Aktion, Cottbus, Energie, Klima, Köln, Wald, Welt retten
23. Mai 2012

Waldbesetzung im Hambacher Forst

Seit dem 14. April halten Aktivist*innen den Hambacher Forst bei Düren besetzt. Sie protestieren damit direkt gegen den herannahende Tagebau Hambach, der den einst riesigen Forst fressen soll. Doch die Waldbesetzung war von Anfang an auch als Ort des Ausstausches und es Lernens ber den Klimawandel und zu Alternativen gedacht. Mit einem Skillsharing-Camp und einer Vortragsreise wollen die Aktivist*innen diesen Teil ihres Konzepts nun angehen.

Vortragstour: The true Cost of Coal

beehive-collective

beehive-collective

In den Appalachen, einem Gebirge im Osten der USA, werden ganze Berge gesprengt, um Kohle abzubauen. Dieses „Mountaintop Removal“ hat verheerende Auswirkungen auf lokale Gemeinden, das Ökosystem und zerstört durch die Kohleverbrennung das Weltklima. Dies alles sind die Kosten für eine vermeintlich billige Energieversorgung im fossilen Kapitalismus. Das Beehive Collective, ein Graswurzelnetzwerk aus Maine, zeigt anhand eines großen Mosaikposters auf eindrückliche Art und Weise den Kohleabbau und den Widerstand dagegen. Seit über 10 Jahren machen sie Touren durch die ganze Welt und schaffen es mit ihrer „story-based education strategy“ komplexe Zusammenhänge graphisch zu dekonstruieren und verständlich zu machen. Im Anschluß an die Präsentation gibt es auch Informationen über die Waldbesetzung. Die Vorträge werden teilweise in deutsch und in englisch sein. Die vorläufigen Tourdaten: 05.06. Freiburg, 06.06. Mönchengladbach, 07.06. Köln, 08.06. Buir, 09.06. Wald Besetzung /WAA, 10.06. Cottbus, 11.06. Leibzig, 12.06. Berlin, 13.06.Hamburg.

Skill-Sharing-Camp:

Das Camp findet vom 29. Juni bis zum 8. Juli statt, um sich 10 Tage lang gegenseitig Fähigkeiten beizubringen und voneinander zu lernen. Mit einem Schwerpunkt auf „skills for action“ aber auch anderen Workshops zu nützlichen, interessanten und auch gerne lustigen Themen die im Widerständigenalltag eben so anfallen, sollen stattfinden – zum Beispiel Workshops zu „Kochen für viele Menschen auf Camps“, womit eine vegane Verköstigung des Camps sichergestellt wäre, oder auch künstlerische Sachen wie Jonglage und Raum um an neuen (Aktions-)Ideen, Strategien und vor alledem praktischen Umsetzungen zu basteln.

Weitere Informationen: http://hambacherforst.blogsport.de/

Blog, Klima, Rhein-Main, Verkehr
15. Mai 2012

Flughafen Frankfurt – die Ruhe nach dem Sturm?

Die Aktionärsversammlung der Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport am 11. Mai fand unter Protest von AusbaugegnerInnen und lärmgeplagten AnwohnerInnen statt. Während die AktionärInnen, die am Verlust der Lebensqualität im Rhein-Main-Gebiet mitverdienen und Klimaschäden, Naturzerstörung, Feinstaub- und Lärmbelastungen mitzuverantworten haben, sich zur Hauptversammlung begaben, kamen sie nicht umhin, Protest und Forderungen der DemonstrantInnen wahrzunehmen. Diese machten ihre Stimmung mit Transparenten, Kreidemalereien und über Tonband abgespielten Fluglärm deutlich.

Proteste gegen die Aktionärsversammlung der Fraport
Proteste gegen die Aktionärsversammlung der Fraport

Dachte man nach dem Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichtshofs in Leipzig (s. dazu auch Blogeintrag: Eine Mütze voll Schlaf – Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen bestätigt), es kehre Ruhe in den Streit um Nachtflugverbot und Flughafenerweiterung ein, ist dies mitnichten so. Für neue Entrüstung sorgte der hessische Verkehrsminister Posch. Bevor seine Amtszeit im Juni ein Ende nehmen wird, forderte er eine Planklarstellung um das Nachtflugverbot übereilt festzuschreiben. Dem bislang unbekannten Rechtsinstrument der Planklarstellung wird misstraut, ebenso Poschs Absichten. Ohne die schriftlichen Urteilsgründe abzuwarten, äußerte sich Posch gegen das nach dem Gerichtsbeschluss erwartete Planergänzungsverfahren mit aufwendiger Bürgerbeteiligung. Ob er eine angeblich überflüssige öffentliche Debatte vermeiden oder 133 Flüge in die Randstunden zwischen 22-23 Uhr und 5-6 Uhr der eigentlichen „Nachtruhe“ legen möchte, ist fraglich. Trotz der erlaubten 133 Flüge hatte sich das Gericht auch gegen einen abrupten Übergang von Fluglärm und Nachtruhe geäußert. AnwohnerInnen können auf die Gestaltung der Nachtrandstunden nur Einfluss nehmen, wenn es zum Planergänzungsverfahren und nicht zur Planklarstellung kommt.

Aglaia Abel

Aktion, Blog, Düsseldorf, Energie, Klima, Köln
20. April 2012

Proteste gegen die RWE-Hauptversammlung

Neben zahlreichen anderen Gruppen hatten auch Aktivisten von ROBIN WOOD sich am 19. April 2012 vor der Grugahalle in Essen eingefunden, um am Tag der Jahreshauptversammlung gegen die Konzernpolitik von RWE zu demonstrieren. Die Proteste standen unter dem Motto “RWE unplugged“.

Insgesamt demonstrierten etwa 150 AktivistInnen lautstark vor der RWE Jahreshauptversammlung, um ihrem Unmut gegen die Atom- und Kohlepolitik des Konzerns Ausdruck zu verleihen. Einige Menschen versuchten, zum Eingang der Jahreshauptversammlung zu gelangen, um sich dort den AktionärInnen in den Weg zu setzen. Die Polizei verhinderte diese Aktion rabiat. Auch der Versuch von einigen AktivistInnen, sich vor dem Eingang anzuketten, wurde vereitelt.

Die Aktionäre mussten sich deshalb von Polizei und Sicherheitsdienst in die Halle geleiten lassen. Die Sambatrommeln der Protestbewegung hörte man zeitweise bis in die Halle hinein.
In diesem Jahr nahmen auch zwei Mitglieder von Robin Wood in ihren grünen Jacken an der Aktionärsversammlung teil. Sie stimmten gegen die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates. Die Aktionäre reagierten teilweise irritiert auf die Teilnehmer von einer Umweltschutzorganisation.
von Irmargd Kahl
Proteste vor der RWE Hauptversammlung

Proteste vor der RWE Hauptversammlung

Energie, Klima, Köln, Wald
19. April 2012

Waldbesetzung im Hambacher Forst

Am vergangenen Samstag, den 14. April, haben freie Aktivist*innen in dem in der Nähe von Manheim gelegenen Wald Bäume besetzt. Unter dem Motto „Wald statt Kohle“ hatte ein Fest im Hambacher Forst stattgefunden nachdem der Wald besetzt wurde. Die Aktion lenkt die Aufmerksamkeit auf die “Arbeit am Klimachaos as usual” und schafft einen Ort, an dem Menschen sich über eine klimagerechte und nachhaltige Zukunft austauschen können. Heute haben wir uns mit dieser Aktion solidarisch erklärt und diese begrüßt.

Die Braunkohleverstromung ist die klimaschädlichste aller Stromerzeugungsarten. Und am Klimachaos wird weiter gearbeitet, dabei sind die entscheidenden Emissionen, die den Klimawandel unumkehrbar machen noch gar nicht getätigt. In einem Aufruf der Besetzer*innen heißt es: “Unsere Besetzung richtet sich im Generellen gegen die Verstromung von Kohle, weil sie die CO2-intensivste Form der Energiegewinnung ist. Das Rheinische Braunkohlerevier ist Europas Klimakiller Nummer 1.

In einem Interview mit der Jungen Welt heißt es auf die Frage, wie viele Menschen nach dem Fest geblieben sind: “Schätzungsweise rund 60, sie haben erst einmal gezeltet. Jetzt machen wir es uns schon in drei Bäumen auf den Plattformen gemütlich: Wir schaffen Decken, Isomatten, Getränke, Süßigkeiten und Kartenspiele rauf. Widerstand soll ja auch Spaß machen. Unten im Camp bauen wir eine Küche mit Kochecke und Spüle sowie Kompost-Toiletten. ” Bisher gab es weder Reaktionen der Polizei noch von RWE.

Weitere Informationen:

http://hambacherforst.blogsport.de/
http://rweunplugged.blogsport.eu

Cottbus, Energie, Hamburg/Lüneburg, Klima, Welt retten
11. April 2012

Lesetage selber machen – Vatenfall Tschüss sagen

In Hamburg unterstützt Vattenfall seit Jahren das Projekt der Lesetage – das ist der völlig falsche Sponsor meinen verschieden Initiativen und organisieren einfach selbst ein Lesefestival “Lesetage selber machen – Vattenfall tschüss sagen” heißt dieses dann auch. Das alternative Lesefestival findet vom 18.04. bis 27.04. 2012 in Hamburg statt.

Lesetage selber machen - Vattenfall tschüss sagen

Lesetage selber machen - Vattenfall tschüss sagen

Eine der Initiatorinnen des Festivals ist Astrid Matthiae, die im Rahmen der Initiative “Moorburgtrasse – stoppen” mit ROBIN WOOD u.a. zusammen arbeitete, um mit einer Baumbesetzung in Hamburg eine Fernwärmetrasse und damit das Kohlekraftwerk Moorburg zu stoppen.

„Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen“ gibt es, weil die InitiatorInnen dieser Aktion die Glaubwürdigkeitslücke nicht mehr ertragen konnten, die sich auftut zwischen einem durchaus akzeptablen Lesefestival, den Vattenfall Lesetagen, und dem unverantwortlichen Kerngeschäft des Energieriesen. “Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen” hat sich zum Ziel gesetzt, für die freie Sicht auf das Kerngeschäft des Klimakillers und Atommüllproduzenten zu sorgen. Und dies gelingt auch, denn immer mehr Autor_innen springen dem Konzern-gesponsorten Festival ab, sogar die Bild-Zeitung meint, das Vattenfall-Festival zeige sich “Mit auffällig dünnem Programm, bei dem vor allem die prominenten Namen fehlen.

Aber das Festival steht nicht nur für eine dezentrale Energieversorgung – es ist ebenso darum bemüht auch ein Kultur von unten, eine Kultur des selber-machens zu fördern. Dies ist der zweite Aspekts des Mottos. Und mit mehr als 60 Veranstaltungen gelingt dies auch.

Besonders hinweisen wollen wir auf eine Veranstaltung am 24. April um 19.00 Uhr: „Wo Vattenfall ganze Landschaften zerschreddert“ mit
Jurij Koch, Stanislaw Nawka und Gabriela Maria Schmeide mit Texten und Liedern aus der Lausitz. An diesem Abend soll es um die Lausitz gehen und die Dörfer und Landschaften, die der Braunkohletagebau verschlingt. Dazu schreiben die Veranstalter: “‘Vattenfall hat mir das Dorf zerstört, das mir am Herzen lag’, sagte einer der Baumbesetzer, der half, die Moorburgtrasse zu verhindern. Gemeint war Lacoma, ein Dorf, das es seit 2007 nicht mehr gibt. Seitdem interessieren sich mehr Menschen in Hamburg für Deutschlands Fernen Osten, für das, was wegen Vattenfalls Kohlehunger verschwindet und was in der Lausitz lebt – dem Land der Sorben. Jurij Koch, Schriftsteller aus der Lausitz, wird auf Deutsch und Sorbisch aus seinen Werken lesen. Die Thalia-Schauspielerin Gabriela Maria Schmeide wird singen. Stanislaw Nawka, Sorbe, Hamburger Obdachlosenarzt, ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz, liest eigene Texte.

Weitere Informationen und das Programm: http://www.lesetage-selber-machen.de

Chronologie des Kampfes um Lacoma

Informationen zu den Baumbesetzungen von ROBIN WOOD in Lacoma

Aktion, Klima, Wald
22. März 2012

Bärenstarker Protest gegen Öl-Pipeline in kanadischem Regenwald

Keine Pipeline! Keine Tanker! Rettet den Great Bear Rainforest

Rettet den Great Bear Rainforest (Fotos: Chris Grodotzki, visual-rebellion.com)

Protestierende Bären vor der kanadischen Botschaft in Bärlin, 22.3.2012

Protestierende Bären vor der kanadischen Botschaft in Bärlin, 22.3.2012

Ein herrlich sonniger Frühlingstag in Berlin. Höchste Zeit für die berühmten Berliner Bären, aus dem Winterschlaf zu erwachen. Zwei besonders aufgeweckte Exemplare fanden sich um 12.00 Uhr mittags vor der kanadischen Botschaft in der Nähe des Potsdamer Platzes ein, um für den Schutz und Erhalt des Great Bear Rainforest zu demonstrieren. Das weltweit größte, intakte Regenwaldgebiet außerhalb der Tropen, das bisher lediglich zur Hälfte unter Schutz gestellt ist, ist durch Aktivitäten der Ölindustrie massiv bedroht. 4.600 Protestschreiben wollten die Bären dem kanadischen Botschafter überreichen, um zu erreichen, dass eine dort geplante, 1200 Kilometer lange Öl-Pipeline nicht gebaut wird und der einzigartige Lebensraum ihrer kanadischen Artgenossen in British Columbia erhalten wird. Und die Bären waren nicht allein. Sie wurden von Robin Wood-Aktivist_innen begleitet, die vor der Botschaft die Auswirkungen einer undichten Pipeline – Öl verseuchte Wälder und vergiftete Bären – anschaulich machten.

Der  Botschafter jedoch kniff. Ihm fehlte wohl der Mut, sich den Forderungen der Bären und Robin Wood-Aktivist_innen zu stellen. Nur unter Polizeischutz durfte einzig und allein der ungefährlich wirkende Robin Wood-Waldreferent Rudolf Fenner die Botschaft betreten und die Protestschreiben abgeben. Derweil drückten sich die Mitarbeiter_innen der Botschaft in den oberen Etagen die Nasen am Fenster platt. Um ihren Informationshunger zu stillen, wurden die Transparente noch einmal neu ausgerichtet. So hat der Great Bear Rainforest heute sicherlich viele neue Unterstützer_innen bekommen.
Mehr Infos und Fotos dazu gibt es hier.

Sabine Genz, gepostet von…

Aktion, Cottbus, Klima
1. März 2012

Klimacamp in der Lausitz

Der Termin steht: das zweite Lausitzer Klima- und Energiecamp 2012 findet vom 12. bis 19. August 2012 statt. Im vergangenen Jahr wurde mit dem ersten Lausitzcamp in Jänschwalde dazu beigetragen, dass die Planung für CO2-Endlager in Brandenburg vorerst beendet wurde. Nun soll nachgesetzt werden: keine neuen Braunkohletagebaue und -kraftwerke in Brandenburg oder anderswo. Deswegen sollen auch in diesem Sommer in Jänschwalde zu kreativen Aktionen und Diskussionen stattfinden. Gestritten wird für eine erneuerbare, demokratische & solidarische Energieversorgung.

Eine schöne Kurz-Zusammenfassung des letzten Klimacamps gibt es von Klimaretter.de: Im Vergangegen Jahr hatten die Lausitzer Klimacamper die Parteizentralen von Linkspartei und SPD besetzt: Erstere hatte im Wahlkampf versprochen, aus der Braunkohle auszusteigen, wollte aber davon nach ihrer Wahl nichts mehr wissen. Zweitere sind ohnehin Betonkopf-Braunkohlefreunde: Brandenburg hat einen höheren Pro-Kopf-Kohlendioxid-Ausstoß als die USA. Trotzdem sind hier in der Region viele Kohlefans zu finden, wie sich zur Abschlussdemo des Klimacamps 2011 in Cottbus zeigte.

Weitere Informationen gibt es unter www.lausitzcamp.info

Klima- und Energiecamp in der Lausitz  2011

Klima- und Energiecamp in der Lausitz 2011

Aktion, Klima, Rhein-Main, Verkehr
28. Dezember 2011

Massenproteste gegen Fluglärm nach Inbetriebnahme der Frankfurter Landebahn Nordwest

Normalerweise schätzt es die Fraport AG, wenn ihr Terminal krachend voll ist. Viele Fluggäste und Shopping-Kunden versprechen viele volle Kassen.
Jenes Klientel, das seit einigen Wochen montagabends das Terminal 1 heimsucht, schätzen die Manager aber nicht. Und zunehmend lernen sie, es zu fürchten: Sogenannte “Wutbürger” aus der Region. Sie fordern nicht weniger als die Schließung der neuen Landebahn.

Mit Kind und Kegel in teilweise vier Generationen, ziehen sie ins Terminal ein. Kinder mit Gehörschutz fläzen sich auf den Automatenterminals der Star Alliance. Im Gepäck sind Vuvuzelas, Trommeln und Trillerpfeifen. Das Motto: Wir bringen Euch Euren Fluglärm zurück.

Proteste im Flughafenterminal Frankfurt / Foto: Peter Illert

Proteste im Flughafenterminal Frankfurt / Foto: Peter Illert

Weite Teile des südlichen Rhein-Main-Gebietes, des Kinzigtals, des Taunus und Rheinhessens sind durch die Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest neu oder gravierend stärker verlärmt worden. Die Landesregierung, die sich faktisch gegen das Nachtflugverbot ausgesprochen hat, gerät immer stärker unter Druck. Aber auch die Hessen-Grünen, die sich mit dem Ausbau abgefunden und arrangiert hatten, hecheln der Dynamik im Anti-Fluglärm-Streit hinterher. Sie haben die Meinungsführerschaft verloren.

Bei altgedienten ROBIN-WOOD-ProtestlerInnen löst die Entwicklung Wehmut und Ermutigung zugleich aus. Wehmut, weil wir in der Phase der Waldrodung für die neue Landebahn die betroffenen Anwohner kaum mobilisieren konnten. Trotz hartem Einsatz und guter Argumente. Ermutigung, weil seit Stuttgart 21 – aber auch Heathrow und der Anti-Atom-Bewegung 2.0 – eine neue Diskussions- und Demonstrationskultur im Entstehen ist. Unter diesen Bedingungen wird es leichter, für ein nachhaltig besseres Verkehrskonzept zu werben, das klima-, natur- und bürgerfreundlich ist – ohne neue Landebahn.

Erst einmal hat das Ordnungsamt den Gebrauch von Vuvuzelas, Sirenen und Trillerpfeifen untersagt. Begründung: Sie störten die öffentliche  Sicherheit. Die Verlesung der Auflagen auf der Demo löste aber nur ein Echo aus: Noch mehr Lärm. Ein Flörsheimer Anwohner: “Auch ohne Trillerpfeife sind wir nicht mehr zu überhören”.
Nach der Weihnachtspause findet die nächste “Montagsdemo” am 16.1.2002 im Terminal 1 (Westhalle) statt.

Peter Illert /Rhein Main

Aktion, Blog, Energie, Klima
25. November 2011

Moorburgtrasse gestoppt!

Die Moorburgtrasse wird nicht gebaut! Der Energiekonzern Vattenfall will auf den Bau der Fernwärmetrasse vom Kohlekraftwerk Moorburg nach Hamburg-Altona verzichten. Stattdessen wollen Stadt und Energiekonzern gemeinsam ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) bauen. Das berichtet heute das Hamburger Abendblatt.

Hintergrund ist offenbar ein Deal zwischen dem Hamburger Senat sowie Vattenfall (Strom und Fernwärme) und E.on (Gas) über den anteiligen Rückkauf der Netze für Strom, Fernwärme und Gas. Demnach soll , wie von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gefordert, ein Anteil von 25,1 Prozent an die Stadt gehen. Das bedeutet auch, dass die Energiekonzerne die Macht über die Netze nicht aus der Hand geben und auch die lukrativen Einnahmen aus dem Fernwärmegeschäft in Hamburg weiterhin in die Kassen von Vattenfall fließen.

Dieses Einigung wird jetzt bekannt, nachdem erst vorige Woche ein Erörterungsverfahren zu der Trasse stattgefunden hat.

Es ist ein Erfolg, wenn die Trasse nicht gebaut wird, die Energiewende ist dadurch aber noch lange nicht geschafft. Und vor dem Hintergrund dieser Geheimverhandlungen von Scholz mit Vattenfall erscheint das Erörterungsverfahren einmal mehr als Farce und Vortäuschung von BürgerInnenbeteiligung.  ROBIN WOOD fordert weiterhin gemeinsam mit der Initiative “Unser Hamburg – unser Netz”, dass die Versorgungsnetze vollständig in öffentliche Hand zurückgehen. Dazu wird es – voraussichtlich parallel zur Bundestagswahl 2013 – einen Volksentscheid geben.

Außerdem fordert ROBIN WOOD den Bau des extrem klimaschädlichen Kohlekraftwerks Moorburg sofort zu stoppen, dessen Genehmigung auch an dem dazugehörigen und nun offenbar aufgegebenen Fernwärmekonzept hängt.

 

Blog, Energie, Klima
18. November 2011

Und heute reden wir mal ganz ergebnisoffen über den Bau der Moorburgtrasse

Heute hat in Hamburg das Erörterungsverfahren für die geplante Fernwärmeleitung des Energiekonzerns Vattenfall begonnen. Gegen die rund 12 Kilometer lange Trasse, die mit Fernwärme aus dem noch im Bau befindlichen Kohlekraftwerk Moorburg gespeist werden soll, liegen über 4.600 Einwendungen vor.

Ursprünglich hatten Vattenfall und die Hamburger Umweltbehörde vorgehabt, den Bau der Trasse an den AnwohnerInnen und Umweltverbänden vorbei durchzudrücken. Doch da hatte ihnen das Oberverwaltungsgericht im Februar 2010 einen Strich durch die Rechnung gemacht und statt eines vereinfachten Planverfahrens ein Verfahren mit Beteiligung von BürgerInnen und Verbänden samt Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt. Wer gehofft hatte, dass Behörde oder Konzern durch diese Schlappe in irgendeiner Weise etwas dazu gelernt hätten, wurde enttäuscht.

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10 (Foto: Grodotzki/ROBIN WOOD)

Der Termin in einer zugigen Messehalle begann erst einmal damit, dass Vattenfall darauf bestand, sämtliche MedienvertreterInnen von der Anhörung auszuschließen und alle Kameras aus der Halle zu verbannen. Hinzu kam, dass der Termin tagsüber mitten in der Woche stattfand, wenn viele betroffene AnwohnerInnen keine Zeit haben.

Frau Parensen von der Hamburger Umweltbehörde (BSU), die den Termin leitete, behauptete, es handele sich um ein „ergebnisoffenes Verfahren“, sie sei nicht an politische Weisungen gebunden und prüfe unvoreingenommen den Antrag von Vattenfall. Doch wie offen kann so ein Verfahren sein, wenn die Leiterin der Umweltbehörde, Jutta Blankau sowie Bürgermeister Olaf Scholz sich bereits öffentlich für die Trasse ausgesprochen haben? Warum hat die BSU die Plangenehmigung, deren Vollzug das Oberverwaltungsgericht gestoppt hatte, bis heute nicht zurückgenommen? Warum bekamen nur ausgewählte EinwenderInnen Informationen über weitreichende Planänderungen, dazu noch voneinander abweichende mit unterschiedlichen Fristen und erst wenige Tage vor der heutigen Sitzung? Es gab zahlreiche solcher Fragen, auf die die BSU überzeugende Antworten schuldig blieb.

Und die Vattenfall-Vertreter? Sie konnten selbst einfache Sachfragen nicht beantworten, etwa wie viele Privathaushalte in Hamburg mit Fernwärme von Vattenfall versorgt werden. Stattdessen stellte sich der Trassen-Projektleiter von Vattenfall hin und präsentierte die Pläne samt Untertunnelung von Rethe und Elbe, als seien sie längst beschlossene Sache.

Um Öffentlichkeit herzustellen, gab es am Mittag vor der Messehalle einen Pressetermin, bei dem die Initiative „Moorburgtrasse stoppen“, BUND und ROBIN WOOD ihre Kritik am Verfahren und am Bau der Trasse formulierten. Klar ist: Die Einwände gegen das millionenschwere Klimakiller-Projekt sind erheblich und werden sich nicht aus der Welt schaffen lassen. Für den Widerstand heißt das: Fortsetzung folgt.