Energie
24. Mai 2013

Entsorgungslüge geht weiter: Immer mehr und „neuer“ Atommüll

Gemeinsam mit der AG Schacht Konrad und dem AKU aus Gronau hat ROBIN WOOD heute in einer Pressemeldung begründet, warum wir an dem Bürger-Forum nicht teilnehmen und das Endlagersuchgesetz ablehnen. Dabei geht es nicht nur um Gorleben und Hinterzimmer-Diplomatie. Es geht auch darum, dass bei dieser Debatte das reale Atommüll-Desaster völlig ausgeblendet wird. Enorme Mengen Atommüll „vagabundieren“ in der Republik herum, für die bis heute nicht einmal im Ansatz „Entsorgungs-Pläne“ bestehen. Aber auch der „offizielle“ Atommüll ist außer Kontrolle. Erst gestern meldete die taz, dass im Zwischenlager in Jülich die Genehmigung für die Lagerung von 152 hochradioaktiven Castor-Behälter ausläuft. Außerdem ist das Zwischenlager nach dem Streßtest der Entsorgungskommission als „unsicher“ durchgefallen. Ausgerechnet (?) die rot-grüne Landesregierung arbeitet nun daran, diesen brisanten Atommüll in die USA zu verschieben. Wie war das doch gleich mit der vielbeschworrenen „nationalen Verantwortung“, von der uns immer erzählt wurde, wenn Atommüll aus Frankreich oder England Richtung Gorleben rollte? Noch vor knapp einem Jahr hatten sich SPD und Grüne in NRW im Koalitionsvertrag klar positioniert: Der hochradioaktive Atommüll aus Jülich sollte nur noch eine Reise machen: Die ins Endlager. Doch das Problem ist noch viel gewaltiger….

Uranfabrik Gronau: Atommülllager für 100 Jahre – alle 10 Jahre neue Lagerhallen

Weitere Atommüllberge sind noch nicht einmal bei den Planungen für eine dauerhafte Lagerung berücksichtigt. So sind bei der Uranreicherung in Gronau bereits mehrere zehntaused Tonnen Uranmüll angefallen und täglich werden es mehr. Das Absurde: Offiziell gilt dieser Atommüll als Wertstoff, nur mit diesem Trick kann in Gronau unbefristet weiter der Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt werden. Weil es aber in Wirklichkeit gar keine Verwertung gibt, wird in Gronau ein Zwischenlager gebaut. Ab 2014 geht das in Betrieb und dort sollen dann zunächst 60.000 Tonnen Uranmüll gelagert werden. Und die Bundesregierung räumt ein: Das kann über einen Zeitraum von 50 – 100 Jahre dauern! Schlimmer noch: Etwa alle 10 Jahre muß bei „Normalbetrieb“ in Gronau laut Bundesregierung eine neue Atommüll-Halle gebaut werden! Das ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken Bundestagsabgeordneten Dorothee Menzner (hier als PDF).

Der Spiegel berichtete vor wenigen Wochen in seiner Print-Ausgabe über diesen Wahnsinn. „Als gäbe es nicht genug offene Fragen, ist zwischenzeitlich eine neue Sorte von Atommüll aufgetaucht, für die es bislang noch gar keine Endbestimmung gibt: Dabei handelt es sich um graphithaltige Abfälle sowie abgereichertes Uran, die nicht in den Schacht Konrad verbracht werden dürfen.” (Spiegel 19/2013, Seite 27). “Stattdessen müssen die mit Radionukliden vollgepumpten Materialien wohl in einem künftigen Endlager für hochradioaktive Stoffe beerdigt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beziffert ihre Menge auf bis zu 105500 Kubikmeter. Bislang wissen vor allem Fachkreise von diesem Abfallproblem.”

Diese “neuen” radioaktiven Abfälle sind so neu nicht: Bereits im Oktober 2011 hatte die Grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl dazu die Bundesregierung befragt. In der Mitteldeutschen Zeitung war zu lesen: “Zu dem hochradioaktiven Müll sollen auch bis zu 100 000 Kubikmeter abgereichertes Uran hinzukommen, das nicht in das Endlager Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden kann. … Die Mengen würden bei weiten das Volumen hochradioaktiver Abfälle übertreffen, die auf 29 000 Kubikmeter geschätzt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rechnet zudem mit bis zu 5000 Kubikmetern Abfällen mit geringer Wärmeentwicklung, die nicht für Schacht Konrad geeignet sind. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) geht hier von bis zu 8800 Kubikmetern aus. Hinzu kommen graphithaltige Abfälle von 500 bis 1000 Kubikmetern.”

Im Spiegel heißt es weiter: “”Die Folgen für Deutschland könnten unangenehm sein. „Im schlimmsten Fall ist in dem Lager für hochradioaktiven Müll nicht genügend Platz für diese Sorte Abfall“, warnt der unabhängige Atomexperte Wolfgang Neumann aus Hannover: „Dann müsste man ein drittes Endlager suchen.“ Auch im Bundesumweltministerium hält man sich diese Option offen, obwohl offiziell mit zwei Standorten geplant wird.”“

In der Pressemittelung von ROBIN WOOD heißt es daher:„Es ist die nächste Entsorgungslüge, wenn jetzt im Rahmen der Debatte um das Endlagersuch­gesetz suggeriert wird, dass ‚nur‘ noch das Problem der hochradioaktiven Atomabfälle geklärt werden müsse und damit viele 100.000 Kubikmeter Strahlenabfälle einfach ausgeblendet werden“, sagt Dirk Seifert, Energiereferent bei ROBIN WOOD. „Große Mengen Atom-Müll, die in Gronau ohne Ende weiter produziert werden, werden einfach nicht betrachtet, ebenso wenig der Atommüll aus Jülich oder der, der bei der Räumung von Asse II anfallen würde.“

Kommentare

  • Jonas, 13.07.2013, 18:27

    Abgereichertes Uran ist kein Atommüll!!! Es muss auch nicht endgelagert werden, es strahlt weniger als Natururan und ist dabei ungefährlicher als Blei. Damit kann man panzerbrechende Waffen herstellen (OK, ist jetzt nicht erstrebenswert), oder man verwendet es als Kernbrennstoff in Brutreaktoren. Andere Staaten nehmen dieses Uran gerne an, da sie solche Reaktoren bauen. Solche Reaktoren sind wohl in Zukunft notwenig, da nicht die ganze Welt auf „Ökostrom“ umgestellt werden kann.
    PS: Der Atommüll lässt sich in Brutreaktoren unter Energiegewinnung umwandeln in weniger stark strahlendes Material. Eine Endlagerung ist dann nur noch für 500 Jahre nötig. Technisch schon heute machbar. Wissenschaftler streiten sich nur noch um den besten Weg.

  • Jonas, 13.07.2013, 22:02

    Um das mal ausdrücklich zu sagen: Plutonium aus Kernkraftwerken ist NICHT geeignet um Waffen herzustellen. Waffenplutonium muss in speziellen Reaktoren hergestellt werden, die nichts mit unseren normalen Reaktoren zu tun haben. Auch in Wiederaufbearbeitungsanlagen kann aus kommerziellem Plutonium KEIN Waffenplutonium hergestellt werden. Das hat was mit der Isotopenverunreinigung zu tun. Waffenfähiges Uran herzustellen ist sehr Energieaufwendig. Für eine grosse Anzahl an Kernwaffen einfach zu teuer und zu aufwendig. Vermischt nicht millitärische Kerneinrichtungen mit kommerziellen Einrichtungen. Das zeugt nur von grossem Nichtwissen. Bitte beachtet dies in Euren Berichten.

  • Dirk Seifert, 14.07.2013, 12:31

    Lieber Jonas,

    leider stimmen alle deine „Widerlegungen“ nicht.
    a. Reaktorplutonium ist für nukleare Sprengköpfe geeignet. Richtig ist, dass dies aber nur eine „dreckige“ Bombe ermöglicht, weil es die von dir angesprochenen „Verunreinigungen“ gibt. Dennoch lässt sich daraus eine Bombe bauen und zünden.Im übrigen lässt sich auch WAA-Plutonium reinigen! Das wird nach längerer Lagerzeit sogar gemacht, um dieses Plutonium für den Reaktoreinsatz zu verarbeiten, also bei MOX-Brennelementen.
    b. Die Urananreicherung ist sehr energieintensiv, richtig. Aber das ist kein Hindernis, um waffenfähiges Uran herzustellen. Es ist nur teurer. Z.B. ist der Iran ja genau deswegen derzeit in der Kritik, weil er sich über die Urananreicherung den Weg zur Atombombe verschaffen kann. Diese Form der Anreicherung wird technisch auch in Gronau bzw. den Anlagen der URENCO eingesetzt und unterliegt daher den Kontrollen der IAEO bzw. Euratom!
    c. Was das abgereicherte Uran angeht: Wer auf eine Zukunft mit Atomenergie setzt, kann ja deiner Meinung sein, was eine weitere Verwendung für Brutreaktoren – PLUTONIUM – angeht. Das wäre allerdings nicht nur absurd teuer! Das wäre angesichts des neu entstehenden Plutoniums auch absurd gefährlich! Völliger Unsinn ist, dass damit „weniger stark strahlendes Material“ entsteht, also eine Umwandlung passiert. Da wird seit Jahrzehnten dran geforscht und es werden immer wieder Wunder-Dinge dazu behauptet. Nur: Das funktioniert alles nicht! Deswegen spielt es in der gesamten Debatte auch gar keine Rolle!
    Gruß
    Dirk Seifert

  • Jonas, 15.07.2013, 15:24

    Lieber Herr Seifert,
    es freut mich über diese schnelle Antwort.
    Ich bin über einiges aber nicht zufrieden. Einmal will ich Euch gar nicht Widerlegen, ich möchte nur, dass Ihr etwas für mehr Sorgfalt in Euren Argumentationen sorgt.
    Ich mache einen Unterschied zwischen Atombombe und “dreckiger Bombe“, sie sind ja vom Aufbau und von ihrer Wirkungsweise her völlig verschieden.
    Ich glaube nicht, dass jemand ernsthaft auf die Idee kommt, Plutonium für eine „dreckige Bombe“ zu verwenden. Es strahlt einfach zu stark, der Erbauer gefährdete sich nur selbst. Ich bevorzugte da eher chemische Substanzen, die sind einfacher zu verarbeiten. -Aber OK- Vielleicht kommt ja ein „Spinner“ auf die Idee und kann so ein Ding erbauen (was ich bezweifel), es ist dann trotzdem keine Atombombe!!!
    Man kann prima Plutonium von anderen Elementen abtrennen (kann fast jeder Chemiker). Aber eine Atombombe kann ich daraus noch lange nicht herstellen, da die unterschiedlichen Plutoniumisotope dies nicht zulassen. Für Brutreaktoren lässt sich das gut verwenden, die können alle Arten von Plutonium spalten(Stichwort MOX-Brennelemente). Für die Atombombe kann ich nur eine Art des Plutoniums verwenden, diese Art müsste erstmal sehr aufwendig aus dem kommerziellen Plutonium herausgelöst werden. Wer das kann reichert lieber Uran an, das ist einfacher.
    Ich habe NIE behauptet, dass es sich nicht lohnt Uranwaffen herzustellen, ich behaupte nur, dass eine Massenproduktion von Uranwaffen sich nicht lohnt. Vereinzelt können Bomben durchaus hergestellt werden, aber der große Atomkrieg lässt sich allein mit Uran nicht erreichen.
    Ich muss zugeben, dass es zur Zeit ungenügende Informationen zu Brutreaktoren gibt. Ich hab mich stets gewundert, warum eine Technik so toll sein soll, die mehr Plutonium erzeugt, als sie vernichtet (bis ich das kapiert habe). Brutreaktoren können in zwei Modi laufen, im Brutprozess und im nicht-Brutprozess. Brutreaktoren brauchen Plutonium zum Start. Brutreaktoren im Brutprozess sollen Plutonium für Reaktoren im nicht-Brutprozess herstellen. Nach dem Start benötigen die nur noch Natururan. Die Endprodukte strahlen zuerst genau wie „normaler Kernkraftwerksatommüll“, die Intensität nimmt stark ab und erreicht nach 500 Jahren die Stärke von Natururan (also Ausgangswert). Verglichen mit den 100000 Jahren des heutigen Atommülles ist das eindeutig eine Verbesserung.
    Es sind bereits Brutreaktoren im Einsatz. Auch in Deutschland hatten wir welche. Zum Beispiel der Kugelhaufenreaktor -hey der hat ja sogar funktioniert ;) -.
    Ich glaube, dass sich die Bleigekühlten Reaktoren (wie der Dual Fluid Reaktor) sich gegen die Natriumgekühlten durchsetzen werden.
    Ich selbst hab mich noch nicht entschlossen für oder gegen Kernenergie zu sein, mir fehlen noch gute Argumente (bisher sehe ich nur nur den allgemeinen „Schrott“, der viel zu leicht zu entkräften ist). Auf diesen Seiten hab ich leider auch keine besseren Argumente gefunden(und war da auch etwas enttäuscht). Daher möchte ich Euch schonmal auf einige Ungenauigkeiten hinweisen, vielleicht fällt euch ja was Besseres ein. Ich freue mich auf die Antwort, auch wenn ich nicht glaube, dass das hier der richtige Ort dafür ist.

  • Ocin1 Richter, 15.07.2013, 21:48

    Nukleare Mülltrennung und ziviles, nicht waffenfähiges Reaktor-Plutonium

    In abgebrannten Brennelementen sind immer noch 94% das weniger als schwach radioaktive Uran-238 (Halbwertszeit 4,5 Mrd. Jahr, das Universum ist etwa 14 Mrd. Jahre alt). In frischen Brennelementen ist dieses Uran-238 zu 96,7% enthalten. Weiter sind in abgebrannten Brennelementen immer noch um 0,5% bis 0,8% des eigentlichen Spaltstoffes Uran-235 enthalten. In frischen Brennelementen ist dieses Uran-235 zu 3% bis 5% enthalten. **[http://de.wikipedia.org/wiki/Abbrand_(Kerntechnik)]**

    Man kann also durch die nukleare Wiederaufarbeitung (nukleare Mülltrennung) etwa 95% rezyklieren und in der Fertigung von neuen Brennelementen nutzen.

    Weiter wird im normalen zivilen Reaktor-Betrieb auch ein neuer Spaltstoff, das **Plutonium-239**, erzeugt. Diese Plutonium-239 ist durch eine Neutronen-Absorption im Uran-238 entstanden, und hat vergleichbare Spalteigenschaften wie Uran-235. In der **zivilen Kerntechnik**, also wo die Brennelemente etwa 5 Jahre im Reaktor bleiben (30GWd/tonne), absorbiert dieses Plutonium-239 jedoch erneut weitere Neutronen und es entstehen weitere Plutonium-Isotope wie Plutonium- 240, -241, -242. Somit besteht das **zivile Reaktor-Plutonium** eben nicht nur aus Plutonium-239 sonder ist „verschmutzt“ durch höhere Plutonium-Isotope, welche aufgrund der **Spontanspaltung** nicht mehr für die militärische Nutzung zu gebrauchen [de.wikipedia.org/wiki/Spontanspaltung].

    Das ist vielleicht vergleichbar mit Benzin, welches aus zu wenig Oktan besteht, (Stichwort Frühzündung -> Motor-Klopfen).

    Also, in der klassischen nuklearen „Mülltrennung“ (Wiederaufarbeitung) kann man die 94% Uran-238, die 0,5% bis 0,8% Uran-235 und etwa 1% ziviles reaktor-Plutonium rezyklieren. Also es können etwa 95,5% der abgebrannten Brennelemente rezykliert werden und und in der Fertigung von neuen Brennelementen nutzen..

  • Ocin1 Richter, 15.07.2013, 22:08

    Was soll denn diese Aussage?

    „Reaktorplutonium ist für nukleare Sprengköpfe geeignet. Richtig ist, dass dies aber nur eine “dreckige” Bombe ermöglicht“

    Nuklear-Waffen benutzen Isotopen reines Plutonium-239 (min. 95%) oder Uran-235. Diese Isotope bilden mit dem chemischen Zünder den Sprengkopf. Eine Waffe, welche wie bei chemischen Kampfstoffen nur eine Freisetzung, sind doch keine „Atom“-Waffen sondern werden von Politikern „Schmutzige-„Bomben genannt. Ich glaube, dass Du Dirk, entweder aus Unwissenheit oder aus politischer Motivation, hier eine Falschaussage getätigt hast.

    Übrigens physikalisch sind alle Waffen „Atom“-Waffen, da ja alle Waffen auch aus Atomen bestehen. In dieser Deutung sind natürlich auch Sprengstoff-Waffen „Atom“-Waffen, da ihre Funktion auf der Atom-Hüll-Fusion von z.B. Kohlenstoff mit Sauerstoff (C + 2O -> CO2 + Energie) besteht, also ist das doch wohl unumstritten Atom-Energie oder:-) ?

    Aus dem selben Grund sind natürlich auch Verbrennungs-Anlagene wie z.B. der Holzkohle-Ofen, das Kohle-Kraftwerk „Atom“-Energie-Anlagen. Und sie Solar-Energie mit ihrem atomistischen Photoeffekt (Valenzband -> Leitungsband) wollen wir mal nicht vergessen. Klar ? :-)

    Physikalisch sind Bezeichnungen wie „Atom-Kraftwerke; Atom-Bombe; ….“ sinnlos, da alles auf Atomen und deren Reaktionen basiert.

  • Ocin1 Richter, 16.07.2013, 10:29

    Lieber Dirk Seifert, ich muss leider noch mehr an Deinen Antworten kritisieren, da sie fachlich falsch sind.

    1. „Das wäre angesichts des neu entstehenden Plutoniums auch absurd gefährlich!“

    Kontra: Warum soll ein Brutreaktor ständig neues Plutonium produzieren müssen? Es ist doch überhaupt kein Problem den Abbrand und die Brennelementbeladung so auszulegen, dass eben resultierend weniger Plutonium übrig bleibt als ursprünglich in den Reaktor geladen wurde (Brutrate kleiner 1).

    Das mit der Plutonium-Brutrate größer 1, also resultierend mehr ziviles Reaktorplutonium, macht man nur, um eben das Uran-235 für die klassischen Leichtwasser-Reaktoren zu ersetzen (Stichwort ist hier MOX). Man bezieht den Spaltstoff für die klassischen KKW also nicht mehr unmittelbar aus der Miene/Anreicherung, sondern jetzt aus einem Schnellen Brüter, welche so das Natur-Uran (Stichwort: Uran-238 Transmutation) zu fast 100% ausnutzen kann. Es ist aber doch KEIN MUSS !

    2. „Völliger Unsinn ist, dass damit “weniger stark strahlendes Material” entsteht, also eine Umwandlung passiert.“

    Kontra: Also lieber Dirk Seifert, wer sich so aus dem Fenster lehnt, sollte verdammt nochmal Beleg bringen. Ich sehe keine Quellen, welche Deine plumpe Aussage belegen

    Für alle andern, man schlage mal im Internet unter der Vokabel TRANSMUTATION nach.
    **[http://en.wikipedia.org/wiki/Nuclear_transmutation#Artificial_transmutation_of_nuclear_waste]** (habe absichtilich die englische Version gewählt, da die deutsche viel zu ungenau ist) , **[http://www-alt.gsi.de/documents/DOC-2003-Jun-32-2.pdf]** , **[http://www.peak-oil-forum.de/phpBB2/files/transmutation_907.pdf]** , **[http://www.welt.de/wissenschaft/article9637790/Atommuell-wird-in-20-Jahren-nicht-mehr-strahlen.html]**

    Weiter wird gerade im Belgischen Mole an einem Transmutations-Prototypen (Myrrha) gearbeitet.

    Natürlich ist das mit der Transmutation keine neue Sache, da nach dem gleichen Prinzip auch Uran-238 in das Plutonium-239 umgewandelt wird und WURDE. Weiter wird im schnellen Neutronen-Spektrum der Schnellen Reaktoren, ob nun als Brüter oder nicht – ob nun mit Natrium oder nicht, ebenfalls ein hoher Anteil der Trans-Urane wie die Plutonium-Isotope in kurzlebige Isotope umgewandelt oder schnell gespalten. Auf diese Weise kann man sogar das Uran-238 direkt spalten, wie es auch z.B. bei der Dreiphasen-Kern-Waffe gemacht wird oder auch minimal in klassischen KKW als Schnellspalt-Faktor auftritt **[http://de.wikipedia.org/wiki/Kernspaltung#Schnelle_Neutronen]**.

    Mein lieber Dirk Seifert, bitte überfliege meine Quellen. Du hast sehr viele fachliche Fehler in Deine Aussagen. Ich gehe mal davon aus, dass Du einfach unwissend bist und nicht Dich durch politische Motivation hier zu groben Falschaussage hinreißen lässt.

    Freundliche Grüße, Ocin1 Richter

  • Jonas, 18.07.2013, 13:27

    Na toll, jetzt krieg ich keine Antworten mehr….

  • Dirk Seifert, 18.07.2013, 14:31

    Liebe Leute,
    ich habe nicht die Zeit, auf alle diese Dinge einzugehen, die ihr da jetzt ansprecht. Daher will ich nur zu einem Punkt was sagen, die Frage, ob Reaktor- bzw. WAA-Plutonium für die Bombe tauglich ist. Dazu einfach dieser Link auf einen Fachartikel von Christian Küppers vom Öko-Institut Darmstadt: http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=0739. Der entscheidende Satz in der Zusammenfassung lautet: Schlußfolgerungen – „Reaktor-Pu ist für den Bau von Atombomben geeignet“. In einem erweiterten Beitrag zu dieser Frage von Egbert Kankeleit, Christian Küppers, Ulrich Imkeller (hier als PDF: http://pugwash.ianus.tu-darmstadt.de/kankeleit/wafftauglichkeitpi.pdf) wird u.a. Bezug auf die USA bzw. auf Ford und Carter genommen: „Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Gerald R. Ford, und sein Konkurrent,Jimmy Carter,erklärten Reaktorplutonium für prinzipiell waffentauglich und bef̈urchteten eine Proliferation durch weitverbreitete Schließung des zivilen Brennstoffkreislaufs mit Wiederaufarbeitungsanlagen und Schnellen Brütern.“

    Wie diese Reaktor-PU-Bomben einzuordnen sind gegenüber solchen Waffen mit „reinem“ PU könnt ihr dort auch nachlesen bzw. dazu hatte ich schon was gesagt.

    Und um den Rest der Debatte abzukürzen: Wir brauchen keine Atomkraftwerke und Atomwaffen gehören verboten. Und es gab aus guten Grund mal eine Diskussion in Deutschland darüber, die „Plutoniumwirtschaft“ in der Verfassung zu verbieten. Eine Überlegung, die auch weltweit richtig wäre.

    Zur Mutation: Ich sagte ja, da wird viel geforscht. Und um es einfach zu sagen: Das sollte sofort beendet werden, weil es keine Atommüllprobleme löst, sondern nur noch neue schafft. Denn „komischerweise“ kommen da immmer wieder Brut-Reaktoren ins Spiel. SuperGau lässt grüßen.

    Ende.
    Gruß
    Dirk

  • Jonas, 24.07.2013, 20:36

    Also erstmal danke für diese wunderbaren Quellen -endlich mal was Sinnvolles- ich empfehle Euch damit gegen Kernenergie vorzugehen. Aber bitte schmeißt Eure anderen Gründe weg, die sind echt nur für den A****.
    Aber mir ist trotzdem was aufgefallen.
    Beide Quellen sind sich einig, mit der passenden Technik ist eine Atombombe aus WAA-Plutonium theoretisch denkbar.
    Es steht in beiden Quellen, dass eine solche Bombe extrem aufwendig wäre. So aufwendig, dass es keinen nachgewiesenen Versuch gegeben hat, dieses zu verwirklichen.
    Es wird behauptet, dass eine extrem leistungsverminderte Bombe möglich sein könnte.Nach der ersten Quelle, werden Staaten nicht auf WAA-Plutonium zurückgreifen, Waffen-Plutonium ist für soche Zwecke einfacher zu verwenden und viel zuverlässiger. Bei terroristischen Gruppen ist man sich da aber nicht einer Meinung.
    Alles theoretische Überlegungen nichts Stichhaltiges. Einen Beweis dafür/dagegen gibt es aber nicht!!!
    Ich bezweifel es immer noch(und nach den Quellen auch andere), dass Terrororganisationen trotz fehlender Grundvoraussetzungen so etwas können.
    Aber OK, nehmen wir an, solche Gruppen können das schaffen.
    Warum sollte man dann hier in Europa auf Kernenergie verzichten?
    Müsste man dann nicht konsequenterweise auf moderne Chemie und Medizin verzichten? Damit kann ich auch Menschen umbringen, teilweise viel effizienter!
    Die Staaten in Europa werden für eine Atombombe kein WAA-Plutonium verwenden (steht auch so in den Quellen).
    Und hier aus einem Kernkraftwerk/WAA Plutonium zu entwenden und daraus Waffen herzustellen, halte ich für ein Märchen.
    Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass Brutreaktoren den Atommüll reduzieren können, alles andere zu behaupten ist Blödsinn, ich folge da ganz den Argumenten von Ocin1 Richter. Ich halte solche Reaktoren zumindest dafür notwendig, den jetzigen Müll zu reduzieren.
    Plutoniumwirtschaft per Grundgesetz zu verbieten ist für mich absolute ideologische Verblendung, etwas Schlimmeres gibt es nicht. Was hat sowas in einer Verfassung verloren? Sollte Kernenergie tatsächlich so schlecht sein, wie viele behaupten (ich versuch mich da ja frei von Ideologie und Vorurteilen zu informiren), so werden unsere Nachfahren, die ja auf viel mehr Wissen zurückgreifen werden, auf dieses Ergebniss kommen und keine Kernkraftwerke bauen. Anderenfalls zwinge ich zukünftigen Generationen eventuell falschen Weltvorstellungen auf.
    Forschung zu beenden, nur weil sie einem nicht in die Ideologie passt, ist meiner Meinung nach von Dummheit nicht zu überbieten. Wer weiss, vielleicht entdecken die Forscher ja den „Stein der Weisen“.
    Beispiele wie weitreichend und zerstörerisch solche Eingriffe sein können, gibt es in der Geschichte genug. Man kann Forschern erstmal keine Bösartigen Absichten vorwerfen, es sind ganz normale Menschen.
    Wissenschaftler wollen Reaktoren entwickeln, die Sicher sind, viel nutzbare Energie erzeugen und nach Möglichkeit nicht für Kernwaffenproduktion einsetzbar sind.
    Mein Favorit ist hier der Dual Fluid Reaktor. Mal schauen ob die das hinbekommen; man weiss es nicht, und man wird es ohne Forschung nie wissen. Tut mir Leid Herr Seifert doch keine Abkürzung der Debatte.

  • Ocin1 Richter, 25.07.2013, 13:12

    Also um noch mal auf das Thema „Kernwaffen (Atom-Waffen) aus zivilem Reaktor-Plutonium“ zurück zu kommen. Hier möchte ich ein Gleichnis anbringen, welches die technische Möglichkeiten gut darstellt.

    Die Ausstattung der durchschnittlichen Bundes-Deutschen Haushalts-Küche ermöglicht auch (in der BRD würde man sagen, „man kann es nicht ausschließen“) die mehr oder weniger effiziente Produktion von biologischen Kampfstoffen. Dennoch würde nie ein Bundes-Deutscher auf die Idee kommen, sich den Besitz einer eigenen Haushaltsküche verbieten zu lassen (also noch nicht, man kann ja nie wissen :-) ).

    Von der Deutschen Frage ausgehend: „Kann man es ausschließen?“ , muss man natürlich fast immer mit „NEIN“ antworten. Jedoch gibt es etwas, dass nennt sich Verhältnismäßigkeit. Und nach der Verhältnismäßigkeit ist Deine Aussage (Dirk Seifert) über die „reale“ Gefahr aus zivilem Reaktor-Plutonium Kernwaffen oder schmutzige Bomben herzustellen“ Unsinn, wie auch aus der Quelle vom Öko-Institut-Darmstadt klar hervor geht. Für interessierte Leser empfehle ich eine interessante Doktor-Arbeit zu diesem Thema. Hier kann man sehr schön sehen, wie sich das zivile Reaktorplutonium, in Abhängigkeit des Reaktor-Typs, entwickelt „http://darwin.bth.rwth-aachen.de/opus3/volltexte/2004/791/pdf/Volmert_Benjamin.pdf“ .

    Grundlegend ist die „Deutsche Frage“ nach dem „kann man es ausschließen“ für das zivile Reaktor-Plutonium natürlich mit NEIN zu beantworten, was jedoch auch auf Haushaltsküchen und die Produktion von biologischen Kampfstoffen zutrifft. Es ist immer eine Frage der technischen Umsetzung und des Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen. In der Kernwaffen-Technik ist es heute weit einfacher aus Natururan (durch Anreichern des Uran-235) Kernspreng-Sätze zu bauen, als den Aufwand über einen Park spezieller Waffen-Plutonium-Reaktoren und dem angeschlossenen hoch radio-toxisch-chemischen Aufbereitungs-Prozesses. Weiter ist durch die hohe Plutonium-Isotopen-Verunreinigung des zivilen Reaktor-Plutoniums, durch die höheren Plutonium-Isotope eine erhöhte Spontanspaltung mit angeschlossen höherem Neutronenstrahlungs-Untergrund höher (bei LWR-Plutonium etwa 4-5 fach höher als bei offiziell Kernwaffen tauglichem Plutonium), was einen sehr aufwändigen Zündmechanismus und viel Erfahrung erfordert, dass es nicht wie z.B. den erst beiden Nord-Koreanischen Plutonium-Bomben zur Frühzündung kommt und somit zum „Verpuffen“ der Kernexplosion. Denn das muss jedem klar sein, wird die kritische Masse auch nur um Milli-Sekunden zu langsam vereinigt oder für Plutonium-239 gar unsymmetrisch, treibt die frei werdende Spaltungs-Energie die Massen wieder auseinander, bevor die Kettenreaktion ihr eigentliches Potential erreicht hat. Hierzu schaue man mal, was man mit dem DAMON-CORE gemacht hat http://de.wikipedia.org/wiki/Demon_Core. Weiter ist das Plutonium-238 Isotop mit 450 W Wärmeleistung pro kg (durch natürlichen Zerfall) eine sehr starke Wärmequelle, welche die ohne hin sehr aufwändig chemische Zündvorrichtung aufheizt und bei ungenügender Kühlung die chemischen Zünder verformt. Somit ist es sehr unwahrscheinlich, dass dann noch eine optimale Zündung eintritt. Das Resultat ist dann eine nukleare „Verpuffungs“-Explosion im Bereich klassisch chemischer Sprengsätze, jedoch bei ungeheuer höherem Produktions-Aufwand. Natürlich muss auch hier die „Deutsche Frage“ mit NEIN beantwortet werden :- ), die Wahrscheinlichkeit, dass es trotzdem klappt, ist etwas größer als Null, vielleicht im Bereich eines Meteoriten-Einschlages (super, dafür der Aufwand??? ) .

  • Jonas, 07.08.2013, 14:04

    Ich hab da mal ne interessante Frage:
    Was soll den geschehen, wenn die Energiewende, aus welchen Gründen auch immer, nicht klappt?
    Womit sollen wir dann Strom, „Benzin“, Wärme,… erzeugen?
    Dann stellte sich doch der Ausstieg aus der Kernenergie als totale Katastrophe heraus. Schon alleine aus diesem Grund sind Verbote der Kernenergie im Grundgesetz Unsinn.
    Zu sagen, die Energiewende klappt sicherlich, ist ja etwas naiv.

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