Blog, Energie
26. März 2013

Uranfabrik Gronau – Unbefristete oberirdische Atommüll-Lagerung bis ins nächste Jahrhundert?!

robinwood_uranfabrig_gronauMit einem einfachen Trick wird im westfälischen Gronau Atommüll möglicherweise für 100 Jahre und mehr gelagert. Möglich ist dies, weil die Betreiberfirma URENCO den anfallenden Atommüll einfach zum Wertstoff erklärt. Einen konkreten Nachweis, wie diese Verwertung aussieht, braucht sie dafür nicht zu erbringen. Das ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage. In England will die URENCO ganz offiziell abgereichertes Uran bis zum Jahr 2120 oberirdisch lagern. Die Bundesregierung bestätigt als Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Dorothée Menzner, dass in Gronau abgereichertes Uran als U3O8 künftig ohne jede Befristung gelagert werden darf (Drucksache 17/12446, PDF). Insgesamt 60.000 Tonnen Uran können dann in Gronau dauerhaft gelagert werden. In England hat die URENCO ganz offiziell die Lagerung bis zum Jahr 2120 beantragt (Link siehe oben)! Doch für die Bundesregierung handelt es sich bei den Resten aus der Urananreicherung nicht um Atommüll: “URENCO besitzt für dieses Hallenlager in Gronau eine Genehmigung zur unbefristeten Lagerung dieses Materials, das von URENCO für eine zukünftige weitere Verwendung vorgehalten wird”, heißt es in der Drucksache. Wie diese “weitere Verwendung” genau aussieht, weiß die Bundesregierung allerdings nicht. “Konkrete Verwendungsvorhaben sind der Bundesregierung nicht bekannt”, teilt sie mit, ohne offenbar Anstoß daran zu nehmen. Weil die URENCO also ein vages “Vewendungsvorhaben” erklärt, wird ihr die unbefristete oberirdische Lagerung von bis zu 60.000 Tonnen radioaktivem Uran erlaubt. Während sonst für Atomanlagen ein konkreter Nachweis erfolgen muss, was mit den radioaktiven Hinterlassenschaften später geschehen soll, wird bei der URENCO auf einen solchen Nachweis komplett verzichtet. Rechtliche Anforderungen, worin denn das konkrete “Verwendungsvorhaben” besteht, gibt es nicht. So werden zigtausende Tonnen radioaktiver Reststoffe an der Entsorgung vorbei geschleust. Das ganze basiert auf der Hoffnung bei URENCO, dass aus dem abgereicherten Uran irgendwann in ferner Zukunft noch einmal Brennstoff für die Versorgung der Atomkraftwerke hergestellt werden kann. Dazu müßten die aber Kosten für den Uranbergbau deutlich steigen und die weltweiten Uranvorkommen zurück gehen. Konkrete und belastbare Szenarien, Gutachten oder Expertisen müssen offenbar für diese Hoffnungen nicht vorgelegt werden, um eine unbefristete Genehmigung für die Lagerung von Uran zu bekommen. Und was passiert, wenn man sich die Hoffnung der URENCO nicht aufgeht? Das Ganze erinnert eher an eine Bananenrepublik als einen Rechtsstaat. Zwar gibt es zahlreiche Schätzungen, die von begrenzten Uran-Vorkommen berichten. Aber in den letzten Jahren werden immer neue und große Uranvorkommen entdeckt.

Beispiele? Atom-Boom in Nordeuropa – Voraussichtlich im Frühling soll Europas größte Uranfabrik in Finnland eröffnet werden

Spiegel online im Juli 2011:Atom-Boom in Asien: Inder entdecken riesiges Uranvorkommen … Im Krisengebiet Niger will die AREVA noch eine weitere Uranmine in Betrieb nehmen und die Uranförderung damit massiv ausbauen. Telepolis berichtet dazu: “2013 oder 2014 will Areva die dritte Uranmine in Imouraren, eröffnen”. Auch der Iran hat eigene Uran-Vorkommen entdeckt, berichtet das Handelsblatt: Vor Verhandlungen: Iran hat neue Uran-Vorkommen entdeckt Im Oktober 2010 meldete das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) berichtet sogar: “Die Uranreserven, für die die Förderkosten unter 40 US-Dollar pro Kilogramm liegen, beziffern die BGR-Forscher in ihrer Energiestudie auf etwa 1,7 Millionen Tonnen. Bei dem derzeitigen Verbrauch stünde damit genug Uran für über 200 Jahre zur Verfügung.” Andererseits dürfte der weltweite Uranbedarf aber auch deshalb sinken, weil die Erneuerbaren Energien als immer preisgünstigere Alternative für die Stromerzeugung weltweit auf dem Vormarsch sind, während die Kosten für den Bau und Betrieb von Atomkraftwerken explodieren. Auch werden in den nächsten Jahrzehnten mehr Atomkraftwerke vom Netz gehen, als neue hinzu gebaut werden.

Kommentare

  • Thomas Weber, 27.03.2013, 15:27

    Ich halte die Zwischenlagerung von Atommüll zum gegenwärtigen Zeitpunkt für die einzig nachhaltige Form, mit dem Atommüll umzugehen.

    Folgende Kriterien scheinen mir sinnvoll als Orientierung für einen nachhaltigen Umgang mit Atommüll.

    1. im Sinne einer Kreislaufwirtschaft ist es das Beste, wenn der Stoffkreislauf für Atommüll geschlossen wird, d.h., dass der Müll wieder in seine ungefährlichen Ausgangsstoffe zurückgeführt wird. Dieses Ziel sollte gelten, solange die Möglichkeit dieses Recycelns nicht aus prinzipiellen Gründen ausgeschlossen werden muss.

    2. Innovation und Forschung sind auf diese Kreislaufwirtschaft auszurichten.

    3. Jeder Umgang mit Atommüll sollte nur Verhältnisse erzeugen, die umkehrbar, rückholbar sind, für die Zeit, da die Kreislaufwirtschaft realisiert werden kann.

    4. Jeder Umgang mit Atommüll in Deutschand muss prinzipiell als Vorbild für den Umgang der Welt mit Atommüll taugen.

    Aus diesen Kriterien folgt, dass wir in Deutschland kein zentrales Endlager suchen sollten, sondern den Atommüll in den nächsten Jahrzehnten dezentral, überwacht und beobachtet, am besten unterirdisch, jederzeit rückholbar zwischenlagern.

    Die gegenwärtige Diskussion über vermeintliche Endlager bzw. Endlagersuchen geht in die falsche Richtung. Endlager werden aus prinzipiellen Gründen nicht das leisten können, was an Leistung von ihnen erhofft wird. So lange Menschen von diesen Endlagern in Zukunft wissen werden, werden diese Endlager in irgendeiner Weise auf die Menschen wirken. Für die Menschen endgültig wären Endlager nur, wenn die Menschheit irgendwann vergessen würde, wo sie was vergraben hat. Auf einen Gedächtnisverlust der Menschheit sollte man aber keine Entscheidungen oder Politik bauen.

    http://thomasweber.blog.de/2011/05/24/atommuellentsorgung-nachhaltigkeit-11202999/

  • Daniel Häfner, 01.05.2013, 20:03

    Hallo Herr Weber,

    Nachhaltigkeit, Recycling – das hört sich gut an. Mir ist aber unklar auf welcher physikalischen Grundlage das möglich sein sollte.

    der sogenannte Brnnstoffkreislauf in der Atomwirtschaft mit Wiederaufbereitung und Brütertechnologie ist zumeinen technologisch gescheitert und zum anderen wäre er extremumweltschädlich gewesen. selbst wenn die radioaktive Strahlung außen vor gelassen würde – z.B. Plutonium ist selbst eine sehr giftige Substns – 1 Millionstel Gramm reicht bereits zur Vergiftung eines Menschen. Und Plutoniumentseht bei allen Kernspaltprozessen. Des weiteren wären da Strontium 90, Krypton 85, Cäsium, Tritium, radioaktive Jod-Isotope und und und…

    Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass die Konzentration und künstliche Erzeugung radioaktiver Substanzen irreversibel ist und dafür (derzeit) keine Technologien zur Verfügung stehen.

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