Blog, Rhein-Main, Wald
16. Januar 2017

„Gönnt mir doch meine letzten 650 Jahre“ – Kletteraktion in Kronberg (Taunus)

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In Kronberg bei Frankfurt sollen zahlreiche Bäume in einer Parkanlage für den Neubau eines Konzertsaales gefällt werden. Diese „Grünflächenbereinigung“, wie es im Kronberger Amtsdeutsch heisst, ist der Auftakt zu einer Bebauung weiterer Flächen durch einen internationalen Investor. Die BürgerInnen fordern, dass die Konzerthalle um die Bäume herum geplant wird. Dass dies möglich ist, zeigen mehrere Alternativentwürfe, die aber in der Ausschreibung unterlagen. ROBIN WOOD fordert, dass zumindest die exponierten alten Bäume erhalten bleiben.

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Wir von der Rhein-Main-Regionalgruppe haben deswegen heute morgen den Protest zahlreicher EinwohnerInnen Kronbergs gegen das Projekt mit einer Kletteraktion unterstützt.
Die zwei Bäume, die wir uns dafür ausgesucht hatten, können unterschiedlicher kaum sein: Zum einen ein etwa 50-jähriger, perfekt gerade gewachsener Mammutbaum. Er ist Geschenk des Wellingtonia Garden Club an die Stadt Kronberg und wurde 1987 gepflanzt.

Der Baum hat zwar Äste wie eine Himmelstreppe, ist aber schwer zu durchdringen und bietet kaum Platz für das Transparent. Darauf steht, anspielend auf das junge Alter: „Gönnt mir doch meine letzten 650 Jahre“.
Der andere Baum ist ein Edelkastanie, die auf das Jahr 1692 datiert ist. Nach Angaben der Stadt ist sie „faktisch tot“, aber um diese Nachricht aufzunehmen ist der Baum vielleicht schon zu schwerhörig. Beinahe kaputtsaniert, treibt er immer wieder neu aus. Mit seinem dicken Umfang und grossem Totholzanteil war grosse Umsicht beim Anbringen der Transparente angesagt. Sie nehmen Bezug auf sein Alter und den Bauherrn der Konzerthalle, die Kronberger Kammermusik-Akademie: Der Baum ist fast gleich alt wie die Klassik-Ikone Johann Sebastian Bach – „performt aber immer noch live“.

Solche Bäume hackt man einfach nicht ab, sagen viele BürgerInnen. Leider gibt es eine Sonderfällgenehmigung und die Holzfäller könnten noch diese Woche anrücken. Wenn die kleine Kletteraktion ein paar Menschen ermutigt hat, weiter gegen das Projekt zu demonstrieren, hat sie wenn nicht Erfolg, so doch Sinn gemacht.

Peter Illert
RG Rhein Main

Kommentare

  • Dorothea Peukert, 18.01.2017, 15:38

    Zu spät. Die Bäume sind gefällt, und wir alle haben verschlafen, rechtzeitig dagegen zu protestieren.

  • Karin Vogelsang, 19.01.2017, 01:10

    Ich habe an die KfB, Bürgermeister, FDP, Kronberg Academy zwei TelNr, gegeben von einem Unternehmer, der auf seinem Grundstück zwei Mammutbäume durch die Fa. treecom verpflanzen liess. Sie verpflanzen deutschlandweit Grossbäume, zum Teil mit Vor- und Nacharbeit. Anstelle nach abgelaufenen Fristen eine für mich sinnlose “ Lichterwache bis zur Kreissäge“ wäre eine entsprechende Prüfung ggf. zu finanzieren gewesen. Niemand der genannten Politiker hat dort überhaupt amgerufen, nur die Academy, die auch dafür zahlt. Meine Anfrage an den Bürgermeister nach entsprechenden Gutachten mit Namensnennung bleb unbeantwortet. An die Grünen Kronbergs schrieb ich erst garnicht. Aus ge,achter Erfahrung tragen sie zwar den Namen, aber tun nichts. Als Nabu Mitglied wurde mir vor drei Jahren empfohlen, bei den Grünen einzutreten, um für die Natur in Kronberg mehr zu erreichen. Mein Antrag wurde schriftlich abgelehnt mit der Begründung, “ es gäbe Indizien, dass mein Engagement ein Ehrenamt übersteigt“, Zitatende. Nur die Naturschutzbehörde nahm diie Adressnennung dankbar auf zur Weitergabe an Kommunen, die am Verpflanzen interessiert sind. Ich wurde aufgrund meiner Aktivitäten von anderen Grünen zur Mitgliedschaft ausserhalb Kronbergs eeingeaden. Aber ich habe mich anders als entschieden, seitdemauch der Kronberger Bote solche Infos nicht mehrbringt, denen ich auch die Ansprechpartner mitteilte. Karin Vogelsang NABU Mitglied

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