Aktion
20. März 2013

Atomtransporte: 117 mal radioaktive Kernbrennstoffe durch Hamburg im Jahr 2012

GronauInfoTour-Lueneburg-18102912_18Insgesamt 117 genehmigungspflichtige Atomtransporte haben im Jahr 2012 durch die Hansestadt Hamburg stattgefunden! Das geht aus den Antworten des Hamburger Senats auf Schriftliche Kleine Anfragen von Abgeordneten der LINKEN im Laufe des Jahres (zuletzt Drucksache 20/6819) hervor. Knapp die Hälfte sind Transporte mit Beteiligung der Westinghouse Electric Schweden. Die auf Atomenergie spezialisierte Tochter des US-Konzerns Westinghouse Electric Corporation ist damit der Hauptakteur der Atomtransporte über Hamburg.  Trotz der Katastrophe von Fukushima bekennt sich das Unternehmen zur Atomenergie. Der Leitspruch des Konzerns lautet: Westinghouse – No company is more focused on nuclear technology. Es sind Atomtransporte entweder von oder nach Västerås in Schweden, wo Westinghouse mehrere Atomanlagen betreibt, darunter eine Fabrik für frische Uranbrennelemente. Häufig durchqueren Transporte mit unbestrahlten Brennelementen die Hansestadt per LKW im Transit von Schweden in Richtung Frankreich (Die Brennelemente gingen in die AKWs Avoine, Saint-Paul-Trois-Chateaux, Gravelines, Cany Barville und Saint-Ciers sur Gironde). Ebenso waren es Atomtransporte zum AKW Leibstadt in der Schweiz und zu den deutschen Atommeilern in Grundremmingen und Lingen. Der französische Atomriese AREVA ist ebenfalls als Absender an Atomtransporten über Hamburg beteiligt. Es geht dabei hauptsächlich um Urandioxid, aber auch Uranoxid und Uran, das aus dem amerikanischen Richland zum AKW Lingen verschifft wird. AREVA führte aber auch Transporte von Uranhexafluorid wiederum aus Richland zur Urenco-Anlage in niederländischen Almelo durch. Neben dieser Großzahl an atomaren Beförderungen ist AREVA auch an weiteren Transporten indirekt beteiligt: Advanced Nuclear Fuels, eine Tochtergesellschaft der AREVA, produziert Kernbrennstoffe in Lingen. Dort werden Brennelemente mit Urandioxid in Pellet- oder Pulverform befüllt. Solche Brennelemente wurden im Laufe des Jahres 2012 über die Hansestadt zum AKW Ringhals nach Väröbacka (Schweden), in das noch im Bau befindliche AKW Olkiluoto (Finnland), nach Trillo (Spanien) und nach Brokdorf geliefert.  Dazu kommen noch Transporte von Urandioxid nach Richland – inklusive Schiffstransport über den Hamburger Hafen. Urenco Deutschland und Urenco Niederlande transportieren dagegen große Mengen Uranhexafluorid entweder von Gronau oder von Almelo in die USA (nach Wilmington, Columbia, Richland und South Carolina) und nach Seoul in Südkorea. Neben diesen beiden Standorten von Urenco in Europa wird auch in Capenhurst in Großbritannien Uran angereichert. Die Urenco Ltd. UK transferierte in einer einzigen Lieferung über 18 Tonnen Uranhexafluorid per Seetransit über Hamburg  nach Västerås. Dabei ist der Hamburger Hafen teilweise ein Zwischenstopp, teilweise nur ein Durchfahrtsort für das Uranhexafluorid. Es wird  zu Brennelementefabriken transportiert, um dort zu Urandioxid und schließlich zu Brennelementen für Atommeiler weiterverarbeitet zu werden. Allgemein spielt der Hamburger Hafen beim internationalen Atomtransport eine große Rolle: 62 der strahlenden Frachten über Hamburg im Jahr 2012– das sind mehr als die Hälfte aller Atomtransporte, die das Hamburger Stadtgebiet passierten – beinhalteten nicht nur einen LKW- sondern auch einen Schiffstransport. Wiederum 53 davon wurden im Hamburger Hafen umgeschlagen. Umschlagorte sind der HHLA Containerterminal Burchardkai, der Eurogate Containerterminal Hamburg und vor allem der Unikai der Lagerei- und Speditionsgesellschaft mbH, der mit 41 Umschlägen von atomaren Gefahrenstoffen den Großteil davon ausmacht. Zu einem Umschlagsort macht der Senat keine Angaben (Es handelt sich um einen Transport vom 28.7.2012). Die restlichen Schifftransporte – acht an der Zahl – sind in den Antworten des Senats mit dem Label „Seetransit“ bzw. „Hafentransit“ versehen. Hier hat zwar kein Umschlag im Hamburger Hafen stattgefunden, doch eine Gefahr auf dem Stadtgebiet besteht dennoch. Ein Blick auf die durch Hamburg transportieren atomaren Stoffe zeigt die Gefahren der Transporte: es sind fast ausschließlich Transporte der radioaktiven Stoffe Urandioxid (UO2) und Uranhexafluorid (UF6). In 63 Fällen wurde Urandioxid, in 50 Fällen Uranhexafluorid transportiert. Das Unfallrisiko wird dabei öffentlich oftmals heruntergespielt wie diese Auswahl von Unfällen und Defekten bei Atomtransporten in den letzten 42 Jahren zeigt. Bei Atomtransporten dieser Art können chemische und radiologische Vorgänge in Gang gesetzt werden. Auf die besondere Gefahr von z.B.  Uranhexafluorid wurde bereits 1990 von der Hamburger Umweltbehörde hingewiesen. Wird der Stoff bei einem Unfall oder Defekt frei, so wird er mit Wasser zu ätzendem Fluorwasserstoff (HF) und chemisch giftigem Uranylfluorid (UO2F2) umgesetzt. Für die betroffenen Menschen besteht akute Gefahr: Das Uranylfluorid kann schwere Nierenschädigungen bis hin zum Tod über die Atmung hervorrufen. Fluorwasserstoff bildet in Verbindung mit Wasser aggressive Flusssäure, die Verätzungen von Haut, Augen und Atemwegen mit sich bringen kann. In Folge eines solchen Unfalls besteht daher in einem Umkreis von bis zu zwei Kilometern für Menschen akute Lebensgefahr. Gerade Atomtransporte über eine Großstadt wie Hamburg mit einer dichten Bevölkerung sind daher besonders fahrlässig und äußerst riskant für Anwohner, die größtenteils nicht einmal wissen, dass derartige Atomtransporte an ihren Häusern vorbei stattfinden… Atomtransporte sind eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Für den Betrieb der Atommeiler in aller Welt werden sie mit all ihren Risiken kreuz und quer durch die Welt transportiert. Deshalb fordert ROBIN WOOD den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Bremen hat seine Häfen für derartige Atomtransporte im Frühjahr 2012 per Gesetz gesperrt. Autor: AlexanderFricke(at)gmx.net

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