Aktion, Verkehr
19. Januar 2017

#dbfairtrade: Ist das echt oder verdeckte PR für die DB AG?

Was kann ich als Einzelperson erreichen? Melanie Weigel hat viel erreicht. Im Frühjahr 2016 startete sie bei der kommerziellen Plattform Change.org einen Aufruf für Kaffee aus fairem Handel in den Zügen der Deutschen Bahn. Schon im Juni hatte sie 50.000 Unterschriften beisammen und bekam sofort einen Termin mit DB-Chef Grube zur öffentlichen Übergabe.

Nun ruft Melanie Weigel mit einem VideoClip zu noch mehr Unterschriften auf, denn Ende Januar wolle die DB entscheiden, ob sie (wieder) fair gehandelten Kaffee in ihren Zügen anbietet.

"Hallo, ich bin Melnaie und zusammen haben wir schon viel erreicht." Screenshot https://www.change.org/p/bieten-sie-fairen-kaffee-in-der-deutschen-bahn-an-dbfairtrade?source_location=minibar

„Hallo, ich bin Melanie, und zusammen haben wir schon viel erreicht.“ Screenshot https://www.change.org/p/bieten-sie-fairen-kaffee-in-der-deutschen-bahn-an-dbfairtrade?source_location=minibar

Was sich nach tollem bürgerlichem Engagement anhört, wirft brisante Fragen zur Glaubwürdigkeit der Aktion auf. Melanie Weigel betreibt einen Beauty&Lifestyle-Blog, der just im Frühjahr 2016 seinen letzten Eintrag hatte. Die Lifestyle-Bloggerin sieht der engagierten Kaffee-Kampaignerin auf change.org zum Verwechseln ähnlich, sie ist genauso alt und kommt ebenfalls aus Thüringen.

Es sei einer Beauty&Lifestyle-Bloggerin nicht das ehrliche Anliegen für fair gehandelten Kaffee abgesprochen. Aber warum ist sie in den DB-Blogs so viel schlechter gestylt als auf der Beauty-Seite? Warum wechselt der Look für den guten Zweck ins Trutschige, mit rausgewachsener Farbe am Haaransatz? Das wirkt nicht authentisch, sondern riecht streng nach nachgemachter Authenzität. Oder müssen Ökos doof aussehen, um glaubwürdig zu sein?

Als Robin Wood-Campaignerin frage ich mich auch: Wiederholt sich DB-Geschichte? Lebt hier eine längst vergessene Praxis aus den Zeiten Hartmut Mehdorns unter der Verantwortung von Mehdorns Nachfolger Grube und seinem als Kronprinz gehandelten Compliance-Vorstand Pofalla wieder auf?

Die Deutsche Bahn AG musste im Mai 2009 Recherchen der Nichtregierungsorganisation LobbyControl bestätigen: Für 1,3 Millionen Euro hat sie 2007 eine PR-Agentur mit verdeckter Stimmungsmache für den (später gescheiterten) Börsengang und gegen den Lokführer-Streik beauftragt. Diese Mittel wurden gegen die GDL, aber auch gegen die Kampagne des 2006 von ROBIN WOOD mitbegründeten Bündnisses „Bahn für Alle“ eingesetzt. Zum Beispiel wurde damit eine Bürgerinitiative für den Börsengang simuliert. „Wir sind keine Verkehrswissenschaftler oder Bahnexperten. Wir sind einfach Bürger, die regelmäßig Bahn fahren sowie Anhänger der Deutschen Bahn“, so stellte sich die Initiative damals vor. Im Blog legten dann „Rainer“, „Susi“, „Andrea“ usw. dar, warum die Bahn verkauft werden soll. Die Recherchen von LobbyControl enthüllten: Diese Website wurde aus Mitteln der Deutschen Bahn und damit mit Steuergeldern bezahlt. Ende 2007 verschwand sie aus dem Netz.

Ist Melanie die neue Susi?

 

Kommentare

  • Joachim Falkenhagen, 19.01.2017, 16:44

    Muss man so einer relativ belanglosen Sache wie der Frage nach dem fairtrade-Gehalt des Kaffees so einen Aufriß machen, und dieser Aktion noch ein zusätzliches Forum bieten?

    Mehr oder weniger „faire“ Löhne der Kaffee-Landwirte machen wahrscheinlich weniger als ein Prozent des Kaffeepreises bei der DB aus, von der Bedeutung für den Konzern ganz zu schweigen.

    Wenn Sie konkrete Verdachtsmomenten hätten gern. Aber so. rein ins Blaue? Schleichwerbung für den Beauty-Blog ist das ja wohl auch nicht.

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