Aktion, Blog, Energie
30. September 2010

Cnastor – Prozess wegen einer Castor-Blockade

Im November 2008 stoppte eine Gruppe von etwa zehn freien Aktivist_innen den CASTOR-Transport. Drei Aktivist_innen hatten sich an einem Betonblock im Gleisbett festgekettet und brachten so den Transport zwölf Stunden in Lauterbourg auf der französischen Seite der Grenze zum stehen.

Die Blockade lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit sowohl auf die immense Bedrohung, die von Atomenergie ausgeht, als auch auf das Zusammenspiel von staatlichen Organen und Atomlobby, ohne das die Nutzung von Kernenergie gegen den Willen der Bevölkerung erst gar nicht möglich wäre. Die Aktiven meinen: “Noch schnell, bevor der CASTOR wieder rollt, soll ein Abschreckungsurteil gesprochen werden.”

Nun stehen (nach einem ersten wieder abgesagten Anlauf letzten Dezember) Strafprozesse an – und zwar nicht nur gegen die Angeketteten, sondern gegen fast alle Beteiligten. Am Mittwoch, den 06. Oktober 2010 beginnt um 9:00 Uhr der Strafprozess gegen die Aktivist_innen vor dem Amtsgericht Kandel. Angeklagt sind sechs Personen, der Vorwurf ist in allen Fällen Nötigung.
In diesem Zusammenhang soll es in Karlsruhe vom 01. bis 06. Oktober 2010 Aktionstage, sogenannte Cnastor-Tage, geben.
Weitere Informationen der freien Aktivist_innen gibt es unter http://bloxberg.blogsport.de/

Energie, Klima
22. September 2010

Vattenfall – alles weiter wie bisher und doch anders?

Es gab viele Gerüchte um die neue Strategie von Vattenfall – sollen die Braunkohletagebaue auslaufen? Das Kraftwerk Moorburg verkauft? Heute wurden die Entscheidungen in einer Pressekonferenz bekannt gegeben: Vattenfall wird Grüner und macht aber doch irgendwie alles wie bisher?

Vattenfall wird sich im Wesentlichen auf ein Kerngeschäft in Schweden, den Niederlanden und Deutschland konzentrieren. Die Gewinne sollen gesteigert werden, der Strom CO2-ärmer und “grüner”. Doch die Ziele sind widersprüchlich und in Deutschland ändert sich zunächst nichts.

Logo der Kampagne "Tschüß Vattenfall", die in Hamburg zum Stromwechsel aufrief

Logo der Kampagne "Tschüß Vattenfall", die in Hamburg zum Öko-Stromwechsel aufrief

Alte Kohlekraftwerke sollen u.a. in Polen und Belgien verkauft werden. Das senkt natürlich die CO2-Bilanz des Konzerns, wenn die Kohle nun von anderen verbrannt wird. “Potenzial für Expansion und Wachstum sieht Vattenfall vor allem in der Energie­erzeugung mit niedrigem CO2-Ausstoß, zum Beispiel mit Windkraft, Kernenergie, Biomasse, Wasserkraft sowie mit Gas.” heißt es in der heutigen Pressemitteilung von Vattenfall.

Und so wird zwar auch in erneuerbare Energien investiert, bei uns bleibt aber zunächst alles beim alten. Vattenfall hat die Chance zu einem nachhaltigen Umbau verpasst. Und so streiten wir weiter:

- gegen das Klimakillerkraftwerk Moorburg in Hamburg
- gegen neue Braunkohletagebaue in der Lausitz
- und gegen die Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel, die 2011 wieder ans Netz sollen und gegen das AKW Brokdorf an dem Vattenfall beteiligt ist
- für die Rekommunalisierung des Stromnetzes in Hamburg

Doch eines hat die Unsicherheit über Vattenfalls Strategie gebracht. In der Lausitz und in ganz Brandenburg ist nun langsam auch den letzten klar geworden, dass die Braunkohle endlich ist. Die Diskussion über ein Leben nach der Kohle wird breit geführt.

Update:

Die Präsentation von Vattenfall gibt es hier…

Das Wort CCS, also die Abscheidung und Endlagerung von CO2 taucht nirgendwo in den Papieren auf, in der Pressekonferenz soll allerdings gesagt worden sein, dass sich Vattenfall hier auf einen Zeitraum nach 2020 konzentriert.

Insgesamt bleibt also viel Unsicherheit in der neuen, alten Strategie.

Aktion, Energie
20. September 2010

Großdemonstrationen und wie weiter? Streckenaktionstage! und viel regionales!

Mit mehr als 100.000 Menschen hat am Samstag in Berlin die zweite Großdemonstration gegen die menschenverachtende Atomtechnologie stattgefunden. Eine Demonstration, mit weniger Parteipolitik und eher von den Menschen quer durch alle Milieus und Altersgruppen, dies stellten auch verschiedene Medien “überrascht” fest.

Die Demonstration am Samstag war die zweite nach den Demonstrationen zum Tschernobyl-Jahrestag Ende April diesen Jahres. Damals gab es die Umzingelung des AKW Biblis, am “Zwischenlager” Ahaus und die Menschenkette im Norden – mit insgesamt mehr als 150.000 Menschen.

Ein “heißer Herbst” steht uns nun bevor, mit vielen kleinen und großen Aktionen und Demonstrationen. Ein dramaturgischer Höhepunkt werden sicher die Proteste zum Castortransport ab dem 5.November mit einer Demonstration in Dannenberg/Wendland am 6. November und den folgenden Protesttagen.

Plakat zum Streckenaktionstag /

Plakat zum Streckenaktionstag / http://www.castor-strecken-aktionstag.de/

Doch CASTOR-Transporte fahren eben nicht nur ins Wendland, um dort die Behälter in einer oberirdischen Halle zu lagern. Der Zug fährt vorher von der französischen Grenzen auch große Strecken durch das Land. Und an eben diesen möglichen Strecken soll es kleine und große Aktionen – schon vor dem CASTOR – nämlich am 23. Oktober geben.

Das Konzept ist verführerisch dezentral – die Menschen können gerade dort protestieren, wo sie auch selbst von der Atomenergie betroffen sind – wenn Züge mit radioaktivem Müll an ihren Wohnorten vorbeifahren. Von Jülich nach Ahaus, von La Hague nach Gorleben und von Karlsruhe nach Lubmin – drei Transporte mit hochradioaktivem Müll sollen im Herbst und ab Frühjahr 2011 durch das Land fahren. Ob Alt, ob Jung, mit Freunden und Familie wird an ausgewählten Bahnstrecken auf vielfältige Weise gegen die bevorstehenden Atommülltransporte protestieren werden.

Weitere Informationen gibt es hierzu unter http://www.castor-strecken-aktionstag.de/

Doch Proteste und Demonstrationen gibt es viele, zum Glück zu viele, um sie alle aufzulisten, einige finden sie hier… Alle sind berechtigt und nötig, in einem bunten Protest vieler Menschen gegen die Atompolitik der Regierenden.

Aktion, Energie
16. September 2010

Kommt der CASTOR ab dem 5. November?

Wie die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) berichtet, soll der CASTOR-Transport nach eigenen Recherchen am 5. November in Cap de la Hague starten.

Dies würde bedeuten, dass am selben Samstag, dem 6. November in Dannenberg die Demonstration stattfinden würde und in den darauf folgenden Tagen der CASTOR im Wendland eintreffen würde.

Verschiedene Gruppen bereiten einen bunten Protest vor. Unter anderem soll in einer Aktion zivilen Ungehorsams am Tag des Transports von hunderten oder tausenden Menschen der Schotter des Gleisbettes der Schienentransportstrecke entfernt werden, um so den Transport zu stoppen. Ebenso wollen sich tausende dem Transport widersetzen, in dem sie mit einer Sitzblockade den Castor auf der Straße stoppen wollen.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte angemahnt, dass die Atompolitik der Regierung darauf hinauslaufe, dass die Polizei zwischen Politik und Gesellschaft stehen müsse und hatte ein Umdenken in der Politik gefordert.

Alle Formen des Protest und des Widerstands werden vertreten sein, vom Halten der Grabkerze, über Kundgebungen bis zum Schottern. Jeder Mensch weiß selbst, wie weit er mit dem Protest gehen will und ist herzlich ins Wendland eingeladen. Weitere Informationen folgen.

Energie, Klima
15. September 2010

Vattenfalls Ausstieg aus der Braunkohle?

Verschiedene Medien berichteten, dass Vattenfall sich aus der Braunkohle-Verstromung in der Lausitz bis 2040 zurückziehen wolle. Heute erwies sich dies als Zeitungs-Ente, wirft aber doch interessante Fragen auf.

Aktion gegen neue Tagebaue, im Dezember 2008 am Wahrzeichen von Cottbus / Foto: Daniel Häfner

Aktion gegen neue Tagebaue, im Dezember 2008 am Wahrzeichen von Cottbus / Foto: Daniel Häfner

Verschiedene Medien, so RBB, Lausitzer Rundschau und PNN berichteten, dass Vattenfall sich aus der Braunkohleverstromung zurück ziehen wolle. In einem Gespräch zwischen Vattenfall Oberen und Ministerpräsident Platzeck und dem Wirtschaftsminister wäre das Thema zur Sprache gekommen. Anlass wären die Unwirtschaftlichkeit von CCS und die mögliche Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken.

Die Umweltverbände und Betroffene hielten sich zunächst mit Reaktionen zurück, auch und gerade um den energiepolitischen Schwarzen Peter nicht den Betroffenen durch die Atomkraft zuzuschieben. Doch auch der Aufschrei von Seiten der Beschäftigten, der SPD etc. blieb aus. In den Kommentaren zu Artikeln der Zeitungen sind vor allem Stimmen zu finden, die sagen: “Na endlich!”.

Auch wenn die Berichte zumindest übertrieben waren, so haben sie aber doch einen wahren Kern: Sowohl bei Vattenfall selbst als auch im schwedischen Wahlkampf wird sehr wohl über ein Ende der Braunkohleverstromung diskutiert. Und auch der Zeitplan eines Ausstiegs entspricht ungefähr dem Szenario, welches im Volksbegehren “Keine neuen Tagebaue” gefordert wurde.

Dass die klimaschädliche Braunkohleverstromung, die Dörfer und ganze Landschaften vernichtet, enden wird und muss ist allen seit Jahren klar. Wenn wir eine kohlenstofffreie Energieversorgung anstreben, dann muss der Ausstieg aus der Braunkohle eben auch erfolgen.

Insgesamt zeigt der Vorfall, dass der Mythos der Stromlücke eben nicht stimmt und auch, dass CCS immer nur ein Feigenblatt war, die Braunkohleverstromung weiter zu führen – ein Ende der Braukohlevertromung ist aber möglich und nötig. Doch warten wir einmal ab, am Sonntag sind Wahlen in Schweden.

Update:

Auch einen Tag nach der “Zeitung-Ente” des Ausstiegs Vattenfalls aus der Braunkohleverstromung in 30 Jahren in der Lausitz raschelt es im Blätterwald und jeder (Hinterbank-)politiker hat dazu eine Meinung.

Klar ist jedoch, dass Vattenfall natürlich rechnet, wie lange die Braunkohle für sie profitabel ist. Und die Versteigerung von Emissionen ab 2013 wird eben teuer für den klimaschädlichsten aller Energieträger. So forderte der DIW den Ausstieg Brandenburgs aus der Braunkohle, da auch die Verpressung von CO2 zu teuer wäre. Vattenfall ist eben nicht das treusorgende Kombinat aus DDR-Zeiten, sondern ein profitorientiertes Unternehmen.

Politiker, wie der Wirtschaftsminister Christoffers (LINKE) verwenden immer das Wort der “Brückentechnologie” ins Zeitalter der erneuerbaren Energien, dies ist auf Grund des Drucks von Umweltverbänden und Betroffenen ja schon etwas. die zentrale Frage ist aber doch, wie lang die Brücke denn sein soll und da kommt die Brandenburgische Regierungspolitik und z.B. auch die CDU ins schwimmen.

Schon 30 Jahre sind viel zu lang und würden die Vertreibung von mehr als 2.000 Menschen aus den Dörfern bedeuten. Der Anlass der Debatte um den Ausstieg aus der Kohle überrascht. Dass Braunkohle kein Zukunft hat und die Regierungspolitik keinen Plan B ist schon lange bekannt.

Ein weiterer Punkt an der Debatte ist interessant: von nun an müssen nicht mehr Umweltschützer und Betroffene sich dafür einsetzen, das Klima geschont und Dörfer gerettet werden müssen. Von nun an müssen die Befürworter mobilisieren und wir können uns schon an den Ausstieg gewöhnen und konkret an Alternativen weiter arbeiten.

Aktion, Energie
8. September 2010

Schottern gegen den CASTOR

Seit gestern ist der Aufruf zum “Schottern” offiziell. In einer großen Aktion zivilen Ungehorsams sollen vor dem CASTOR-Transport im November die Schottersteine aus dem Gleisbett entfernt werden, um den Atommüll-Transport auf der Schienenstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg nicht durchkommen zu lassen.

Castorblockade von ROBIN WOOD in Süschendorf 2001

Castorblockade von ROBIN WOOD in Süschendorf 2001 / Foto: Hinrich Schultze

Die Idee hinter der Aktion ist, für jede und jeden niedrigschwellig direkt gegen die Atompolitik der Regierenden tätig werden zu können.

Eine breite Öffentlichkeit kann so ihrem Unmut Luft machen. Ob  und inwiefern die Aktion sowie der Aufruf dazu rechtswidrig sind, ist umstritten.

Der Aufruf und weitere Informationen sind unter http://www.castor2010.org/ zu finden.

Atomausstieg bleibt Handarbeit!

Doch nicht vergessen: zu einem Ökostromanbieter zu wechseln, ist überfällig…

Energie
5. September 2010

Polizei an der Castor-Schienenstrecke

Noch ist der Termin für den diesjährigen Castor-Transport nicht öffentlich bekannt und doch sind schon die ersten Polizei-Einheiten an der Schienenstrecke postiert. Einige Einheiten der Polizei sind an Brücken und wenigen Bahnübergängen stationiert und kontrollieren auch Ausweise von Spaziergänger_innen.

Polizei an einer Schienenbrücke der Strecke Lüneburg-Dannenberg

Polizei an einer Schienenbrücke der Strecke Lüneburg-Dannenberg

Bisher sind am Mittwoch letzter Woche Container angeliefert worden und Toiletten kamen am Freitag, Strom gibt es noch nicht. Dennoch ist die Polizei, auch mit Fahrradstreifen, schon entlang der Strecke unterwegs und das “Netz” wird von nun an immer enger gezogen. Die Polizei und der Innenminister Niedersachsen erwarten in diesem Jahr einen wachsenden Widerstand gegen den Castor-Transport und die derzeitige Atompolitik der Regierenden. Die Polizei rechnet wohl mit 25.000 Protestierenden während des Transports unter der Woche. Wahrscheinlich mehr, mit “Kind und Kegel” werden es zur Demonstration am Samstag vor dem Transport in Dannenberg hoffentlich sein.

Der nächste Castor-Transport wird von Seiten der Anti-AKW-Bewegung in der ersten oder zweiten Novemberwoche erwartet, ein genauer Termin ist allerdings noch nicht bekannt. Mit der Aktion des “Schotterns” sollen von der Schienenstrecke viele Schottersteine entfernt werden, damit der Castor-Zug seinen Endbahnhof nicht erreichen kann. Mit dieser Aktion wollen in diesem Jahr viele Menschen den Schritt vom Protest zum Widerstand wagen.

Aktion, Energie, Klima
5. September 2010

Proteste gegen CCS in Beeskow

Mehr als 1.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Beeskow in Ostbrandenburg gegen die geplante Verpressung von CO2. ROBIN WOOD beteiligte sich mit einer Abseilaktion am Wahrzeichen der Stadt an den Protesten.

Proteste in Beeskow gegen CCS / Foto: Daniel Häfner

Proteste in Beeskow gegen CCS / Foto: Daniel Häfner

Mehrere Redner_innen wiesen bei der Kundgebung auf die Risiken der Technologie hin. Mit mehr als 1.000 Menschen war die Demonstration eine große Kundgebung in der dünn besiedelten Region und deutliches Zeichen des Protestes. “Keine CO2-Endlager. Weder hier noch anderswo.” stand auf vielen Transparenten und machte somit auch klar, dass die Proteste zwar lokal verankert sind, aber eben nicht nach dem St. Florians-Prinzip funktionieren. Die Initiativen sind bundesweit vernetzt und eben keine NIMBYs (Not in my Backyard / Nicht in meinem Hinterhof). Dies wurde auch durch Unterstützer_innen aus verschiedenen Regionen und Organisationen deutlich.

Das CO2 soll aus Braukohlekraftwerken abgeschieden und dann in Ostbrandenburg verpresst werden. Das Verfahren ist aber großtechnisch nicht erprobt, verbraucht selbst viel Energie und beschleunigt somit den Braunkohleabbau in der Lausitz. Dort sollen weitere Dörfer weichen, das Grundwasser abgesenkt und ganze Landschaften zerstört werden. Dies ein falscher Technologiepfad, die Zukunft gehört den erneuerbaren.

Unsere Aktiven unterstützten die Proteste durch eine Abseilaktion am “Dicken Turm”, dem Wahrzeichen der Stadt Beeskow. Etwas ungewohnt war es schon: alle hießen uns dort herzlich willkommen, der Bürgermeister ließ die Straße unter dem Turm absperren und wir wurden im “Bootshaus” freundlich einquartiert.

Der Turm war insofern als Kletterobjekt spannend, weil er sonst nicht zugänglich ist – den Schlüssel gab es von der Stadt. Der Zugang zum Turm selbst lag in 2,50 Meter Höhe und er ist eben nicht als Aussichtsplattform ausgebaut. Deshalb hatte der Turm auch keine Treppen, die einzelnen Etagen waren mit bis zu 8 Metern langen Leitern versehen, auf denen es von Etage zu Etage ging. Um 16.30 Uhr seilten wir uns pünktlich ab – nach einer halben Stunde war alles leider schon wieder vorbei, da die Kundgebung begann.

Einen filmischen Eindruck der Aktion gibt es in der rbb-Abendschau ab Minute 2:20.

Unser Fazit: Die Aktion war politisch richtig und wichtig – die Menschen der Stadt Beeskow sehr freundlich.