenlagerung“ beschrieb Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck heute, als er den Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe zur Vermeidung von Korrosionsschäden an Atommüllfässern (Kurzfassung Korrosionsbericht) vorstellte:

“Eine zentrale Ursache der Probleme war: Keiner hat die Zwischenlagerung der schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle als eine langfristige Aufgabe wahrgenommen, weder die Betreiber noch der Staat. Vielmehr gingen alle davon aus, dass bald ein Endlager vorhanden sein würde. Nur, dass dieses ‚bald‘ noch immer nicht da ist. Diese vermeintliche Perspektive auf ein baldiges Endlager führte zu Fehleinschätzungen.” 

Wisch&Weg-Putzaktion à la Vattenfall, 22.8.14 vor dem Kundenzentrum in der Hamburger City (Foto: ROBIN WOOD)

Wisch&Weg-Putzaktion, Protest gegen Vattenfalls Umgang mit den rostigen Atommüllfässern, Hamburg 22.8.14 (Foto: ROBIN WOOD)

Der Bericht befasst sich insbesondere mit den schwer verrosteten Atommüllfässern am AKW Brunsbüttel. Demnach waren 145 von 573 Fässern, die zwischen 2012 bis 2014 untersucht wurden, stark beschädigt, d.h. sie waren schlicht durchgerostet und der radioaktive Fassinhalt konnte austreten. Die Kavernen, in denen sie lagerten waren schlecht zugänglich und für eine langfristige Lagerung entsprechend schlecht geeignet. Es gab keine regelmäßigen Inspektionen, sie waren auch gar nicht vorgesehen. Es gab auch von Anfang an praktische Probleme mit der Trocknung der eingelagerten Verdampfer- und Filterkonzentrate, die Betreiber Vattenfall jedoch ignorierte.

Es läuft bei der Lagerung dieses Mülls also so ziemlich alles schief, was schief laufen kann.

„Wer über eine Million Jahre Sicherheit beim Umgang mit dem Atommüll reden will, der muss zunächst nachweisen, dass er die Probleme im Hier und Jetzt ernst nimmt, damit seriös umgehen kann und dies auch tut.“ Mit dieser Feststellung beginnt der Atommüllreport, dessen Herausgabe ROBIN WOOD mit unterstützt hat. Er zeigt auf, dass das Problem Atommüll nicht an irgendeinen Ort in irgendeiner Zukunft delegiert werden kann, sondern flächendeckend akut ist.

Mehr Infos zum Thema Atommüll: http://www.atommuellreport.de

Energie, Prozess
10. März 2015

Lubmin-CASTOR: Jetzt AktivistInnen mit Soli-Erklärung unterstützen!

Seit Jahrzehnten gibt es Protest gegen CASTOR-Transporte: Aktion gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin 2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Endstation Atom – sofort alle aussteigen! Aktion gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin, 16.12.2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Ende dieses Monats werden zwei AtomkraftgegnerInnen in Stralsund vor Gericht stehen, die im Dezember 2010 mit einer Ankettaktion gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin protestiert hatten. (ROBIN WOOD-PM zur Aktion v.16.12.2010) Die AktivistInnen wollten mit ihrer Protestaktion ein unmissverständliches Zeichen gegen Atomkraft setzen.

Denn Atomkraft bedeutet:
•    das permanente Risiko eines Super-GAUs, wie in Tschernobyl und Fukushima
•    zahlreiche gefährliche und unsinnige Atommüll-Transporte quer durch Europa
•    das Verseuchen ganzer Landstriche, in denen Uranerz abgebaut wird.

Der couragierte Protest der beiden gegen die weitere Nutzung der Atomkraft wird von vielen Menschen mitten aus der Zivilgesellschaft getragen – in Mecklenburg-Vorpommern und bundesweit. Damit dies sichtbar wird, sammeln die AktivistInnen Solidaritäts-Erklärungen (SoliaufrufLubmin). Unterschreiben können Initiativen und Organisationen sowie Einzelpersonen.

Die AktivistInnen sind für Rückfragen per Mail zu erreichen unter: blockmin@riseup.net. Sie informieren zudem in einem Blog über die Aktion und den anstehenden Gerichtsprozess. Dort können UnterstützerInnen auch online Solidaritätsadressen abgeben.

Wichtig ist, dass die Gerichtsverhandlung in Stralsund unter öffentlicher Beobachtung stattfindet. Deshalb freuen sich die AktivistInnen über zahlreiche BesucherInnen!

Prozess-Termin: Dienstag, 31. März 2015, 9:30 Uhr, Landgericht Stralsund

Aktion, Blog, Energie
30. November 2014

Urankonferenz protestiert gegen Brennelementefabrik Lingen und Urananreicherungsanlage Gronau

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TeilnehmerInnen der internationalen Urankonferenz bringen Protest-Transparente am Zaun der Brennelementefabrik von Areva in Lingen an. Foto: ROBIN WOOD

Das Internationale Urantreffen in Münster ist heute mit Protesten gegen die Brennelementefabrik in Lingen und die Urananreicherungsanlage in Gronau zu Ende gegangen. Auf der Kundgebung in Lingen hat Charlotte Mijeon von der französischen Anti-Atom-Dachorganisation Réseau „Sortir du nucléaire“ die sofortige Stilllegung der Areva-Brennelementefabrik gefordert. Der französische Atomkonzern Areva hat momentan erhebliche Finanzprobleme und die Uranfabrik in Lingen musste aufgrund von schweren technischen Problemen vor einigen Wochen zumindest teilweise heruntergefahren werden.

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Charlotte Mijeon von der französischen Anti-Atom-Dachorganisation Réseau „Sortir du nucléaire“ fordert auf der Kundgebung vor der Lingener Brennelementefabrik vor 50 AtomkraftgegnerInnen deren sofortige Stilllegung

Am Wochenende trafen sich AtomkraftgegnerInnen aus Russland, Frankreich und den Niederlanden sowie Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz  in Münster auf einem Internationalen Urantransportetreffen  und forderten ein Ende der zahllosen Urantransporte, die nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit den Betrieb der Atomindustrie sicherstellen. Zugleich forderten sie den weltweiten Uranabbau zu stoppen und die uranverarbeitende Industrie stillzulegen. Zudem solle die deutsche Bundesregierung endlich die Urananreicherung in Gronau sowie die Brennelementefertigung in Lingen beenden. Beide Atomanlagen sind bislang vom Atomausstieg ausgenommen und beliefern Atomkraftwerke in der ganzen Welt.

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Am Sonntagmorgen protestierten AtomkraftgegnerInnen auch vor der Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW).

Am Sonntagmorgen protestierten die AtomkraftgegnerInnen auch vor der Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW). In Gronau soll in 2015 ein neues großes Uranmülllager für 60 000 Tonnen Uranoxid in Betrieb gehen – zeitlich unbefristet! Die AtomkraftgegnerInnen lehnen die Inbetriebnahme dieser Endlos-Uranmülllagerung in Gronau ab. Auch der geplante Verkauf des Urananreicherers Urenco auf dem Weltmarkt ist unverantwortbar, weil die Urananreicherung der einfachste Weg zur Atombombe ist. Nur die sofortige Beendigung der Urananreicherung ist akzeptabel.

Gronauer Uranmüll in Russland: Russische Umweltschützerin kündigt neue Strafanzeige an

Bis 2009 gelangten aus Gronau rund 27 000 Tonnen Uranmüll nach Russland. Dieser Uranmüllexport war illegal, 2006 stellten russische UmweltschützerInnen Strafanzeige gegen den Gronauer Urananreicherer Urenco. Doch erst vor wenigen Wochen erkannte die Bundesregierung zögerlich an, dass es sich tatsächlich um Atommüll handelt und nicht um „Wertstoff“, wie von Urenco behauptet. Bislang lehnt die Bundesregierung jede Verantwortung für den deutschen Atommüll in Russland ab. Eine russische Umweltschützerin aus Ekaterinburg kündigte nun in Münster an, den illegalen Atommüllexport von Gronau nach Russland von der Münsteraner Staatsanwaltschaft erneut überprüfen zu lassen.

Die AtomkraftgegnerInnen verurteilten zudem scharf die Versuche der russischen Regierung, russische Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie Ecodefense durch repressive Gesetze zu „ausländischen Agenten“ zu erklären. Ecodefense droht momentan die Zwangsauflösung. Die Konferenz forderte deshalb nachdrücklich, die sehr engagierte Arbeit der Nichtregierungsorganisationen zu respektieren und zu schützen. Die Konferenz ruft zur Solidarität mit Ecodefense auf.

Weitere Infos zu den Urantransporten und zur Uranindustrie: 

www.urantransport.de, www.sofa-ms.de, www.wise-uranium.org

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18. Oktober 2014

Demo gegen Atommüll und Vattenfalls rostige Fässer

In Glückstadt demonstrierten am heutigen Tag rund 60 Menschen gegen die Atomkraft im Rahmen der Kampagne „Atomüll Alarm – Tatorte Deutschland”. Anlass der Demonstration waren u.a. die rostigen Atommüllfässer im stillgelegten AKW Brünsbüttel. Selbst bei einem stillgelegten Meiler ist die Gefahr durch die Radioaktivität nicht gebannt! Insbesondere wenn die Betreiber Vattenfall und EON unfähig sind, ihren Müll zu verwalten. Ein schlüssiges Bergungskonzept wurde bislang nicht vorgestellt. In Redebeiträge wurde darüber hinaus auf die flächendeckende Belastung durch radioaktiven Stoffen. ROBIN WOOD Hamburg-Lüneburg beteiligte sich mit einer kleinen Kletteraktion. In einem Redebeitrag erinnerte ein ROBIN WOOD Aktivist an die an Glückstadt vorbei fahrenden zahlreichen Atomtransporten durch den Nord-Ostsee-Kanal. Die radioaktive Fracht wird über den Hamburger Hafen umgeschlagen. Die AktivistInnen engagieren sich für die Endwidmung des Hamburger Hafens.

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15. Oktober 2014

In Gedenken an Sébastien

Zum 10. Todestag von Sébastien Briat, der 2004 vom CASTORzug erfasst und getötet wurde, wird es in einigen Städten Kundgebungen geben.

Hier der Text diverser Intiativen aus Lüneburg , Uelzen und dem Wendland. Sie organisieren in Gedenken an Sébastien Kundgebungen und Veranstaltungen um den 7. November 2014.

“Vor zehn Jahren – Am 7. November 2004 wurde der französische Atomkraftgegner Sébastien Briat vom Castor-Zug aus dem französischem La Hague nach Gorleben nahe der Stadt Avricourt erfasst und getötet. Die genauen Umstände, die zu diesem Unglück führten, wurden nie zweifelsfrei geklärt. Fest steht, dass Sicherheitsvorschriften seitens der französischen Bahn nicht beachtet wurden. Der Zug fuhr viel zu schnell, um rechtzeitig bremsen zu können. Der Begleithubschrauber war gerade beim Tanken. Der Zug sollte eine Verspätung aufholen, die durch eine vorausgegangene Blockade entstanden war. Der damals 22-jährige Sébastien wurde vom Zug erfasst, als er gerade die Gleise verlassen wollte. more

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11. September 2014

Immer mehr Atommüllprobleme…

Wohin mit dem Atommüll, fragt sich die Politik. Am Samstag startet die Herbstkampagne “Atommüll-Tatorte in Deutschland” mit einer 4-seitigen Taz-Beilage  und weist darauf hin, dass an über 100 Orten in Deutschland schwach-, mittel-, und hochradioaktiver Atommüll lagert. Während in Berlin die Atommüllkommission von “nationaler Verantwortung” spricht, sind die Probleme vor Ort ungelöst und es wird vom Bundesforschungsministerium der Export von 152 Castoren vom Forschungszentrum Jülich und 305 aus Ahaus mit Atommüll aus Hamm-Uentrop vorbereitet.

Atommüll bleibt länger in Frankreich

Die Politik kann sich noch nicht einmal darauf verständigen, wohin mit den letzten 26 Behältern, die von der Wiederaufarbeitung in Frankreich und Großbritannien zurückgenommen werden sollen. Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein haben sich dazu bereit erklärt, wenn sich auch ein drittes Bundesland findet. Aber sowohl Bayern, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern weigern sich. Eigentlich hatte das Bundesumweltministerium mit einer Weisung gedroht, wenn es bis Ostern keine Einigung gibt. Im Sommer scheint sich das Bundesumweltministerium  darauf beschränkt zu haben, den Rücktransport von fünf Behältern aus Frankreich nach Philippsburg zu organisieren, und nun ist es Herbst und auch dieser Plan scheitert. Zwar weist das Umweltministerium von Baden-Württemberg darauf hin, dass die AKW-Betreiber gesetzlich verpflichtet seien, den Atommüll nicht mehr nach Gorleben sondern in Zwischenlager an den Atomkraftwerken zu bringen. Doch die EnBW ist nicht bereit, einen Antrag zu stellen, weil ein Gesamtkonzept fehlt, sprich ein drittes Bundesland, das den Atommüll aufnimmt. Weiter ist neben genehmigungsrechtlichen und technischen Fragen auch die Frage der Kosten offen. Für das Bundesumweltministerium steht fest, dass die AKW-Betreiber die Kosten tragen müssen. Wegen der ungeklärten Fragen muss der Transport von 2015 auf 2016 oder später verschoben werden, berichtet die Frankfurter Rundschau in ihrer heutigen Ausgabe.

Radioaktives Wasser im AKW Stade ausgelaufen

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Das von E-On betriebene AKW Stade an der Unterelbe lief von 1972 bis 2003. Der Rückbau sollte bis 2015 erfolgen, wird nun aber 15 bis 16 Jahre bis 2018/19 dauern.

Währenddessen tauchen immer neue Atommüllprobleme auf: Ende April wurde bekannt, dass im Keller des AKW Brunsbüttel offenbar schon vor Jahren radioaktiver mit Cäsium-137 belasteter Brei ausgetreten ist. Nun muss das Niedersächsische Umweltministerium einräumen, dass E-On das Ministerium bereits im Februar 2014 darüber informiert hatte, dass “radioaktiv kontaminierte Kondensnässe” aus dem Primärwasserkreislauf ausgetreten ist und den Bodenbereich des AKW Stade kontaminiert hat. Dadurch wird sich der Abriss des AKW Stade um mindestens drei bis vier Jahre verzögern. Dabei sind Werte von bis zu 164.000 Becquerel pro Kilogramm gemessen worden, berichtet  die Taz-Nord. Gegen Pläne, strahlenden “Bauschutt” des AKW Stade nach Sachsen zur Deponie Grumbach zu transportieren, gibt es seit Jahren Proteste, so dass die Deponie nun nur noch  700 Tonnen leicht strahlenden Materials statt bisher 2000 Tonnen aufnehmen will. Am Dienstagabend erreichte der erste LKW die Deponie. Hier geht`s zur Online Petition gegen die Transporte vom AKW Stade zur Deponie Grumbach

Fußball-Fans wehren sich gegen die Annahme von Endlager-Schmiergeldern

Weiter regen sich Proteste gegen den schleichenden Versuch, in der Region Salzgitter mit dem “Konrad-Fond” Akzeptanz  zu schaffen für das geplante Endlager “Schacht Konrad” für schwach und mittelradioaktiven Atommüll, das frühestens 2022 in Betrieb gehen soll.  Der Fußballverein FC Germania Bleckenstedt wird auf die aus dem KONRAD- Fonds bewilligten 100.000,-€ verzichten. „Fakt ist, dass wir nicht glücklich werden, wenn wir dieses Geld annehmen“, so der Vereinskassierer Volker Krause laut Salzgitter-Zeitung vom 10.September. Die Abkehr vom KONRAD- Fonds kam auf Grund einer intensiven vereinsinternen Diskussion zustande. Zuvor hatte bereits die Kleinkunstbühne  in Salzgitter Bad und die Alevitische Gemeinde Anträge auf Förderung aus dem Fond aus moralischen Gründen zurückgezogen. In den nächsten 35 Jahren will der Bund und die Atomwirtschaft die Bewohner der Region Salzgitter mit 100 Mio. Euro “beglücken”.

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Der FC Germania (Salzgitter-)Bleckenstedt verzichtet auf Gelder aus der Konrad-Fond.

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Schacht Konrad 1 wurde von 1961 bis 1976 zur Förderung von Eisenerz genutzt. Nun soll Konrad bis 2022 oder später zum Atommüllendlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll umgebaut werden.

 

 

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9. September 2014

Asse-Laugen-Pegel nur noch 5 cm von Atommüll-Abfällen entfernt!

Der Pegel der Asse-Laugensammelstellen auf der 750 Meter-Sohle  sind bei mehreren Atommüllkammern des Atommüll-Lagers im Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel nur  noch wenige  Zentimeter von den Atommüllfässern entfernt! Das ergab eine Auswertung von Unterlagen der Asse GmbH, die der Geochemiker Ralf Krupp am Freitag der Asse-II-Begleitgruppe in Wolfenbüttel vortrug. Robin Wood fordert deshalb vom Bundesamt für Strahlenschutz als Betreiber und dem Bundesumweltministerium als Fachaufsicht, die letztes Jahr vorgenommene  Zubetonierung der Zugänge zu den Atommüllkammern rückgängig zu machen, um eine ordentliche Drainage und eine Überwachbarkeit der Atommüllkammern wiederherzustellen. Ein Vertreter des Niedersächsischen Umweltministerium stellte klar, dass dieser Forderung aus Sicht der atomrechtlichen Genehmigungsbehörde juristisch nichts entgegensteht.

 Unter dem Deckmantel der “Notfallvorsorge” wird vom Bundesamt für Strahlenschutz durch die Hintertür das alte Flutungskonzept des Helmholz-Zentrums München vorangetrieben, während die Rückholung nur schleppend vorankommt.

Dipl.-Geologe und Geochemiker trägt am Freitag 5.9.2014 dem Asse-II- Begleitgruppe, dem Bundesamt für Strahlenschutz als Betreiber der Schachtanlage und dem Bundesumweltministerium als Fachaufsicht vor

Abstand zwischen Salzlösung und Abfallgebinden mit Atommüll auf der 750 Meter-Sohle des Salzbergwerks Asse II; Vortragsfolie von Dipl.-Geologe Ralf Krupp vom 5.9.2014

Während von 1967-1978 über 126.00 Atommüllfässer in der Salzbergwerk Asse II über nur einen Schacht eingelagert worden sind, in dem auch die Bergarbeiter ein- und ausgefahren sind, will man für die Rückholung erstmal einen neuen Schacht bauen, der erst 2028 fertig werden soll. Während für den Abbau des Salzes des Schachtes Asse II der Schacht von 1906 bis 1908 innerhalb von drei Jahren abgeteuft wurde, soll nun der Schachtbau für die Rückholung des Atommülls 15 Jahre dauern!

 

Artikel im ROBIN WOOD-Magazin 4/2014: Alarm in der Asse – Der Pegel der Lauge ist nur noch fünf Zentimeter vom Atommüll entfernt (pdf)

 

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5. September 2014

Schlamperei bei CASTOR-Behältern

Die jüngste Meldung von den Rostfässern in den Kellern des AKW Brunsbüttel haben wir noch im Kopf, da kommt schon die nächste Nachricht von schadhaften Atommüll-Behältern – dieses Mal für hochradioaktiven Müll: Bei der Prüfung von 44 CASTOR-Behältern wurde so geschlampt, dass sie nicht benutzt werden dürfen. Über diese „Rückruf-Aktion für Castoren“  berichtet heute die Süddeutsche Zeitung.
Demanch entsprach der Edelstahl, aus dem die Tragzapfen der 44 Behälter gefertigt wurden, nicht den Vorgaben. Das kann gravierende Folgen haben. Die CASTOREN – gefüllt mit abgebrannten Brennelementen – sind viele Tonnen schwer. Ist die Aufhängung schadhaft, könnte sie beim Verladen brechen. Vier der 44 Behälter sind bereits mit Atommüll beladen und stehen am AKW Unterweser.
Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die die CASTOR-Behälter baut, spielt den Fund herunter – auch nicht gerade eine vertrauensbildende Maßnahme.

Endstation Atom - Sofort alle aussteigen! Aktion gegen den CASTOR-Transport auf der Zugstrecke nach Lubmin 2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Endstation Atom – Sofort alle aussteigen! Aktion gegen den CASTOR-Transport auf der Zugstrecke nach Lubmin 2010 (Foto: visual rebellion/Grodotzki)

Am kommenden Montag wird sich in Berlin die Endlagersuchkommission ein weiteres Mal treffen. Bei deren Zustandekommen beschworen Kommissionsmitglieder den angeblichen Neuanfang bei der Suche nach einem Endlagerstandort und forderten Vertrauen ein. Doch Vertrauen entsteht nicht durch Worte, sondern durch überprüfbares Handeln.

Es ist illusionär darauf zu vertrauen, die Kommission könne “das” Atommüll-Problem lösen. Deshalb setzt die Anti-AKW-Bewegung, zu der sich auch ROBIN WOOD zählt, auf ihre eigene Stärke und nicht auf diese Kommission.

Einen guten Überblick darüber, wie vielfältig, akut und gefährlich die Atommüllprobleme zurzeit schon sind, gibt der Sorgenbericht der Atommüllkonferenz, der 2013 mit Unterstützung von ROBIN WOOD erstellt wurde.

Wortprotokolle der Sitzungen der Endlagersuchkommission sind bei .ausgestrahlt online.

Blog, Energie
22. August 2014

Über 750 Atommüllfässer mit Verdampferkonzentraten aus dem AKW Brunsbüttel auch in die Asse eingelagert

Wisch&Weg-Putzaktion à la Vattenfall, 22.8.14 vor dem Kundenzentrum in der Hamburger City (Foto: ROBIN WOOD)

Wisch&Weg-Putzaktion à la Vattenfall, 22.8.14 vor dem Kundenzentrum in der Hamburger City (Foto: ROBIN WOOD)

Vor der Einlagerung der Atommüllfässer in den Brunsbüttler AKW-Keller in den 80ziger Jahren hat die Vattenfall-Vorgängerin HEW (Hamburger Elektrizitätswerke) Verdampferkonzentrate aus dem Betrieb des AKW Brunsbüttel kurz vor Torschluss in das Salzbergwerk Asse II einlagern lassen.

Da zum Jahresende 1978 die Einlagerungsgenehmigung für die Asse auslief, ließ die HEW schnell noch in den letzten sechs Wochen über die Transportgesellschaft „Gesellschaft für Nuklearservice“ GNS bis zum 29. Dezember 1978 über 750 Fässer mit – in Beton verfestigte – Verdampferkonzentraten in die Asse einlagern (19780000_KKB»»GNS»»GSF_Begleitlisten_LAW). Dafür schickte der spendabele Dieter Rittscher von der GNS den Beschäftigten der Asse sechs Kartons Wein, denn die letzten Einlieferungstermine waren sehr begehrt. Rittscher sprach vor dem Asse-Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtages von einem „Windhundrennen“ um die letzten Einlieferungstermine. Die in Norddeutschland in der Nacht zum 29. Dezember einsetzende Schneekatastrophe behinderte die weitere Einlagerung von Atommüll in die Asse; in dem Atommüll-Lager wurden in den letzten Tagen von 6 bis 21 Uhr Überstunden geschoben. In der Eile wurde Schnee, der sich auf den Atommüllfässern ablagerte, einfach mit eingelagert, wie ein Asse-Mitarbeiter vor dem Ausschuss erklärte.

Dabei sollte ein Endlager in Salz doch eigentlich trocken sein, damit sich das Salz nicht auflöst, keine Wegsamkeiten entstehen und die Salzlauge nicht schließlich in die Umwelt gelangt, was nach Auffassung kritischer Experten der Asse-II-Begleitgruppe innerhalb weniger Jahrzehnte passieren könnte. Wenn alles nicht „so dramatisch“ sei, wie Vattenfall behauptet, sollten die Leute von Vattenfall auch mal die Asse aufräumen – nur wird das nicht so leicht sein, wie Spinnenweben entfernen. (Text: Tobias Darge)