Aktion, Verkehr
7. September 2010

Räumung des Baumhauses im Schloßpark

Heute kurz nach Mitternacht ist eine Hundertschaft der Stuttgarter Polizei in den Stuttgarter Schloßpark eingerückt und hat das Baumhaus umstellt. Die etwa 30 Protestierenden, die dort am Boden versammelt waren, bildeten spontan eine Sitzblockade um den Baum, wurden aber mit rabiaten Methoden entfernt.

Polizei im Schlosspark / Foto: Rotschschopf via Twitter

Polizei im Schlosspark / Foto: Rotschopf via Twitter

Die Stimmung war recht angespannt, die Polizei hatte den Schloßpark mit Flutlicht ausgeleuchtet und bereitete sich auf die Räumung vor. Ein Einsatzteam des SEK mit Kletterausrüstung sowie ein Kran mit Personenkorb wurden zur Räumung des Baumhauses bereitgestellt. Polizisten hatten den Baum umzingelt, jedoch setzten viele der Protestierenden sich den Räumungsgeräten in den Weg und wurden weggetragen. Da die Polizei schließlich alles ausleuchtete und damit begann, ihre Aktion selbst zu filmen, haben sich die Beamten gemäßigt. Die Protestierenden blieben friedlich und versuchten die Polizei mit Gesang und Pfeiffkonzerten zu vergraulen. Die Polizei umstellte den Baum mit Hamburger Gittern und führte als Grund für den Einsatz — mal wieder — die Grünflächenverordnung an. Update 1.30 Uhr: Die Polizei hat ihre Beamten per Kran in den Baum gebracht. Am Baum wird gesägt.
Kran am Baumhaus

Kran am Baumhaus

Update 2.00 Uhr: Die Polizei beginnt mit der Zerstörung des Baumhauses. Der erste Kletterer von ROBIN WOOD wird nach unten gebracht. Die Polizei hat offenbar keine weiblichen SEK-Kletterinnen – unsere Aktivistin klettert weg. Aktuelle Bilder gerade unter: http://plixi.com/5239911 Update 2.30 Uhr: Drei Kletternde sind am Boden und wurden im Polizeiwagen weggefahren. Die Zusage der Einsatzleitung lautete eigentlich, alle nach der Personalienfeststellung wieder frei zu lassen. Zur Erinnerung: Es handelt sich um einen SEK-Einsatz um die Grünflächenordnung des Landes durchzusetzen. Update 3.30 Uhr: Die vierte Kletterin ist am Boden und wird weggebracht. Es ist scheinbar zu zwei Ingewahrsamnahmen von Protestierenden gekommen. Update 4.20 Uhr: Den Polizeiwagen lagen zwei Baumstämme im Weg. Noch immer sind ca. 100 Unterstützer_innen da. Die beiden zuerst geräumten Kletternden sind scheinbar wieder im Park und werden verpflegt. Immer wieder gibt es Bemerkungen zum unprofessionellen Arbeiten des SEK. Hier auch noch einige klettertechnische Anmerkungen: Das SEK verfügt scheinbar kaum über adäquate Aufstiegstechniken, sie seilen sich eher von oben ab. Dies machen sie auch immer ohne Sicherung, sondern lediglich mit einer 8. Das hat aber den Grund, dass sie normalerweise eine Hand für die Waffe frei haben müssen und sie müssen, z.B. beim Ausstieg aus einem Hubschrauber auch schnell vom Seil kommen. Das ist alles natürlich nicht sicher und angemessen ist es bei einem Einsatz im Baum schon gar nicht. Eigentlich gibt es ja spezielle Höheninterventionsteams, aber in Mackerart könnten die Leute gedacht haben: Wir machen das schon. Ausgebildet sind sie dafür nicht, haben aber eben das Selbstverständnis, die letzte Bastion des Staates zu sein … und wenn sie das eben nicht schaffen…. Update 5.00 Uhr: Im verhüllten Baumhaus wird am Boden gesägt. Noch 50 Unterstützer_innen sind anwesend. Update 5.30 Uhr: Das Baumhaus ist scheinbar in sich zusammengestürzt. Die Polizei hatte vom Boden aus mit Polyprop-Seil daran gezerrt. Das alles wirkte aber nicht wirklich kontrolliert. Holzstücke flogen in Richtung der Beamten ohne Helm. Das alles, ob mensch Polizei mag oder nicht … ist ein Fall für die Gewerkschaft der Polizei. Um das unsinnige Projekt Stuttgart 21 durchzupauken werden Protestierende und Polizei gleichermaßen verheizt. Laut Polizeisprecher war der Einsatz gegen 3.40 Uhr beendet. Die Pressemitteilung der Polizei gibt es hier….. Update 6.30 Uhr: Die Kletternden sind wohlauf und gehen nun ins Bett. Der Vorwurf gegen sie lautet wohl Kampieren im Park, auch gegen Baumhäuser scheint es eine Parksatzung zu geben. Die Polizisten auf der Wache mussten wohl selbst schmunzeln, als sie die Tatvorwürfe darlegten. Die Klettern bestätigen aber das unprofessionelle und gefährliche Arbeiten des SEKs. So mussten sie selbst Sicherheitstipps geben, da sich die Beamten ungesichert im Baum bewegten. Bei den Abrissarbeiten wurde der Baum beschädigt. Für die Menschen im Baum kam die Räumung überraschend und wurde ihnen nicht extra angekündigt. Im Park wird von ROBIN WOOD ein Infostand aufgebaut, wo sich noch Aktive der Nacht aufhalten. Die Blog- und Twitter-Redaktion geht nun ebenfalls ins Bett. Demnächst gibt es noch eine Pressemitteilung. In der Stuttgarter Zeitung gibt es auch weitere Bilder der Nacht.

Kommentare

  • Schwabenrebell, 07.09.2010, 02:50

    Ich sag ja die spinnen komplett….
    um eine Grünflächenverordnung durchzusetzen.
    Demnächst kommt das SEK wenn man sich weigert sein Bonbonpapier aufzuheben und in den Mülleiner zu werfen….
    Armes Deutschland….

  • Sebastian Vollnhals, 07.09.2010, 02:53

    Die Grünflächenverordnung ist eher der juristische Notnagel, da sich nichts anderes (Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Landfriedensbruch, etc) konstruieren lässt. Aber ich gebe Dir recht: Wann wird schon mal ein falsch parkendes Fahrzeug vom SEK abgeschleppt.

  • Telefonierer, 07.09.2010, 03:52

    Wohin weden die Leute aus den Bäumen denn verschleppt?
    Wo kann BürgerIn sich über die Behandlung beschweren?
    Gib’s da eine Tel. oder Fax Nr von der Polizei in Stuttgart?

  • Jebo, 07.09.2010, 09:25

    Was muss ich tun, damit mein Garten ebenfalls unter das Landesgrünflächengesetz fällt? Ich hätte noch unkompostierten Rasenschnitt. Wielleicht könnte das SEK den ebenfalls bei mir abholen und in Gewahrsam nehmen.

    Oben bleiben!

  • Gerhard Haberl, 07.09.2010, 09:54

    Mit Erstaunen und Achtung lobe ich Euren Beitrag für die Erhaltung der Natur!
    Es gilt auf jeden Fall jeden Baum zu schützen, als wären es unsere eigenen Geschwister!

    „So wie im Kleinem, so im Großem“!

    Das könnte auch in Stuttgart passieren, was hier im kleinen Städtchen Sulz am Neckar geschehen ist! Eine gute Idee wurde verwirklicht, nämlich mit dem Grüngutabfall der Bürger eine Biogasanlage zu betreiben, um damit eine Schule unten im Tal mit ökologischer Energie zu versorgen. Dabei wurden auch Erdarbeiten ausgeführt, die für die Versorgungsleitungen von der Hochebene ins Tal notwendig waren.

    Seitdem ist die Quelle, die den Jägerbrunnen gespeist hat, versiegt!
    Ein kleiner Verlust für die Stadt, doch ein großer für die Wanderer und Naturfreunde! Unmut über solche in Kauf genommene Nebenerscheinungen hat sich schon geäußert (Foto im Forum http://www.rumoro.de)

    Doch der Jägerbrunnen wird dadurch nicht mehr lebendig!

    Nicht auszudenken, wenn das empfindliche Kavernensystem Stuttgart und Bad Cannstatt mit (Gips, Keuper und Travertin) seinen einmaligen Mineralquellen beschädigt oder gar zerstört wäre.

    Wenn der irreparable Schaden erst da ist, will es keiner gewesen sein.

    Dazu darf es erst gar nicht kommen!!!

    Deshalb bin ich für K 21!!!

    Gruß
    Artaperma

  • Baumbart, 07.09.2010, 10:43

    Hallo Ihr Helden!

    Bitte macht das immer wieder. Das nächste mal in zwei Bäumen, wenn möglich. Ich spende gerne für Material!

    Gruß
    Baumbart

    PS: Auch wenn mein Nick anderes (im Reich der Fantasie) verspricht, kann ich Euch mit meinen Brüdern und Fangorn nicht zur Hilfe „eilen“. ;-]

  • Eva, 07.09.2010, 15:41

    Liebe Robin Woodler,
    ich wollte euch nur mal eben sagen, dass ihr das Größte für mich seid. Auf Bäume klettern kann ich nicht mehr, aber ich unterstütze euch so oft es geht mit meiner Anwesenheit.
    Danke, weiter so, oben bleiben
    Eva

  • Jens, 07.09.2010, 22:27

    Hallo, ich habe inzwischen das Video auf Youtube mit den Filmaufnahmen von N-TV zur Räumung des Baumhauses gesehen. Auf besagten Aufnahmen (die Bilder kamen sogar in der Tagesschau) ist deulich zu sehen wie ein ältere Dame, die wohl gegen die Räumung protestiert hat, ohne ersichtlichen Grund von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen wurde. Bei diesen Bildern hat es mir den Magen umgedreht. Wie tief kann ein Mensch sinken, dass er einer unbewaffneten nicht gewalttätigen Frau ins Gesicht schlägt und dass obwohl es sein Job ist für Recht und Ordnung zu sorgen. Die Polizei scheint jeden Anstand verloren zu haben. Ich hoffe der entsprechende Polizist (oder die Polizistin) wird zur Verantwortung gezogen und entschuldigt sich beim Opfer.

  • Anonym, 01.10.2010, 14:36

    Erstens werden in den Medien immer nur Aufnahmen gezeigt, wo Polizisten falsch handeln und nicht andersrum. Statistiken zeigen aber, dass der zweite Fall weitaus häufiger vorkommt.

    Zweitens ist es die BFE und nicht die SEK. Glaub mir, die SEK hätte dem ganzen weitaus schneller und vor allem ergiebiger und skrupelloser ein Ende bereitet.

    Drittens mag der Sinn dieser Demonstration(en) sowieso in Frage gestellt werden.

    Mit freundlichen Grüßen

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