Energie, Klima
23. Dezember 2015

Der Tagebau Cottbus-Nord endet – die irreversiblen Folgen bleiben

Mit dem heutigen Ende des Tagebaus Cottbus-Nord endet auch eine Geschichte der Zerstörung. Neben der Zerstörung von mehreren Dörfern wurde insbesondere eine geschützte Teichlandschaft mit rund 170 bedrohten Arten abgebaggert und 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen. Der Tagebau Cottbus-Nord wurde nur gegen heftigen Widerstand in die letzten acht Jahre gerettet, u.a. durch die Räumung der Baumbesetzung am 28. September 2007.

Blick in Richtung des ehemaligen Teichgebietes von Lacoma und dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde / Foto: Daniel Häfner

Blick in Richtung des ehemaligen Teichgebietes von Lacoma und dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde / Foto: Daniel Häfner

Der Tagebau Cottbus Nord wurde 1975-82 aufgeschlossen und zerstörte die Orte Tranitz (ca. 250 EinwohnerInnen), Groß Lieskow (540), Klein Lieskow (250) und Lacoma (140) sowie Teile von Schlichow. Alle Orte waren Teil des sorbisch/wendischen Siedlungsgebietes und noch in den 1960er Jahren war niedersorbisch die Alltagssprache in vielen der Orte. Das Lacomaer Teichgebiet beherbergte mehr als 170 vom aussterben bedrohte Arten, allein in diesem Teilbereich wurden 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und somit rund 40 Millinen Tonnen Kohelndioxid emitiert.

Denkmal für abebaggerte Orte in Lacoma / Foto: Daniel Häfner

Denkmal für abebaggerte Orte in Lacoma / Foto: Daniel Häfner

Noch im Oktober des Jahres 2007 hatten mehr als 20 Aktive u.a. von Robin Wood wochenlang mehrere Bäume in Lacoma besetzt, um die Zerstörung des Teichgebietes aufzuhalten. Nach zahlreichen Klagen, Petitionen, Protesten und auch mehreren Besetzungen begann am 28. September 2007 die endgültige Zerstörung des Lacomaer Teichgebietes (FFH Schutzgebiet) durch Vattenfall.

Trasparent während der Baumbesetzung in Lacoma

Trasparent während der Baumbesetzung in Lacoma

Die Zukunft des sogenannten „Cottbuser Ostsee“, der nach der Füllung des Tagebaurestlochs entstehen soll, ist ungewiss, unter anderem werden starke Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Region und ein höherer Eintrag ein Eisenocker und Sulfat in die Spree erwartet.

Mit Klimacamps, der Menschenkette gegen neue Tagebaue, den neuerlichen Baggerbesetzungen von Ende Gelände! und der angekündigten Massenprotestaktion (13.-16.Mai 2016), aber auch mit den Sternmärschen und Klagen regionaler Initiativen gibt es weiter Protest und Widerstand gegen die klimazerstörende Braunkohlenutzung in der Lausitz.

Baggerbesetzung in Cottbus-Nord anlässlich der Klimaverhandlungen in Paris / Foto: Graswurzel.tv

Baggerbesetzung in Cottbus-Nord anlässlich der Klimaverhandlungen in Paris / Foto: Graswurzel.tv

In einer Pressemitteilung von Robin Wood hieß es heute dazu: „Ein Ende der Braunkohlewirtschaft in der Lausitz ist absehbar. Es nun Zeit, dass auch Landesregierung, Gewerkschaft und die MitarbeiterInnen von Vattenfall dies verstehen und an einer Zukunft nach der Kohle arbeiten.“

Einen Einblick in die Geschichte des Protestes und Widerstandes in Lacoma gibt der Dokumentarfilm „Lacoma und der Konzern„.

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