Aktion, Blog, Energie, Welt retten
11. November 2010

Solidarität mit abgestürztem Baumkletterer

Es gibt neue Informationen über Niels, den Baumkletterer, der während des Castor-Transports nach Gorleben wegen eines Polizeiübergriffs vom Baum stürzte. Das beteiligte Kletterkollektiv ist nun selbst mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen, um die zum Teil falsche Berichterstattung grade zu rücken. Wir dokumentieren im Folgenden diese Pressemitteilung, weil wir es wichtig finden, dass mehr Leute erfahren, was tatsächlich passiert ist. Wir sind entsetzt über das Vorgehen der Polizei und werden versuchen, Niels nach Kräften zu unterstützen. * * * Pressemitteilung des gewaltfreien Kletterkollektivs Atomkraft tötet Mit dieser Pressemitteilung wollen wir ein ausführliches und differenziertes Bild bisher in der Öffentlichkeit nur schemenhaft skizzierter und seitens der Polizei falsch dargestellter Geschehnisse geben. * Schwerer Polizeiübergriff am Rande des Castortransports * Baumkletterer schwer verletzt – Polizei verhinderte zunächst Behandlung Am 09.11.2010 morgens wurde am Rande des Castortransports, zwischen Laase und Gorleben gegen den Baumkletterer mit jahrelanger Berufserfahrung Niels M. ohne Vorwarnung von Polizeibeamten so massiv Reizgas eingesetzt, das dieser die Kontrolle verlor und aus ca. 4 ½ Metern von einem Baum stürzte. Der Betroffene musste daraufhin von einem Hubschrauber mit einem Wirbelbruch im Brustbereich ins Krankenhaus geflogen werden. Weitere Polizisten hatten den sichtbar Schwerverletzten zuvor noch unter Gewaltandrohung mehrere hundert Meter gejagt. Zurzeit wird seitens des Betroffenen eine Strafanzeige geprüft. Um 8 Uhr 50 am Morgen des 09.11.2010 begaben sich 2 Baumkletterer ca. 35 Meter von der Straße von Laase nach Gorleben entfernt auf einen Baum, um gegen den Castortransport zu protestieren. In deren Umgebung befand sich eine größere Gruppe von Protestierenden, als Polizeibeamten auf den Baum zukamen. Einer der Beamten sprühte ohne Notwendigkeit und ohne Vorwarnung Reizgas aus einer großen grauen Kartusche so massiv in Richtung des Gesichtes des Baumkletterers Niels M., dass dieser die Kontrolle verlor und aus ca. 4 ½ Meter Höhe auf am Boden liegende Äste stürzte. Ein weiterer Baumkletterer konnte, obwohl der Polizeibeamte den Verletzten ignorierte und rücksichtslos weiter sprühte, kontrolliert von dem Baum springen. „Trotz der reglosen Haltung und lauter Schreie des verletzt am Boden liegenden, setzte derselbe Polizist auch gegen den zweiten Kletterer Reizgas ein, anstatt, wie es die Situation offensichtlich erfordert hätte, zu helfen“, berichtet der Augenzeuge Simone Z.. Die Situation wurde von einem anwesenden Fotografen eindeutig dokumentiert. Der zweite Kletterer musste daraufhin mehrfach den sichtlich schwer verletzten, auf dem Rücken liegenden jungen Mann gegen weitere Polizeibeamte durch beherztes Argumentieren in Schutz nehmen, da diese unter Gewaltandrohung ein sofortiges Verlassen des Szenarios verlangten. Erst nachdem Niels M. sich, trotz Verletzung, weitere 500m weit durch den Wald geschleppt hatte, wurde er von den ihn bedrängenden Beamten zunächst in Ruhe gelassen. Die Ärztin, die Niels M. nach längerer von der Polizei verschuldeter Verzögerung schließlich noch im Wald versorgte, hielt einen sofortigen Transport per Hubschrauber in das nächste Krankenhaus für notwendig. Niels M. erlitt einen Wirbelbruch im Brustbereich, sowie diverse Prellungen und ist aufgrund des Übergriffs nach bisherigem Stand voraussichtlich mindestens 3 Monate arbeitsunfähig. „Durch diesen vollkommen überzogenen Angriff gegen einen friedlichen Baumkletterer in 35m Entfernung zur Transportstrecke hat der Polizist billigend zumindest eine schwere Verletzung in Kauf genommen und damit in absolut unakzeptabler, unmenschlicher Weise verantwortungslos gehandelt“, kommentiert Jonas M. (Name geändert).

Kommentare

  • Karin Krumrei, 11.11.2010, 19:59

    Ich habe am 30.09. in Stuttgart so was ähnliches gesehen. Die Polizei zielte mit ihren Wasserwerfern auf mehrere Personen, die in den Bäumen weit ab von der zu räumenden Stelle saßen. Gott sei Dank konnten die sich festhalten, sonst hätte es noch mehr Schwerverletzte gegeben. Ich war entsetzt. Die Polizei verwechselt so einen Einsatz wohl mit Computerspiele, „Wer schießt am meisten ab“!!
    Ich wünsche Niels alles Gute und hoffe, dass keine Schäden zurückbleiben.

  • Dorothea Terborg, 12.11.2010, 16:56

    Wie entsetlich liest sich diese feige, entmenschtliche und total widerrechtliche Atacke auf einen völlig wehrlosen Menschen , der friedlich seinen Protest kund tut.
    Hoffentlich erreichen die Fotos und euer Pressebericht auch die „bürgerlichen “ Medien und die Fernsehzuschauer in der 1. Reihe!!!!!
    Dieser Skandal kann hoffentlich zu einer Strafverfolgung des Polizeitäters führen und mithelfen all die schlimmenen kleinen und größeren von mir beobachteten Gewaltübergriffe der Polizei vom 6. bis 9.November 2010 im Wendland zu ahnden.
    Leider habe ich keine Bilder aber genaue Situationen im Kopf, die ich am Sa.6.11.2010 auch schon dem „Konfliktmanagement“ der Polizei anlässlich der Rangellei mit ein paar Sandschauflern und des massiven + brutalen Vorgehens der Polizei auf dem Senfacker neben der Kundgebungswiese in Splietau zur Beschwerde gebracht habe.
    Die RO-WO Aktionen waren alle große Klasse, mein Respekt und meine Anerkennung vor euren Leistungen, wir werden die Bilder eurer Kletterer über der Endblockade vor dem gruseligen Zwischenlager im Scheinwerferlicht der Polizei, im aufsteigenden Rauch der Lagerfeuer und dann im aufziehenden Morgenrot nicht vergessen. Ein starkes und ermutigendes Signal des Widerstandes ist euch da gelungen!!! Herzlichen Glückwunsch und Dank an alle von euch!
    In diesem Sinne auch von Herzen meine und unsere besten Genesungswünsche an Niels, damit er bald wieder klettern kann!!!!
    Gebt doch bitte bekannt wie es ihm aktuell und künftig geht! Danke!
    Mit solidarischen Grüßen

    Dorothea Terborg

    Am Felde 19 21442 Toppenstedt (zw.HH+Lb)

  • Dorothea Terborg, 12.11.2010, 17:04

    Wie entsetzlich liest sich diese feige, entmenschlichte und total widerrechtliche Atacke auf einen völlig wehrlosen Menschen , der friedlich seinen Protest kund tut.
    Hoffentlich erreichen die Fotos und euer Pressebericht auch die „bürgerlichen “ Medien und die Fernsehzuschauer in der 1. Reihe!!!!!
    Dieser Skandal kann hoffentlich zu einer Strafverfolgung des Polizeitäters führen und mithelfen all die schlimmen kleinen und größeren – von mir beobachteten Gewaltübergriffe der Polizei vom 6. bis 9.November 2010 im Wendland – zu ahnden.
    Leider habe ich keine Bilder jedoch genaue Situationen im Kopf, die ich am Sa.6.11.2010 auch schon dem „Konfliktmanagement“ der Polizei anlässlich der Rangellei mit ein paar „Sandschauflern“ und des massiven + brutalen Vorgehens der Polizei auf dem Senfacker neben der Kundgebungswiese in Splietau zur Beschwerde gebracht habe.
    Die RO-WO Aktionen waren alle große Klasse, mein Respekt und meine Anerkennung vor euren Leistungen, wir werden die Bilder eurer Kletterer über der Endblockade vor dem gruseligen Zwischenlager im Scheinwerferlicht der Polizei, im aufsteigenden Rauch der Lagerfeuer und dann im aufziehenden Morgenrot nicht vergessen. Ein starkes und ermutigendes Signal des Widerstandes ist euch da gelungen!!! Herzlichen Glückwunsch und Dank an alle von euch!
    In diesem Sinne auch von Herzen meine und unsere besten Genesungswünsche an Niels, damit er bald wieder klettern kann!!!!
    Gebt doch bitte bekannt wie es ihm aktuell und künftig geht! Danke!
    Mit solidarischen Grüßen

    Dorothea Terborg

    Am Felde 19 21442 Toppenstedt (zw.HH+Lb)

  • Armin Fiedler, 12.11.2010, 20:28

    Nun man hört ja immer wieder, dass sich auch Beamte eifrig freiwillig um derartige Einsätze reißen um endlich auch mal das Erlernte im „Ernstfall“ anzuwenden. Dabei sind einige an unbändiger Eigeninitiative auch kaum noch zu übertreffen.

    Was eigentlich wirklich schlimm ist, dass der, der dort willfähig und übereifrig das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit eines anderen Menschen mit Füßen tritt. dank trefflicher staatlich verordneter anonymisierender Vermummung für uns immer nur „ein“ Beamter bleiben wird, weil er unerkannt blieb und nicht ermittelt werden kann – wie tausende uniformierter Straftäter vor ihm!

    Mich würde mal ganz nebenbei noch interessieren, auf wessen der der Baum eigentlich stand!

    Bitte übermittelt dem Opfer dieses niederträchtigen Anschlages beste Genesungswünsche!

  • Lennart Müller, 12.11.2010, 22:08

    Diese Attacke ist mit nichts zu entschuldigen und es bleibt nur zu hoffen das es dem Kletterer bald wieder gut geht.
    Es wird immer wieder berichtet das das Vorgehen der polizei auf Fotos dokumentiert ist. Gefunden hab ich die Bilder bis jetzt allerdings nicht. Ich finde es wichtig das solche Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen, damit auch die breite Masse der Mensche mit eigenen Augen sehen kann, welches Verständnis von Recht und Ordnung einige Beamte in diesem Land haben.
    Lasst auch von solch schrecklichen Ereignissen nicht den Mut und die Kraft nehmen auch weiter aktiv für eure Überzeugung einzustehen. Ihr seit klasse!!!!

  • E., 12.11.2010, 23:39

    „Die Situation wurde von einem anwesenden Fotografen eindeutig dokumentiert.“

    5 Bilder würden mehr sagen als eine ganze Pressemitteilung.

  • Thomas, 12.11.2010, 23:53

    Ich warte darauf, dass diese Verbrecher endlich Flagge zeigen und Schießbefehl geben. Erst wenn es auf unserer Seite Tote gibt wird auch der letzte BILD-Leser merken wer die guten und wer die Bösen sind, so zynisch es klingt.

  • wonderland, 13.11.2010, 02:28

    Soso,

    »Kletterkollektiv«, »[…] wollen wir ein ausführliches und differenziertes Bild […]«, »[…] seitens der Polizei falsch dargestellter […]« und »Wir dokumentieren im Folgenden […]«.

    I lol’d massively. Es ist in einer Demokratur ziemlich einfach, nachzulesen für jedermann, on- und auch off-line (@ you local Bücherei): Geh‘ dahin & bleib‘ wo immer Du auch sein möchtest — solange, bis die Polizeierei Dir einen Platzverweis erteilt; dann hast Du ganz einfach Dein Ränzlein zu schnüren & abzudampfen. Machst Du dies nicht, dann darf — oft auch muss — Zwang angewendet werden, um Deines »physikalischen Aufenthaltortes« andächtig werden zu können. Exakt so wurde das einst auf »weitgehend« demokratischer Basis beschlossen.

    Im Übrigen etwa so wie die Rechtsgüdingsbumser Strafrecht, Vertragsfreiheit, Meinungs- und Redefreiheit, Freizügigkeit, Sozialgesetzgebung, »«Hört keinen Feindsender«, »die Renten sind sicher«, et cetera³.

    Also, wasse gähhd? Der zu verantwortungsbewußter Eigensicherung absolut unfähige »Kletterer« ist unter rechtlichen, sozialen & moralischen Gesichtspunkten betrachtet, (erneut!) absolut selbstverschuldet zu Schaden gekommen.

    So what? Ich find’s in jeder Art & Weise gerechtferitg — und auch toll, ehrlich –, wenn sich Nichtanschnaller im Auto bei einem Unfall den Schädel in spritziger Laune die Rübe vaporisieren; wenn sich im Schützenverein die Anhänger groß(!)kalibriger »Elefantentöter« selbst das komplette Unterbein wegschiessen.

    Ich find’s auch toll, wenn offensichtliche Fascho-»Fans« im Fußballstadion — meist ebensolche geltendes-Recht-zur-eigenen-Gunst-Bastler wie der »Kletter« einer ist — so richtig deftig & lecker von den grünen Jungs auf die Omme bekommen; oder das linksfaschistische Karre-Anzünder-Gesocks in eines jeden Jahres stattfindenden Mai-Feiertages in Hamburg. Hiermit oute ich mich: Ich find ‚s gut, wenn Leut‘, die Recht beugen/ biegen/ brechen, völlig egal, ob »war nur gut gemeint…« oder »mir doch scheißegal…« dahinter steckt/e.

    Insofern & über alles: der »Kletterer« des »Kollektivs« (still lol’ing) hat sich jeden unangenehmen Nervenimpuls wahrlich & redlich verdient. Gute Besserung dennoch.

  • fox, 13.11.2010, 05:09

    @Thomas:
    Darauf würde ich nicht warten, den eine RAF hatten wir schon mal, und eine zweite würde unserer Junta nur all zu gut in den Kram passen.

  • mnt, 13.11.2010, 16:20

    Beste Genesungswünsche.

    Leider ist besagter Polizist ja nicht belangbar, da man ihn (dank fehlender Kennzeichnung) nicht von hunderten seiner Kollegen unterscheiden kann.

  • Wake News, 15.11.2010, 11:53

    Es ist unfassbar wie wir es alle zulassen können, dass wir von „Politikern“ und ihren Schergen so behandelt werden.

    Diese Leute werden von uns allen bezahlt, sollen für uns arbeiten und nicht umgekehrt.

    Wann wacht das Volk, der Souverän, endlich auf?

    http://mywakenews.wordpress.com/2010/10/01/die-polizeischlachter-von-stuttgart-21/

  • nachrichten flüchtlinge dresden, 05.06.2016, 13:59

    Mit eingeplant werden müssen auch unvorhergesehene Ereignisse, damit
    finanzielle Engpässe nicht zu einem Desaster führen.

Kommentieren