Blog, Düsseldorf, Energie
18. September 2014

Atommüll-Export von Jülich in die USA illegal!

Der vom Bundesforschungsministerium und dem Forschungszentrum Jülich geplante Export von 152 Castoren mit rund 290.000 abgebrannten Brennelementkugeln aus dem AVR-Reaktor Jülich in die USA ist illegal. Das bestätigen auch Gutachten von  Greenpeace und B.U.N.D.-NRW.

Nach dem deutschen Atomgesetz § 9a (1) ist die Abgabe von aus dem Betrieb von Reaktoren „zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität stammenden bestrahlten Kernbrennstoffen“ zur Wiederaufarbeitung seit dem  1. Juli 2005 unzulässig.

Der Gesetzgeber hat das Verbot der Aufarbeitung im Gesetz „zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität“ auf Seite 14  explizit damit begründet, dass die Aufarbeitung von Kernbrennstoffen „zu radioaktiven Immissionen und zu einem zusätzlichen Anfall von Plutonium“ führt.

GP-Gutachten zu Jülich

Werbegeschenk der AVR Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor zu 10 Jahre Stromerzeugung 1967-77. Aktuell sollen ca. 290.000 abgebrannte Brennelementkugeln illegal in die USA exportiert werden. (Foto: Andreas Conradt/PubliXviewinG)

Ausgenommen vom Verbot sind lediglich Forschungsreaktoren, damit die Forschungsfreiheit unberührt bleibt. Bei dem AVR-Reaktor handelt es sich aber um einen Leistungsreaktor, weil er von 1967 bis 1988  1,5 Mrd. Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz einspeiste. Bei Forschungsreaktoren wird hingegen nicht die Wärmeenergie, sondern die Neutronenstrahlung des Reaktors zu physikalischen, kern- und materialtechnischen Untersuchungen genutzt. Deshalb hat sowohl das Bundesamt für Strahlenschutz als auch die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) den AVR Reaktor als Atomkraftwerk klassifiziert.

Trotzdem haben im April dieses Jahres das Bundesforschungsministerium, das Wissenschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen und das US-Energieministerium ein „Statement of Intent“ unterschrieben, dass das Graphit der Brennelementkugeln aus Deutschland in den Aufarbeitungsanlagen H-Canyon auf dem militärischem Atomkomplex Savannah River Site (South Carolina) chemisch abgetrennt werden soll.

Dabei gilt das  800 Quadratkilometer große Atomgelände mit 180 Millionen Liter hochradioaktiver Atomsuppe in zum Teil lecken Tanks nach offiziellen Angaben bereits heute als das größte Umweltproblem South Carolinas.

In einem Scoping-Termin am 24.Juni 2014 in Augusta (South Carolina) für die US-Umweltverträglichkeitsprüfung, die vom Jülicher Forschungszentrum mitfinanziert wird, sprach das US-Energieministerium von sogar ca. 455 Castoren mit 1 Mio. Brennelementkugeln aus Jülich (152 Castoren) und dem Zwischenlager Ahaus, in dem 305 weitere Castoren des Hochtemperatur-Reaktors Hamm-Uentrop lagern. Danach sollen die Castoren per LKW zu einem Hafen und dann per Schiff zum US-Hafen Charlston (S.C.) gebracht werden. In den USA werden die Kosten des Deals bereits heute auf 1 Mrd. US-Dollar beziffert.

Auf Einladung von Anti-Atom-Initiativen und Umweltorganisationen kommt Tom Clemens von der US-Bürgerinitiative Savanah River Site Watch vom 21.9 bis  26.9. zu einer Info-Tour nach Deutschland:

Tom-Clemens

Tom Clemens von der US-Bürgerinitiative Savanah River Site Watch kommt vom 21.9 bis 26.9. zu einer Info-Tour nach Deutschland

Sonntag, 21.9. in Jülich
Anti-Atom Spaziergang am FZJ, Rurtalbahn-Haltestelle „Forschungszentrum“, 14 Uhr

Montag, 22.9. in Düsseldorf
Infoveranstaltung: Townhouse (früher Kolping-Haus), Bilkerstraße 36, 19 Uhr

Dienstag, 23.9. in Jülich
Podiumsdiskussion: Bonhöfer-Haus der evangelischen Kirche,18.30 Uhr

Mittwoch, 24.9. in Hamburg
Infoveranstaltung: Werkstatt 3 (W3), Nernstweg 32 – 34, 19.30 Uhr

 

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